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Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

Tinnitus

Tinnitus ist eine Beschwerde, an der immer mehr Menschen leiden. In einer Wettbewerbsgesellschaft, in der acht von zehn Deutschen ihr Leben als stressig empfinden, scheint der Leistungsdruck den Leidensdruck durch Ohrgeräusche zu begünstigen. Bis zu 10 Prozent der Erwachsenen sind in Deutschland davon betroffen, also vier bis fünf Millionen Menschen.

Tinnitus ist nicht gefährlich, aber eine nervige Plage. Er führt häufig zu großer Verunsicherung, auch weil es unter Fachleuten eine Menge unterschiedlichster Meinungen zu diesem Thema gibt. Dieser Artikel soll keine persönliche Beratung ersetzen, sondern eine erste Orientierung zu häufig gestellten Fragen geben.

Tinnitus ist ein Geräusch, das Betroffene hören, ohne dass es von ihrer Umwelt wahrgenommen werden kann; es hat seine Quelle also nicht in der äußeren Umwelt. In 95 % aller Fälle ist Tinnitus die Folge gänzlich ungefährlicher Erkrankungen und kein Vorbote schwerer Erkrankungen. Die Ursache bleibt in den allermeisten Fällen unbekannt, jedoch gibt es eine Reihe von Grunderkrankungen, die abgeklärt werden müssen.

Eigentlich haben alle Menschen einen Tinnitus. Zum Problem wird er aber nur, wenn man sich dessen bewusst wird. In einer Untersuchung wurden Versuchspersonen in einen schalltoten Raum gebracht. 94 % hörten einen subjektiven Tinnitus (d. h. das Geräusch wurde weder von der Umwelt noch vom eigenen Körper produziert).

Tinnitus entsteht nicht im Ohr, sondern im Gehirn. Bei chronischem Tinnitus scheint eine Art Verstärkungsphänomen dazu zu führen, dass ein immer vorhandenes Geräusch in das Bewusstsein tritt. Eine entscheidende Rolle spielen dabei zwei Gehirnareale: die formatio reticularis als Zentrum der Aufmerksamkeit und das limbische System als Zentrum der Gefühlswahrnehmung und Sitz von einem Teil des Gedächtnisses.

Diese Zentren sind bei den Betroffenen in einem erhöhten Aktivitätsgrad und führen zu einer Reaktion, die den Tinnitus einerseits wahrnehmbar macht und zum anderen verstärkt durch ein Aktivitätsniveau, das einer Stresssituation entspricht. Tinnitus führt zu einer messbar erhöhten Aktivität im Gehirn, ist also nicht nur eingebildet und führt oft zu einer nicht unerheblichen psychischen Belastung. Neben der psychischen Belastung haben 53 % der Betroffenen eine Hörminderung und 44 % eine Geräuschempfindlichkeit.

Ursachen

Akut auftretender Tinnitus kann auch Folge einer Lärmschädigung sein, welche die Haarzellen (Sinnesorgane im Innenohr) zerstört hat. Haarzellen können nicht nachwachsen; das heißt es gibt Formen des Tinnitus, die nicht heilbar sind. Chronischer Tinnitus ist dagegen in den allermeisten Fällen ein Symptom, das auf ein Grundproblem weist. Geheilt werden muss in diesen Fällen die dahinterstehende Ursache, sofern sie verifiziert werden kann.

Auf jeden Fall muss man nicht dauerhaft mit einer massiven Beeinträchtigung durch den Tinnitus leben, da man einerseits verstärkende Einflüsse wahrnehmen und reduzieren und andererseits lernen kann, mit Tinnitus so umzugehen, dass 90% der Betroffenen durch eine veränderte Bewertung des Tinnitus nicht länger darunter leiden.

Bevor Sie Untersuchungen durchführen lassen, sollten Sie in jedem Fall ein Beratungsgespräch mit einem Behandler Ihres Vertrauens führen, der Sie zur weiterführenden Diagnostik anschließend sicherlich zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt überweisen wird.

1. Akute Lärmschädigung?

  • Dazu erstellt der HNO-Arzt oder Hörgeräteakustiker ein Audiogramm
  • Die Behandlung erfolgt durch Infusionsbehandlung und / oder hyperbare Sauerstofftherapie (HBO)

2. Hörsturz?

  • Das ist der Fall, wenn das Hörvermögen plötzlich nur auf einem Ohr nachlässt
  • ca. 35.000 Hörstürze treten pro Jahr in Deutschland auf
  • 70 % der Hörstürze bilden sich binnen eines Monats zurück, wobei eine Beeinträchtigung der tiefen Frequenzen am schnellsten zurückgeht
  • Häufig wird ein Hörsturz, wenn er nur die hohen Frequenzen betrifft, nicht bemerkt und Betroffene nehmen den Tinnitus zuerst wahr, obwohl der Hörsturz vorausgegangen ist
  • Ursachen dafür sind wie beim Tinnitus selten eindeutig auszumachen, jedoch gibt es eine Häufung bei Menschen in kommunikativen Berufen und solchen, die unter Dauerstress stehen
  • Die Behandlung des Hörsturzes ist der des akuten Tinnitus sehr ähnlich

3. Otosklerose?

  • Dies ist eine relativ seltene Erkrankung, die zu einer Verknöcherung der Gelenke zwischen den drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel führt und häufig einen Tinnitus zur Folge hat
  • Durch eine Operation wird eine künstliche Verbindung zwischen Trommelfell und Innenohr hergestellt. Häufig haben Patienten, die vor der Operation noch keinen Tinnitus hatten, danach einen solchen

4. Hydrops?

  • Im Innenohr wird eine spezielle Flüssigkeit (genau genommen zwei) gebildet und an anderer Stelle wieder resorbiert (aufgenommen), so dass ein Gleichgewicht in der Bildung und Resorption dieser Flüssigkeit gewährleistet ist. Bei Hydrops ist dieses Gleichgewicht gestört. Dadurch steigt der Innendruck im Ohr und die Haarzellen werden irritiert. Es entstehen kurzandauernde Hörstürze und ein niederfrequenter Tinnitus
  • Die Erkrankung hat eine sehr gute Prognose, das heisst die Hörstürze und der Tinnitus bilden sich völlig zurück
  • Hydrops entsteht gehäuft bei Menschen mit einer erhöhten Stressbelastung
  • Der HNO-Arzt verschreibt für den Akutfall Cortison und ein Diuretikum, um den Flüssigkeitsdruck zu senken

5. Morbus Menière?

  • Das ist eine relativ seltene Erkrankung, bei der immer drei Faktoren zusammentreffen:
    akuter Hörverlust + massiver Schwindel + Tinnitus
  • Wie beim Hydrops entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Produktion und Resorption einer der Flüssigkeiten im Innenohr. Dieses ist allerdings so gravierend, dass die dünne Haut einreisst, die Gleichgewichtsorgan und Hörorgan im Innenohr trennt, und es zu einer gestörten Signalübertragung kommt. Anfangs wächst das dünne Häutchen wieder nach und der Schwindel klingt ab. Bleibt der hohe Druck aber bestehen und kommt es zu erneuten Einrissen, so fällt das betroffene Gleichgewichtsorgan aus. Es bereitet extremen Schwindel, bis das Gehirn gelernt hat, das betroffene Gleichgewichtsorgan nicht mehr für die Informationsverarbeitung zu berücksichtigen.
  • Wenn der Tinnitus anhält, gilt für die Therapie dasselbe wie für chronischen Tinnitus im Allgemeinen

6. Akustikus-Neurinom?

  • Kommt sehr selten vor
  • gutartiger Tumor, der auf dem Ohrnerv wächst und diesen irritiert

7. Sonstige

Es gibt bei jeder Erkrankung, bei der die Ursache nicht eindeutig feststellbar ist, immer die Diskussion um eine Vielzahl von mutmaßlichen Auslösern oder Ursachen. Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Behandler zusammen eine gewisse Hierarchisierung der möglichen Ursachen vornehmen.

Wenn nach sorgfältiger Anamnese und Untersuchung tatsächlich eine der folgenden Ursachen in Betracht kommt, sollten Sie sich nicht davon beeinflussen lassen, dass eventuell noch keine „wissenschaftliche“ Bestätigung für diese Ursache erbracht ist. In der Praxis beobachten wir viele Phänomene, die Auswirkungen auf den Menschen haben, ohne dass sie (bis jetzt) immer wissenschaftlich bestätigt werden können.

  • Zahnprobleme (relativ häufig)
    Zahnfehlstellungen, Beeinträchtigung durch Knirschen, Veränderung der Zahnhöhe nach Einsetzen von Kronen oder Prothesen
  • Wirbelsäulenprobleme (relativ häufig)
    durch chronische Fehlhaltung oder Blockaden in Gelenken der Wirbelsäule
  • HNO-Erkrankungen (relativ häufig)
    Zu viel Cerumen, Fremdkörper, Cholesteatom, Exostosen, Mittelohrentzündung
  • Belastung durch Umwelt und / oder Gifte (relativ häufig)
    Was immer das zentrale Nervensystem angreift und irritiert, kann letztendlich immer auch einen Tinnitus hervorrufen. Hierbei besonders zu beachten sind: Elektrosmog, Mobiltelefone, Amalgam, Formaldehyd etc.
  • Durchblutungsstörungen (relativ selten)
  • Psychische Erkrankungen mit Angstsymptomatik (relativ häufig)

Stress als Ursache

Auch wenn einige Fachleute immer wieder betonen, dass es keine besonderen Merkmale bei Tinnitus-Betroffenen gibt, kann ich aus meiner Erfahrung eindeutig sagen, dass in der Mehrzahl der von mir behandelten Fälle ein anhaltender Stressor auszumachen war. Diese Stressoren sind nicht messbar und den Patienten oft gar nicht so bewusst, da sie durch vielfältige Kompensationsmechanismen einen Weg gefunden haben, damit umzugehen.

Als krankmachender Stress ist jede Art von Anspannung zu bewerten, auf die keine Entspannungsphase folgt. Eigentlich kann jede Situation im Leben krank machen, wenn sie den Organismus unter eine dauerhafte Belastung stellt. Wiederkehrende tägliche Widrigkeiten (z. B. Beleidigung durch den Chef, sich nicht gesehen fühlen vom Partner, Überlastungsgefühle in Arbeit und Zuhause etc.) können ebenso Stress verursachen wie Zeiten wichtiger Lebensereignisse (z. B. Tod eines Angehörigen, Scheidung, Kündigung, Karrieresprung, Familienerweiterung, Pensionierung etc.).

Bei Stress wird der Organismus in einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit versetzt. Das Gehirn vergleicht Situationen aus der Vergangenheit, in denen sich diese oder jene Reaktion auf den Stressor als wirksam erwiesen hat. Damit sind zwei Gehirnzentren besonders beschäftigt, nämlich formatio reticularis und das limbische System – eben jene, die bei Tinnitus-Patienten eine erhöhte Aktivität aufweisen. Normalerweise filtert das hochkomplexe Hörsystem ständig Geräusche wie Herzschlag oder Blutfluss heraus. Stress und anhaltende Angstzustände beeinträchtigen diese Filterfunktion jedoch.

Therapie

Die Therapieangebote für Tinnitus sind sehr vielfältig – man kann schon erneut in Stress geraten, wenn man als Patient für sich entscheiden soll, was Sinn ergibt und was nicht.

Infusionsbehandlung

Für die akute Behandlung raten Ärzte meist zu einer Infusionsbehandlung an 10 aufeinanderfolgenden Tagen. Die verwendeten Medikamente sind Hydroxyaethylstärke und Cortison. Sie regen die Durchblutung der eventuell geschädigten Haarzellen an.

Es hat sich aber gezeigt, dass Tinnitus nur in ganz wenigen Fällen mit einer Durchblutungsstörung zu tun hat und ein Hörsturz in 68 % der Fälle ohne Behandlung abklingt. Die Behandlung zeigt nur bei 5 % der Betroffenen Erfolg. Ob, wie und bei wem eine Infusionsbehandlung wirkt, ist auch unter Fachleuten nicht klar. Da man noch keine andere wirkungsvollere Behandlungsmethode kennt, wird dieses Verfahren weiter angewendet.

Hyperbare Sauerstoffbehandlung (HBO)

Wenn die Infusionsbehandlung keinen Erfolg erzielt, wird die hyperbare Sauerstoffbehandlung (HBO) empfohlen. Sie kann die Sauerstoffkonzentration im Blut auf das 400-fache steigern. Wie die Infusionsbehandlung hat auch die HBO nur im Fall einer akuten Lärmschädigung oder eines Hörsturzes einen geringen nachgewiesenen Effekt auf den Tinnitus.

Seit 2009 werden Medikamente zur Therapie des Tinnitus von den Krankenkassen nicht mehr erstattet, weil der Nutzen einer pharmakologischen Therapie bei Tinnitus nicht erwiesen ist.

Bei folgenden Therapieansätzen für chronischen Tinnitus, der länger als 3 Monate besteht, geht es nur um einen besseren Umgang mit dem Dauerton: Tinnitus-Bewältigungstherapie mit Assoziationstraining (Dr. G. Goebel, Dr. C. Thora), Tinnitus-Retraining-Therapie (P. Jastreboff) und Geräuschtherapie (Hörgeräte, Geräuschgeneratoren). Nachdem sich bei Experten endlich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Tinnitus in mehr als 95 % der Fälle eine psychosomatische Beschwerde ist, werden zunehmend auch psychotherapeutische Verfahren offiziell empfohlen.

Therapiekonzept der Praxis für Homöopathie & Psychotherapie in München

Ich behandle seit vielen Jahren mit großem Erfolg Menschen mit Tinnitus und den typischen Kontext-Problemen mit einem Therapiekonzept, dessen Schwerpunkte die klassische Homöopathie, Psychotherapie und Stressbewältigungsprogramme bilden.