Streptokokken-Angina / Scharlach
Epidemiologie:
- ca. 20% der Bevölkerung sind symptomlose Keimträger
- Übertragung durch Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit:
Symptome:
- Halsschmerzen, Halsentzündung mit Schluckbeschwerden
- plötzlicher Fieberanstieg
- Kopfschmerzen
- Erbrechen (häufig bei Kindern)
- deutlich reduzierter Allgemeinzustand
- wenn zusätzlich eine „Himbeerzunge“, Exanthem (typ. Hautausschlag), Enanthem
(Ausschlag auf der Mund-Schleimhaut) auftreten, und nur dann, spricht man von
Scharlach
Komplikationen:
- Otitis media (Ohrenentzündung)
- Pneumonie (Lungenentzündung)
- Arthritis (Gelenkentzündung)
- Meningitis (Hirnhautentzündung)
- Sepsis (Blutvergiftung)
bei 75% der Patienten heilt die Herzmuskelentzündung mit der möglichen
Herzklappenschädigung spontan (ohne Behandlung) aus definitive Herzfehler durch
Akute Glomerulonephritis
- 1-3 Wochen nach Streptokokkeninfekt evt. auftretende Nierenentzündung
- relativ gute Prognose:
die Symptome klingen nach wenigen Tagen bis Wochen ab und die Glomerulonephritis
heilt in mehr als 90% spontan und folgenlos aus;
in 50% der Fälle verläuft die Krankheit asymptomatisch, d.h. ohne jegliche Beeinträchtigung
bei den Betroffenen
- Symptome:
morgendliche Augenlidschwellung, Harnverhalten, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen,
erhöhter Blutdruck, rötlich-braun verfärbter Urin, allg. Krankheitsgefühl
- Therapie:
Bettruhe und Kontolle von Gewicht, Blutdruck und Laborparameternes gibt keine Hinweise darauf, dass eine antibiotische Therapie die Poststreptokokken-Glomerulonephritis verhindern kann (Del Mar 2002)
Rheumatisches Fieber
- tritt in Industrieländern v.a. zwischen dem 6. und 23. Lebensjahr auf
- 1-5 Wochen nach Streptokokkeninfekt evt. auftretende Folgeerkrankung mit Fieber,
möglicher Gelenkentzündung an mehreren Gelenken, Herzklappenschädigung (5 Fälle
unter 1 Mio. Schulkinder in Frankreich – in Deutschland existieren keine aktuellen
Häufigkeitsangaben), Corea minor (Veitstanz) etc.
- Symptome:
Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, deutliche Temperaturerhöhung, rasch wandernde
Gelenkschmerzen (v.a. große Gelenke), extreme Berührungsempfindlichkeit etc.;
alle Gelenkbeschwerden bilden sich spontan (ohne Behandlung) binnen 3 Wochen
zurück; bei 75% der Patienten heilt die Herzmuskelentzündung mit der möglichen
Herzklappenschädigung spontan (ohne Behandlung) aus.
definitive Herzfehler durch Schrumpfung der Herzklappen entstehen erst nach einer
Verlaufzeit von 1-3 Jahren durch Rezidive
- Man schätzt, dass 1-3% der Patienten mit diagnostizierter Streptokokken-Erkrankung
ein rheumatisches Fieber entwickeln. Hier wird leider nicht unterschieden zwischen
unbehandelten und mit Antibiotika behandelten Patienten, um die Notwendigkeit der
standardisierten Anwendung von Antibiotika wirklich zu rechtfertigen.
- Untersuchungen aus den 50-er Jahren zeigten, dass das Auftreten des rheumatischen
Fiebers durch Penicillin-Behandlung bei Streptokokken-Infektion reduziert werden kann.
Ob das heute bei der starken Resistenz-Entwicklung von Bakterien auf Antibiotika (durch
undifferenzierte Verabreichung von Breitbandantibiotika bei jedem banalen Infekt) noch
gültig ist, erscheint fragwürdig. Es gibt inzwischen neuere Untersuchungen, die nahelegen,
dass Komplikationen mit und ohne Antibiotikabehandlung gleich häufig, nämlich gleich
selten auftreten.
Ob eine antibiotische Therapie das rheumatische Fieber tatsächlich wirkungsvoll
verhindern kann, ist damit noch nicht endgültig bewiesen. Die ursprüngliche Studie, auf
die die heutige Therapieempfehlung zurückgeht, wurde 1949 an US-Soldaten durchgeführt.
Während einer Streptokokkenepidemie erkrankten in der mit intramuskulär verabreichten
Penicillin behandelten Gruppe von 798 Soldaten nur 2 an rheumatischem Fieber. In der
unbehandelten Gruppe von 804 Soldaten erkrankten dagegen 17. Aktuelle Metaanalysen
haben jedoch keinen eindeutigen Effekt der Antibiose zur Vermeidung des rheumatischen
Fiebers bestätigen können. Einmal öffentlich getroffene Therapieempfehlungen halten
sich in der Medizin oft hartnäckig, erst recht, wenn keine anderen geeigneten Möglichkeiten
zur Verfügung stehen und eine Unterlassung der antibiotischen Therapie als Kunstfehler
gilt – wer will dieses Risiko schon eingehen?
Tatsächlich muss aber gefragt werden, warum einige Menschen nach Streptokokkeninfekt
Komplikationen erleiden, wohingegen bis zu 20% der Bevölkerung dieses Bakterium womöglich ein Leben lang mit sich tragen, ohne zu erkranken. Die Frage ist, ob wir weiterhin routinemäßig Antibiotika einsetzen wollen aus Angst vor einem „Phantomrisiko“ (Porzolt), damit aber die allgemeine Abwehrlage ganz sicher nachhaltig schwächen und die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens einer Streptokokkeninfektion erhöhen (ich habe in der Praxis Kinder mit bis zu 10 Streptokokkeninfektionen pro Jahr gesehen, die immer wieder antibiotisch behandelt wurden).
Die Aufgabe, gerade in der Kinderheilkunde, muss es doch vielmehr sein die individuellen Widerstandsressourcen zu stärken und dabei auch die Möglichkeit eines zumutbaren Krankseins in Kauf zu nehmen.
- die Patienten, die heute tatsächlich ein rheumatisches Fieber entwickeln, hatten in der
Vorgeschichte meist überhaupt keine Halsschmerzen, oder waren wegen der Harmlosigkeit
der Beschwerden gar nicht beim Arzt.
2-3 Wochen nach Streptokokkeninfektion sollte Nachuntersuchung erfolgen, um diese
Folgeerkrankungen frühzeitig erkennen zu können (Urinstatus, Blutdruck, Herzrhythmus, Gelenkinspektion)
Therapie der Streptokokken-Angina:
Die generelle Behandlung asymptomatischer Träger, deren Anteil in der Bevölkerung auf ca.
20% geschätzt wird, ist mittlerweile obsolet; d.h. nur der positive Rachenabstrich ohne typische
Krankheitssymptome rechtfertigt keine Antibiose, wird aber oft noch empfohlen.
Im Erkrankungsfall wird aus Angst vor der akuten Glomerulonephritis und v.a. dem
rheumatischen Fieber die antibiotische Therapie von vielen Ärzten als Standardtherapie
empfohlen. Man geht davon aus, dass die Infektiosität 24 Stunden nach Einsetzen der
antibiotischen Therapie nicht mehr vorhanden ist und Komplikationen verhindert werden,
wenn das Antibiotikum binnen der ersten 10 Tage nach Auftreten der ersten Symptome
gegeben wird.
In der Praxis ist zu beobachten, dass unter homöopathischer Behandlung subjektive
Beschwerden rasch gelindert werden können und, noch viel wichtiger, die Rezidivhäufigkeit
deutlich verringert wird. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die homöopathische Arznei
unter konstitutionellen Kriterien ausgewählt wird und diejenigen Patienten, die schon häufiger
eine Streptokokkenangina hatten, über einen längeren Zeitraum in homöopathischer Betreuung
bleiben, um den gesundheitlichen Gesamtverlauf zu beobachten, d.h. sich nicht nur auf die
Akutbehandlung der immer wieder auftretenden Halsentzündungen zu beschränken.
Zulassung nach Krankheit:
Bei antibiotischer Therapie und ohne Krankheitszeichen ab dem 2. Tag; ansonsten nach
Abklingen der Krankheitssymptome.
Ein schriftliches ärztliches Attest ist nicht erforderlich.
Ausschluss von Ausscheidern oder Kontaktpersonen aus Gemeinschaftseinrichtungen:
ist nicht erforderlich.