Rheumatoide Arthritis: Symptome, Diagnose, Therapie & Ernährung

Rheumatoide Arthritis: Definition

Die rheumatoide Arthritis (rheumatische Arthritis) ist die häufigste chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung weltweit. Sie gehört zum Formenkreis der Rheumaerkrankungen und ist eine Autoimmunerkrankung bei der es zu schmerzhaften, chronischen Gelenkentzündungen kommt. Chronisch heißt, dass die Entzündungen der Gelenke länger als sechs Wochen anhalten. Meist sind mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen, weshalb die rheumatoide Arthritis auch chronische Polyarthritis genannt wird. Denn „poly“ heißt übersetzt „viele“ und „Arthritis“ bedeutet Gelenkentzündung. Unbehandelt können die anhaltenden Entzündungen massive Schäden an den betroffenen Gelenken verursachen, was zu Verformungen, Versteifungen und schließlich zum kompletten Funktionsverlust der betroffenen Gelenke führt. 

Rheumatoide Arthritis: Häufigkeit

Etwa ein Prozent aller Erwachsenen in Deutschland leidet an einer rheumatoiden Arthritis. Laut PROCLAIR-Querschnittsstudie, basierend auf Krankenkassendaten, waren im Jahr 2013 in Deutschland rund 1,1 Millionen Menschen erkrankt. Die Autoimmunkrankheit aus dem rheumatischen Formenkreis ist bis heute mit den Mitteln der Schulmedizin nicht heilbar. Sie betrifft Frauen rund zwei bis drei Mal häufiger als Männer. Grundsätzlich können Menschen in jedem Alter an einer rheumatoiden Arthritis (rheumatische Arthritis) erkranken – selbst Kinder und Jugendliche (juvenile rheumatoide Arthritis). Besonders häufig tritt eine chronische Polyarthritis jedoch bei älteren Personen auf. Frauen erkranken vor allem zwischen dem 55. und 64. Lebensjahr daran. Männer sind mit 65 bis 75 Jahren rund zehn Jahre älter.

Juvenile rheumatoide Arthritis

Wenn Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an einer rheumatoiden Arthritis erkranken, spricht man von einer juvenilen idiopathischen Arthritis – was übersetzt so viel, wie „Gelenkentzündung“ (Arthritis) bei „jungen Menschen“ (juvenil) mit „unbekannter Ursache“ (idiopathisch) heißt. Früher war in diesem Zusammenhang auch die Bezeichnung juvenile rheumatoide Arthritis gebräuchlich.

Rheumatoide Arthritis: Symptome & Ursachen

Die Frühsymptome einer rheumatoiden Arthritis (rheumatische Arthritis) verlaufen meist unspezifisch. Viele Patienten berichten von grippeartigen Symptomen, wie leichtem Fieber, Erschöpfung, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Begleitend dazu oder im Anschluss kommt es zu schmerzhaften Entzündungen und Schwellungen der Gelenke.

Anfangs sind vor allem die kleinen Gelenke der Finger und Zehen sowie die Handgelenke betroffen. Typischerweise entzünden sich hier vor allem die Grund- und Mittelgelenke. Die Endgelenke sind dagegen fast nie befallen. In der Regel treten die Beschwerden fast immer an beiden Körperhälften, also an beiden Händen und beiden Füßen, auf.

Später können auch mittelgroße bis große Gelenke, wie Ellenbogen, Schultern und Knie hinzukommen. Charakteristischerweise bestehen die Schmerzen auch im Ruhezustand fort und verschlimmern sich nachts sowie bei Belastung und Druck auf das erkrankte Gelenk.

Als typisch gilt außerdem eine sogenannten Morgensteifigkeit. Damit ist eine stark verminderte Beweglichkeit der betroffenen Gelenke direkt nach dem Aufwachen gemeint, die mindestens 60 Minuten anhält. Die Morgensteifigkeit kann aber auch über Stunden andauern. Zusammen mit den Schmerzen sind Patienten dadurch stark in ihrer Beweglichkeit und bei vielen Alltagstätigkeiten eingeschränkt. Das Schließen von Knöpfen, Schleife binden, Halten einer Kaffeetasse oder das Aufschrauben eines Glases werden dann zum echten Problem. Es fehlt die Greifkraft, aber auch die Beweglichkeit. Damit ist auch ein Faustschluss in der Regel nicht mehr möglich.

Bei 20 bis 40 Prozent der Patienten mit rheumatischer Arthritis zeigen sich zusätzlich sogenannte Rheumaknoten. Sie werden auch als Granulom oder Entzündungsknoten bezeichnet. Das sind kleine harte, verschiebbare Knötchen unter der Haut, die aus Abwehrzellen der Immunsystems entstehen. Sie sind unempfindlich und tun selbst auf direkten Druck darauf nicht weh. Rheumaknoten treten bevorzugt an Körperstellen auf, die im Alltag vermehrtem Druck ausgesetzt sind, etwa am Hinterkopf durch Liegen oder an den Streckseiten der Unterarme und Ellenbogen durch Aufstützen. Sie können sich aber auch in inneren Organen, wie etwa der Lunge bilden, wo sie aber keine Beschwerden verursachen und oft erst mithilfe bildgebender Verfahren, wie z.B. Röntgen, sichtbar gemacht werden.

Rheumatoide Arthritis: Verlauf

Eine rheumatoide Arthritis (rheumatische Arthritis) verläuft von Patient zu Patient unterschiedlich. In den meisten Fällen beginnt die Krankheit schleichend und greift allmählich auf immer mehr Gelenke über. Sie tritt dabei meist in Schüben auf, wobei ruhige Phasen sich mit aktiven Phasen abwechseln.

Die chronische Polyarthritis kann aber auch abrupt eintreten und innerhalb weniger Wochen und Monaten nahezu alle Gelenke befallen. Erfolgt keine Therapie werden die betroffenen Gelenkknorpel und Knochen nachhaltig geschädigt, was bis zur völligen Zerstörung der erkrankten Gelenke führen kann. Da es sich um eine systemische, sprich eine das ganze Körpersystem betreffende Krankheit handelt, können – neben den Gelenken – auch Organe, wie Lunge, Leber, Nieren, Herz, Magen, Darm und Augen sowie innere Strukturen, wie Nerven, Drüsengewebe und Blutgefäße in Mitleidenschaft gezogen werden. 

Wie entsteht Rheumatoide Arthritis?

Die chronische Polyarthritis bzw. rheumatoide Arthritis oder rheumatische Arthritis gehört zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Davon spricht man, wenn das Immunsystem fehlgeleitet ist und nicht nur schädliche Eindringlinge von außen, wie Keime und Bakterien bekämpft, sondern auch das körpereigene Gewebe angreift. Im Fall von rheumatoider Arthritis gilt der Angriff insbesondere der Gelenkkapsel. In der Folge kommt es zu Entzündungsreaktionen, die zu Schmerzen und massiven Schäden an den betroffenen Gelenkknorpeln, Knochen und Weichteilgeweben führen können.

Rheumatoide Arthritis: Ursache oft unbekannt

Warum das Immunsystem falsch reagiert ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Man weiß bis dato nur, dass die Genetik eine gewisse Rolle spielt. Das heißt, wenn in der eigenen Familie Fälle von chronischer Polyarthritis gehäuft vorkommen, steigt entsprechend auch das Risiko selbst daran zu erkranken.

Neben der Genetik scheinen aber auch bestimmte Umweltfaktoren den Ausbruch der Krankheit zu begünstigen oder sogar auslösen zu können. So weiß man, dass das Rauchen zur Entstehung einer rheumatoiden Arthritis beitragen kann und nachweislich auch den Verlauf der Krankheit verschlimmert. Negativ wirken sich darüber hinaus auch Stress, Depression, Übergewicht, Alkohol, Hormonstörungen (z.B. Östrogendominanz), Viruserkrankungen und Bewegungsmangel aus.

In der Praxis wird deutlich, dass die rheumatoide Arthritis sich häufig verschlechtert in psycho-emotionalen Belastungssituationen. Durch einen verbesserten Umgang mit Stresssituationen, wie dies in Gruppentherapie erreicht werden kann, konnte wiederholt eine signifikante Verbesserung der Symptomatik der rheumatoiden Arthritis erreicht werden. Manchmal liegen die Ursachen auch im familiären Bereich und durch Familienaufstellungen sind immer wieder erstaunliche Heilungsverläufe beobachtet worden.

Rheumatoide Arthritis: Diagnose

Gerade innerhalb der ersten zwei Jahre schreitet eine rheumatoide Arthritis schnell voran. Um bleibende Schäden an den Gelenken und Folgeerkrankungen zu verhindern, ist es deshalb wichtig frühzeitig eine Diagnose zu treffen, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Dazu sind umfangreiche Untersuchungen nötig. Das American College of Rheumatology (ACR) und die European League Against Rheumatism (EULAR) haben dazu 2010 einen Leitfaden für die Diagnose der rheumatoiden Arthritis entwickelt, der im Wesentlichen auf vier Pfeilern basiert:

  • Anamnese
  • manuelle Untersuchung
  • Blutuntersuchung
  • bildgebende Verfahren

In einem ausführlichen Anamnesegespräch erfragt der Behandler zunächst den genauen Hergang der Krankheitsgeschichte. Als mögliche Hinweise auf eine chronische Polyarthritis im Frühstadium gelten dabei unter anderen:

  • mehr als zwei Gelenkschwellungen, die schon länger als sechs Wochen andauern und symmetrisch an beiden Körperhälften auftreten
  • Morgensteifigkeit der betroffenen Gelenke, die mindestens einer Stunde lang anhält.

Im Patientengespräch wird außerdem abgeklärt, ob es bereits Rheumafälle innerhalb der Familie gibt oder gegeben hat. Anschließend erfolgt eine ausführliche körperliche Untersuchung. Dabei begutachtet der Arzt oder Heilpraktiker die Anzahl, Lage und Beweglichkeit der entzündeten Gelenke, prüft die symmetrische Verteilung und tastet nach möglichen Rheumaknoten.

Erhärtet sich der Verdacht auf rheumatische Arthritis (chronische Polyarthritis), wird eine Blutuntersuchung durchgeführt. Dabei wird unter anderem nach Entzündungsmarkern sowie Rheumafaktoren gesucht. Rheumafaktoren sind Auto-Antikörper, die bei Rheuma sehr oft stark erhöht sind. Sie gelten als wichtiges Indiz bei der Diagnosestellung, treten aber nur bei etwa 65 bis 80 Prozent der Betroffenen auf.

Wird kein Rheumafaktor festgestellt, heißt das also nicht, dass auch kein Rheuma vorliegt. Andersrum spricht ein Rheumafaktor im Blut jedoch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit für die Autoimmunerkrankung. Dazu werden verschiedene bildgebende Verfahren, wie Ultraschall, Magnetresonanztomografie (MRT) sowie Röntgen eingesetzt, um den Zustand der Gelenke zu beurteilen und eine Aussage darüber treffen zu können, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. 

Was in der ärztlichen Behandlung meist übersehen wird, ist die Domäne des Heilpraktikers: Gibt oder gab es im Leben des betroffenen Menschen belastende Situationen? – wie man sie bei Autoimmunerkrankungen häufig feststellen kann.

Welcher Arzt bei Rheumatoide Arthritis?

Zunächst werden die Symptome meist dem Hausarzt berichtet, der dann zu einem Rheumatologen, d.h. einem Facharzt für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Rheumatologie, überweist.

Rheumatoide Arthritis: Therapie

Rheumatoide Arthritis (rheumatische Arthritis) ist allein mit den Mitteln der Schulmedizin nicht heilbar. Allerdings ist die Krankheit inzwischen sehr gut behandelbar und durch eine klassisch homöopathische Behandlung nicht selten gänzlich auszuheilen. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist ein frühzeitiger Start der Therapie. Wenn möglich, sollte damit innerhalb der ersten drei Monaten nach Ausbruch der Krankheit begonnen werden, bevor sich erste Veränderungen an den Gelenken zeigen.

Welche homöopathischen Mittel helfen bei Rheumatoider Arthritis?

Sie können eine Selbstbehandlung mit einem der folgenden Mittel über den Zeitraum von einer Woche versuchen. Sollte in dieser Zeit keine deutliche Besserung auftreten, rate ich zu einer Homöopathischen Konstitutionsbehandlung.

  • Nux vomica: reizbar, zornig, überempfindlich gegen Kälte, Schmerzen, Geräusche, Gerüche, Berührung; schlimmer am frühen Morgen; Wärme bessert; Folge von trockenem, kaltem Wetter und stressigem Lebenswandel (zuviel Essen, Alkohol, Kaffee – zu wenig Schlaf, Bewegung) 
  • Bryonia: will in Ruhe und alleine gelassen werden; langsamer Beginn; stechende Schmerzen; Bewegung und Wärme verschlimmern; Druck bessert (z.B. liegen auf schmerzhafter Seite); Folge von kaltem, trockenem Wetter und Wetterwechsel von warm zu kalt und nach Ärger
  • Rhus toxicodendron: extrem ruhelos, aber schwächlicher Zustand – muss ständig die Lage wechseln; Steifheit mit Verlangen und Besserung nach Strecken; schlimmer nachts (v.a. nach Mitternacht), durch feuchte Kälte, in der Ruhe und auch schlimmer zu Beginn der Bewegung; fortgesetzte Bewegung und Wärme bessern; Folge von nass-kaltem Wetter und Wetterwechsel (warm zu kalt, trocken zu feucht) und durch Überanstrengung

Für die aufgeführten Mittel gilt die Anwendungsempfehlung: Nehmen Sie drei Globuli des Mittels in der Potenz C30 ein und lassen Sie die Globuli unter der Zunge zergehen. Sollten sich die Beschwerden nicht bessern, kann die Gabe zwei mal täglich wiederholt werden. Grundsätzlich gilt: Je akuter die Symptome, desto schneller muss ein homöopathisches Mittel wirken. Tritt eine deutliche Besserung ein, können Sie das Mittel absetzen.

Was hilft bei Rheumatoider Arthritis?

Bevor eine Behandlung mit Medikamenten begonnen wird, die der Hausarzt oder Rheumatologe verschreibt, ist es sinnvoll nebenwirkungsfreie Alternativen zur Linderung von Schmerz und Entzündung zu versuchen.

Ich empfehle eine kurmäßige Anwendung dieser Präparate über einen Zeitraum von drei Monaten vor oder begleitend zu einer medikamentösen Behandlung. Sehr oft konnte dadurch eine signifikante Verbesserung der Beschwerden erreicht werden.

Basenpulver Basogena 5e (ausreichend für 3 Monate)
Täglich einen gehäuften Teelöffel Pulver (4 g) in Wasser auflösen und sofort trinken. In zeitlichem Abstand zu einer Mahlzeit anwenden. Menschen mit rheumatischen Erkrankungen sind meist säurelastig. Klinische Studien erhärten die Beobachtungen vieler Therapeuten, dass ein Zusammenhang zwischen latenter Übersäuerung und chronisch-entzündlichen Erkrankungen besteht. Die Einnahme von basenbildenden Mineralverbindungen, wie etwa Natriumbicarbonat, Calcium, Kalium und Magnesium, kann zu einer Reduktion der Erkrankungsaktivität und einer Schmerzlinderung beitragen.

Weihrauch 400, 60 Kapseln (6 Packungen für eine 3-Monats-Kur) 
Täglich 2 mal 2 Kapseln mit viel Flüssigkeit zu einer Mahlzeit einnehmen. Extrakte aus Weihrauch (Boswellia serrata) werden aufgrund ihrer entzündungshemmenden, kortikomimetischen (d.h. in der Wirkung kortisonähnlichen) und immunmodulierenden Effekte insbesondere zur Schmerzbehandlung und therapiebegleitend bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises eingesetzt. Die enthaltenen Boswelliasäuren eignen sich zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzen, die durch entzündliche Vorgänge in Gelenken, Muskeln und der Wirbelsäule ausgelöst werden.

DoloZym forte Gold, 90 Kapseln (3 Packungen für eine 3-Monats-Kur)
Täglich 1 mal 3 Kapseln mit viel Flüssigkeit nüchtern (30-60 Minuten vor einer Mahlzeit) oder frühestens 2 Stunden nach einer Mahlzeit einnehmen. Das Premiumpräparat mit proteolytischen Enzymen, natürlichen Bioflavonoiden und Traubenkernextrakt. Enzyme können als wirksame Maßnahme zur Entzündungshemmung und Schmerzlinderung eingesetzt werden. Die Verbesserung der Symptomatik ist klinisch nachgewiesen. Zudem werden durch die proteolytischen Enzyme Bromelain (Ananas), Papain (Papaya), Trypsin und Chymotrypsin sogenannte Immunkomplexe aufgelöst, die bei einer Reihe von Gelenkerkrankungen für entzündliche Gewebsschädigungen verantwortlich gemacht werden. 

MSM Gel 
Zur äußeren Anwendung mehrmals täglich oder nach Bedarf dünn auf Muskeln und Gelenke auftragen und leicht einreiben. Vor Gebrauch schütteln. Nicht in der Nähe von Mund, Augen oder Schleimhäuten anwenden. Nicht bei Kleinkindern und Säuglingen sowie in Schwangerschaft und Stillzeit verwenden. MSM Gel ist ein wohltuendes Gel mit der schwefelhaltigen Natursubstanz Methylsulfonylmethan, kurz MSM genannt, in Kombination mit Arnika, Kampfer und Menthol. MSM ist eine natürliche Schwefelverbindung, die auch in der Nahrung vorkommt.

Rheumatoide Arthritis: schulmedizinische Medikamente

Wichtigstes Ziel der Therapie der rheumatoiden Arthritis (rheumatische Arthritis oder Polyarthritis) ist es die Entzündungen zu stoppen, um drohende Gelenkschäden oder gar Gelenkszerstörungen zu verhindern bzw. diese zumindest solange wie möglich hinauszuzögern. Dazu werden verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Wirkungsweisen eingesetzt. Die Behandlung richtet sich individuell nach dem Verlauf und Schweregrad der Erkrankung. Sie wird in regelmäßigen Abständen neu überprüft und entsprechend angepasst.

Entzündungshemmende Schmerzmittel: NSAR

Zur akuten Behandlung der entzündeten Gelenke werden häufig, vor allem zu Beginn der Erkrankung, sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), wie Ibuprofen, Diclofenac oder auch Coxibe, eingesetzt. Sie bekämpfen die Hauptsymptome der rheumatoiden Arthritis zuverlässig und schnell, da sie schmerzstillend und entzündungshemmend wirken.

Auf den Krankheitsverlauf selbst nehmen sie jedoch keinen Einfluss. Auch können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, da diese Medikamentengruppe die Schleimhaut von Magen und Darm angreifen, was zu Magengeschwüren und Darmproblemen führen kann. Dauerhaft eingenommen können diese Medikamente außerdem die Nieren schädigen. NSAR sollten deshalb möglichst nur vorrübergehend, so gering dosiert wie möglich und zusammen mit einem Magenschutz angewendet werden.

Kortisonhaltige Medikamente

Eine schnelle und starke Linderung der Symptome während eines akuten Rheuma-Schubs erzielen auch kortisonhaltige Medikamente. Kortison ist ein Hormon, das der Körper auch selbst in der Nebennierenrinde bildet. Als Medikament verabreicht, zählt es zu den stärksten Entzündungshemmern überhaupt. Kortisonhaltige Medikamente werden deshalb vor allem zur Behandlung von schweren Schüben mit stark entzündeten und geschwollenen Gelenken eingesetzt. Sie helfen innerhalb sehr kurzer Zeit akute Schmerzen zu stillen und die Gelenkfunktion wieder zu verbessern.

Allerdings sollten kortisonhaltige Medikamente nur kurzfristig für einen begrenzten Zeitraum von einigen Wochen bis wenigen Monaten verabreicht werden, da sie langfristig eingenommen eine Reihe an massiven Nebenwirkungen verursachen können. Dazu zählen vor allem Osteoporose, Gewichtszunahme, Insulinresistenz und Diabetes, Bluthochdruck sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Wenn Kortison eingenommen wird, dann bitte richtig:

Kortisonhaltige Medikamente sollten möglichst zwischen sechs und acht Uhr morgens eingenommen werden. In dieser Zeit bildet auch der Körper das meiste Kortison. Eine zusätzliche Einnahme des Hormons stört so am wenigsten die Abläufe im Organismus. Es fällt dem Organismus leichter hohe Dosen Kortison zu verarbeiten, wenn man sich an das natürliche Schema hält und medikamentöse Gaben entsprechend in den Zeiten, in denen der Körper selber Kortison ausschüttet, einnimmt.

Wer körperlich aktiv ist und sich bewegt, der kann unerwünschten Folgen der Kortikoid-Behandlung aus dem Wege gehen: Durch Bewegung wird das Knochengerüst stabilisiert, der Abbau von Muskeleiweiß verlangsamt sich und der Zuckerstoffwechsel wird positiv beeinflusst. Damit kann man aktiv etwas gegen den Blutzuckeranstieg unternehmen, den die Kortisontherapie verursacht. 

Auch gegen den Verlust von Knochenmasse wirkt Bewegung und daneben auch eine bewusste Ernährung positiv. Nehmen Sie eine Zusatzportion Eiweiß und Kalzium aus pflanzlicher Nahrung zu sich. Da Kortison bewirkt, dass der Körper weniger Salz ausscheidet, sollten Sie zudem auf eine salzarme Kost achten. 

Basismedikamente bei rheumatoider Arthritis

Zur Langzeittherapie rheumatoider Arthritis werden heutzutage standardmäßig sogenannte Basismedikamente eingesetzt. Sie gelten als wichtigster Pfeiler in der Behandlung der chronischen Polyarthritis, da sie nicht nur die Symptome der Krankheit bekämpfen, sondern auch direkt in den Krankheitsverlauf eingreifen. So ist es mithilfe von Basismedikamenten möglich neue Krankheitsschübe zu unterdrücken. Damit kann ein Fortschreiten der Krankheit aktiv verlangsamt und drohende Zerstörungen der Gelenke deutlich hinauszögert werden.

Im günstigsten Fall können Basismedikamente sogar dazu beitragen die Krankheit komplett zum Stillstand bringen. Auch bei langfristiger Einnahme werden Basismedikament deutlich besser vertragen, als Kortison oder NSAR. Allerdings sind auch hier Nebenwirkungen möglich. Dazu gehören vor allem Magenverstimmungen und Übelkeit.

Das am häufigsten verwendete Basismedikament zur Therapie der chronischen Arthritis ist Methotrexat (MTX). Zur Gruppe der Basismedikamente zählen darüber hinaus aber auch Azathioprin, Sulfasalazin, Leflunomid und Ciclosporin. Basismedikamente sollten so früh wie möglich in der Rheumatherapie eingesetzt werden. Ihre volle Wirkung entfalten sie allerdings erst verzögert nach etwa drei bis sechs Monaten. Vor allem anfangs oder, wenn die Wirkung des Basismedikaments allein nicht ausreicht, wird die Behandlung während eines akuten Schubs deshalb kurzfristig auch mit kortisonhaltigen Medikamenten oder NSAR kombiniert.

Biologika bei rheumatoider Arhritis

Biologika sind die neueste Medikamentengruppe im Kampf gegen rheumatoide Arthritis und werden zur Behandlung von Rheuma etwa seit Anfang der 2000er Jahre eingesetzt. Dabei handelt es sich um gentechnisch hergestellte Eiweiße, die direkt in Immunprozesse des Körpers eingreifen und fehlgeleitete Entzündungsprozesse im Körper aktiv unterdrücken. Zu den für die Behandlung von rheumatoider Arthritis zugelassenen Biologika zählen:

  • TNF-Blocker, wie Adalimumab, Etanercept, Certolizumab, Golimumab oder Infliximab. 
  • Abatacept, ein T-Zellen-Aktvierungshemmer 
  • Rituximab, ein B-Zellen-Antikörper 
  • Tocilizumab, ein Interleukin-6-Antikörper  
  • Anakinra, ein Interleukin 1-Antikörper

Die Wirkung der Biologika setzt deutlich schneller als bei Basismedikamenten, nämlich bereits nach zwei bis vier Wochen, ein. Auch sind Biologika teilweise noch etwas besser verträglich. Trotz dieser Vorteile, gelten klassische Basismedikamente aktuell noch immer als der Goldstandard. Denn Basismedikamente sind sehr gut erprobt, auch was ihre Langzeitwirkung anbelangt. Für die neueren Biologika liegen hierzu noch weniger Daten vor.

In der Therapie werden Biologika deshalb bislang vor allem dann eingesetzt, wenn klassische Basismedikamente nicht mehr ausreichen. Sie können in diesem Fall auch mit Basismedikamenten kombiniert werden. Diese Vorgehensweise wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit in Zukunft noch zugunsten der Biologika ändern, sobald über diese neuen Medikamente ebenfalls ausreichend Erfahrungswerte vorliegen. 

Helfen Physiotherapie und Krankengymnastik bei rheumatoider Arthritis?

Neben der medikamentösen Therapie spielen auch gezielte Bewegungstherapien, wie Physio- und Ergotherapie, bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis eine wichtige Rolle. Sie helfen die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten und zu verbessern. Dazu werden im Rahmen von Krankengymnastik spezielle Bewegungen unter fachlicher Anleitung gelernt und geübt. Dieses Training hilft die Muskeln zu stärken und möglichen Verkürzungen und Fehlstellungen entgegenzuwirken. In der Ergotherapie können die Patienten außerdem lernen alltägliche Bewegungen und Handgriffe gelenkschonend durchzuführen und spezielle Hilfsmittel zur Erleichterung im Alltag einzusetzen.

Rheumatoide Arthritis: Ernährung

Da es sich bei der rheumatoiden Arthritis (rheumatische Arthritis) um eine systemische Erkrankung handelt – also eine Erkrankung, die den gesamten Körper betrifft – spielt auch die richtige Ernährung bei der Behandlung eine wichtige Rolle. Die deutsche Rheuma-Liga empfiehlt eine vollwertige und ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen, Nährstoffen, Spurenelementen und Antioxidantien, in Anlehnung an die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Einseitige „Rheuma-Diäten“ sollten dagegen möglichst vermieden werden. Da Patienten mit chronischer Polyarthritis einen anderen Nährstoffbedarf haben als gesunde Menschen, kann es dadurch leicht zu Nährstoffdefiziten kommen. Bei der Zusammenstellung des Speiseplans sollte Menschen mit rheumatoider Arthritis bevorzugt zu Lebensmitteln der sogenannte Mittelmeerkost greifen. Dazu gehören frisches Gemüse und Obst, Fisch, wenig Fleisch sowie kaltgepresste pflanzliche Öle, wie Olivenöl. Außerdem sollten Betroffene noch auf folgende Punkte achten:

Schaden Fleisch und Milch bei rheumatoider Arthritis?

Um den Verlauf der entzündlich-rheumatischen Erkrankung positiv zu beeinflussen sollte, die Aufnahme von Arachidonsäure über die Nahrung reduziert werden. Die Arachidonsäure gehört zu den Omega-6-Fettsäuren und ist ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten. Bei der Verstoffwechselung bildet der Körper daraus Entzündungsbotenstoffe, die rheumatische Entzündungen in den Gelenken regelrecht anfachen. Besonders viel Arachidonsäure ist in fetten Fleisch- und Wurstwaren enthalten, aber auch in Milch und stark fetthaltigen Milchprodukten, wie Käse und Sahne, sowie in Eiern. Diese Nahrungsmittel sollten stark reduziert werden bzw. die fettarmen Varianten gegenüber den fettreichen bevorzugt werden.

Soll man Fisch essen bei rheumatoider Arthritis?

Positiv auf den Verlauf der Erkrankung wirkt sich dagegen der Verzehr von Eicosapentaensäure aus. Eicosapentaensäure gehört zu den Omegea-3-Fettsäuren. Sie wirkt entzündungshemmend und verbessert die Fließeigenschaft des Blutes. Eicosapentaensäure ist vor allem in Fischöl enthalten, kann aber auch aus Alpha-Linolensäure gebildet werden, die wiederum in Walnuss-, Soja-, Weizenkeim-, Lein- und Rapsöl enthalten ist. Diese hochwertigen pflanzlichen Öle sowie fetter Seefisch sollten deshalb mehrmals die Woche auf den Tisch kommen. Darüber hinaus hilft auch der Genuss von Antioxidantien, wie sie etwa in Ingwer, Knoblauch, Curry und Kümmel enthalten sind, die Bildung von Entzündungsbotenstoffen im Körper zu reduzieren.

Nikotin und Alkohol bei rheumatoider Arthritis

Das Rauchen von Tabak wirkt sich nachweislich negativ auf den Verlauf der rheumatoiden Arthritis aus. Rheumapatienten sollten das Rauchen deshalb möglichst aufzugeben oder zumindest stark zu reduzieren. Bei Alkohol ist die Datenlage nicht ganz so eindeutig. Hier sollte eine Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Grundsätzlich gilt, dass sich ein hoher Alkoholkonsum insgesamt negativ auf die Gesundheit auswirkt. Ein gelegentliches Gläschen Wein oder Bier dürften aber in der Regel keinen negativen Einfluss haben. Es gibt sogar Studien, die einem moderatem Alkoholgenuss bei Rheuma einen gewissen schützenden Effekt zuschreiben.

Hilft Fasten bei Rheuma? 

Eindeutig Ja! Die rheumatoide Arthritis lässt sich durch Heilfasten nachweislich positiv beeinflussen. In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass längere Hungerphasen eine antientzündliche Wirkung auf den Körper haben. Oft tritt dadurch bereits nach wenigen Fastentagen eine deutliche Besserung der Beschwerden ein: Gelenkschmerzen lassen nach, Schwellungen gehen zurück und die Beweglichkeit der Gelenke bessert sich. Das lässt sich dadurch erklären, dass dem Körper zum einen während des Fastens keinerlei Arachidonsäure über die Nahrung zugeführt wird. Damit werden insgesamt auch weniger entzündungsfördernde Stoffe gebildet. Darüber hinaus können Immunreaktionen während des Hungerns abgeschwächt sein. Außerdem wird beim Fasten die körpereigene Kortisonausschüttung erhöht. Der Körper produziert dadurch quasi sein eigenes Prednisolon, wodurch Entzündungen im Körper zusätzlich gehemmt werden. Eine Fastenkur bei rheumatoider Arthritis ist grundsätzlich für jeden Rheumapatienten geeignet, solange er oder sie nicht untergewichtig ist, an Essstörungen leidet oder sonstige schwere Vorerkrankungen hat. Da das Fasten für den Körper eine große Anstrengung bedeutet, sollte eine Kur nie in Eigenregie durchgeführt werden, sondern immer von einem erfahrenen Fastenarzt begleitet werden. Eine Fastenkur bei rheumatoider Arthritis dauert im Durchschnitt sieben bis zehn Tage. Nach dem Fastenbrechen ist es wichtig nicht gleich wieder in ungesunde Ernährungsgewohnheiten zurückzufallen, sondern die Kost möglichst langfristig entsprechend der empfohlenen Richtlinien umzustellen. So können die positiven Effekte des Fastens, auch über die Fastenkur hinaus, oftmals langfristig erhalten bleiben. 

Antientzündliche Wirkung des Fastens aufgeklärt

Rheumatoide Arthritis: FAQ

Folgende Fragen treten im Zusammenhang mit chronischer Polyarthritis besonders häufig auf:

Welche Symptome bei rheumatoider Arthritis?

Typische Anzeichen einer rheumatoiden Arthritis sind Gelenkentzündungen sowie Gelenkschwellungen, die länger als sechs Wochen andauern und parallel in beiden Körperhälften auftreten. Als charakteristisch gilt außerdem eine sogenannte Morgensteifigkeit, die mindestens eine Stunde anhält sowie sogenannte Rheumaknoten. Darüber hinaus kann es auch zu grippeartigen Symptomen, wie leichtem Fieber, Erschöpfung und Müdigkeit kommen.

Kann man rheumatoide Arthritis heilen?

Die rheumatoide Arthritis ist mit den Mitteln der Schulmedizin nicht vollständig heilbar. Allerdings ist die Krankheit inzwischen sehr gut behandelbar. Mithilfe moderner Medikamente ist es möglich die Krankheitsschübe zu unterdrücken, wodurch drohende Gelenkschäden oder gar -zerstörungen weitestgehend verhindert bzw. solange wie möglich hinausgezögert werden können. Mit alternativmedizinischen Heilmethoden, wie der klassischen Homöopathie, konnten in der Vergangenheit zahlreiche Heilungsverläufe dokumentiert werden.

Was ist der Unterschied zwischen Rheuma und Arthritis?

Arthritis ist der medizinische Fachbegriff für eine entzündliche Gelenkerkrankung. Sie kann auf unterschiedlichen Wegen entstehen. Ursache kann zum Beispiel eine eitrige bakterielle Infektion sein. Dazu kommt es, wenn Keime infolge einer Verletzung oder über die Blutbahn in das Gelenk gelangen. Zu einer Gelenkentzündung kann es aber auch ohne Infektion, zum Beispiel durch eine Autoimmunreaktion des Körpers kommen. Dazu zählen sämtliche Gelenkerkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Arthritis ist damit der Überbegriff und Rheuma eine spezielle Form davon. 

Wie entsteht eine rheumatoide Arthritis?

Eine rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) ist eine Autoimmunerkrankung. Davon spricht man, wenn das Immunsystem fehlgeleitet ist und der Körper körpereigene Strukturen angreift. Im Falle von rheumatoider Arthritis kommt es dadurch zu Entzündungsreaktionen in der Gelenkkapsel, was zu Schwellungen, Schmerzen und massiven Schäden an den betroffenen Knochen, Knorpeln sowie Weichteilgeweben führen kann.

Ist rheumatoide Arthritis ansteckend?

Nein! Rheumatoide Arthritis ist nicht ansteckend. Es handelt sich dabei um eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen richtet. 

Was ist der Unterschied zwischen Arthritis und Arthrose?

Der medizinische Fachbegriff Arthritis stammt aus dem Griechischen und heißt übersetzt „entzündliche Gelenkerkrankung“. Eine Arthritis kann durch Bakterien, andere Krankheitserreger oder als Folge einer Autoimmunerkrankung auftreten. Bei der Arthrose handelt es sich um eine degenerative Erkrankung, also einen Gelenkverschleiß. Diese natürliche Abnutzungserscheinung entsteht meist im Laufe des Lebens oder in Folge einer dauerhaften Fehl- bzw. Überbelastung eines Gelenks.

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