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Autoimmunerkrankung: erste Symptome, Ursachen und Diagnose

Verfasst von Markus Breitenberger, Heilpraktiker · Geprüft von Dr. Nicole Schaenzler, Medizinredakteurin · Qualitätsrichtlinien

Aktualisiert am 5. November 2026

Hashimoto, Rheuma, Lupus oder Multiple Sklerose: Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Hier erfahren Sie, welche Autoimmunerkrankungen es gibt, wie sie entstehen, woran man sie erkennt und wie sie schulmedizinisch und ergänzend behandelt werden.

Kurz zusammengefasst

  • Bei einer Autoimmunerkrankung (Autoimmunkrankheit) hält das Immunsystem körpereigenes Gewebe fälschlich für fremd und greift es an; bekannt sind rund 100 verschiedene Formen.
  • Etwa jeder zehnte Mensch hat eine Autoimmunerkrankung, Frauen fast doppelt so häufig wie Männer (Conrad et al. 2023).
  • Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt; diskutiert wird ein Zusammenspiel aus erblicher Veranlagung, Infektionen, Umweltfaktoren und Stress. Zunehmend erforscht wird auch eine gestörte Funktion der Zellkraftwerke (mitochondriale Dysfunktion), die Entzündungen auslösen und verstärken kann (Becker et al. 2022).
  • Einen einzelnen Test gibt es nicht: Die Diagnose stützt sich auf Beschwerden, Blutwerte wie Autoantikörper und bildgebende Verfahren.
  • Die meisten Autoimmunerkrankungen gelten als nicht heilbar, aber behandelbar. Homöopathie und Psychotherapie können bei psychosomatischen Beschwerden ergänzend eingesetzt werden.

Inhaltsverzeichnis

  • Was ist eine Autoimmunerkrankung (Autoimmunkrankheit)?
  • Was sind die Ursachen von Autoimmunerkrankungen?
  • Beispiele: Autoimmunerkrankungen von Schilddrüse, Haut, Leber und Gelenken
  • Symptome einer Autoimmunerkrankung: erste Anzeichen
  • Wie werden Autoimmunerkrankungen behandelt?
  • Ernährung bei Autoimmunerkrankungen: die Grundregeln
  • Weitere Fragen zu Autoimmunerkrankungen

Was ist eine Autoimmunerkrankung (Autoimmunkrankheit)?

Eine Autoimmunerkrankung ist eine Erkrankung, bei der das Immunsystem körpereigene Zellen und Organe fälschlich als fremd einstuft und angreift. Die Folge sind Entzündungen, die das betroffene Gewebe schädigen können.

Zu den bekanntesten Autoimmunerkrankungen gehören Rheuma, Zöliakie, Multiple Sklerose, Lupus erythematodes, Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis. Wie es zu dieser Fehlsteuerung der Abwehr kommt, ist trotz intensiver Forschung bis heute nicht vollständig geklärt.

Allen Autoimmunerkrankungen ist jedoch gemeinsam, dass die durch die Autoimmunreaktion hervorgerufenen Entzündungsprozesse Schäden an dem betroffenen Organ oder Gewebe hervorrufen können – bis hin zu deren vollständigen Zerstörung.

Buch-Cover: Autoimmunerkrankungen von Markus Breitenberger

Autoimmunerkrankungen – Autor: Dr. Nicole Schaenzler und Markus Breitenberger

Wie häufig sind Autoimmunerkrankungen?

Autoimmunerkrankungen betreffen etwa jeden zehnten Menschen. In einer britischen Bevölkerungsstudie mit 22 Millionen Menschen hatten 10,2 Prozent mindestens eine von 19 häufigen Autoimmunerkrankungen, Frauen mit 13,1 Prozent fast doppelt so oft wie Männer mit 7,4 Prozent (Conrad et al. 2023).

Autoimmunerkrankungen bei Frauen: welche Rolle Hormone spielen

Frauen erkranken an den meisten Autoimmunerkrankungen deutlich häufiger als Männer, und oft beginnt die Erkrankung in Phasen hormoneller Umstellung: in der Pubertät, in der Schwangerschaft, kurz nach der Geburt oder in den Wechseljahren. Deshalb wird diskutiert, dass weibliche Hormone wie Östrogen und Progesteron das Immunsystem beeinflussen und bei der Entstehung einer Autoimmunerkrankung mitwirken.

Welche Autoimmunerkrankungen gibt es?

Man unterscheidet organspezifische und systemische Autoimmunerkrankungen.

Bei organspezifischen Formen richtet sich das Immunsystem vor allem gegen ein Organ, etwa bei Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow gegen die Schilddrüse, bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gegen den Verdauungstrakt oder bei der autoimmunen Pankreatitis gegen die Bauchspeicheldrüse.

Bei systemischen Autoimmunerkrankungen sind mehrere Gewebe und Organsysteme gleichzeitig betroffen. Ein Beispiel ist der Lupus erythematodes, bei dem neben der Haut oft auch Gelenke und innere Organe entzündet sind. Er gehört wie die Sklerodermie und das Sjögren-Syndrom zu den Kollagenosen, einer Gruppe entzündlich-rheumatischer Bindegewebserkrankungen.

Liste der häufigsten Autoimmunerkrankungen

Bekannt sind rund 100 verschiedene Autoimmunerkrankungen. Die folgende Liste zeigt häufige Formen, in Klammern das jeweils betroffene Organ oder Gewebe:

  • Morbus Addison, autoimmune Form (Nebennierenrinde)
  • Alopecia areata (Haarfollikel)
  • Autoimmungastritis (Magenschleimhaut)
  • Autoimmunhämolytische Anämie (rote Blutkörperchen)
  • Autoimmunhepatitis (Leber)
  • Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüse)
  • Colitis ulcerosa (Mastdarm und Dickdarm)
  • Diabetes Typ 1 (Betazellen der Bauchspeicheldrüse)
  • Morbus Crohn (Verdauungstrakt)
  • Lupus erythematodes (Haut, Gelenke, innere Organe)
  • Morbus Basedow (Schilddrüse)
  • Morbus Bechterew (Wirbelsäule)
  • Multiple Sklerose (Myelinscheiden des zentralen Nervensystems)
  • Rheumatoide Arthritis (Innenhaut der Gelenke, Gelenkknorpel und -knochen)
  • Sarkoidose / Morbus Boeck (Lunge, Lymphknoten)
  • Sjögren-Syndrom (Tränen- und Speicheldrüsen)
  • Sklerodermie (Bindegewebe: Haut, Gefäße, innere Organe)
  • Schuppenflechte/Psoriasis (Haut, Gelenke)
  • Vitiligo (pigmentbildende Zellen der Haut)
  • Zöliakie (Dünndarmschleimhaut)

Was sind die Ursachen von Autoimmunerkrankungen?

Die genauen Ursachen von Autoimmunerkrankungen sind bislang nicht vollständig geklärt. Als Auslöser gilt ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren, Infektionen und Stress. Zudem wird in der funktionellen Medizin eine gestörte Funktion der Mitochondrien als mitwirkender Faktor diskutiert, der dazu beiträgt, dass das Immunsystem die Toleranz gegenüber körpereigenem Gewebe verliert.

Normalerweise schützt das Immunsystem den Körper vor Krankheitserregern wie Viren, Bakterien und Pilzen. Dafür lernen die Abwehrzellen während ihrer Reifung, zwischen „fremd“ und „selbst“ zu unterscheiden.

Ein Großteil unseres Immunsystems ist im Darm lokalisiert – man spricht vom darmassoziierten Immunsystem, das in engem Austausch mit den nützlichen Bakterien der Darmflora steht. Die dortigen körpereigenen Abwehrzellen müssen hochkomplexe Kontrollinstanzen passieren, um zu lernen, was harmlos ist und was bekämpft werden muss. Nur so dürfen sie aktiv werden, um Fremdstoffe anzugreifen und zu eliminieren, während das körpereigene Gewebe toleriert und verschont wird.

Hauptverantwortlich für diese gezielte Immunabwehr sind spezielle Zellen des spezifischen Immunsystems: die T-Zellen und ihre Untergruppen sowie die spezifischen Antikörper, die von den B-Zellen – der zweiten wichtigen Gruppe von Immunzellen – gebildet werden.

Die Fähigkeit des Immunsystems zur immunologischen Selbsttoleranz (Immuntoleranz) wurde erstmals von dem Mikrobiologen Paul Ehrlich (1854-1915) beschrieben und galt lange Zeit als unumstößliche Gesetzmäßigkeit.

Seit dem erstmaligem Nachweis von Autoantikörpern im Blut in den 1950er Jahren zeigte sich jedoch, dass das Prinzip der Immuntoleranz sehr wohl außer Kraft gesetzt werden kann: T-Zellen und Antikörper greifen körpereigene Strukturen an, weil sie diese plötzlich als fremd einstufen. Diese gegen den eigenen Körper gerichteten Antikörper heißen Autoantikörper.

6 mögliche Auslöser einer Autoimmunerkrankung

Diese sechs Faktoren werden als Auslöser einer Autoimmunerkrankung diskutiert. Die ersten fünf sind wissenschaftlich untersucht, wenn auch unterschiedlich gut; der sechste beruht auf meiner Erfahrung aus der Praxis:

  1. Genetische Veranlagung
  2. Infektionen
  3. Umweltfaktoren
  4. Stress
  5. Mitochondriale Dysfunktion 
  6. Entfremdung

Ist eine Autoimmunerkrankung erblich?

Vererbt wird nicht die Autoimmunerkrankung selbst, sondern eine Veranlagung dafür: Autoimmunerkrankungen treten in manchen Familien gehäuft auf. Damit die Erkrankung tatsächlich ausbricht, müssen aber weitere äußere und innere Faktoren hinzukommen.

Infektionen als Auslöser

Bestimmte bakterielle und virale Infektionen können eine Autoimmunerkrankung auslösen. So kann eine Mandelentzündung durch Streptokokken eine tropfenförmige Schuppenflechte (Psoriasis guttata) nach sich ziehen.

Diskutiert wird außerdem ein Zusammenhang zwischen Virusinfektionen und Typ-1-Diabetes sowie zwischen dem Epstein-Barr-Virus und Lupus erythematodes. Für die Multiple Sklerose ist der Zusammenhang am besten untersucht: In einer Studie mit über 10 Millionen US-Soldaten stieg das MS-Risiko nach einer Epstein-Barr-Infektion um das 32-Fache (Bjornevik et al. 2022).

Dass Infektionen zu Initialzündern für eine Autoimmunerkrankung werden können, könnte unter anderem auf einen Mechanismus zurückzuführen sein, der molekulare Mimikry (= Nachahmung) genannt wird: Einige Viren und Bakterien können ihre Oberflächenstruktur so stark verändern, dass sie bestimmten körpereigenen Zellstrukturen sehr ähnlich werden. Dadurch können die Akteure des Immunsystems nicht mehr zwischen fremd und selbst unterscheiden und bekämpfen nun sowohl die krankmachenden Erreger als auch die körpereigenen Zellen.

Viele Betroffene fragen, ob auch Impfungen eine Autoimmunerkrankung auslösen oder verschlechtern können. Dagegen überwiegt aus schulmedizinischer Sicht und nach den Empfehlungen der STIKO der Nutzen von Schutzimpfungen bei Autoimmunpatienten jedoch deutlich, da echte Infektionen das Risiko für schwere Krankheitsschübe massiv erhöhen können.

Umweltfaktoren und Hygiene-Hypothese

Hygiene-Hypothese: Autoimmunerkrankungen und Allergien sind in Industrieländern häufiger als in Ländern mit niedrigem Einkommen. Eine Erklärung ist, dass das Immunsystem durch weniger Kontakt mit Mikroorganismen in der Kindheit schlechter „trainiert“ wird und leichter fehlreguliert.

Schadstoffe: Auch Umweltschadstoffe wie Zigarettenrauch, Feinstaub oder bestimmte Chemikalien werden als Auslöser untersucht; für Rauchen ist ein Zusammenhang mit rheumatoider Arthritis gut belegt.

Kann Stress eine Autoimmunerkrankung auslösen?

Chronischer Stress und ein dysreguliertes Nervensystem wirken sich nicht nur ungünstig auf die seelische, sondern auch auf die körperliche Gesundheit – und speziell auf das Immunsystem aus. Denn auf Stress reagiert der Körper umgehend mit einer Reihe von Mechanismen, um die Leistungsfähigkeit zur Bewältigung der Herausforderung zu steigern.

Dazu gehört, dass der Körper über die Stressachse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse) vermehrt das Stresshormon Cortisol ausschüttet, das die Immunabwehr vorübergehend dämpft. Ist die Stresssituation vorbei, sinkt der Cortisolspiegel wieder. Hält der Stress an, bleibt er erhöht, und man wird anfälliger für Infektionen.

In der Naturheilkunde wird zudem von einer Nebennierenschwäche mit Cortisolmangel gesprochen; als eigenständige Diagnose ist sie schulmedizinisch nicht anerkannt. 

Dass Stress das Risiko erhöhen kann, zeigt eine schwedische Studie: Menschen mit einer stressbedingten psychischen Erkrankung wie einer posttraumatischen Belastungsstörung erkrankten häufiger an einer Autoimmunerkrankung als ihre Geschwister ohne diese Diagnose (Song et al. 2018).

Mitochondriale Dysfunktion: Rolle der Zellkraftwerke

Eine mitochondriale Dysfunktion – also eine Funktionsstörung der zellulären Kraftwerke – kann maßgeblich zu Autoimmunprozessen beitragen und diese verstärken. Normalerweise sorgen Mitochondrien für eine effiziente Energiegewinnung in den Zellen. Ist ihre Funktion gestört, gerät dieser Prozess aus dem Gleichgewicht: Es entstehen vermehrt freie Radikale (oxidativer Stress), und mitochondriale Bestandteile (wie ihre DNA) können ins Gewebe gelangen.

Der entscheidende Mechanismus dabei: Mitochondrien stammen evolutionär von Bakterien ab und besitzen daher ihre eigene bakterienähnliche DNA. Wenn diese mitochondriale DNA bei einer Funktionsstörung freigesetzt wird, kann das Immunsystem sie fälschlicherweise als „fremd“ erkennen. Dieser Vorgang wird als Alarmsignal gewertet und triggert stille Entzündungsreaktionen.

Veränderte Mitochondrien finden sich unter anderem bei Lupus erythematodes, rheumatoider Arthritis und Multipler Sklerose (Becker et al. 2022; Jiao et al. 2023). Ob die Störung Auslöser, Verstärker oder Folge der Erkrankung ist, ist noch nicht abschließend geklärt; vermutlich wirkt sie in beide Richtungen.

In meiner Praxis ist die mitochondriale Dysfunktion bei Autoimmunerkrankungen ein wichtiges Thema, weil viele Betroffene unter ausgeprägter Erschöpfung und verminderter Belastbarkeit leiden.

Markus Breitenberger, Heilpraktiker mit Schwerpunkt “Autoimmunerkrankungen” und “Chronische Erschöpfung”

Mehr zu Anzeichen, Laborwerten und Behandlungsansätzen lesen Sie im Ratgeber Mitochondriale Dysfunktion.

Entfremdung vom eigenen Selbst: meine Erfahrung aus der Praxis

Bei einer Autoimmunerkrankung erkennt das Abwehrsystem körpereigenes Gewebe nicht mehr als „eigen“. In meiner Praxis erlebe ich häufig, dass dem auf seelischer Ebene eine Entfremdung von Teilen der eigenen Identität entspricht. Aus meiner Perspektive lässt sich beobachten, dass Betroffene in ihrer Biografie häufig gelernt haben, eigene Bedürfnisse stark zu unterdrücken, um bestimmten Rollenbildern zu entsprechen – so weit, bis sie sich selbst immer fremder geworden sind. Wissenschaftlich untersucht ist dieser Zusammenhang bisher nicht; ich verstehe ihn als Denkmodell, das in der Behandlung hilfreich sein kann.

In der potentialorientierten Arbeit zeigt sich häufig, dass eine innere Entfremdung mit starren Identifikationen einhergeht. Betroffene halten – oft unbewusst – an alten Selbstbildern aus der Kindheit, an Dynamiken des Familiensystems oder an verinnerlichten Werten fest, die nicht mehr zu ihrem eigentlichen Wesen passen.

Wenn ich Betroffenen in der Praxis aufmerksam zuhöre, kann ich in vielen Fällen Sätze wie diese hören:

„Ich bin mir irgendwie selbst fremd geworden“
„Ich habe mich selbst verloren“
„Ich kenne mich gar nicht mehr wieder“

Eine ausführliche Anamnese (griech.: Wieder-Erinnern) zu Beginn der Behandlung, die den ganzen Menschen und nicht nur ein erkranktes Organ untersucht, kann daher schon der erste wichtige Schritt sein. Häufig berichten Betroffene in der Vorgeschichte von lang anhaltenden, emotional schwierigen Lebenssituationen.

Beispiele: Autoimmunerkrankungen von Schilddrüse, Haut, Leber und Gelenken

Autoimmunerkrankungen können fast jedes Organ betreffen. Besonders häufig richten sie sich gegen die Schilddrüse, die Haut, die Leber und die Gelenke; zu den meisten dieser Erkrankungen finden Sie einen eigenen Ratgeber.

Autoimmunerkrankung der Schilddrüse: Hashimoto und Basedow

Die Hashimoto-Thyreoiditis (chronische Autoimmunthyreoiditis) ist die häufigste Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und der Hauptgrund für eine Schilddrüsenunterfunktion. Abwehrzellen greifen das Schilddrüsengewebe an und zerstören es nach und nach, sodass es immer weniger Hormone bildet. Typisch sind Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gewichtszunahme, Verstopfung und trockene Haut; zu Beginn kann vorübergehend auch eine Überfunktion bestehen. Viele Betroffene haben trotz Einnahme von L-Thyroxin weiterhin belastende Beschwerden.

Beim Morbus Basedow regen Autoantikörper die Schilddrüse dagegen zu einer Überfunktion an, oft sind auch die Augen beteiligt (endokrine Orbitopathie). Unter einer medikamentösen Behandlung kommt die Erkrankung bei etwa der Hälfte der Betroffenen nach ein bis eineinhalb Jahren zum Stillstand (Remission).

Autoimmunerkrankungen der Haut: Vitiligo, Alopecia areata und Co.

Im Rahmen einer Autoimmunerkrankung ist die Haut ein relativ häufiges Angriffsziel. Es kommt vor, dass das Autoimmungeschehen im Wesentlichen auf die Haut begrenzt bleibt, häufiger sind jedoch weitere Organsysteme mit betroffen; dies ist z.B. bei den Kollagenosen, einer Sklerodermie, dem systemischen Lupus erythematodes, mitunter auch bei einer Psoriasis (Psoriasis-Arthritis) der Fall.

Autoimmunerkrankungen, die sich oft primär an der Haut abspielen, sind zum Beispiel:

  • Alopecia areata: Eine Erkrankung, bei der es zu einem kreisrunden Haarausfall kommt. Dies geschieht in 80 Prozent der Fälle im Kopfbereich. Bei Männern kann der kreisrunde Haarausfall jedoch auch im Bartbereich und – sehr selten – im Bereich der Körperbehaarung auftreten.
  • Vitiligo (Weißfleckenkrankheit): Typisch sind weiße, pigmentfreie Flecken, häufig an Gesicht, Händen, Füßen und im Genitalbereich. Sie schmerzen nicht, belasten Betroffene aber oft durch das auffällige Erscheinungsbild.
  • Bullöses Pemphigoid, Pemphigus vulgaris und Dermatitis herpetiformis (Morbus Duhring) gehören zu den blasenbildenden Autoimmunerkrankungen der Haut (bullöse Autoimmundermatosen).

Autoimmunerkrankungen der Leber: Autoimmunhepatitis und PBC

Richtet sich das Immunsystem gegen die Leberzellen, entsteht eine Autoimmunhepatitis (AIH), eine Leberentzündung, die unbehandelt in eine Leberzirrhose übergehen kann. Bei der primär biliären Cholangitis (PBC), früher primär biliäre Zirrhose genannt, entzünden sich zunächst die kleinen Gallengänge in der Leber; durch den Gallenstau wird nach und nach auch das Lebergewebe geschädigt.

Beide Erkrankungen können gleichzeitig auftreten (Überlappungssyndrom).

Lupus erythematodes (SLE): Autoimmunerkrankung mit vielen Gesichtern

Der Lupus erythematodes ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die überwiegend Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren betrifft; in Deutschland leben etwa 39.000 Erwachsene mit einem systemischen Lupus (DRFZ 2026). Beim kutanen Lupus ist vor allem die Haut betroffen, beim systemischen Lupus können sich Nieren, Gelenke, Rippenfell, Herzbeutel und Gefäße entzünden.

Typisch ist eine schmetterlingsförmige Rötung im Gesicht (Schmetterlingserythem). Meist verläuft die Erkrankung in Schüben mit beschwerdearmen Phasen dazwischen.

Rheuma als Autoimmunerkrankung: rheumatoide Arthritis und Co.

Zum rheumatischen Formenkreis zählen mehr als 100 Krankheitsbilder, nicht alle davon sind Autoimmunerkrankungen. Betroffen sind vor allem Gelenke und Wirbelsäule (etwa beim Morbus Bechterew), aber auch Muskeln, Sehnen und Bänder; einige Formen befallen auch innere Organe.

Weil die jeweiligen rheumatischen Erkrankungen sowohl in Bezug auf ihre Entstehungsmechanismen als auch hinsichtlich ihrer Krankheitsverläufe stark variieren, wird der rheumatische Formenkreis in verschiedene Krankheitsgruppen eingeteilt. Die wichtigsten sind:

  • Rheumatoide Arthritis, juvenile Arthritis, Arthritis bei Schuppenflechte (Psoriasis-Arthritis)
  • Vaskulitiden, zum Beispiel die Riesenzellarteriitis
  • Kollagenosen wie Lupus erythematodes
  • Gicht und andere Stoffwechselerkrankungen, die mit rheumatischen Beschwerden einhergehen
  • Im weiteren Sinn werden auch Erkrankungen mit einbezogen, die nicht durch eine Entzündung ausgelöst werden, so etwa Arthrose oder Fibromyalgie.

Die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung ist die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis), an der in Deutschland etwa 700.000 Erwachsene erkrankt sind (DRFZ 2026); Frauen sind deutlich häufiger betroffen. Das Immunsystem greift die Innenhaut der Gelenke an, meist zuerst symmetrisch an Finger- und Zehengelenken. Unbehandelt führt die Entzündung zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Gelenkverformungen; auch Blutgefäße, Herz, Lunge und Augen können betroffen sein. Beginnt die Erkrankung im Kindesalter, spricht man von juveniler Arthritis.

Symptome einer Autoimmunerkrankung: erste Anzeichen

Erste Anzeichen einer Autoimmunerkrankung sind oft unspezifisch: anhaltende Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwächegefühl, leichtes Fieber sowie Gelenk- oder Muskelschmerzen. Welche weiteren Symptome auftreten, hängt davon ab, welches Organ betroffen ist.

Weil diese Beschwerden so allgemein sind, werden sie zu Beginn häufig fehlgedeutet, bis weitere, typischere Symptome hinzukommen, etwa Hautveränderungen, geschwollene Gelenke oder Verdauungsbeschwerden.

Bis zur Diagnose vergehen oft Monate, manchmal Jahre. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa werden zum Beispiel anfangs häufig für ein Reizdarmsyndrom gehalten. Halten Beschwerden wie Gelenkschwellungen, Durchfall mit Blut, unerklärliches Fieber oder Gewichtsverlust an, lassen Sie sie bitte zeitnah ärztlich abklären.

Wie stellt man eine Autoimmunerkrankung fest?

Eine Autoimmunerkrankung stellt die Ärztin oder der Arzt anhand mehrerer Untersuchungen fest: Gespräch über die Beschwerden (Anamnese), körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung und meist bildgebende Verfahren.

Wichtig sind zunächst eine ausführliche Anamnese mit einer möglichst genauen Symptombeschreibung sowie eine eingehende körperliche Untersuchung. Zusätzlich wird eine Laboruntersuchung durchgeführt.

Außerdem kommen in den meisten Fällen bildgebende Verfahren zur Anwendung. Mithilfe von bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, Szintigraphie, Computer- und Magnetresonanztomographie können charakteristische Veränderungen an den betroffenen Organen, Gelenken und Geweben festgestellt und begutachtet werden.

In Einzelfällen ist eine feingewebliche Untersuchung (Biopsie) von befallenen Organen oder Geweben notwendig.

Blutwerte bei Autoimmunerkrankungen: CRP und Autoantikörper

Eine Blutuntersuchung dient insbesondere der Bestimmung von Entzündungswerten (CRP-Wert sowie die Anzahl der weißen Blutkörperchen, die beide bei einer Entzündung erhöht sind), sowie dem Nachweis von Autoantikörpern im Blut.

Viele Autoimmunerkrankungen haben typische Autoantikörper, etwa TPO-Antikörper bei Hashimoto-Thyreoiditis, ANA bei Lupus erythematodes oder Rheumafaktor und CCP-Antikörper bei rheumatoider Arthritis. Deshalb haben Autoantikörper einen hohen Stellenwert in der Diagnostik. Gleichwohl reicht ein erhöhter Antikörperspiegel allein nicht aus, um eine Autoimmunerkrankung sicher festzustellen. Umgekehrt kann es sein, dass (zu Beginn der Erkrankung) keine Autoantikörper nachweisbar sind, auch wenn andere diagnostische Verfahren eine Autoimmunerkrankung nahelegen.

Erst das Gesamtbild der verschiedenen Untersuchungsergebnisse zeigt an, ob eine Autoimmunerkrankung vorliegt oder nicht.

Gibt es einen Test auf Autoimmunerkrankungen?

Einen einzelnen Test, der alle Autoimmunerkrankungen erkennt, gibt es nicht. Hinweise liefern Beschwerden, Blutwerte wie Entzündungswerte und Autoantikörper sowie bildgebende Verfahren.

Es werden Gentests angeboten, die jedoch bisher keine zentrale Rolle in der Diagnostik von Autoimmunerkrankungen spielen. Das Risiko für Autoimmunerkrankungen ist multifaktoriell und entsteht in den allermeisten Fällen durch das Zusammenspiel zahlreicher Gene (polygen) und Umweltfaktoren. Ob Autoimmunerkrankungen entstehen, liegt also nicht nur an den Genen, sondern daran, wie sich das Erbgut organisiert, was in der Epigenetik erforscht wird.

Welcher Arzt behandelt Autoimmunerkrankungen?

Bei komplexen Krankheitsbildern arbeiten mehrere Fachrichtungen zusammen. Viele Betroffene wünschen sich zusätzlich eine ganzheitliche Begleitung, die die fachärztliche Behandlung ergänzt.

Ob eine naturheilkundliche Begleitung zu Ihrer fachärztlichen Behandlung passt, klären wir gern in einem persönlichen Beratungsgespräch in meiner Münchner Praxis oder in einer Videosprechstunde. Beides können Sie bequem online buchen:

Termin: Vor Ort oder Video

Wie werden Autoimmunerkrankungen behandelt?

Autoimmunerkrankungen werden je nach Erkrankung mit Medikamenten behandelt, die die Entzündung dämpfen, die Aktivität des Immunsystems verringern oder fehlende Hormone ersetzen. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern, Organschäden zu verhindern und bei fortschreitenden Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Colitis ulcerosa einen Stillstand (Remission) zu erreichen.

Einige Autoimmunerkrankungen werden gezielt behandelt, etwa die Hashimoto-Thyreoiditis mit Schilddrüsenhormon (L-Thyroxin), das den Hormonmangel ausgleicht.

Medikamente bei Autoimmunerkrankungen: Kortison, Immunsuppressiva, Biologika

Die meisten Autoimmunerkrankungen werden mit Medikamenten aus drei Gruppen behandelt, die das Immunsystem unspezifisch oder gezielt dämpfen:

  • Kortison als Akuttherapie, mitunter auch zur Langzeitbehandlung in unterschiedlicher Dosierung
  • Immunsuppressiva als Basistherapie (zum Beispiel Methotrexat, Ciclosporin, Azathioprin)
  • Biologika, also biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe, die gezielt einzelne Botenstoffe oder Immunzellen hemmen (zum Beispiel TNF-alpha-Hemmer oder Rituximab)

Immunsuppressiva bei Autoimmunerkrankungen: Nutzen und Risiken

Immunsuppressiva unterdrücken die Aktivität des Immunsystems; bei schweren Verläufen können sie Organe schützen und lebenswichtig sein.

Weil sie aber auch die normale Abwehr schwächen, steigt das Risiko für Infekte und schwer verlaufende Infektionen, bei manchen Wirkstoffen langfristig auch für bestimmte Krebserkrankungen. Hinzu kommen je nach Wirkstoff weitere Nebenwirkungen, die regelmäßige ärztliche Kontrollen erfordern.

Ist eine Autoimmunerkrankung heilbar?

Die meisten Autoimmunerkrankungen gelten nach heutigem Wissen als nicht heilbar, viele lassen sich aber gut behandeln. Bei manchen kommt die Erkrankung über lange Zeit zum Stillstand (Remission), beim Morbus Basedow etwa bei rund der Hälfte der Behandelten.

Ganzheitliche Begleitung bei Autoimmunerkrankungen: Homöopathie und Psychotherapie

Seit über 25 Jahren begleite ich in meiner Münchner Praxis Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow, Multipler Sklerose oder Colitis ulcerosa, immer ergänzend zur fachärztlichen Behandlung. Am Anfang steht die Frage, was alles zum Krankheitsgeschehen beiträgt und behandelt werden sollte:

  • das betroffene Organ?
  • die Psyche?
  • das Immunsystem?
  • den gesamten Menschen?
  • das Lebensumfeld des erkrankten Menschen?
  • … alles zusammen?

Ein wichtiger Schwerpunkt meiner Arbeit ist dabei die Energieversorgung der Zellen: Bei Hinweisen auf eine mitochondriale Dysfunktion kläre ich die Mitochondrienfunktion mit gezielter Labordiagnostik ab und beziehe Ernährung, Mikronährstoffversorgung, Bewegung und Stressabbau in die Behandlung ein.

Ein weiterer möglicher Baustein ist die klassische Homöopathie mit einer Konstitutionsbehandlung, bei der ein Mittel nach dem Gesamtbild des Menschen ausgewählt wird. Ich setze sie ergänzend ein, nicht anstelle einer notwendigen ärztlichen Therapie. Wie die Begleitung in meiner Praxis abläuft, lesen Sie auf der Seite Heilpraktiker für Autoimmunerkrankungen in München.

Welche Rolle spielt die Psyche bei Autoimmunerkrankungen?

Psyche und Immunsystem sind über das Nerven- und Hormonsystem eng miteinander verbunden, sodass seelische Belastungen die Immunabwehr direkt beeinflussen können. Dies untersucht seit Mitte der 1970er-Jahre die Psychoneuroimmunologie: Sie erforscht, wie Stimmung, Wahrnehmung und Lebensumstände auf das Immunsystem wirken.

Psychische und physische Stressoren modulieren das Immunsystem von Anfang an – bereits bevor ein Mensch auf die Welt kommt.

Selbstbild und frühe Prägung bei Autoimmunerkrankungen

Wie wir mit Gefühlen umgehen und auf Belastungen reagieren – unsere seelische Widerstandskraft (Resilienz) – , wird bereits in den ersten Lebensjahren geprägt, lange bevor wir sprechen können.

Die Grundlagen für emotionale Regulation und Stressbewältigung entstehen also weit vor unserem denkenden und sprachlichen Verstand. Die linke Gehirnhälfte schafft erst zeitversetzt Sprache, Begriffe und Selbstbilder. Doch genau diese später entstandenen Selbstbilder sind es oft, die uns als Erwachsene einengen und daran hindern, ein vielfältiges und erfülltes Leben zu führen.

Aus meiner Sicht gibt es eine Parallele zwischen dem psychischen Selbstbild und der Fähigkeit des Immunsystems, „selbst“ und „fremd“ zu unterscheiden, was biochemisch über sogenannte MHC-Proteine auf den Zellen geschieht. Wissenschaftlich belegt ist ein direkter Zusammenhang nicht; für meine Arbeit ist er aber ein wichtiges Denkmodell. Ich verstehe Krankheit dabei nicht nur als Folge vergangener Ereignisse, sondern auch als möglichen Anstoß, im Leben etwas Notwendiges zu verändern.

Markus Breitenberger, Heilpraktiker

Autoaggression: Aggression, Depression und Autoimmunerkrankungen

Aggression (lat. aggredere: sich heranmachen, in Angriff nehmen) ist die Möglichkeit zum Richtungs- und Ortswechsel, wenn sie nicht als Feindseligkeit, sondern als Fähigkeit eingesetzt wird:

  • auf das zuzugehen, was mir gut tut
  • von dem wegzugehen, was mir schadet
  • gegen das anzugehen, was mich bedroht.

Diese Fähigkeit verbindet den Menschen mit anderen Säugetieren und unterscheidet ihn von klimaabhängigen Pflanzen und ortsgebundenen Mineralien.

Bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen erlebe ich häufig, dass ihnen diese Fähigkeit, aktiv etwas zu verändern, verloren gegangen ist. Bekommt die eigene Kraft keine Richtung, wird sie aus meiner Sicht entweder unterdrückt, wie bei einer Depression, oder sie wendet sich gegen einen selbst (Autoaggression).

Beziehungen und Autoimmunerkrankung: der Blick der Gestalttherapie

Die Richtungs- und Orientierungslosigkeit, die sich in der Autoimmunerkrankung individuell und mikrokosmisch auf Zellebene widerspiegelt (Autoantikörper), hat ihre Entsprechung im makrokosmischen Bereich im gestörten Beziehungsleben.

Autoimmunerkrankungen spiegeln wie kaum ein anderer Krankheitsprozess das Dilemma des Menschen in der Postmoderne wider: mit Vollgas in die falsche Richtung!

Markus Breitenberger, Heilpraktiker

Kollektiv erleben wir regelmäßig das Phänomen, dass Menschen, die wechselseitig voneinander abhängig sind, sich gegenseitig bekämpfen. Bei einer Autoimmunerkrankung zeigt sich diese Tendenz, sich gegen sich selbst zu wenden, auf der Ebene des Einzelnen; die Gestalttherapie nennt das „Retroflexion“.

Gibt es eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur bei Autoimmunerkrankungen?

Eine typische „Autoimmun-Persönlichkeit“ ist wissenschaftlich nicht belegt. In meiner Praxis begegne ich aber vielen Betroffenen, die versuchen, alles richtig und es allen recht zu machen, und dabei nicht im Einklang leben mit:

  • sich selbst
  • ihren Mitmenschen
  • der umgebenden Natur
  • einer allumfassenden, größeren Ordnung. 

Eine Erkrankung kann so auch ein Anstoß sein, wieder mehr in Einklang mit sich selbst zu kommen.

Was Sie bei einer Autoimmunerkrankung selbst tun können

Bei autoaggressiven Prozessen reichen partielle Veränderungen und Korrekturen des bereits Bestehenden meist nicht mehr aus. Es braucht für den einzelnen Menschen und seine Umgebung eine tiefgreifende Verwandlung, wie sie die Raupe vollzieht, wenn aus ihr ein Schmetterling werden soll.

Wie kann diese Verwandlung beginnen? Bei der Raupe gibt das Häutungshormon Ecdyson den Startschuss: Ihr Inneres löst sich weitgehend auf und organisiert sich neu zum Schmetterling.

Eine Raupe ruft dem davonfliegenden Schmetterling ärgerlich nach: "Du bist auch nicht mehr, wer Du mal warst!"

Bei uns Menschen kann es beginnen, wenn wir:

  • weniger nachdenken, was uns andere vorgedacht haben
  • es wagen Unerhörtes auszusprechen
  • unverschämter werden, indem wir lernen ohne Scham zu zeigen, wie wir eigentlich sind
  • offen für andere Meinungen und kritisch gegenüber festgefahrenen Überzeugungen werden
  • aufhören zu reden und anfangen das zu tun und sich um das zu kümmern, was uns wirklich am Herzen liegt.

Wer Autoimmunerkrankungen nur auf der körperlichen Ebene behandelt, bleibt aus meiner Sicht oft am Rand des Krankheitsgeschehens. Deshalb lohnt es sich, auch die seelische und die Beziehungsebene einzubeziehen. Aus mehr als 25 Jahren Praxiserfahrung bin ich überzeugt: Fachärztliche Behandlung, Homöopathie, Psychotherapie und Selbsterfahrung sollten zusammenarbeiten statt gegeneinander.

Markus Breitenberger, Heilpraktiker mit Schwerpunkt “Autoimmunerkrankungen” und “Chronische Erschöpfung”

Vor diesem Hintergrund gibt es in der heutigen Medizin noch viel zu tun, um Krankheiten ohne messbare Ursache angemessen zu begegnen. Vor allem aber können wir alle noch viel lernen im achtsamen, freundlichen Umgang mit uns selbst, unseren Mitmenschen und unserer Umwelt – es lohnt sich.

Ernährung bei Autoimmunerkrankungen: die Grundregeln

Bei Autoimmunerkrankungen gilt eine anti-entzündliche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Fisch und pflanzlichen Ölen und wenig Fleisch, Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln als sinnvolle Grundlage. Eine Einheitsdiät für alle Autoimmunerkrankungen gibt es nicht.

Studien deuten darauf hin, dass die Ernährung Entzündungsprozesse beeinflussen kann; wie stark, unterscheidet sich je nach Erkrankung. Bei Zöliakie ist ein dauerhaft glutenfreies Essen die eigentliche Behandlung.

Wichtig ist, den Körper zum einen ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen und sich zum anderen bewusst anti-entzündlich zu ernähren.

Anti-entzündliche Ernährung bei Autoimmunerkrankung

Eine anti-entzündliche Ernährung soll Entzündungsvorgänge im Körper nicht zusätzlich anfachen. Manche Betroffene bemerken nach einigen Wochen weniger Beschwerden. Ob und wann sich die Dosis von Medikamenten anpassen lässt, entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Hierfür gilt es, möglichst wenig Lebensmittel zu verzehren, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe entzündungsfördernd wirken und bevorzugt die Nahrungsmittel zu essen, die auf Entzündungsprozesse hemmend wirken.

Dementsprechend ist eine anti-entzündliche Ernährungsweise zum Beispiel reich an pflanzlichen Antioxidantien und gesunden Omega-3-Fettsäuren, jedoch enthält sie nur wenig entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren, allen voran die zu den Omega-6-Fettsäuren gehörende Arachidonsäure, die vor allem in Fleisch enthalten ist.

Wie sich eine anti-entzündliche Ernährung im Einzelnen zusammensetzt, erfahren Sie unter: Richtige Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis

Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen gehen häufig mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten einher. Dahinter können eine veränderte Darmflora (Dysbiose) oder eine Glutenunverträglichkeit stecken; bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn ist die Barrierefunktion der Darmschleimhaut gestört (umgangssprachlich Leaky Gut). Lassen Sie eine Zöliakie bitte ärztlich abklären, bevor Sie auf Gluten verzichten, denn nach einer glutenfreien Phase kann der Test falsch negativ ausfallen.

Hinzu kommen Unverträglichkeiten, die überwiegend in der akuten Phase einer Autoimmunerkrankung auftreten, in Zeiten mit weniger oder gar keinen Beschwerden jedoch wieder verschwinden. In all diesen Fällen empfiehlt sich eine individuelle Ernährungsberatung, die gegebenenfalls zumindest in den ersten Wochen und Monaten Bestandteil der Therapiestrategie sein sollte.

Sie haben eine Autoimmunerkrankung und möchten Ihre fachärztliche Behandlung ganzheitlich ergänzen? In einem ausführlichen Erstgespräch klären wir, welche Bausteine für Sie infrage kommen:

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Weitere Fragen zu Autoimmunerkrankungen

Drei Fragen, die Betroffene in der Praxis häufig stellen, kurz beantwortet:

In den meisten Fällen ja. Eine Schwangerschaft sollte aber mit der behandelnden Fachärztin oder dem behandelnden Facharzt geplant werden, weil manche Medikamente vorher umgestellt werden müssen und sich die Krankheitsaktivität in der Schwangerschaft verändern kann.

Nein. Autoimmunerkrankungen entstehen durch eine Fehlsteuerung des eigenen Immunsystems und können nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Ansteckend können nur Infektionen sein, die bei manchen Menschen eine Autoimmunerkrankung mit auslösen.

Ja. Wer eine Autoimmunerkrankung hat, erkrankt häufiger an einer zweiten, besonders häufig bei Sjögren-Syndrom, Lupus erythematodes und systemischer Sklerose (Conrad et al. 2023). Bekannt ist zum Beispiel die Kombination aus Typ-1-Diabetes, Zöliakie und Hashimoto-Thyreoiditis.

Hinweis zu diesem Artikel: Autoimmunerkrankungen gehören in fachärztliche Behandlung; Naturheilkunde und Homöopathie können sie nur ergänzen. Kortison darf nach längerer Einnahme nicht abrupt abgesetzt werden. Lassen Sie eine Zöliakie ärztlich abklären, bevor Sie auf Gluten verzichten.

Über den Autor

Markus Breitenberger, Heilpraktiker in MünchenMarkus Breitenberger, Heilpraktiker für ganzheitliche Medizin mit Schwerpunkt Autoimmunerkrankungen, Schilddrüse, hormonelle Beschwerden und chronische Erschöpfung

Markus Breitenberger führt seit über 25 Jahren eine eigene Praxis für Komplementärmedizin in München. In seiner Arbeit verbindet er naturheilkundliche Erfahrung mit einer wissenschaftlich fundierten Analyse von Symptomen, Laborwerten und möglichen Ursachen chronischer Beschwerden. Sein Wissen teilt er regelmäßig in Ratgeber- und Fachartikeln. Zudem ist er Buchautor von zwei Gesundheitsratgebern, die im Gräfe und Unzer Verlag erschienen sind.

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Alle Ratgeber-Artikel werden von Medizinredakteurinnen mit über 20 Jahren Berufserfahrung fachlich geprüft.

Transparenz- & Gesundheitshinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Setzen Sie verordnete Medikamente oder laufende Behandlungen nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei akuten oder sich verschlechternden Beschwerden wenden Sie sich umgehend an eine Arztpraxis oder den Notruf 112. Genannte Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene Ernährung. Bei Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, in Schwangerschaft und Stillzeit besprechen Sie die Einnahme bitte vorher ärztlich oder heilpraktisch. Mit * gekennzeichnete Links und mit „Anzeige“ markierte Boxen sind Affiliate-Links (Werbung): Bei einem Kauf erhalte ich eine Provision, für Sie entstehen keine Mehrkosten.

Quellen

Markus Breitenberger, Dr. Nicole Schaenzler: Autoimmunerkrankungen in den Griff bekommen. Die besten ganzheitlichen Therapien. In: GU Ratgeber Gesundheit, Gräfe und Unzer,

Nathalie Conrad, Shivani Misra et al.: Incidence, prevalence, and co-occurrence of autoimmune disorders over time and by age, sex, and socioeconomic status: a population-based cohort study of 22 million individuals in the UK. In: The Lancet 2023;401(10391):1878-1890

Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin: Rheuma in Zahlen – Betroffene Menschen in Deutschland. In: DRFZ, Stand August 2026

Yann L. C. Becker, Bhargavi Duvvuri et al.: The role of mitochondria in rheumatic diseases. In: Nature Reviews Rheumatology 2022;18(11):621-640

Yuhao Jiao, Zhiyu Yan et al.: Mitochondria in innate immunity signaling and its therapeutic implications in autoimmune diseases. In: Frontiers in Immunology 2023;14:1160035

Kjetil Bjornevik, Marianna Cortese et al.: Longitudinal analysis reveals high prevalence of Epstein-Barr virus associated with multiple sclerosis. In: Science 2022;375(6578):296-301

Huan Song, Fang Fang et al.: Association of Stress-Related Disorders With Subsequent Autoimmune Disease. In: JAMA 2018;319(23):2388-2400

Norbert Wagner, Frauke Assmus et al.: Impfen bei Immundefizienz: Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (IV) Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen und unter immunmodulatorischer Therapie. In: Bundesgesundheitsblatt 2019;62:494-515

European Academies’ Science Advisory Council (EASAC): Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. In: EASAC Statement, September 2017

Harald J. Hamre, Anja Glockmann et al.: Efficacy of homoeopathic treatment: Systematic review of meta-analyses of randomised placebo-controlled homoeopathy trials for any indication. In: Systematic Reviews 2023;12:191

Gerd Herold et al.: Innere Medizin. In: Herold, Köln,

Amboss: Autoimmunerkrankungen (Kapitel PRÜFEN). In: AMBOSS Wissen,

Kategorien: Autoimmunerkrankungen

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