Markus Breitenberger
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Depression

Die Diagnose wird in Deutschland bei ca. 5% der Bevölkerung, d.h. bei ca. 4 Mio. Menschen
gestellt. Mehr als 10% erkranken im Lauf ihres Lebens daran. Die Dunkelziffer liegt sicherlich
viel höher, da diese Erkrankung häufig als `larvierte Depression´ mit v.a. körperlicher Symptomatik
(Herz- Kopf- Rücken- Schmerzen, Schlafstörung etc.) auftritt und dann meist die psychische
Ursache der Beschwerden nicht erkannt wird. Frauen erkranken ca. zwei- bis dreimal mal so
häufig wie Männer, jedoch ist auch gut vorstellbar, dass diese Zahlen ungenau sind, weil
Männer einen Arzt wegen psychischer Probleme aus Scham seltener aufsuchen.

Die Häufigkeit dieser `Zivilisations-Krankheit´ zeigt ihre große volksgesundheitliche Bedeutung
und man kann sich fragen, welche Faktoren gerade eine `moderne´ Gesellschaft so für diese
Erkrankung prädestinieren.
Viele Menschen in unserer westlichen Welt leben eine `normale Depression´, nämlich die
Übung das Leben auszuhalten, anstatt es radikal, mit Hingabe und leidenschaftlich zu leben.
Zur eigentliche `pathologischen Depression´ kommt es, wenn eine vielfältige emotionale
(Traurigkeit …), kognitive (Grübeln, Konzentrationsmangel…), motorische (Antriebslosigkeit,
Unruhe…) und vegetative (Schlaf- oder Appetitlosigkeit, Libidoverlust…) Symptomatik
zusammenkommt.

Die Ursache ist unbekannt und man geht von einer multikausalen Entstehung aus.
Verschiedene Fachrichtungen der Medizin und Psychologie sind sich uneinig darüber, wie
groß der jeweils genetische und entwicklungsgeschichtliche Anteil ist. Diese Unterscheidung
hat Einfluss auf therapeutische Maßnahmen, nämlich, ob vorwiegend pharmakologisch oder
psychotherapeutisch behandelt wird. Erkenntnisse aus der Zwillingsforschung legen die Theorie
nahe, dass äußere Umstände zur Aktivierung einer genetischen Disposition führen. Somit
wäre Depression auch ein erworbenes Leiden, ein erlerntes Verhalten, dass durch
`Niederdrückung´ (lat depressus: herabgedrückt), v.a. von Atmung und Gefühlen, aufrecht
erhalten wird. Tatsächlich findet man keinen depressiven Menschen, der normal atmet. Dieses
ständige Luft-anhalten verursacht dann auch Stoffwechselerkrankungen, die immer mitbehandelt
werden müssen. Wenn dieses Verhalten erlernt ist, hat es irgendwann in der Vergangenheit
einen Sinn gemacht.
Welche Funktion könnte es erfüllt haben, für was war es früher nützlich?

In der Anamnese wird meist ein existentieller Grundkonflikt zwischen Bedürfnis nach
Geborgenheit und Kontakt einerseits, und Selbstbestimmung und Anerkennung von Kompetenz
andererseits, deutlich. Eine schwächliche Frühreife entsteht durch einen frühen Mangel an
Bedürfnisbefriedigung (Deprivation).
Im ersten Lebensjahr ist das der Säugling, der nach der Uhr gefüttert wird (und die Zunge
verweigernd an den Gaumen drückt), ab dem zweiten Lebensjahr das `selbstständige´
Kleinkind, das gerade schon laufen kann, aber noch nicht recht mitkommt (und dafür die
Kniegelenke durch- und den Po zusammendrücken muss). Auf die verspürte Botschaft der
Umgebung `mach es wie ich will, oder du kriegst gar nichts´ , folgt der tapfere Versuch
unabhängig zu funktionieren. Dies gelingt nur durch `Niederdrückung´, v.a. der Atmung.
Dadurch kann ein Gefühlsausdruck, der erwartungsgemäß ignoriert, oder negativ sanktioniert
wird, zurückgehalten werden. Auch kann das Gefühlte, wenn es zu schlimm ist, unter der
Wahrnehmungsschwelle gehalten werden.
Diese Unterdrückung geschieht immer mit Muskelkraft. Körperliche Haltung und emotionales
Verhalten beeinflussen sich wechselseitig. So entsteht der für die Depression so typische
Verlust der geistigen und körperlichen Beweglichkeit. Die emotionale Hemmung zeigt sich
in Verhaltensweisen wie Festhalten, Anklammern, Zurückhalten und sich Zusammenreißen.
Die körperliche Blockade wird v.a. sichtbar durch steife, durchgedrückte Kniegelenke und
zusammengekniffene Pobacken, die den Energiefluß unterbrechen.

Die Therapie muss manchmal medikamentös unterstützt werden, aber eine wirkliche Heilung
geschieht nur, wenn der depressive Mensch lernt, alte Konflikte zu lösen und neue Erfahrungen
zu machen. Dabei ist im therapeutischen Kontakt nicht so sehr die Analyse der ungünstigen
biographischen Faktoren von Bedeutung als die Wahrnehmung, ob es hier und jetzt noch
notwendig ist und Sinn macht, sich selbst und seine Gefühle nicht zu zeigen. Durch Mobilisierung
der Atmung
(Bewegung in frischer Luft, Meditation etc.) erhält der Organismus die nötige Energie, die
er zum Leben braucht. Durch Lösung der Muskulatur (z.B. durch Bioenergetik) entsteht
bewegte Erinnerung an alte Zeit und alte Konflikte, die dann psychodynamisch (z.B
gestalttherapeutisch) bearbeitet werden können. Gleichzeitig kann durch mehr Beweglichkeit
ein menschengerechtes Dasein erlebt werden, das zum Ortswechsel befähigt (auf das zu,
was gut tut / weg von dem, was schadet / gegen das, was bedroht).
`Fühlen lernen´, was im Moment ist, führt schließlich zu Aktivierung des angemessenen
emotionalen Ausdrucks. Freude, Trauer und Wut zu spüren und durch Lachen, Weinen und
Schreien zum Ausdruck zu bringen, ist die wirkungsvollste Übung, dem Leben wieder befreit,
lebendig und offen begegnen zu können.

Weiterführende Links auf externe Seiten:

Mehr über Depression auf Curado.de

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