Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

Loslassen

Unmittelbar nach der Geburt jedes Menschen offenbart sich das wesentliche Lebensprinzip, das sich bis zum Ende durchzieht: Der erste Atemzug wird genommen und dann muss der Atem wieder ausgelassen werden, um frei zu sein für die nächste Einatmung (franz.: Inspiration). Loszulassen, diese Voraussetzung für Freiraum und Leben, fällt vielen Menschen im Alltag schwer. Dennoch müssten wir gerade in schwierigen Situationen mehr Gelassenheit wagen, um ein gesundes und glückliches Leben zu führen.

Das Bedürfnis vieler Menschen nach Beständigkeit und Ordnung ist aber so groß, dass sie die Bedeutung von Kreativität und Chaos für ein erfülltes Leben unterschätzen. Sie sind getrieben von dem Wunsch, das Leben irgendwie in den Griff zu bekommen, und verzweifeln über die Erkenntnis, dass Veränderung die einzige Konstante im Leben ist.

Kontrolle

Um sich vor den Unwägbarkeiten des Lebens zu schützen – der verspäteten Trambahn, den Launen des Wetters oder des Partners, dem schwankenden Arbeitsmarkt oder unvermeidbaren Krankheiten – unternimmt so mancher große Anstrengungen. Dabei gibt es kein grausameres Gefängnis als das, was wir uns selbst errichten in dem Versuch, das Leben unter Kontrolle und in den Griff zu bekommen.

Wie können wir eine beruhigende Balance erreichen zwischen erwünschter Beständigkeit und notwendiger Veränderung, den beiden wesentlichen Merkmalen von Lebendigkeit? Meine Antwort darauf ist ebenso widersprüchlich wie das Leben selbst: indem wir uns im Loslassen finden.

Für wen hältst Du Dich?

Mit dieser Frage werden viele von uns schon früh in ihrer Sozialisierung und Erziehung konfrontiert. Wir lernen dann, eine Haltung und ein Verhalten mit Muskelkraft zu stabilisieren, um einem inneren Bild oder Image von uns zu entsprechen. Dabei orientieren wir uns an den Vorgaben unserer Erziehungsberechtigten, meist Mutter und Vater, um nicht den vernichtenden Satz hören zu müssen: „So kenne ich dich ja gar nicht!“ Dieser Vorwurf aktiviert in der Seele eines jeden Kindes ein Notfallprogramm, denn von den Eltern nicht erkannt und damit nicht leiblich und seelisch versorgt zu werden, hätte evolutionsbiologisch den sicheren Tod bedeutet.

So schaffen wir schon früh Notlösungen, die sich in Körperhaltung und Verhalten ausdrücken, um dazuzugehören und der Isolation oder Einsamkeit zu entkommen. Das schafft zwar zunächst Sicherheit. Der Preis dafür ist aber der „Charakterpanzer“ (Wilhelm Reich), der die gleiche Unbeweglichkeit und Starre erzwingt wie eine Ritterrüstung, die eigentlich Schutz bringen soll. Diese Enge zeigt sich häufig durch Unsicherheit und Angst (lat. angustiae: Enge), meist ausgelöst durch Unvorhergesehenes, was wir als Krise erleben.

Krise als Teil des Lebens

Wenn nach neun Monaten in der Gebärmutter alle Zeichen auf Vorwärts und Bewegung stehen, werden wir mit einer schmerzhaften Anstrengung konfrontiert, die nötig ist, um den ersten Engpass im Leben zu überwinden. Es ist gut möglich, dass diese Erfahrung uns zeitlebens prägt für den Umgang mit herausfordernden Übergängen im Leben.

Verschiedene Studien zeigen, dass durch Kaiserschnitt entbundene Kinder – das sind ein Drittel aller Menschen in Westeuropa – den Herausforderungen und Krisen im Leben häufiger mit Aufgabe und Enttäuschung begegnen. Vielleicht, weil ihnen schon bei ihrer ersten schwierigen Aufgabe vermittelt wurde: „Du schaffst es nicht!“ Dieses verpasste Loslassen oder Sich Einlassen wird im späteren Leben oft mit Aushalten kompensiert – eine kräftezehrende Notlösung, die uns nicht nur unser Leben erschwert, sondern uns auch krank machen kann.

Wahrnehmen was ist

Wahrhaftiges Leben bedeutet immer eine Hingabe an das, was ist: Schmerz, Freude, Traurigkeit, Wut oder all das andere, was uns Menschen belebt. Als Heilpraktiker und Therapeut in München möchte ich Möglichkeiten eröffnen, um gemeinsam auf das in und um uns zu schauen, wovon wir uns gewohnheitsmäßig abwenden. Viel Schaden in der Welt entsteht dadurch, dass nicht sein darf, was ist.

Das Heil wird möglich, wenn wir Ja sagen lernen und in unsere Systeme – Mensch, Familie, Dorf, Staat, Welt, Universum – das integrieren, was wir missachten, wovor wir uns fürchten und was wir ablehnen. Heil ist immer auch Vollständigkeit (engl. whole: Gesamtheit). Wir können das Leben erst dann voll nehmen, wenn wir alles anzunehmen lernen, was unser individuelles und gemeinschaftliches Leben ausmacht, bis hin zum Tod.

Auf diesem Weg begleite ich Sie gerne in meiner Praxis für Homöopathie und Psychotherapie in München und in den Workshops, Systemaufstellungen und Seminaren.

M. Breitenberger
Klenzestraße 60
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Tel. 089-20244844
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