Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

Krebserkrankungen

Krebserkrankungen konfrontieren jeden Betroffenen mit der Frage „Warum gerade ich?“. Wenn man sich die Zahlen der Erkrankten und der Todesfälle in den westlichen Ländern ansieht, scheint es heute aber eher die Ausnahme zu sein, nicht an Krebs zu erkranken oder daran irgendwann zu sterben. Bei Frauen jeder Altersgruppe ist Brustkrebs die häufigste Todesursache, bei Männern ab 45 Jahren Lungenkrebs. Da liegt die Frage nahe, inwiefern der Lebenswandel das Erkrankungsrisiko beeinflusst. Tatsächlich erhöhen einige psychische und soziale Faktoren die Wahrscheinlichkeit, Krebs zu bekommen. Andere schädliche Faktoren wie zum Beispiel Rauchen berücksichtige ich hier nicht; es ist aber bekannt, dass durch einen allgemeinen Nikotinverzicht etwa ein Drittel aller Tumorerkrankungen weltweit verhindert würden.

Wenngleich es vielen Medizinern noch schwerfällt Krebserkrankungen als psychosomatische Erkrankungen anzuerkennen, so zeigt doch die Erfahrung, dass es eine ganze Reihe von psychosozialen Risikofaktoren gibt, die die Wahrscheinlichkeit an Krebs im Laufe eines Lebens zu erkranken deutlich erhöht. Dabei hat nicht ein einzelner, sondern die Häufung, Intensität und Dauerhaftigkeit dieser prädisponierenden Faktoren einen schwächenden Einfluss auf das Immunsystem.

Risikofaktoren

psychosozial:

  • Verlust einer wichtigen frühen Bezugsperson; das ist gleichbedeutend mit dem Ausbleiben einer sicheren emotionalen Bindung zu einer Bezugsperson
  • Anpassung durch oberflächliche Geselligkeit
  • relative Bindungsunfähigkeit
  • übermäßige Bindung mit sinngebendem Objekt bzw. dessen Verlust
  • Altruismus, der dazu dient, zwischenmenschliche Beziehungen zu fixieren
  • allen alles recht machen wollen
  • Rigidität der Fixierung (z. B. in Gesundheitsfragen)
  • Neigung zu rationalem / antiemotionalem Verhalten;
  • übermäßig vernünftige Menschen
  • sich isolierende Personen
  • chronische Verzweiflung
  • Verleugnung von Alltagsängsten

Krankheitsgewinn

Neben der Katastrophe, die die Diagnose Krebs für jeden Menschen erst einmal bedeuten kann, entstehen dadurch aber manchmal auch gewisse Vorteile für den Erkrankten.

  • Zuwachs an Beachtung
  • Entkommen aus ausweglos erscheinenden Situationen
  • Zeit für sich selbst / Entlastung
  • Frage nach dem Sinn
    Wofür bin ich hier?
    Was will mich im Leben?
  • Ruf und Wegweiser nach Individuation; die meisten an Krebs Erkrankten bekunden und bedauern nach der Diagnosestellung, dass sie ihr eigenes Leben noch gar nicht gelebt haben.

Die wichtigste Frage ist dann natürlich, wie Kranke dies alles ohne Krankheit beantworten und verwirklichen könnten.

Fragen

Ohne Frage ist das Leben sinnlos!

Diese Fragen haben nicht nur zum Ziel, die Lebenszeit zu verlängern, sondern die verbleibende Zeit so befriedigend wie möglich zu gestalten.

  • Wie steht es um das Bedürfnis nach Nähe, Geborgenheit, Umsorgtsein, Aufmerksamkeit, Wichtigkeit?
    – Sind diese Bedürfnisse im Moment befriedigt und waren sie das in der Vergangenheit?
    – Bin ich mir selbst wichtig genug, um Beachtung, Geborgenheit etc. zu erhalten?
    – Erkenne ich darin ein Selbstverständnis, ein menschliches Grundbedürfnis, das ich erhalten kann, ohne dafür zu leiden?
  • Was verstehe ich selbst bisher an dieser Erkrankung?
    – Gibt es mögliche Gründe und Auslöser, die mir dazu einfallen?
    „Normopathie“ durch: Liebsein, Gutsein, Vernünftigsein, Hintanstellen der eigenen Bedürfnisse
    – Vernachlässigung des zweiten Teils von „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst“
    – Gefühl, die Daseinsberechtigung bestätigen zu müssen
    – Dauerkrise endet oft im Zusammenbruch des Immunsystems – was führte zu Resignation, Selbstaufgabe, Selbstentfremdung? Krebs als Zeichen der Entfremdung eigener Zellen vom Gesamtorganismus: Wo habe ich Rollen übernommen, die zur Entfremdung geführt haben, und wozu diente das?
    – Was möchte / sollte / muss ich verändern in meinem Leben, um gesund zu sein?
  • Darf ich sterben? Was hindert mich daran?
    – Angst vor Dunkelheit, Einsamkeit, Verlassenheit, Gefühl von „nichts geht mehr“
    – Angst vor Kontrollverlust
    – Angst davor, das eigene Leben noch nicht gelebt zu haben
  • Was hat sich seit der Diagnose positiv verändert?
    – Krankheit als Ausweg?
    – Befriedigung von Primärbedürfnissen (Beachtung, Berührung…)?
    – Sinnfrage: Wofür lebe ich oder sterbe ich?
  • Was will mich noch im Leben?
    – Was will von mir gelebt sein?
    – Was gibt es noch zu tun?
    – Für was will ich leben?
  • Wie könnte ich all das leben, ohne krank zu werden?
    – Welche Gewohnheiten müsste ich opfern, um Beachtung ohne Kranksein zu bekommen?

Therapie

Haben Gefühle und Umstände von Fremdbestimmung zur Krankheit geführt, ist dementsprechend in der Therapie alles von elementarer Bedeutung, was die Autonomie des Kranken fördert. Leider beschneidet die sogenannte Schulmedizin diese wichtigen Selbstbestimmungstendenzen durch einen oft ungeheuerlichen Dogmatismus, anstatt beratend und den Willen des Patienten akzeptierend zur Seite zu stehen.

Als Therapeut hilft man dem kranken Menschen, indem man nicht in die verordnete Tragik verfällt sondern schaut, was man geben kann, wenn man schon nichts abnehmen kann. Das Eingeständnis, dass der Tod auch eine mögliche Option darstellt, ist ein zentrales Kriterium für eine erfolgreiche Krebstherapie. Es setzt oft viel Lebenskraft frei. Die Angst vor dem Tod steht meist für die Angst vor dem noch nicht gelebten Leben. Somit ist die Erlaubnis zu sterben gleichsam die Erlaubnis zu leben.

Ein weiteres wichtiges Kriterium der Therapie sollte sein, wenigstens nicht zu schaden, wenn Heilung nicht mehr möglich ist. Das mag sich selbstverständlich anhören, ist es aber gerade im Klinikalltag oft nicht. Hier erlebt man häufig Chemo- und Strahlentherapie bis zum letzten Atemzug. Die Lebensqualität sollte immer wichtiger als die bloße Lebensverlängerung sein. Mit Visualisierungsübungen können Betroffene spüren lernen, wie sich gutes Leben anfühlt.

Auch helfen die aktive Auseinandersetzung und der Dialog mit der Krankheit und dem Schmerz, anstatt dagegen anzukämpfen. Im weiteren Vorgehen ist es wichtig, verschiedene Therapieoptionen zu prüfen. Eventuell ist eine Operation sinnvoll, um Zeit zu gewinnen. Chemotherapie und Strahlentherapie sind nur kurativ (mit Aussicht auf Heilung) aber nicht palliativ (um das Leiden zu verlängern) einzusetzen.

Karzinogene (Rauchen, zu viel Sonne etc.) zu vermeiden, sollte für Betroffene selbstverständlich werden. Desweiteren unterstützen regelmäßige Bewegung, Meditation und Atemübungen, basische Ernährung (wenig Fleisch, Zucker, Alkohol etc.), Stressreduktion, Überwindung der Isolation und ein gesteigertes Selbstgefühl (sinnliche Wahrnehmung des eigenen Daseins) den Heilungsprozess sehr wirkungsvoll.

Einsicht ist für Heilung nicht nötig, kann aber sinnvoll sein im Bemühen, neue Erfahrungen im verbleibenden Leben zu machen. Psychotherapeutisch sollte anfangs nicht aufdeckend und deutend gearbeitet werden, weil eine Schwächung des psychodynamischen Widerstands auch die immunologische Widerstandskraft reduziert.

Dies ist ein kurzer Überblick zu einer äußerst komplexen Zivilisationskrankheit; er ersetzt nicht ein individuelles Therapiekonzept.