Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

Angst als Wegweiser

Trotz des hohen Maßes an Freiheit und Sicherheit, das wir in Deutschland heute genießen dürfen, gehören Ängste zu den häufigsten psychischen Störungen. Etwa 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung sind derart stark von ihnen betroffen, dass es ihren Lebensalltag erheblich einschränkt und aus medizinischer Sicht von einer seelischen Erkrankung gesprochen werden kann. Scham und Hilflosigkeit im Umgang mit dem Problem führen nicht selten zur sozialen Abkapselung, die ihrerseits in eine Depression münden kann.

In meiner Praxis für Homöopathie und Psychotherapie in München begleite ich meine Klienten behutsam dabei, ihren Angstgefühlen auf den Grund zu gehen und Wege zu finden, ihr Leben wieder offener in die Hand zu nehmen.

Warum gute Ratschläge oft nichts nützen

Um zu lernen, wie sich Ängste bewältigen lassen, hilft es, sich zunächst bewusst zu machen, wie sie überhaupt entstehen: Angst ist ein unwillkürliches und bewusst wahrgenommenes Signal unseres Gehirns auf einen bestimmten Reiz. Da dieses aus dem Mittelhirn, insbesondere dem limbischen System gesendet wird, das immer etwas schneller aktiv ist, als das Frontalhirn, ist jegliche Beeinflussung der Angst durch Ratschläge oder gutgemeinte therapeutische Interventionen, die uns auf der willkürlichen Ebene ansprechen sollen, im besten Fall wirkungslos.

Im schlechtesten Fall können derartige Versuche das Problem sogar verschlimmern, weil sie das Gefühl, ausgeliefert zu sein und nicht Einfluss nehmen zu können, noch verstärken. Die Lösung steckt immer im Problem und wir können nicht aus der Angstspirale entkommen ohne uns diesen beengenden Gefühlen zuzuwenden. Die Angst als solche überhaupt erst einmal anzuerkennen und dabei den Atemfluß nicht zu unterbrechen, ist deshalb ein erster wichtiger Schritt für alle Betroffenen.

Die Angstspirale durchbrechen – Die Angst kennenlernen

Unsere Ängste können uns vor allem so lange gut einnehmen, wie sie ungerichtet sind und diffus bleiben, weil wir uns gar nicht getrauen uns näher mit ihnen auseinanderzusetzen. Dabei hilft ein aufmerksamer Blick mitunter, zu erkennen, dass sich hinter den Symptomen, die wir gewohnheitsmäßig als Angst bezeichnen, konkrete, spürbare Gefühle und Bedürfnisse verbergen, die ernst genommen und befriedigt werden wollen.

Wie stark wir unseren Ängsten ausgeliefert sind, ist hier häufig auch eine Frage der Benennung und der Bedeutung, die wir der Angst zuordnen bzw. des mentalen Bildes, das wir uns davon machen.

Beispiele:

  • Habe ich wirklich Angst vor meinen Kollegen frei zu sprechen – oder ist der rote Kopf, den ich jedes Mal dabei bekomme, auch ein Zeichen meiner Lebendigkeit und Erregung darüber, mich zu zeigen, wie ich bin und von den anderen als solcher wahrgenommen zu werden? Ist das Bedürfnis dahinter ganz einfach die Sehnsucht als Mensch erkannt und anerkannt zu sein? Etwas, dessen ich mir vielleicht in der Vergangenheit nicht so sicher sein konnte?
  • Bin ich grundsätzlich ein Mensch, der unter Flugangst leidet oder vermeide ich solche Reisen, weil ich verlernt habe, Kontrolle an meine Mitmenschen abzugeben? Ist das vielleicht ein Thema, wo es um verlernte Hingabe und Nähe geht?
  • Habe ich Angst, in meinem Leben zu versagen oder resultiert meine Zurückhaltung dem Leben gegenüber aus der Schwierigkeit, mich angesichts der Vielzahl von Möglichkeiten zu entscheiden?

Angst kann in diesem Sinne auch als Chance verstanden werden, sich selbst besser kennenzulernen, die persönliche Haltung zu wichtigen Fragen des Lebens zu überdenken und in Hinblick auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse stimmiger zu handeln.

Kollektive Ängste und transgenerationale Weitergabe

Doch nicht immer stecken persönliche Lebenswege und Eigenarten hinter belastenden Angststörungen. Der Begriff der „German Angst“, den amerikanische Publizisten in den 80er Jahren prägten, steht für eine allgemeine Zukunftsangst, eine Sorge und Zögerlichkeit, die aus den unverarbeiteten kollektiven Erlebnissen der Vergangenheit, insbesondere des Zweiten Weltkrieges, resultieren und eine systemische Lähmung der Gegenwart bewirken.

Die deutsche Gründlichkeit, Ordnung und Disziplin erscheinen vor diesem Hintergrund nicht mehr nur als Tugenden, sondern vielmehr als Notlösungen, um die kollektive Unsicherheit und Angst in den Griff zu kriegen. Die blockierende Macht solcher Phänomene und die Tatsache, dass traumatische Erlebnisse unverarbeitet durch transgenerationale Weitergabe über Jahrzehnte wirken können, ist inzwischen wissenschaftlich anerkannt.

Versagen in der Leistungsgesellschaft

Hinzu gesellen sich aber natürlich auch unsere modernen kollektiven Ängste, die sich allzu oft aus der Ökonomisierung aller gesellschaftlichen Lebensbereiche ergeben. Statt persönlicher Werte und zwischenmenschlicher Verbundenheit steht hier der Leistungsgedanke zunehmend im Vordergrund. Doch so sehr wir uns auch bemühen, mitzuhalten oder als „high achiever“ vorne dabei zu sein –  immer gibt es jemanden, der erfolgreicher, schöner oder lässiger ist.

Das Gefühl, den Ansprüchen dieser Welt nicht zu genügen, unter dem eigenen Potential zu bleiben, für anders oder merkwürdig gehalten zu werden und dann ganz allein dazustehen – das macht Unbehagen und Angst. Dabei erlebe ich als Heilpraktiker in München, dass viele Menschen nicht mehr auf eigene Ziele zulaufen, sondern nur noch vor dem Abgrund davon.

Der postmoderne Mensch lebt heute in einem rasenden Stillstand. Paradox, aber wahr: Je reicher man an Lebenschancen und Sicherheit ist, desto mehr Angst hat man auch – Angst davor, etwas falsch zu machen oder die eigenen Möglichkeiten einfach nicht ausreichend auszuschöpfen. In meiner Praxis für Homöopathie und Psychotherapie in München schaue ich gerne mit Ihnen nach Möglichkeiten den Flow im Leben wieder zu spüren.

Praxis
M. Breitenberger
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