Ein dysreguliertes Nervensystem ist ein Zustand, in dem das autonome Nervensystem aus dem Gleichgewicht geraten ist und nicht mehr flexibel zwischen Anspannung und Entspannung wechseln kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein dysreguliertes Nervensystem ist die Folge einer anhaltenden Belastung, wodurch der Wechsel zwischen Anspannung (Sympathikus) und Entspannung (Parasympathikus) nicht mehr richtig funktioniert.
- Im oftmals stressigen und eng getakteten Alltag ist es meist der Sympathikus, der nicht mehr abschaltet, sodass das Nervensystem in einer Daueraktivierung feststeckt.
- Typische Symptome sind u.a. Unruhe, Angst, Reizbarkeit, emotionale Überreaktionen, Gedankenkreisen, Verdauungsstörungen und Verspannungen.
- Chronischer Stress, traumatische Erlebnisse und unverarbeitete belastende Erfahrungen oft in Kombination mit einem ungünstigen Lebensstil sind häufige Ursachen.
- Man kann ein chronisch dysreguliertes Nervensystem durch Anpassungen im Lebensstil, eine nervensystemfreundliche Gestaltung des Alltags und gezielten Maßnahmen zur Stärkung der Stressresilienz wieder in die Balance bringen.
- Bei akuter Überlastung helfen Atem- und Achtsamkeitsübungen zur Beruhigung des Nervensystems.
Inhaltsverzeichnis
- Das autonome Nervensystem: Die unbewusste Steuerung unserer Gesundheit
- Was sind Anzeichen eines dysregulierten Nervensystems?
- Welche Ursachen führen zur vegetativen Dysregulation?
- Wie kann ich mein Nervensystem wieder zur Ruhe bringen?
- Welche Mikronährstoffe unterstützen die Regulation des Nervensystems?
- Fazit: Fachkundige Unterstützung für Ihre innere Mitte
- Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Nervensystem
Das autonome Nervensystem: Die unbewusste Steuerung unserer Gesundheit
Das autonome (vegetative) Nervensystem ist der Teil des Nervensystems, der automatisch Körperfunktionen wie Atmung, Herzschlag oder Verdauung steuert, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.
Fight, Flight or Freeze: Wie Stress unseren Körper im Griff hat
Die beiden Hauptakteure des autonomen Nervensystems sind der Sympathikus und sein funktioneller Gegenspieler, der Parasympathikus.

Der Sympathikus versetzt unseren Körper bei Stress, Gefahr oder körperlicher Anstrengung in erhöhte Leistungsbereitschaft, um für die bevorstehende Herausforderung gerüstet zu sein (“Fight or Flight”-Reaktion).
Der Parasympathikus hat dagegen zwei verschiedene Aufgaben. Die Polyvagal-Theorie unterscheidet den Parasympathikus in zwei grundlegend verschiedene Äste, die völlig gegensätzliche Funktionen haben:
Der ventrale Vagus (der „soziale“ Parasympathikus) sorgt in einem sicheren Umfeld für Entspannung, Regeneration und den Aufbau neuer Reserven (Rest and Digest). Der dorsale Vagus (der „archaische“ Parasympathikus) kann in Situationen extremer Überforderung jedoch auch eine Schutzreaktion auslösen, die den Körper in einen Zustand der Erstarrung (Freeze) oder des Rückzugs versetzt.
Die Kenntnis der Funktionen des dorsalen Vagus ist wichtig, um zu verstehen, dass „Abschalten“ oder „Gefühlslosigkeit“ (Dorsal-Vagus-Zustand) nicht bedeutet, dass man entspannt ist, sondern dass das Nervensystem eine Notfall-Strategie gewählt hat.
Markus Breitenberger, Heilpraktiker
Idealerweise befindet sich das autonome Nervensystem in einem dynamischen Gleichgewicht: Sympathikus und Parasympathikus wirken harmonisch zusammen und gewährleisten, dass der Körper auf eine stressige Situation angemessen reagiert und dann rasch in den Ruhezustand zurückkehrt, wenn die Situation vorbei ist.
Warum bleibt mein Nervensystem im Stressmodus hängen?
Bei einem dysregulierten Nervensystem ist diese Balance außer Kraft gesetzt, weil einer der beiden Hauptakteure den anderen dominiert. In unserer leistungsbetonten Gesellschaft ist es meist der Sympathikus, der übermäßig aktiv ist.
Vielleicht gehören auch Sie zu den Menschen, die ohne längere Pausen durch den Tag hetzen, weil viele anspruchsvolle Aufgaben auf einmal bewältigt werden müssen? Und obwohl die Belastung innerlich wächst, arbeiten Sie weiter wie gewohnt? Möglicherweise macht Ihnen auch Ihre Mehrfachbelastung zu schaffen, Beruf, Familie und eigene Bedürfnisse in Einklang zu bringen? Oder sind Sie durch Konfliktsituationen in Partnerschaft oder mit einer anderen nahestehenden Person sehr belastet?
Für diese täglichen Kraftakte liefert der Sympathikus die mobilisierende Energie. Das Problem: Andauernde Stresssituationen halten den Sympathikus in einer Daueraktivierung. Mit der Zeit gelingt es dem Nervensystem kaum mehr, wieder in den Ruhemodus zu schalten, seine Regulationsmechanismen greifen nicht mehr.
Körperliche und psychische Warnsignale eines überreizten Nervensystems
Ein übererregter Sympathikus macht sich über kurz oder lang durch eine Reihe von körperlichen und psychisch-emotionalen Symptomen bemerkbar – bis hin zur Entstehung von Erkrankungen, wie meist unerkannte Nebennierenschwäche und dann auch Burnout-Syndrom.
Die gute Nachricht: Mit Hilfe einer fachkundigen therapeutischen Begleitung ist es möglich, ein chronisch dysreguliertes Nervensystem wieder in Balance bringen.
Was sind Anzeichen eines dysregulierten Nervensystems?
Die Anzeichen eines dysregulierten Nervensystems sind vielfältig und können alle Ebenen betreffen: die körperliche ebenso wie die kognitive bzw. psychisch-emotionale Ebene. Auch in ihrer Intensität können sie individuell unterschiedlich sein. Oft ist es so, dass erste Warnsignale zunächst kaum wahrnehmbar sind und eine Zeitlang erfolgreich kompensiert werden können – bis die Fehlregulation nicht mehr länger ignoriert werden kann.
Körperliche Symptome
- Herzrasen oder Herzstolpern
- Schwindel, orthostatische Hypotonie
- Verspannungen (Nacken, Kiefer, Rücken)
- Schlafstörungen (Ein- oder Durchschlafen)
- Kopfschmerzen, Kopfschmerzattacken
- Magen-Darm-Beschwerden
- Gefühl von Unterzuckerung
- Zittern
- Ständige Müdigkeit, schnelle Erschöpfung
- Körperliche Unruhe, Kribbeln, „Überaktivität“ der Gliedmaßen (z.B. ständiges Beinwippen)
- Cortisolmangel
- Infektanfälligkeit
- Silent Inflammation
Psychisch-emotionale Symptome und Verhaltensänderungen
- Anhaltende innere Unruhe / Nervosität
- Permanent „unter Strom stehen“
- Reizbarkeit
- Emotionale Überreaktionen, z.B. Wutausbrüche, heftiges Weinen („Weinkrämpfe“)
- Angstgefühle bis hin zu Panikattacken
- Anhaltende Niedergeschlagenheit
- Gefühl der Überforderung, des “Kurz-vor-dem-Zusammenbruch-Stehens“
- Emotionale Taubheit (sich innerlich „abgeschaltet“ fühlen)
- Gefühlsschwankungen, emotionale Unausgeglichenheit
- Sozialer Rückzug
Kognitive Beeinträchtigungen und Reizüberflutung
- Konzentrationsprobleme, „Brain fog“
- Gedankenkreisen („Overthinking“), Grübelei
- Schwierigkeiten, klar und strukturiert zu denken
- Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
- Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht und anderen äußeren Reizen
Alarmstufe Rot: Schockstarre und Freeze-Zustand
Wird eine Situation als „höchste Gefahr“ eingestuft – dies kann neben einer extremen Stressbelastung oder einer realen Bedrohung auch eine traumatische Erinnerung sein, kann es zu einem Shutdown kommen: Man fühlt sich wie betäubt, ist nicht mehr in der Lage zu handeln und gerät vielleicht sogar in eine Angst- oder Schockstarre (Freeze-Zustand). Das ist eine Reaktion des Parasympathikus und seines Hauptnerven (dorsaler Vagus), wenn Kampf oder Flucht nicht mehr möglich erscheinen, um die Bedrohung abzuwenden.
Diese bedeutungsvollen Erkenntnisse haben wir dem US-amerikanischen Neurowissenschaftler und Psychiater Dr. Stephen Porges zu verdanken, der vor allem als Begründer der Polyvagal-Theorie bekannt ist.
Welche Ursachen führen zur vegetativen Dysregulation?
Die Entstehung einer Überreizung des Nervensystems ist meist ein multifaktorieller Prozess aus körperlichen, psychischen und lebensstilbedingten Einflüssen.
11 Körperliche Ursachen (mikrobiologisch, biomechanisch und biochemisch), die Sie kennen sollten
Zu den körperlichen Ursachen und biochemischen Faktoren, die das Nervensystem in einer anhaltenden Alarmbereitschaft halten, gehören unter anderem:

- Neurologische Erkrankungen: Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose greifen die Struktur und Kommunikation der Nerven an. Wenn die physische Reizweiterleitung gestört ist, verliert das autonome Nervensystem seine Fähigkeit zur feinen Selbstregulation zwischen Anspannung und Ruhe.
- Schilddrüse & Stoffwechsel: Die Schilddrüse ist der “Taktgeber” des Stoffwechsels. Eine Überfunktion simuliert dem Körper quasi eine dauerhafte Sympathikus-Aktivierung (Herzrasen, Unruhe).
- Geschwächtes Immunsystem: Jeder Infekt bedeutet Stress für den Körper und aktiviert den Sympathikus. Häufige Infekte verhindern die Rückkehr in den Ruhemodus, wodurch das Nervensystem in einer dauerhaften Alarmbereitschaft gefangen bleibt.
- Silent Inflammation (Stille Entzündungen): Chronische Entzündungsprozesse setzen Zytokine frei, die das Gehirn und das Nervensystem in einen permanenten Alarmzustand versetzen (“Sickness Behavior”).
- Insulinresistenz und Diabetes: Chronisch hohe Insulinspiegel und Blutzuckerschwankungen belasten die Nervenbahnen direkt und lösen im Körper Stresskaskaden aus. Diese biochemische Schieflage hält den Sympathikus aktiv und erschwert die natürliche Entspannungsfähigkeit des Organismus.
- Post-virale Erschöpfung: Nach schweren Infekten verharrt das Nervensystem oft im Schutzmodus. Die Umschaltung auf Regeneration (Parasympathikus) bleibt blockiert, was zu anhaltender Kraftlosigkeit führt, da die Energiereserven nicht wieder aufgefüllt werden.
- Darm-Hirn-Achse & Mikrobiom: Ein Großteil der Signale des Nervensystems wird im Darm erzeugt. Besteht eine Fehlbesiedlung der Darmflora (Dysbiose) oder eine durchlässige Darmschleimhaut (Leaky Gut), werden Entzündungsreize direkt an das Gehirn gemeldet. Dies kann das autonome Nervensystem chronisch reizen und die psychische Belastbarkeit massiv senken.
- Histamin-Stoffwechsel: Ein Übermaß an Histamin (z. B. bei einer Abbaufunktionsstörung oder Mastzellüberaktivität) wirkt direkt stimulierend auf den Sympathikus. Dies führt oft zu den typischen „inneren Unruhezuständen“, Herzrasen nach dem Essen oder Schlafstörungen, da der Körper biochemisch in Alarmbereitschaft versetzt wird.
- Kieferfehlstellungen und CMD: Das Kiefergelenk ist über zahlreiche Nervenbahnen direkt mit dem Hirnstamm und den Regulationszentren des autonomen Nervensystems verbunden. Fehlbelastungen, nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) oder eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) wirken als mechanischer Dauerstressor. Dies triggert den Sympathikus und kann unbehandelt Symptome wie Tinnitus, Schwindel oder chronische Nackenverspannungen chronisch werden lassen.
- Instabilität der Halswirbelsäule (HWS): Nach Traumata wie einem Schleudertrauma oder Stürzen kann eine Instabilität der oberen Kopfgelenke bestehen. Diese mechanische Irritation kann – wie unter anderem der Arzt Dr. Bodo Kuklinski beschreibt – einen permanenten Stressreiz auf das Rückenmark auslösen. In der komplementärmedizinischen Praxis wird dies häufig als Ursache für eine chronische Sympathikusüberreizung (verbunden mit nitrosativem Stress) diskutiert. Das führt häufig zu einem Mikronährstoffmangel.
- Mikronährstoffe: Nerven benötigen für die Reizweiterleitung und den Schutz der Myelinschichten spezifische Stoffe (besonders Magnesium, B-Vitamine, Omega-3). Ein Mangel führt hier direkt zu einer geringeren Stressresilienz.
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Psychosoziale Belastungen und Traumata können zu einer Überreizung des Nervensystems führen
Ein dysreguliertes Nervensystem entsteht oft durch chronischen Stress (z.B. hohes Arbeitspensum, Mehrfachbelastung etc.). Auch das Gefühl, überfordert zu sein, Konflikte in Beziehungen (z. B. nach dem ersten Kind oder wegen Fremdgehen etc.) destabilisieren das Nervensystem.
Von einem „traumatisierten Nervensystem,“ sprechen Psychologen, wenn traumatische Erlebnisse die Ursache für die Dysregulation des Nervensystems sind. Dabei können auch Traumata, die schon lange vorbei sind und von denen man glaubt, sie seien emotional verarbeitet und überwunden, den Sympathikus überaktiv halten. Auch gibt es Anzeichen für vererbtes Trauma, die man kennen sollte.
Alltagserfahrungen: Ernährung, Schlaf und Bewegung
Ein moderner Lebensstil mit Reizüberflutung, Schlafmangel, zu wenig Bewegung und einseitiger Ernährung mit viel Fast Food, Zucker- und Weißmehlprodukten, aber auch ein hoher Konsum an Kaffee, Energydrinks und Softdrinks, können die Regulation des Nervensystems beeinträchtigen. Gleiches gilt für übermäßigen Alkoholkonsum und Rauchen.
Wie kann ich mein Nervensystem wieder zur Ruhe bringen?
So wie sich das Nervensystem durch äußere Faktoren negativ beeinflussen lässt, so kann es durch gezielte Maßnahmen auch wieder umgestimmt und zur Ruhe gebracht werden. Ziel ist, dass das autonome Nervensystem wieder flexibel zwischen Anspannung und Entspannung wechseln und so in einen regulierten Zustand zurückfinden kann. Die Umstimmung eines chronisch überreizten Nervensystems kann allerdings einige Wochen dauern und erfordert oft auch eine Änderung der Lebensweise.
Das Praxiskonzept Breitenberger: Ganzheitliche Therapieansätze
Markus Breitenberger arbeitet und forscht seit über 25 Jahren in eigener Praxis in München. Das große Feld von Erschöpfungssyndromen, Autoimmunerkrankungen, mitochondrialen Dysfunktionen und stillen Entzündungen ist dabei der Fokus seines gezielten Interesses.
In meiner Praxis lindere ich Symptome nicht nur kurzfristig, sondern setze an den Ursachen der Dysbalance an. Dafür kombiniere ich orthomolekulare Therapie und homöopathische Konstitutionsbehandlung, um das Nervensystem sowohl biochemisch als auch energetisch nachhaltig zu regulieren.
Markus Breitenberger, Heilpraktiker in München
Solange es sich noch um Symptome und nicht um Erkrankungen handelt, ist die Wiedererlangung eines regulierten Nervensystems in den meisten Fällen problemlos möglich. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig therapeutische Hilfe zu suchen, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Nervensystem chronisch überreizt ist.
Bewährt haben sich auch Maßnahmen für ein gutes Stressmanagement und maßgeschneiderte Unterstützung, wie Sie selbstwirksam Ihren Lebensstil und Ihre Ernährung nervensystemfreundlich umstellen können.
Wichtig bei Traumata: Die Vagus-Übungen dienen der allgemeinen Selbstregulation im Alltag. Bei tiefsitzenden Traumata oder klinischen Angststörungen sollten diese Übungen niemals eine professionelle psychotherapeutische oder trauma-therapeutische Behandlung ersetzen, sondern nur als Begleitung in Absprache mit dem Therapeuten genutzt werden
7 Übungen zur Selbstregulation und Vagus-Stimulation
Durch gezielte Maßnahmen und Übungen kann ein dysreguliertes Nervensystem wieder in Balance gebracht werden. Manches eignet sich auch zur Soforthilfe. Langfristig geht es jedoch nicht nur darum, die belastenden Begleiterscheinungen eines aus dem Lot geratenen Nervensystems zu lindern, sondern auch an den Ursachen anzusetzen. Das bedeutet, achtsam mit sich selbst/anderen und seinen Bedürfnissen umzugehen, selbstfürsorglich und (mit-)fühlend zu sein und den Alltag so zu gestalten, dass eine Überaktivierung des Sympathikus zur Bewältigung der verschiedenen Anforderungen gar nicht (mehr) nötig ist.
Wichtig: Übung macht den Meister – das heißt, wenn Sie die Übungen täglich anwenden, sinkt der Grundpegel an Daueranspannung automatisch – und die Stressresilienz steigt. Es reicht aus, wenn Sie regelmäßig ein bis zwei Lieblingsübungen anwenden.
- Die „Basis-Übung“ nach Stanley Rosenberg: Verschränken Sie die Finger hinter dem Hinterkopf und halten Sie den Kopf gerade. Bewegen Sie nun nur die Augen so weit wie möglich nach rechts, ohne den Kopf zu drehen. Halten Sie diese Position, bis Sie ein unwillkürliches Seufzen, Gähnen oder Schlucken bemerken (oft nach 30–60 Sekunden). Wiederholen Sie dies auf der linken Seite. Diese Übung hilft, die oberen Kopfgelenke zu entspannen und den Vagusnerv an seinem Austrittspunkt am Schädel zu stimulieren.
- Die physiologische Seufzer-Atmung: Atmen Sie tief durch die Nase ein, gefolgt von einem zweiten, kurzen “Nach-Einatmen”, um die Lungenbläschen maximal zu füllen. Atmen Sie dann sehr langsam und lange durch den Mund aus (als würden Sie durch einen Strohhalm pusten). Diese Technik signalisiert dem Gehirn innerhalb kürzester Zeit, dass keine akute Gefahr besteht.
- Vokales Tönen und Summen: Da der Vagusnerv durch den Kehlkopf verläuft, kann er durch Vibration stimuliert werden. Atmen Sie tief ein und lassen Sie beim Ausatmen ein tiefes, brummendes „Mmmmmm“ oder „Oooohm“ entstehen. Die Vibration im Brustkorb und im Rachenraum wirkt unmittelbar beruhigend auf das Herz-Kreislauf-System.
- Kältereiz (Hydrotherapie nach Kneipp): Ein kurzer, kalter Impuls kann den “Tauchreflex” auslösen, der die Herzfrequenz sofort senkt. Spülen Sie sich für 30 Sekunden eiskaltes Wasser ins Gesicht oder halten Sie Ihre Unterarme unter fließendes kaltes Wasser. Dies zwingt das Nervensystem zu einer kurzen Neuausrichtung.
- Pendeln (Ressourcenorientierung): Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf eine Stelle im Körper, die sich neutral oder angenehm anfühlt (z. B. der kleine Zeh oder das Ohrläppchen). Wechseln Sie dann kurz zu einer verspannten Stelle und kehren Sie sofort wieder zur angenehmen Stelle zurück. Dieses „Pendeln“ lehrt das Nervensystem, dass Belastung (Sympathikus) immer ein Ende hat und die Rückkehr in die Sicherheit (ventraler Vagus) jederzeit möglich ist.
- Bewusstes Atmen: Die Atmung ist direkt mit dem Nervensystem verbunden und über eine verlangsamte und verlängerte Ausatmung wird vor allem der Parasympathikus aktiviert; damit wird eine effektive Vagusstimulation angeregt. Durch ein gezielt verlängertes Ausatmen signalisieren wir dem Gehirn einen Zustand von Sicherheit. Dies führt zu einer Senkung der Herzfrequenz und des Blutdrucks sowie zu einer Reduktion der muskulären Grundspannung. Regelmäßige Atemübungen tragen also wesentlich zur Regulation des Nervensystems bei. Langsames, bewusstes Atmen hilft auch als Sofortmaßnahme, z.B. die „4-6-Atemmethode”, eine sehr wirksame und immer mögliche Methode, um innerhalb weniger Sekunden/Minuten eine Harmonisierung des Nervensystems herbeizuführen. (= 4 Sekunden durch die Nase einatmen – 2 Sekunden den Atem halten – 6 Sekunden durch Nase oder den leicht geöffneten Mund ausatmen – 2 Sekunden den Atem halten). Schon zwei Minuten Übung können das Nervensystem spürbar runterregulieren.
- Hüpfen & An- und Entspannen: Um ein dysreguliertes Nervensystem wieder in Balance zu bringen, haben sich körperbetonte Übungen und Aktivitäten bewährt. Für den Akutfall sind z.B. ein 2-minütiges Auf-der-Stelle-hüpfen oder auch ein mehrmaliges An- und Entspannen der Muskeln für jeweils etwa 5 Sekunden empfehlenswert.
Mikro-Pausen und Strategien zur Vagus-Aktivierung: Prävention statt Akut-Hilfe
Ruhe suchen: Um das Nervensystem herunter zur regulieren, macht es Sinn, bewusst in die Ruhe zu gehen, z.B. durch Pausen ohne Ablenkung oder durch eine ruhige Umgebung (kein Lärm, angenehme Lichtverhältnisse). Helfen können auch eine Reduzierung der Bildschirmzeit und der Handynutzung, eine Deaktivierung von Benachrichtigungen und andere Maßnahmen, die zu einer Reizüberflutung beitragen.
Im Hier und Jetzt sein: Das Nervensystem beruhigt sich, wenn es merkt: „Ich bin im Hier und Jetzt, ich bin sicher.“ Dies lässt sich bereits mit kurzen Achtsamkeitsübungen erreichen, bei denen man wahrnimmt, aber nicht bewertet. Beispielsweise schaut man sich bewusst im Raum um („Was sehe ich gerade?“), man spürt seine Kontaktpunkte (Spüre ich den Boden unter meinen Füßen? Die Lehne des Stuhls in meinem Rücken?), man konzentriert sich auf Geräusche („Was höre ich gerade?“) usw..
Für ausreichend Schlaf sorgen und die Gebote der Schlafhygiene beachten: Feste Schlafzeiten, entspannte Abende und eine angenehme Atmosphäre im Schlafzimmer sind entscheidend, um Körper und Psyche in der Nacht während eines erholsamen Schlafs die nötige Regeneration zu ermöglichen, um so für den nächsten Tag gut gerüstet zu sein.
Let it flow! Mit Dingen, die Ihnen guttun und mit denen die eigenen Ressourcen wieder gestärkt werden können, regulieren Sie Ihr Nervensystem – Zeit mit Freunden, Bewegung, Sport, Stille und was Ihnen sonst noch Spaß, Freude und Sinnlichkeit nahe bringt.
Auf eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung achten! Eine pflanzenbasierte vollwertige Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität fördern die Aktivität des Parasympathikus wirken einer Dominanz des Sympathikus entgegen. Spaziergänge an der frischen Luft oder langsames Dehnen helfen ebenfalls, überschüssige Stressenergie abzubauen.
Langfristige Effekte lassen sich auch mit Yoga, Qi Gong, TRE oder anderen Entspannungstechniken erreichen. Meditation und Achtsamkeitsübungen (z.B. nach MBSR) zielen zudem darauf ab, die bewusste Aufmerksamkeit für den gegenwärtigen Moment zu fördern.
Warum diese Übungen zur Vagus-Aktivierung wirken
Diese Techniken setzen direkt an der Neurozeption an – der unbewussten Wahrnehmung von Sicherheit durch den Körper. Während kognitive Strategien (“Ich muss mich jetzt beruhigen”) bei einer starken Dysregulation oft scheitern, arbeiten diese körperorientierten Übungen “bottom-up”: Sie senden Signale vom Körper an das Gehirn, dass der Kampf- oder Fluchtmodus beendet werden kann.
Mein Tipp für Sie: Integrieren Sie diese Übungen als „Mikro-Pausen“ in Ihren Alltag, bevor der Stresspegel sein Maximum erreicht. Ein reguliertes Nervensystem ist wie ein Muskel, der durch stetige, sanfte Reize an Flexibilität gewinnt.
Markus Breitenberger, Heilpraktiker in München
Erste Hilfe bei Dysregulation
In Momenten und Situationen, in denen Sie ein dysreguliertes Nervensystem durch frühe Zeichen, wie Zittern, Schwäche und Unruhe wahrnehmen, kann dieses Stufenprogramm helfen, dass Sie schnell wieder “auf den Boden kommen”:
- Kaltes Wasser: trinken, Hände oder das Gesicht waschen.
- Bewegung: strecken, dehnen, schütteln, hüpfen, abklopfen, stampfen…
- Orientierung im Raum und in der Zeit: “Hier & Jetzt” – benennen Sie 3 Dinge, die Sie sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen können.
- Stimme: Singen, Summen, Tönen…
Welche Mikronährstoffe unterstützen die Regulation des Nervensystems?
Mir ist es wichtig, mein therapeutisches Wissen auch über die Praxisgrenzen hinaus weiterzugeben. Falls Sie keine Möglichkeit zur Vor-Ort-Behandlung in München oder zur Videosprechstunde haben, finden Sie hier fundierte Informationen und Lösungswege, um erste gezielte Schritte zur Besserung einzuleiten.
Ein chronisch dysreguliertes Nervensystem verbraucht aufgrund der dauerhaften Alarmbereitschaft übermäßig viele Ressourcen. Um die biologische Belastbarkeit (Resilienz) wiederherzustellen, hat sich die gezielte Zufuhr bestimmter Mikronährstoffe in meiner Praxis bewährt:
Magnesium: Oft als „Salz der inneren Ruhe“ bezeichnet, ist es entscheidend für die Entspannung der Muskulatur und die Dämpfung einer sympathischen Übererregung.
B-Vitamine (B-Komplex): Besonders B1, B6 und B12 sind essenziell für den Schutz der Nervenhüllen (Myelinschichten) und die Synthese von Botenstoffen wie Serotonin.
Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA): Sie wirken entzündungshemmend im Nervengewebe und unterstützen die Flexibilität der Zellmembranen im Gehirn.
Aminosäuren (z. B. L-Theanin oder GABA): Diese können helfen, die Erregungsschwelle im Nervensystem sanft zu modulieren und den Übergang in den Ruhezustand (ventraler Vagus) zu erleichtern.
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Täglich 3 Kapseln mit viel Flüssigkeit außerhalb der Mahlzeiten einnehmen. Safran (Crocus sativus) trägt zum emotionalen Gleichgewicht bei. Rhodiola rosea hilft dem Organismus, sich an emotionalen Stress und körperliche Anstrengung anzupassen. Die Vitamine B6, B12 und Magnesium tragen zur normalen psychischen Funktion bei. Pantothensäure unterstützt eine normale geistige Leistung. Die B-Vitamine Niacin, Pantothensäure, Vitamin B6, 12, Riboflavin und Folat sowie Magnesium tragen zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei. Nehmen Sie das Produkt nicht, wenn Sie Antidepressiva einnehmen.
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Täglich 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit außerhalb der Mahlzeiten einnehmen. GABA gilt im Körper als wichtigster beruhigender Botenstoff. Er hilft dem Nervensystem, die Reizweiterleitung zu modulieren, sodass der Organismus leichter in den Entspannungsmodus wechseln und die muskuläre sowie mentale Regeneration (z. B. am Abend) unterstützt werden kann. Zur Unterstützung der schlaffördernden Wirkung sollte GABA abends eingenommen werden.
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Omega 3 Öl vegan
Täglich 5 ml zu einer Mahlzeit einnehmen
Fazit: Fachkundige Unterstützung für Ihre innere Mitte
Ein flexibles Nervensystem, das sich den Anforderungen des Alltags anpassen kann, ist der Schlüssel zu langfristiger Gesundheit und Wohlbefinden. Deshalb: Scheuen Sie sich nicht, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie das Gefühl haben, ein chronisch dysreguliertes Nervensystem könnte hinter Ihren Beschwerden stecken. Nur wer sich darüber im Klaren ist, was die Stressbelastung erzeugt, kann gezielt gegensteuern.
Gern unterstütze ich Sie dabei, herauszufinden, was Sie immer wieder unter Druck setzt. Mein Anliegen ist es, mithilfe eines ganzheitlich ausgerichteten Therapiekonzept die Ursachen für die Dysregulation Ihres Nervensystems gezielt zu erkennen und zu behandeln und Ihnen so die Möglichkeit zu eröffnen, dass sich ihr körperliches, seelisches und emotionales Gleichgewicht wieder stabilisiert – und Sie zu Ihrer inneren Mitte zurückfinden.
Für eine ganzheitliche Behandlung zur Milderung Ihrer Symptome und langfristigen Regulierung Ihres Nervensystems können Sie online einen Termin vereinbaren.
Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Nervensystem
Hier finden Sie Antworten auf die Fragen, die mir Patientinnen und Patienten in meiner Praxis besonders häufig zur Regulation des Nervensystems stellen. Mein Ziel ist es, Ihnen Klarheit über die komplexen Zusammenhänge Ihres Körpers zu verschaffen.