Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

Humanistische Psychologie

„Wirkliche Freiheit besteht darin, zwischen Reiz und Reaktion einen Moment inne zu halten, um die Reaktion selbst zu bestimmen.“ Rollo May

Der vorliegende Text ist der erste von fünf Beiträgen, die einen kleinen Einblick in das Fundament meiner täglichen therapeutischen Arbeit als Heilpraktiker für Psychotherapie in München bilden. Ich beginne mit einigen Merkmalen der Humanistischen Psychologie, die mehr als nur ein psychologischer Forschungsbereich und ein psychotherapeutisches Verfahren ist, sondern eine gesellschaftspolitische Vision aufzeigt, die Bedingungen schaffen möchte, die den Ansprüchen des einzelnen Menschen und einer menschenwürdigen Gesellschaft entsprechen.

Wenn man im Kontext von menschlichen Individuations- und Reifeprozessen über Potentiale und Bedürfnisse spricht, ist dabei unbedingt die Humanistische Psychologie zu erwähnen. Diese trat als dritte Kraft, neben Psychoanalyse und Behaviorismus, in den 1950er Jahren in den USA mehr als Perspektive denn als Methode in Erscheinung.

Von Anfang an war sie nicht nur ein therapeutisches Verfahren für einzelne Menschen, sondern auch ein politisches Statement, das die Ursachen für menschliches Leid vor allem auch in den Merkmalen einer Gesellschaft erkannte, die auf Leistung, Konkurrenz und Macht ausgerichtet ist und in der eine Überforderung durch Überfluss ein grundlegendes Problem darstellt.

Die einflussreichsten Forscher der Humanistischen Psychologie waren Abraham Maslow, Carl Rogers und Rollo May. Wichtige Personen innerhalb dieser Strömung waren außerdem Karen Horney, Fritz Perls, Erich Fromm, Viktor Frankl und Roberto Assagioli. Ab den 1970er Jahren wurde die Humanistische Psychologie und Psychotherapie vor allem durch das Verdienst von Wolf Büntig in Deutschland bekannt gemacht.

Nicht nur vom Abgrund weg, sondern auf ein Ziel zu

Die Humanistische Psychologie erforscht das Menschsein vor und jenseits der ab der frühesten Kindheit geprägten Konditionierung und Sozialisierung, worauf der Fokus der deterministisch ausgerichteten Analyse S. Freuds und von Verhaltenstherapeuten lag. Sie begleitet den Menschen nicht nur auf dem Weg, weg von schädlichen Beziehungsmustern aus der frühen Kindheit und deren reflexhaften Re-Inszenierungen in der Gegenwart, sondern gerade hinein in die aktuelle Erfahrung der Gegenwart sowie die wahrnehmbaren Unterschiede zu den in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen und auf eine Zukunft zu, die einen Spielraum für den Menschen eröffnet, der man eigentlich ist.

So ist sie neben ihrer therapeutischen und politischen Dimension auch eine spirituelle Praxis, die neben der Frage des Zen-Buddhismus, „Wer bist Du vor Vater und Mutter?“, vor allem die zentralen Fragen stellt, die Menschen schon immer beschäftigen: „Wo komme ich her?“, „Wo gehe ich hin?“, „Wofür bin ich hier?“.

Fühlen als Königsweg der Selbstverwirklichung

Therapeutische Angebote der Humanistischen Psychotherapie orientieren sich immer am individuellen menschlichen Potential, an den Möglichkeiten und an diesem ureigenen inneren Auftrag eines jeden Menschen. Sie versuchen die Abweichungen davon ins Bewusstsein zu bringen und zu korrigieren, wobei das Fühlen auf diesem Weg eine zentrale Rolle spielt und dem intellektuellen Verstehen immer übergeordnet wird.

Fühlen bedeutet in diesem Zusammenhang, das im Moment spürbare Empfinden situationsgemäß zu deuten. Das erscheint den meisten Menschen theoretisch sehr leicht und ist doch etwas grundlegend anderes, als die Gefühle, die sie meinen zu haben. Die Gefühle, die wir haben, sind anachronistische, konditionierte Reflexe, die mit der gegenwärtigen Situation meist wenig zu tun haben und in denen wir gefangen sind.

So kann es sein, dass ein Ehemann zu seiner Frau sagt, wenn sie ihm ankündigt, auch mal ein verlängertes Wochenende allein in den Urlaub fahren zu wollen: „Ich habe das Gefühl, Du liebst mich nicht mehr“. Wenn er, zum Beispiel mit therapeutischer Unterstützung, wagt sich erleben zu lassen, was er wirklich fühlt, dann würde er vielleicht ein schnelles Herz und eine Enge im Hals wahrnehmen und dieses würde ihn erinnern, wie hilflos und allein er war, als seine Mutter ihn und seinen Vater damals verlassen hatte.

Und in einem geschützten Rahmen könnte er dann feststellen, dass dieses wild pochende Herz und dieser Kloß im Hals für ihn heute nicht mehr so bedrohlich ist, sondern auch Ausdruck einer gespannten Neugier in Anbetracht dieser neuen Beziehungserfahrung.

Gesundheit kann man nicht machen – aber üben

Bei Transformationsprozessen, die durch Fühlen im Hier und Jetzt entstehen können, kommt erstmal einiges an gewohnten Vorstellungen durcheinander. Dabei geht es um nicht weniger, als das Verlernen grundlegender affektmotorischer Muster und das sich Einlassen auf erstmal noch ungewohnte Beziehungserfahrungen sowie das Zulassen von neuen sinnlichen Eindrücken, jenseits der scheinbar stabilen Überzeugungen, die, um mit F. Nietzsche zu sprechen „…schlimmer sind als Lügen“.

Diese etablierten Muster sind so tief im emotionalen Erfahrungsgedächtnis, insbesondere im limbischen System des Mittelhirns verankert, dass es wiederholter positiver Korrekturen bedarf, um wirklich Veränderung in Haltung und Verhalten zu bewirken. Menschen lernen am besten in einem Zustand der Begeisterung, wenn sie in geschütztem Raum zu neuer Erfahrung eingeladen und inspiriert werden.

Sie lernen nicht durch Vorsätze, Nachdenken oder Ratschläge und schon gar nicht mit Druck und Angst. Schon Konfuzius wusste vor über 2.500 Jahren, was in vielen Therapien und Schulen in unserer modernen Welt in Vergessenheit geraten ist: „Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere mich. Lass es mich tun und ich verstehe.“

Nachhaltiges Verstehen ist dabei immer zuallererst ein emotionaler Prozess, der viel Übung und Wiederholung benötigt. Das muss erwähnt werden in einer Gesellschaft, die sich daran gewöhnt hat, Nahrung, auch geistige Nahrung, „to go“, „light“ und „fast“ serviert zu bekommen. Für positive Veränderungs- und Reifeprozesse und ein zufriedenes Leben ist nicht selten lebenslange Übung erforderlich.

Wird der Stress im Leben zu groß, verfallen Menschen wieder in die alten Strukturen in Denken, Fühlen und Handeln, die das Überleben ehemals gesichert haben und eine wertvolle Notlösung darstellten. Der Schritt in ein freieres Leben wird erst dann möglich, wenn gewürdigt wird, wie diese Notlösungen die emotionale Unversehrtheit im Leben bisher gesichert haben. In meiner Praxis für Homöopathie und Psychotherapie in München und in meinen Selbsterfahrung-Seminaren begleite ich Sie gern auf diesem Weg.

Das sind die vier auf diesen Artikel aufbauenden Beiträge:

Menschliches Potential entfalten

Bedürfnisse und Sucht

Stufen zum Menschsein

Psychotherapie in München

Praxis
M. Breitenberger
Klenzestraße 60
80469 München
Tel. 089-20244844
Mail an Praxis