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Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

Schwangerschaftssprechstunde

Wir leben heute in einer Zeit, in der die naturwissenschaftliche Medizin unglaubliche Fortschritte insbesondere in der Diagnostik, weniger in der Therapie von Krankheiten macht. Damit können Fragen beispielsweise durch die Genetik und Epigenetik beantwortet werden, die noch vor Jahren selbst durch ambitionierte Forschung ungeklärt blieben. Wir sind beeindruckt von den neuesten Möglichkeiten, die dadurch in der Pränataldiagnostik entstehen. Fortschritt hat aber auch immer seine Nachteile, nochzumal wenn er mit einer nie dagewesenen Geschwindigkeit Einzug hält. 

Die Schwangerschaft wurde einmal bezeichnet als die Zeit der „guten Hoffnung“. Das brachte zum Ausdruck, dass in einer Zeit mit vielen Unwägbarkeiten die Hoffnung die stärkste Kraft ist, um mit positiver Gedankentätigkeit das Wohlergehen des noch ungeborenen Kindes zu stärken. Wie stark und wirkungsvoll die Phantasien einer Mutter auf ihr Baby sein können, zeigt die Bindungsforschung auf eindrucksvolle Weise.

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik enorm gestiegen. Mit Sicherheit ist es ein großer Vorteil schon sehr früh Auffälligkeiten und Fehlbildungen erkennen zu können. Ein deutlicher Nachteil des Fortschritts, den man tagtäglich in der Praxis zu spüren bekommt, ist die Angst und die Unsicherheit, die entsteht, wenn man sich in der medizinischen Diagnostik auf Gebiete vorwagt, die den einzelnen Menschen in seiner ethischen und psychologischen Entscheidungskraft überfordern und alleinlassen. Umso schwieriger wird die Entscheidung, wenn es um das Wohl unserer Liebsten, der Kinder geht.

Die Zeit der „guten Hoffnung“ ist damit verkommen zu einer Art Qualitätskontrolle, damit auf keinen Fall irgendetwas übersehen wird, was man sich als Eltern dann womöglich vorwerfen müsste. Hinter all den ungeheuren Anstrengungen der modernen Wissenschaft steht das uralte Dilemma des Menschen: einerseits die Gewissheit und das Wissen um die Sterblichkeit und andererseits die heimliche Sehnsucht nach Ewigkeit. Und Kinder sind ja auch Ausdruck eines unbewussten Drang nach Unsterblichkeit, der jeder Zeugung zueigen ist.

Der Unsicherheit und Angst, die in der Schwangerschaft neben der Freude auf das Baby auftauchen können, sollte nicht nur mit wissenschaftlichem Forscherdrang begegnet werden. Die Routine-Anwendung von vorgeburtlichen Untersuchungen, Arzneimittel in der Schwangerschaft und frühen Kindheit scheinen heute das einzige Mittel gegen die Angst vor möglichen Krankheiten zu sein. 

Diese Maßnahmen werden von Medizinern heute weitgehend empfohlen. Umso zwanghafter und kompromissloser, je größer die eigene Unsicherheit, oder der eingeengte Blickwinkel ist. Wir dürfen hierbei nicht vergessen, dass jedes Medikament unvorhersehbare Risiken in sich birgt, auch wenn es heute als noch so harmlos deklariert wird.

Für weitere Informationen: Schwangerschaft.pdf