Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

FSME durch Zeckenbiss homöopathisch behandeln

Mit den warmen Frühjahrstemperaturen beginnt nicht nur die Aktivität der Zecken, sondern auch die Diskussion über die FSME, eine entzündliche Erkrankung des Gehirns oder der Hirnhäute. Vor einigen Jahren wurde fast ganz Süddeutschland zum Risikogebiet erklärt. Viele Menschen sind dadurch verunsichert. Dieser Artikel gibt Antwort auf die folgenden Fragen zur FSME auf der Basis von Informationen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin (Quellen: Epidemiologisches Bulletin 14, 15, 17 / 2007) und eigenen Erfahrungen mit Gesundheit, Krankheit und Impfung.

  • Steigt die Zahl der Erkrankungen wirklich an?
  • Wie kann ich mich mit dem FSME-Virus infizieren?
  • Wie gefährlich ist diese Erkrankung für mich?
  • Wie erkenne ich eine Infektion frühzeitig ?
  • Muss ich mich impfen lassen?

Borreliose

Zecken können eine Vielzahl von Infektionskrankheiten auf den Menschen übertragen. In Deutschland sind dies vor allem die Lyme-Borreliose, die landesweit vorkommt, und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die hauptsächlich in Süd- und Ostdeutschland übertragen wird.

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa und tritt wesentlich häufiger auf als die FSME. 5 bis 35 % der Zecken können mit Borrelia burgdorferi, dem Erreger der Borreliose, befallen sein. Die Wahrscheinlichkeit einer manifesten Erkrankung liegt zwischen 0,3 und 1,4 % und steigt mit der Dauer des Saugakts. Die Krankheit ist derzeit in den meisten Fällen noch erfolgreich mit Antibiotika zu behandeln. Gegen die Lyme-Borreliose gibt es keine Impfung – das mag der Grund sein, dass sie in der Öffentlichkeit weniger erwähnt wird.

FSME

Die Krankheit ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Die Übertragung der FSME auf den Menschen erfolgt in Europa im Wesentlichen durch die mit dem Virus infizierte Zecke, den Holzbock (lat.: Ixodes ricinus; Ixodes persulcatus). Sehr selten findet eine Übertragung durch Rohmilch(-produkte) vor allem in Osteuropa statt.

In den FSME-Endemiegebieten Deutschlands sind 0,1 bis 5 % der Zecken mit dem Virus infiziert. Durch einen Zeckenstich gelangen die Viren sofort aus den Speicheldrüsen der Zecke in die Blutbahn des Menschen und können die Krankheit auslösen. Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Zeckenstich zu erkranken, liegt zwischen ca. 1:10.000 (Zeckendurchseuchung ca. 0,1 %) und 1:300 (Zeckendurchseuchung ca. 3,5 %).

In sogenannten Naturherden zirkulieren die Erreger zwischen den Zecken und ihren Wirten (Nagetiere, vor allem Mäuse, Rehe, Rotwild, Vögel). Typische Lebensräume für Zecken sind loses Laub, hohes Gras, lichte Wälder, insbesondere Laubwälder und Gebüsch, in denen sie auf Blättern und Zweigen von ihren Wirten abgestreift werden.

Die FSME übertragenden Zecken sind bei der Wirtssuche passiv und lassen sich nur beim direkten Kontakt abstreifen. (Anmerkung: Die nach Deutschland importierte Auwaldzecke, lat.: dermacentor reticulatus, eine sogenannte Laufzecke, zeigt ein aktives Beuteverhalten und bewegt sich dabei in einem Umkreis von einem Meter auf den Wirt zu. Die Übertragung von FSME und Borreliose durch diese Zeckenart spielt aber eine untergeordnete Rolle.)

Damit sich der Erreger über die Zecken verbreiten kann, ist eine Mindesttemperatur von 8° C erforderlich (in der Regel März bis November). Warme Winter und feuchte Sommer begünstigen die Zeckenpopulation. In Höhen über 1000 m halten sich keine Zecken auf.

Krankheitsbild

Nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt zu einer Infektion. Bei der FSME geht man von einem hohen Teil (ca. 70 %) subklinischer Infektionen aus. Das bedeutet, dass nach einer Infektion nur bei rund 30 % der Infizierten Krankheitserscheinungen auftreten. Daraus wird ersichtlich, dass nicht nur der Erreger das Ausmaß der Krankheit bestimmt, sondern auch die Widerstandsressourcen des Menschen. Deren Unterstützung und Förderung sind von entscheidender Bedeutung im Krankheitsgeschehen. Diese Tatsache findet in der heutigen Medizin noch zu wenig Beachtung.

Der Krankheitsverlauf ist biphasisch (zweigipflig). 30 % der Infizierten sind nur von Stadium 1 betroffen und 10 % der Infizierten von Stadium 1 und 2 (vor allem ältere Menschen):

Stadium 1 (30 %)

Nach einer Inkubationszeit von 1 bis 2 Wochen (selten bis 4 Wochen) kommt es zu grippeähnlichen Symptomen (mäßiges Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindel).

Stadium 2 (10 %)

Nach einem fieberfreien Intervall von einer, selten bis zu 3 Wochen, entwickelt sich das Bild der klassischen FSME: plötzlicher hoher Fieberanstieg, Erbrechen, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Krämpfe.

Bei einem Drittel der im 2. Stadium Erkrankten kommt es im Anschluss an die akute Infektion zu monatelangen Konzentrationsstörungen, emotionaler Labilität, Gleichgewichtsstörungen, Kopfschmerzen und Lähmungen (seltenes Symptom bei älteren Menschen, die zusätzlich eine Muskelentzündung entwickelt hatten). Bei 1 % der Betroffenen mit Beteiligung des zentralen Nervensystems (Stadium 2) führt die Krankheit zum Tod.

Risiko

Niemand kann bislang verlässlich sagen, ob in diesem Jahr eine größere Gefahr von Zecken ausgehen wird. Seit der 2001 eingeführten Meldepflicht wurden in sechs Jahren bundesweit 1685 Erkrankungsfälle gemeldet. Die Krankheitssymptome reichten dabei von allgemeinem Unwohlsein bis zu Fällen mit der gefährlichen Gehirn- oder Hirnhautentzündung.

Bleibende neurologische Schäden sind bei Kindern eine „Rarität“, stellt das Paul-Ehrlich-Institut fest. In der deutschsprachigen Literatur findet sich nur ein Bericht einer neurologischen Dauerschädigung bei einem ungeimpften Kind. Bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr verläuft die Krankheit fast immer „bland“, das heißt mild und ohne dauerhafte Schädigung.

Die meisten Erkrankten sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. Schwere Krankheitsfälle werden beinahe ausnahmslos bei Erwachsenen beobachtet. Klinische Erfahrungswerte zeigen, dass es auch hier, selbst in schweren Fällen, häufig zur Heilung kommt. Schwer zu verstehen ist jedoch, warum gerade Kinder häufiger geimpft sind (laut einer 2005 durchgeführten Studie) als ältere Menschen, die weitaus stärker gefährdet sind. Vielleicht wird durch überprotektives Verhalten mehr Schaden für die Zukunft angerichtet, als uns heute bewusst ist.

Sehr niedriges Erkrankungsrisiko

Laut Aussage von Ärzten der STIKO (Ständige Impfkommission) ist das „Erkrankungsrisiko nach einem Zeckenstich im Individualfall sehr niedrig“. Woher kommt also die zunehmende Verunsicherung und Angst? In den fünf Jahren, die seit der Meldepflicht vergangen sind, war ein Anstieg der gemeldeten Erkrankungszahlen zu erkennen. Wurden von 2001 bis 2004 im Mittel 262 Erkrankungen gemeldet, waren es 2005 schon 432 und 2006 bereits 547 Meldungen.

Aber haben sich in diesem Zeitraum wirklich mehr Menschen mit dem FSME-Virus infiziert oder stiegen die Erkrankungszahlen, weil ein erhöhtes Bewusstsein bei Ärzten und Laien zu einem motivierteren Meldeverhalten geführt hat? Die genauen Gründe für einen Anstieg der Erkrankungszahlen sind nicht bekannt.

Vermutlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Zunehmende Freizeitaktivitäten im Freien, sich verändernde klimatische Bedingungen und Veränderungen der Wirtspopulation – in den Jahren 2004 / 2005 wurde ein Anstieg der Nagerpopulation in Bayern beobachtet – werden die Erkrankungszahlen sicherlich steigen lassen.

Die aktuelle Karte der FSME-Risikogebiete vergrößert nur die Verwirrung über die vermeintliche Zeckengefahr. 2007 wurden auf einen Schlag bundesweit 33 Stadt- und Landkreise mehr zum Risikogebiet erklärt als 2006 (insgesamt 129 Kreise). Dies suggeriert vorerst eine größere Gefahr. Die Zunahme der Risikogebiete beruht aber allein auf einem neuen Definitionsansatz des Robert-Koch-Instituts.

Entschied früher die absolute Zahl der Erkrankungsfälle darüber, ob eine Region zum Risikogebiet erklärt wurde, ist nun die Zahl der Erkrankungen auf die Einwohnerzahl einer Region bezogen worden. Seit diesem Jahr gilt eine Region als Risikogebiet, wenn in einem Kreis oder der Kreisregion (bestehend aus dem betreffenden Kreis sowie allen angrenzenden Kreisen) binnen fünf Jahren ein Erkrankungsfall pro 100.000 Einwohner gemeldet wurde.

So kommt es, dass 51 Kreise zum sogenannten Risikogebiet erklärt wurden, obwohl nur in den angrenzenden Kreisen die Grenze von einem Erkrankungsfall pro 100.000 Einwohner erreicht wurde. Diese Risikoeinschätzung wird selbst von der Ständigen Impfkommission als sehr vorsichtig bewertet. Tatsache ist aber, dass ein Anstieg des Risikos, wenn möglicherweise auch als statistisches Artefakt, die Nachfrage an Impfstoffen erhöht. Im Mai diesen Jahres wurden die ersten Lieferschwierigkeiten der Impfstoffhersteller bekannt.

Impfung

Nach Ausbruch der Krankheit ist die FSME nur symptomatisch zu behandeln. Aus diesem Grund soll eine aktive Immunisierung mit inaktivierten FSME-Viren einen vorsorglichen Schutz bieten. Eine passive Immunisierung, die nach einem Zeckenstich das Infektionsrisiko mindern soll, ist seit 2003 nicht mehr erhältlich, weil viele Nebenwirkungen und schwere Krankheitsverläufe im Anschluss daran beobachtet wurden.

Für einen ausreichenden prophylaktischen Impfschutz sind drei Impfdosen nötig. Die Schutzdauer wird mit drei bis fünf Jahren angegeben, aber für eine Bestätigung dieser Wirkung fehlen noch verlässliche Erfahrungswerte. Ein zeitlich begrenzter Impfschutz (zum Beispiel für Urlauber in Endemiegebieten) erfordert mindestens zwei Gaben des Impfstoffs. Die von der Ständigen Impfkommission empfohlene Impfung ist ab dem 1. Lebensjahr zugelassen.

Geimpft werden darf nur in zeitlichem Abstand von mindestens zwei Wochen zu einer akuten Erkrankung (Erkältung etc.). Günstiger Zeitpunkt für eine FSME-Impfung sind die Monate Dezember und Januar, um bis zur beginnenden Zeckensaison im Frühjahr einen ausreichenden Schutz sicherzustellen. Häufige, sofort auftretende Nebenwirkungen der Impfung sind Magen-Darm-Beschwerden, Entzündungsreaktionen an der Einstichstelle, grippeartige Beschwerden (Fieber, Gliederschmerzen etc.) sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden. Seltener treten Nervenentzündungen auf, die unterschiedlich schwer verlaufen können.

Wie bei allen aktiven Impfungen sind mittel- und langfristige Impfreaktionen bzw. Impfschäden häufig sehr schwer in ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung zu bringen – nicht zuletzt, weil es an unabhängigen Kontrollgremien dafür fehlt. Zulassungs- und Überwachungsbehörde für Impfstoffe sind in einer Institution zusammengelegt.

Auch wird die Forschung an Impfstoffen immer noch ausschließlich im industriellen, nicht im universitären Bereich durchgeführt und ist damit eng an wirtschaftliche Interessen gekoppelt. Eine objektive Beurteilung von Langzeitwirkungen der Impfungen ist davon nicht zu erwarten.

Viele Menschen sind der aktiven Impfung gegenüber misstrauisch. Schon einmal wurde ein Impfstoff („Ticovac“) gegen FSME als wirksamster und sehr gut verträglicher Schutz empfohlen. Mehr als 1500 Meldungen von Ärzten über schwerwiegende Nebenwirkungen der Impfung vor allem bei Kindern (rascher Temperaturanstieg über 40°C, Fieberkrämpfe etc.) lagen dem Paul-Ehrlich-Institut mindestens ein Jahr vor, bevor der unzureichend geprüfte Impfstoff 2001 viel zu spät vom Markt genommen wurde.

Wieder einmal wurde deutlich, dass das Risikomanagement der Impfstoffhersteller und der überwachenden Bundesinstitute langsam und unkritisch ist und das Prinzip des vorbeugenden Verbraucherschutzes ignoriert. Der heute verwendete Impfstoff soll deutlich verträglicher sein. Aber auch hier werden gerade bei Kindern häufig fieberhafte Reaktionen beobachtet, besonders im Alter von ein bis drei Jahren und nach der ersten Impfung.

Der Wirksamkeitsanspruch der Impfung basiert nicht auf kontrollierten Studien mit klinischen Parametern, in denen Komplikationen bei Geimpften und Erkrankungen Nichtgeimpfter erfasst werden. Die Wirksamkeit der Impfung wird einzig anhand eines ansteigenden Antikörpertiters bemessen.

Prävention

Ein wichtiger Grundsatz der Prävention von FSME (und Borreliose) ist, Zeckenstiche nach Möglichkeit zu vermeiden (Expositionsprophylaxe). Folgende Maßnahmen können dabei helfen:

  • Möglichst wenig durch Unterholz, Strauchwerk und hohes Gras wandern; auf festen Wegen bleiben
  • Helle Kleidung (um Zecken darauf zu erkennen), die möglichst viel Körperoberfläche bedeckt;
  • Kopfbedeckung
  • Nach Aufenthalt im Freien in zeckengefährdeten Gebieten den nackten Körper nach Zecken absuchen. Vor allem bevorzugte Saugstellen der Zecken (Bereiche mit dünner Haut) untersuchen: Kopfhaut, hinter den Ohren, Hals, Achselhöhlen, Genitalbereich, zwischen den Beinen, Kniekehlen
  • Repellents zum Auftragen auf Kleidung und Haut (z. B. „Mosquito“, „Autan“ etc.) bieten nur einen zeitlich begrenzten Schutz für einige Stunden
  • Zeckenhalsband für Haustiere
  • Bei Zeckenbefall muss die Zecke umgehend entfernt werden. Dabei greifen Sie die Zecke möglichst körpernah – ohne sie zu drücken – mit einer Zeckenpinzette oder mit den Fingerspitzen und ziehen sie heraus. Keinesfalls irgendwelche Substanzen davor auf die Zecke aufbringen. Auch ein Drehen beim Herausziehen ist nicht nötig.

Vorkommen

FSME kommt vor allem in Süd- und Ostdeutschland vor. Den FSME-Virus übertragende Zecken kommen auch in Asien und in vielen europäischen Ländern vor. Von marginaler Bedeutung sind Frankreich, Italien, Griechenland. Kein FSME-Risiko besteht auf der iberischen Halbinsel, in Großbritannien, den Benelux-Ländern und Dänemark (mit Ausnahme von Einzelfällen auf Bornholm).

Fazit

Insgesamt 90 % aller FSME-Infizierten entwickeln keine bzw. schlimmstenfalls grippale Symptome. Ausgehend von 547 mit dem FSME-Virus infizierten Personen im Jahr 2006 empfiehlt die Ständige Impfkommission für rund 30 Millionen Menschen vor allem in Süd- und Ostdeutschland eine FSME-Impfung, um ca. 55 Menschen (mit meist vorgeschwächtem Immunsystem) vor schwereren Krankheitsverläufen zu schützen und dabei einen Todesfall in zwei Jahren zu vermeiden. Möge ein jeder sich selbst Gedanken zu dieser Verhältnismäßigkeit machen.

Um der derzeit bestehenden Wahrscheinlichkeit, an einer FSME-Infektion schwer zu erkranken, angemessen zu begegnen, könnte eine alternative Impfempfehlung so aussehen:

  • Impfung für Personen über 50 Jahre mit chronischen Erkrankungen, das heißt schon vorgeschwächtem Immunsystem, die sich dauerhaft in Risikogebieten aufhalten und dort häufig zeckenexponiert sind.
  • Impfung auch für jüngere und gesunde Personen in Risikogebieten, wenn die Zahl der FSME-Infektionen in den nächsten Jahren stark ansteigen sollte oder zunehmend komplikationsreiche Krankheitsverläufe beobachtet würden.

Insgesamt sollte die Expositionsprophylaxe als vorrangige Prävention betrachtet werden. Eine Impfung gegen FSME könnte zu der Täuschung führen, man hätte damit umfassenden Schutz und Sicherheit vor den durch Zecken übertragenen Infektionskrankheiten. Wenn dadurch ein nachlässigeres Verhalten im Umgang mit Zecken gefördert wird, werden die Erkrankungszahlen der jetzt schon viel häufiger auftretenden Lyme-Borreliose weiter zunehmen.