Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

Angst & Spielräume

Angst gehört zu den großen Gefühlen, deren Wesen und Bewältigung Menschen über die Kulturkreise hinweg schon immer beschäftigen. Sie schärft unser Bewusstsein, wenn wir in bedrohlichen Situationen wichtige Entscheidungen treffen müssen. Sie belastet uns manchmal, wenn wir eigentlich mutig und entspannt Neuem begegnen möchten. Und sie kann sich zu einer ernsthaften Störung entwickeln, wenn sie die Kontrolle über unseren Alltag gewinnt und uns daran hindert, der zu sein, der wir wirklich sind.

Als Heilpraktiker für Homöopathie und Psychotherapie in München unterstütze ich meine Klienten dabei, neue Perspektiven zu eigenen Ängsten zu entwickeln, denn der Schweregrad der Angst hängt ganz wesentlich davon ab, in welcher Haltung wir ihr begegnen. Ein Blick in die Philosophie zeigt, dass wir unseren Ängsten nicht einfach ausgeliefert sind, sondern ein konstruktiver Umgang mit dem Thema auch eine Frage der persönlichen Bewertung ist.

Angst kommt von Enge

Seinen Wortursprung hat Angst im indogermanischen anghu bzw. dem lateinischen angustia, die interessanterweise gleichzeitig für Enge und Bedrängung stehen. Hier macht es Sinn, genauer hinzuschauen: Ist es die reale bedrohliche, angstauslösende Situation, die uns in unseren Handlungsoptionen beschneidet oder ist es das subjektive Angstgefühl selbst, das uns lähmt und einschränkt? Und vor allem: Was können wir dagegen tun?

Sofern es einen rationalen, für unser Umfeld nachvollziehbaren Grund gibt, der in uns Furcht auslöst, lässt sich oft auch eine passende Lösung dafür finden. Fliehen, kämpfen oder schlimmstenfalls den Kopf in den Sand stecken, lautet die Devise. Schwieriger wird es, wenn uns die Angst selbst als diffuses Gefühl quält und das vielleicht auch noch in Situationen, die von anderen Menschen völlig entspannt wahrgenommen werden.

Diese überschießenden Angstsymptome sind dann fast immer Reaktionen auf frühkindliche Erfahrungen, die in unserem emotionalen Gedächtnis gespeichert sind und durch scheinbar harmlose Reize ausgelöst werden. Das beklemmende Gefühl, das uns dabei überkommt, können wir als überholte Reaktion auf die Erwartung einer unangenehmen Situation betrachten, aber eben auch als nützlichen Hinweis, der uns daran erinnert, dass unsere eigenen Fähigkeiten, mit den Herausforderungen des Lebens als Kind umzugehen, begrenzt waren – und in der Gegenwart von uns selbst als erwachsene Menschen gerade in solchen Momenten erweitert werden könnten.

Die Philosophie der Angst

Angst führt uns wie kaum ein anderes Gefühl unsere körperliche und seelische Verletzlichkeit, die Vergänglichkeit allen Seins und letztendlich die Möglichkeit unseres eigenen Todes vor Augen. Die antike Schule der Epikureer, die einen völlig angstfreien Zustand anstrebte, versuchte sich davon zu emanzipieren, indem sie den Tod zu einem vom Leben vollkommen getrennten Zustand erklärte: Der Tod geht den Menschen nichts an, weil er kein Ereignis des Lebens ist. Dort wo der Tod ist, bin ich nicht und dort wo ich bin, ist der Tod nicht. Eine Rechnung, die aufgehen mag, solange wir uns als einzelnes Subjekt betrachten und kerngesund sind.

Sehen wir uns jedoch in unserer Verwobenheit mit allen anderen Wesen und unserer Umwelt und beziehen wir die modernen biologischen Erkenntnisse zu den permanenten Veränderungsprozessen in unserem Körper mit ein, so müssen wir doch erkennen, dass Entstehen und Vergehen, dass Geburt und Tod auf allen Ebenen unseres Seins einfach zum Leben dazugehören und unvermeidbar sind.

Neuzeitliche Philosophen stellen die Frage nach der Bewältigung des Problems deshalb ganz anders: Ist der Ursprung unserer basalen Angst vor dem Tod vielleicht in Wirklichkeit die Angst vor unserer eigenen Potentialentfaltung – vor einem nicht gelebten Leben? Kierkegaard etwa beschreibt Angst als das geradezu schwindelerregende Gefühl, dass alles möglich ist – sei es positiv oder negativ.

Für Heidegger ist die Angst vor dem Tod auch die Angst vor dem Hineingeworfensein in eine Welt, in der wir fremd sind. Sartre versteht Angst demgegenüber als Ausdruck von Freiheit, die sich aus dem Bewusstsein der Nichtigkeit unseres Seins ergibt. Vielleicht auch unsere Chance, uns wirklich lebendig zu fühlen und die Aufgabe wahrzunehmen, in dieser Welt heimisch zu werden?

Für Hegel wiederum gehört Angst zum notwendigen Übergang von Bewusstsein zu Selbstbewusstsein. Auch er weist auf die angsteinflößende Wirkung unserer ureigenen Freiheit hin und damit auch auf die Verantwortung, selbst zu entscheiden, welchen Weg wir einschlagen. Bei Freud findet sich dieser Aspekt im Begriff der Binnenangst, die entsteht, wenn das ICH von den übermäßigen Ansprüchen des ES überflutet wird.

Diese neurotische Angst, die sich aus der Diskrepanz zwischen den Ansprüchen, die wir an uns gestellt sehen und der Tatsache ergibt, dass wir diesen vielleicht nicht allen gerecht werden können, unterscheidet Freud von der Realangst vor einer tatsächlichen Bedrohung sowie der moralischen Angst, die Scham und Schuldgefühle auslöst.

Zur Freiheit verdammt

Am Ende stellt sich die Frage, was wir mit all diesen Gestaltungsräumen, die uns das Leben bietet und die uns in ihrer Offenheit manchmal überfordern, anfangen können. „Wir sind zur Freiheit verdammt“, schreibt Sartre – und weist damit auf die Unausweichlichkeit dieses Zustands hin, der sich aus unserer Lebendigkeit ergibt, aber auch auf die Last, die heute vielleicht mehr denn je mit der Fülle der Optionen einhergeht.

So erlebe ich als Heilpraktiker in München, dass in einer globalisierten Welt, in der fast alles möglich erscheint, Angststörungen, die mit Enge in Verbindung stehen, sogar am Zunehmen sind. Tatsächlich wächst mit den Möglichkeiten auch die Unmöglichkeit, all diese Möglichkeiten wahrzunehmen und zu ergreifen. Wie erfüllt ein Leben ist, wird heute mit der gängigen kulturellen Logik der Industrienationen an der Anzahl der gemachten Erfahrungen und ausgeschöpften Chancen gemessen.

Die Welt hat aber stets mehr zu bieten, als ein Mensch in der Spanne eines einzigen Lebens erfahren kann. Die individuelle Lebenszeit und die Möglichkeiten der modernen Welt driften auf dramatische Art auseinander. Die Angst könnte da als unfreiwillige, ungewollte und mitunter durchaus gesunde Selbstbeschränkung wirken – in einer Zeit, in der das rechte Maß in vielen Lebensbereichen zu fehlen scheint.

Als Heilpraktiker für Homöopathie und Psychotherapie in München begleite ich Sie gerne auf einem Weg, der statt Enge mehr Freiräume und Spielräume bieten kann im Denken, Fühlen und Handeln – mehr als man sich manchmal vorstellen kann.

M. Breitenberger
Klenzestraße 60
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