Markus Breitenberger
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Psychotherapie

Dieser Artikel bietet Ihnen die Möglichkeit, sich ein erstes Bild zu machen von der Art der Psychotherapie und Selbsterfahrung, wie ich sie in der Praxis und den Workshops anbiete.

Übersicht:

 
Ohnmacht vs. Gestaltungsmöglichkeit
Die Menschen, die sich rat- und hilfesuchend an mich wenden, werden zu Anfang und fortlaufend im therapeutischen Prozeß ausführlich informiert über das, was in der Therapie geschieht und ermutigt, durch Rückmeldungen und aktive Anteilnahme ihre Entwicklung mit zu gestalten.
Sie werden wieder erinnert, dass sie Möglichkeiten haben auf das Erleben und Leben bewusst Einfluß zu nehmen und befähigt, die Gegenwart positiv zu beeinflussen.
Meist kommen Menschen in einem Gefühl von Ohnmacht und mit der Vorstellung ‘ich schaff es nicht – zumindest nicht alleine‘.
Dieses Grundgefühl kann sich dann auf viele Lebensbereiche auswirken und Probleme, wie Entscheidungsschwierigkeiten, Beziehungsprobleme, Erschöpfung bis hin zu psychosomatischen Erkrankungen, erzeugen.

Fremdbestimmung vs. Selbstverantwortung
Oder Menschen kommen in Übergangsphasen, also an Schwellen im Lebenslauf.
Sie sind nicht mehr, wer sie früher einmal waren und noch nicht, wer sie einmal sein wollen.
Die damit verbundenen Klagen sind: „ich bin nicht mehr, wer ich mal war“, „ich kenne mich nicht mehr wieder“, „ich bin mir fremd geworden“, „ich weiß nicht wo es hingeht“.

Krise als Chance
Oft tauchen in diesem Zusammenhang Ängste auf, die die Qualität von Todesangst haben können; dahinter verbirgt sich jedoch meist die Angst vor dem noch-nicht-gelebten Leben. Das Leiden in der Gegenwart ist also nicht nur pathologisches Ergebnis der Vergangenheit, sondern auch wegweisender Auftrag für die Zukunft.

Fortschritt als selbstständige Leistung
Als Therapeut ist es mir wichtig, dass die notwendigen Schritte aus einer Krise von den Betroffenen als selbstständige Leistung in Eigenkompetenz erlebt werden. Patienten (lat. geduldig) bleiben damit nicht passive Heilsempfänger, sondern werden zu aktiven Kooperationspartnern, die mit therapeutischer Unterstützung bestimmen, in welche Richtung und in welchem Tempo sie auf ihrem Weg vorankommen.

Entfaltungsmöglichkeit des inneren Potentials
Mein Ansatz ist durchwegs ressourcen- und kompetenzorientiert. Das entspricht dem Verständnis der potentialorientierten Psychotherapie. Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch das Potential, also die Kraft und Fähigkeit für ein gutes Leben, mehr oder weniger in sich trägt.
Ein gesunder Mensch hat all das, was er als Kind mit auf die Welt gebracht hat noch in sich: Entdeckerfreude, Gestaltungslust, Offenheit, Beziehungsfähigkeit, Vertrauen, Zuversicht, Lebensfreude und Begeisterung über sich selbst. Diese in uns von Geburt an ‘in-bild-haft‘ angelegten Möglichkeiten werden dann, wenn es gut läuft, im Leben durch Vorbilder als wertvoll erkannt, als Bedürfnis und Auftrag erlebt und durch Übung im Alltag zur Kompetenz entwickelt.

Korrigierende emotionale Erfahrung
Es gibt Menschen, die sich diese Offenheit bis ins hohe Alter bewahren – diese Freude am Leben, die man am Leuchten in den Augen erkennen kann. Wo jedoch die Vorbilder oder Übungsmöglichkeiten nicht ausreichend waren, kann Therapie und Selbsterfahrung die manchmal leidvoll erlebte Lücke schließen. Um die Entwicklung zu einer reifen Person mit ausreichend Selbstständigkeit und Mitmenschlichkeit zu unterstützen, wird in der Therapie versucht, eine ebenso vertrauensvolle wie herausfordernde Basis gemeinsam zu schaffen, die tragfähig genug ist, um sich von begrenzenden Fixierungen auf Erfahrungen in der Vergangenheit zu lösen und sich auf neue korrigierende emotionale Erfahrung in der Gegenwart einzulassen. Um dies zu ermöglichen, sind von Seiten des Therapeuten sowohl wohlwollendes Mitgefühl als auch irritierende Konfrontation notwendig, um problemstabilisierende Muster zu destabilisieren.

Das Bedürfnis hinter dem Problem erkennen
Um Veränderung zu bewirken, muss zu allererst und immer wieder gewürdigt und gewertschätzt werden, was diese Veränderung zu behindern scheint. Denn dahinter stehen meist anerkennungswürdige Bedürfnisse, die noch nicht als solche erkannt und anerkannt wurden.

Lösungsorientierte Kurzzeittherapie
Es braucht jedoch in aller Regel keine jahrelangen Analysen und Interpretationen von Problemen.
Um Veränderung zu bewirken, muss also nicht die gesamte Lebensgeschichte ‘durchgearbeitet‘ werden.
Ich biete lösungsorientierte Kurzzeittherapie an, wie sie die Schule von Milwaukee um Steve de Shazer und Insoo Kim Berg entwickelt hat. Das gewünschte Ergebnis, nicht so sehr das Problem, steht dabei im Vordergrund. So ist auch die erste Frage in meiner Praxis:
‘Wofür kommen Sie zu mir?‘, also die Frage nach dem Ziel der Therapie und nicht ‘was ist das Problem?’
Der Fokus liegt auf Lösungen und Gesundheit anstatt auf Problemen und Krankheit.

Einzeltherapie
In den meisten Fällen werden zu Beginn der Therapie maximal 10 Stunden vereinbart, die in wöchentlichem oder vierzehntägigem Rhythmus stattfinden. Ein Ende der Therapie wird damit am Anfang festgelegt. Das eröffnet Übersicht und berechtigte Hoffnung.
Obwohl die Option auf Verlängerung der Therapie besteht, ist sie meist nicht nötig.

Gruppentherapie
Einige Klienten schätzen nach Beendigung der Einzeltherapie die Teilnahme an der Selbsterfahrungs-Gruppe ‘Wurzeln im Selbst – Wachsen in Beziehung‘, die ich zweimal im Monat in München leite. Diese Gruppe bietet die Möglichkeit, im Alltag regelmäßig zu sich zu kommen und bei sich zu sein und damit zu lernen, gleichzeitig eine verbindliche Beziehung zu sich selbst und anderen Menschen einzugehen.
Durch die, in der Gruppe gemachte Selbsterfahrung, bekommen Menschen die Möglichkeit ihre Identifikationen, d.h. die Rollen, die sie täglich spielen, zu erkennen und Zugang zur eigenen Identität, zum wesensgemäßen Dasein und Ausdruck, zu ermöglichen.

Selbstbewusstsein durch Selbsterfahrung
Abraham Maslow, ein amerikanischer Psychologe und maßgeblicher Begründer der humanistischen Psychologie, der sogenannten ‘dritten Kraft’ neben Verhaltenstherapie und Psychoanalyse, beschreibt diesen Auftrag zur Selbsterkenntnis als das höchste menschliche Ziel. Selbsterkenntnis ist nur über Selbsterfahrung möglich und geschieht in der Regel nicht durch Verhaltenstherapie, die den Menschen vorrangig als konditionierbares Lebewesen sieht, oder durch Psychoanalyse, die die Entwicklung des Menschen als Triebunterdrückung beschreibt. Das soll nicht heißen, dass diese Therapierichtungen nicht auch durchaus Verdienste vorzuweisen haben.

Was wirkt in Therapie?
Das wesentlich Wirksame in Psychotherapie ist aber gemäß einer großen Meta-Analyse in der Therapieforschung (B.Duncan, M. Hubble und Mitarbeiter) die Beziehung (35%), die der Klient zu sich und seiner Umwelt in Therapie erforscht und entwickelt und nicht die spezifischen therapeutischen Techniken (10%). Interpretationen, Vor-Sätze, Rat-Schläge und kognitiven Einsichten sind manchmal sehr eindrucksvoll, hinterlassen aber nur selten nachhaltige Wirkung. Das wird auch durch neurobiologische Forschung bestätigt.
Viele Menschen, die zu mir kommen, haben schon einige wirkungslose Therapie-Versuche hinter sich. Sie wissen dann sehr genau, warum sie Probleme haben. Leider hat sich durch dieses Wissen allein in ihrem Leben aber nichts Wesentliches in Richtung Lösung verändert.

Methoden zur Entwicklung von Wahlmöglichkeiten und Handlungsalternativen 
Durch diese Erfahrung habe ich als Therapeut nach neuen Wegen gesucht, um effiziente Hilfe bieten zu können. Vor dem Hintergrund der Hypnotherapie nach Milton Erickson und neueren Konzepten, wie der Hypnosystemischen Therapie nach Gunter Schmidt, interessiere ich mich in meiner Arbeit in erster Linie dafür, wie bewusst positiver Einfluss auf unwillkürliche, lebenshemmende Automatismen in Fühlen, Denken und Handeln bewirkt werden kann. Das übergeordnete Ziel von Hypnose-Therapie ist, dass Menschen wieder Zugang zu den eigenen Wahlmöglichkeiten und Handlungsalternativen finden, anstatt unbewusst und reflexartig zu reagieren. In diesem modernen Verständnis ist Hypnose mehr eine Form der Kommunikation, bei welcher der Klient wach und aktiv beteiligt ist. Hypnose kann damit verstanden werden als Aufmerksamkeits-Fokussierung, die anfangs vom Therapeuten und dann in Eigenkompetenz gelenkt wird – und zwar auf gewünschtes Erleben und nicht auf Probleme.
Systemaufstellungen und Familienstellen hat mein Verständnis über Ursachen und Zusammenhänge von Krankheit und Lösung wesentlich erweitert.

Kleine Schritte mit großer Wirkung
In Therapie muss nicht das ganze Leben verändert werden. So wie bei einem Staudamm schon ein kleines Loch ausreicht um das gesamte Niveau zu verändern. Es werden scheinbar geringfügige Unterschiede zum Problemerleben gesucht, die positive Unterschiede machen im Leben, z.B. was schon an lebenswertem Verhalten – teilweise noch unbewußt – vorhanden ist und entwickelt, erweitert und vertieft werden möchte. Es gibt ja bei den meisten Menschen auch viele schöne Dinge im Leben, die unbedingt so bleiben sollen, wie sie sind und merkwürdigerweise in herkömmlicher Therapie systematisch unbeachtet bleiben. Daneben gibt es aber auch in Krisenzeiten viel Leidvolles.

Eine andere Perspektive einnehmen
Mit dem reichen Wissensschatz aus Systemtheorie, Konstruktivismus und Konzepten der systemischen Therapie wissen wir aber auch, dass alles Erleben, ob angenehm oder unangenehm, abhängig ist von der Perspektive aus der wir es betrachten. 

Erkenntnisse aus den  Neurowissenschaften
Die moderne Hirnforschung bestätigt in vollem Umfang diese These. Damit konstruieren und gestalten wir gewissermaßen selbst, was wir wahr nehmen. Der Neurobiologe Prof. G. Hüther weist auch auf die belegbare Tatsache hin, dass jede neue Erfahrung nur dann wirksam wird, wenn sie unter die Haut geht und emotional berührt. Alles andere wird wieder vergessen. All die Freude, Lust und Zuversicht aus  frühen Kindertagen ist ein Leben lang im Gehirn gespeichert. Wir müssen es nur wieder aktivieren. Dazu brauchen wir eine andere Art von Umgang miteinander, eine Beziehungskultur, in der wir lernen können, gleichzeitig frei und verbunden zu sein.

Mehr Spielraum
Therapie und Selbsterfahrung bieten einen geschützten Spiel-Raum, um neue Perspektiven einzunehmen, eine andere Haltung zu versuchen, unterstützende Beziehungen aufzubauen und in Gefühl, Gedanken und Ausdruck stimmige Möglichkeiten des eigenen Daseins auszuprobieren und im Alltag zu verwirklichen.

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