Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

Fieberkrampf bei Kindern & Erwachsenen

Fieber an sich ist keine Krankheit, sondern ein äußerst mächtiger Selbstheilungsversuch des Immunsystems, körperliche Krankheiten und emotionale Belastungen zu überwinden. Bei vielen Erkrankungen, insbesondere Infektionen, die den Organismus herausfordern, etwas zu verarbeiten, ist der Anstieg der Körpertemperatur eine große Hilfe auf dem Weg zu Genesung. Gleichzeitig können auch Zahnung, starker Flüssigkeitsverlust und psychische Einflüsse zu Fieber führen.

Wichtig, um sich bei Fieber richtig zu verhalten und um Risiken zu vermeiden

  • Ausreichend Flüssigkeit zuführen
  • Für viel Frischluft sorgen, aber Luftzug vermeiden
  • Bei Fieber immer zuhause ausruhen
  • Für ruhige, geborgene Atmosphäre sorgen
  • Insbesondere Kinder sollten keine elektronischen Medien nutzen
  • Wenn die Gliedmaßen kühl sind, insbesondere die Waden, kann man davon ausgehen, dass das Fieber weiter steigt

Richtig Fiebermessen

  • Temperaturen (rektal) bis 37,5°C gelten als normal, bis 37,9°C als erhöht, ab 38,0°C als leichtes Fieber und ab 39,0°C als hohes Fieber.
  • Die Körpertemperatur bei Kindern ist durchschnittlich höher als bei Erwachsenen. Vor allem abends und nach körperlicher Anstrengung sind Temperaturen über 38°C keine Seltenheit.
  • Bei Kindern liefert eine rektale Messung die zuverlässigsten Ergebnisse. Säuglinge und Kleinkinder liegen dabei auf dem Rücken und eine Hand hält dabei sanft die gebeugten Beine an den Oberschenkeln fest, die andere Hand hält das Thermometer wie einen Löffel und stützt sich mit der Außenseite des kleinen Fingers am Po des Kindes ab.
  • Bei Verdacht auf Entzündung im Bauchraum, z.B. Blinddarmentzündung, wird zusätzlich noch unter der Achsel gemessen. Wenn der Temperaturunterschied von After zu Achsel mehr als die physiologischen 0,5°C beträgt, ist eine Entzündung im Bauchraum wahrscheinlich.
  • Das Temperaturmessen in der Achselhöhle ist unzuverlässig.
    Die oral gemessene Temperatur liegt ca. 0,5°C unter der rektal gemessenen Temperatur.

Fieber senken?

In der Regel lässt sich das Fieber problemlos zwischen 39 und 40°C halten, was von den meisten Kindern gut toleriert wird. Diese Temperatur stellt auch das Fieberoptimum dar, bei dem die beeinträchtigenden Viren oder Bakterien am besten bekämpft werden können. Viren und Bakterien vermehren sich bei einer Temperatur von 33 bis 35°C, also einer Untertemperatur, am stärksten.

Ein Grippevirus vermehrt sich beispielsweise gut bei 35°, schlecht bei 37° und überhaupt nicht bei 40° Celsius. So erhält der Begriff „Erkältung“ eine doppelte Bedeutung. Eine Verminderung der Körpertemperatur um ein Zehntel bewirkt eine Vermehrung von Viren um den Faktor zwei. Das bedeutet, dass die Gefährlichkeit von Viren nicht nur von deren Stamm abhängig ist, sondern auch von der Körpertemperatur. Sie ist dementsprechend umso größer, je niedriger die Körpertemperatur ist.

In diesem Zusammenhang ist es einleuchtend, dass das routinemäßige Senken des Fiebers mit Fiebersäften oder Fieberzäpfchen, z.B. mit den Wirkstoffen Paracetamol und Ibuprofen, sehr nachteilig sein kann. Besser ist es, das Fieber in seinem natürlichen Ablauf in individuell zumutbaren Grenzen, sinnvoll zu führen.

Fieber sollte auf einem gleichmäßigen Niveau gehalten werden, anstatt zu starke Temperaturschwankungen zu provozieren, die das Herz-Kreislaufsystem unnötig belasten. Andere Körperfunktionen, wie Essen, Verdauen, Konzentration, Interesse für die Umwelt und Spielen, sind im Fieber reduziert.

Nachteile dabei

  • Unterbrechung der körpereigenen Abwehrleistung
  • Anstieg der Komplikationsrate bei vielen Infektionskrankheiten, z.B. Masern und Blutvergiftung
  • Messbare Einschränkung der Nierenfunktion
  • Anstieg von allergischen Erkrankungen
  • Anstieg des Krebsrisikos (z.B. sinkt das Krebsrisiko signifikant bei Menschen, die Röteln, Masern und Windpocken fieberhaft durchgemacht haben)
  • Verschiebung der Krankheitstendenz von heißen, entzündlichen hin zu kalten, sklerotischen Erkrankungen.

Lernprozess

Die Wirkung des Fiebers ist vergleichbar mit einer guten Pädagogik, die es dem Kind erlaubt, unter Anstrengung selbst etwas zu erlernen, was es dann zeitlebens kräftigt. Wir sind heute zu schnell geneigt, unseren Kindern etwas abzunehmen und ihnen damit die Elastizität und Übung zu nehmen, die sie als Erfahrung benötigen, um die Herausforderungen des Lebens zu meistern.

Zum Beispiel sind ein Drittel der Kinder – oft ohne medizinische Notwendigkeit – durch einen Kaiserschnitt schon ihres ersten Triumphs im Leben beraubt. Dadurch sinkt die Immunleistung im Säuglingsalter deutlich, weil das aktive Immunsystem im Darm nur unzureichend ausreifen kann, wenn der Kontakt zur physiologischen vaginalen Keimbesiedelung, wie es bei natürlicher Entbindung der Fall ist, nicht möglich ist.

Dann kommt es gehäuft zu Infekten – und wenn diese mit Antibiotika sowie fiebersenkenden Maßnahmen standardmäßig „behandelt“ werden, wird das Immunsystem weiter geschwächt und die frühkindliche Krise in Form einer Abwehrschwäche nimmt ihren Lauf.

Fieber als Schutz

Die heutigen Zivilisationskrankheiten sind fast durchwegs kalte, chronische Krankheiten bei Menschen, die schon jahrzehntelang kein Fieber mehr hatte. Dies sieht man deutlich bei der Zunahme der Karzinome, denen therapeutisch wirksam mit den Methoden der Hyperthermie begegnet wird. Umgekehrt werden chronische Erkrankungen, wie die Neurodermitis oder das allergische Asthma, als häufigste chronische Beschwerde im Kindesalter, nach hochfieberhaften Infekten häufig besser.

Natürliche Maßnahmen

Wadenwickel

  • Bei hohem Fieber mit Unruhe
  • Nie bei kalten Füßen oder Beinen
  • Wasser nie eiskalt, sondern etwas kühler, als gemessene Temperatur
  • Eventuell Zusatz von Zitronensaft oder Obstessig um die Wirkung zu verstärken
  • Leinentücher auswringen, eng vom Fuß aufwärts wickeln und mit Wollsocken fixieren
  • Alle 10 Min. wechseln bzw. dann, wenn Tücher warm sind
  • 3 bis 4 mal wiederholen, dann ½ stündige Pause
  • Wiederholen, wenn Fieber weiter steigt
  • Nach einer Stunde sollte Fieber um 1°C sinken
  • Abbrechen, wenn Füße kalt werden, oder Fieber nach zweitem Durchgang weiter steigt

Einlauf

  • Einerseits wird über Dickdarm Flüssigkeit zugeführt, andererseits wird Darm und Leber entlastet, was das Fieber senkt
  • Lauwarmen Kamillentee (0.2-0.5 l) mit Birnenspritze aufziehen und in den Darm einführen
  • Kann mehrmals in 1-2 stündigen Abständen wiederholt werden

Tee

  • Lindenblüten, Holunderblüten und Kamillenblüten zu gleichen Anteilen von je 30 Gramm mischen lassen
  • Einen Teelöffel davon mit heißem Wasser in einer Tasse aufgießen, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und dann abgießen

Sinn des Fiebers

In der anthroposophischen Medizin wird dem Fieber eine sehr wichtige Rolle in der Entwicklung Heranwachsender zugeschrieben. Wärme ist ein spezifischer Träger der Ich-Organisation. Ist die Notwendigkeit und Bereitschaft des Ich/Selbst groß, den Stoffwechsel zu durchdringen, so kommt es zum Fieber. Beim kleinen Kind ist dieses Bedürfnis naturgegeben ausgeprägt, weil der gesamte Organismus noch von den individuellen Ich-Kräften entdeckt, geweckt und gewandelt werden muss, und so neigt das Kind leichter zum Fieber als Erwachsene. Kinder sind von Zeugung an eigene Wesen, die durch, aber nicht von den Eltern kommen. Fieberhafte Kinderkrankheiten sind nötig, um den Weg zur eigenen Individualität zu ebnen.

Wann zum Arzt?

  • Bei Neugeborenen, die einige Stunden über 38,0°C Fieber haben
  • Wenn Kind nicht trinkt, schlecht aussieht und weniger ansprechbar wird
  • Wenn das Fieber schnell über 40,5°C steigt
  • Wenn das Fieber binnen weniger Stunden um mehr als 1,5°C auf oder ab schwankt
  • Wenn neben dem Fieber Schmerzen bestehen
  • Wenn es zu ausgeprägter Nasenflügelatmung und einer stark erhöhten Atemfrequenz kommt
  • Bei einem Krampfanfall

Fieberkrämpfe

Unter diesem Phänomen versteht man Krämpfe, die in der frühen Kindheit vom ersten bis fünften Lebensjahr anlässlich von fieberhaften Erkrankungen auftreten, ohne dass eine entzündliche Veränderung des Gehirns vorliegt. Das unreife kindliche Gehirn reagiert auf Temperaturschwankungen wesentlich empfindlicher als später. Offenbar wird durch das Fieber die im Kindesalter bereits niedrige Krampfschwelle weiter gesenkt. Ein solcher Krampfanfall entsteht erfahrungsgemäß nach einem initialen, steilen Fieberanstieg.

Der Fieberkrampf ist in den ersten Lebensjahren kein seltenes Ereignis. 2-4 Prozent aller Kinder sind davon betroffen. Jedes dritte Kind hat nach dem ersten Krampfanfall binnen der nächsten zwei Jahre einen weiteren Anfall. Ab dem fünften Lebensjahr treten die Fieberkrämpfe in der Regel nicht mehr auf. Der Fieberkrampf mit Bewusstlosigkeit bis 5 Minuten und zum Teil bläulicher Hautfärbung erscheint meist viel gefährlicher, als er wirklich ist.

Nur bei 2 Prozent aller Kinder, die einmal einen Fieberkrampf hatten, ist das ein Erstsymptom für ein späteres wiederholtes Anfallsleiden. In Langzeitstudien konnte gezeigt werden, dass Kinder mit Fieberkrämpfen eine hervorragende Langzeitprognose haben. Fieberkrämpfe sind keine Vorboten einer Epilepsie. Auch wiederholte Fieberkrämpfe hinterlassen nie neurologische oder mentale Schäden und sind keine Ursache für eine erhöhte Sterblichkeit. Fiebersenkende Mittel können keinen Fieberkrampf verhindern.

Hinweise zum Verhalten bei Fieberkrampf

  • Notarzt rufen
  • Ruhig bleiben
  • Kind nicht gewaltsam festhalten
  • Dem Kind nichts zwischen die Zähne schieben, weil das verschluckt werden kann
  • Stabile Seitenlage herstellen, für den Fall, dass das Kind erbricht
  • Stirn mit feuchtem Waschlappen kühlen
  • Kissen unter den Kopf legen

Anzeichen für einen komplizierten Fieberkrampf (ca. 30 Prozent der Fälle), bei dem eine Klinikeinweisung und weitere Untersuchungen nötig sind

  • Körpertemperatur < 38,5°C
  • Das betroffene Kind ist jünger als 6 Monate oder älter als vier Jahre
  • Anfallsdauer von über 15 Minuten
  • Häufige Anfälle während einer fieberhaften Erkrankung
  • Neurologische Ausfälle nach dem Krampf
  • Auffallende Veränderungen im EEG, noch nach 14 Tagen anhaltend. Ein EEG als diagnostische Maßnahme ist erst 14 Tage nach dem ersten Fieberkrampf sinnvoll. Bis dahin sollten sich die anfänglichen Veränderungen zurückgebildet haben.

Empfehlungen bei wiederholten Fieberkrämpfen

  • Angemessen warm genug anziehen, damit zu große Temperaturschwankungen vermieden werden
  • Homöopathische Konstitutionsbehandlung, die überschießende Reaktionen vermindert

Hierbei unterstütze ich Sie gerne als Ihr Heilpraktiker und Homöopath in München.