Das von der Rinde der Nebennieren produzierte Cortisol ist ein Hormon, das viele Prozesse und Funktionen im Körper maßgeblich beeinflusst. In akuten Belastungssituationen ist Cortisol wesentlich an den verschiedenen Reaktionen zur Stressbewältigung beteiligt, deshalb auch die Bezeichnung „Stresshormon“.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Cortisol ist ein wichtiges, von der Rinde der Nebenniere gebildetes Stresshormon
- Niedrige Cortisolwerte zeigen eine Schwäche oder Unterfunktion der Nebennieren an
- Ein Mangel an Cortisol führt zu chronischem Energiemangel mit Müdigkeit und Schwäche
- Die Schulmedizin erkennt nur die Addison-Krankheit als Ursache für einen Cortisolmangel an und sieht eine lebenslange Hormonersatztherapie vor
- Eine funktionell bedingte Nebennierenschwäche wird von der Komplementärmedizin ganzheitlich behandelt .
Dauerstress kann dazu führen, dass die Nebennieren ihre Cortisolproduktion zunächst steigern – der Tagescortisolspiegel ist dann messbar erhöht. Auf Dauer erschöpfen die Nebennieren jedoch und stellen immer weniger Cortisol bereit. Vor allem Frauen, die bereits an einer Autoimmunerkrankung wie Hashimoto leiden, haben oft mit einer funktionellen Störung der Nebennieren zu kämpfen.

Wichtig ist, dass mögliche Hinweise auf einen Cortisolmangel frühzeitig erkannt und behandelt werden, denn dieser Mangel kann weitreichende Folgen für Körper und Psyche haben.
Markus Breitenberger, Heilpraktiker in München
Symptome
Welche Symptome durch einen Cortisolmangel hervorgerufen werden erfahren Sie im Ratgeber zu Nebennierenschwäche.
Ist der Cortisolspiegel bei Frauen zu niedrig, können sich neben den typischen Symptomen wie Müdigkeit, Erschöpfung und Ausgebranntsein weitere Beschwerden hinzu gesellen, allen voran:
- Zyklusstörungen
- ein ausgeprägtes Prämenstruelles Syndrom (PMS)
- aber auch hormonelle Dysbalancen in den Wechseljahren oder während der Schwangerschaft.
Außerdem besteht bei Frauen mit einem Cortisolmangel oft gleichzeitig eine Autoimmunerkrankung. So leiden z.B. viele meiner Hashimoto-Patientinnen gleichzeitig an einem Cortisolmangel infolge erschöpfter Nebennieren.
Vereinbaren Sie einen Termin, um einen Cortisolmangel erkennen und behandeln zu können:
Ursachen eines Cortisolmangels
Ein Cortisolmangel kann verschiedene Ursachen haben – von organischen Störungen der Nebennieren bis hin zu funktionellen Belastungen durch chronischen Stress. Entscheidend ist, die zugrunde liegende Form zu erkennen, um gezielt behandeln zu können.
Primäre Nebenniereninsuffizienz
Die Ursache für Cortisolmangel liegt in der Nebenniere selbst. Etwa weil ihr Gewebe durch Autoimmunprozesse allmählich zerstört wird (Morbus Addison) oder weil eine Infektion, einen Tumor, Einblutungen und andere krankhafte Prozesse eine Unterfunktion der Nebennierenrinde hervorrufen.
Sekundäre Nebenniereninsuffizienz
Die Ursache für Cortisolmangel liegt hierbei außerhalb der Nebennieren: Der Regelkreis zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Nebennierenrinde (HPA-Achse), der normalerweise die Ausschüttung von Cortisol und anderen Nebennierenhormonen steuert, ist gestört; ein Mangel dieser Hormone ist die Folge.
Längere Einnahme und/oder abruptes Absetzen von Kortison
Ein zu schneller Entzug kann die körpereigene Cortisolproduktion vorübergehend lahmlegen und so selbst einen Mangel auslösen.
Funktionelle Nebennierenschwäche
Funktionelle Nebennierenschwäche ist meist die Folge von chronischem Stress; aber auch chronischer Schlafmangel oder ein Mangel an bestimmten Mikronährstoffen kann die Funktion der Nebennieren und damit die Produktion von Cortisol beeinträchtigen. Auffällig ist, dass gerade Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen, wie etwa Typ-1-Diabetes, Hashimoto-Thyreoiditis und/oder Vitiligo, gleichzeitig unter Symptomen leiden, die auf erschöpfte Nebennieren hinweisen.
Diagnose
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Cortisolmangel festzustellen. Entweder indirekt, indem die Funktion der Nebennierenrinde – und damit ihre Fähigkeit, Cortisol zu produzieren – mithilfe des ACTH-Stimulationstests überprüft wird. Oder direkt anhand der gemessenen Menge an Cortisol in Blut, Speichel oder Urin.
Das ist zu beachten:
- Ermittlung des Cortisol-Tagesprofils zu verschiedenen Tageszeiten zur Bewertung des zirkadianen Rhythmus
- gängige Zeiten sind morgens (zwischen 6 und 8 Uhr), mittags (zwischen 14 und 16 Uhr) und abends (zwischen 22 und 24 Uhr).
Bluttest
Ein Bluttest zum Ausschluss oder Nachweis eines Cortisolmangels wird in der Regel morgens durchgeführt, da der Cortisolspiegel dann am höchsten ist. Zur Erstellung eines Cortisol-Tagesprofils sind mehrere Blutentnahmen (mindestens drei, höchstens fünf) an einem Tag erforderlich.
Auch die Messung der Cortisolausscheidung im 24-Stunden-Urin kann Aufschluss geben, ob zu wenig (oder zu viel) Cortisol vorhanden ist.
Meist wird jedoch die Bestimmung im Speichel bevorzugt, da sie für den Patienten mit deutlich weniger Aufwand und Belastungen verbunden ist.
Speicheltest
Mit einem unkomplizierten Cortisol-Speicheltest lässt sich feststellen, was die Ursache für Ihre Beschwerden ist! Bestellen Sie über den Link, führen Sie den Test bequem zuhause durch und schicken Sie die Testergebnisse an meine Praxis zur Auswertung – Sie erhalten dann eine Therapieempfehlung.
Stressprofil plus
Bestimmung der Stresshormone Cortisol und DHEA im Speichel. DHEA ist der Gegenspieler von Cortisol, der die Stressbereitschaft senkt.
Die Hormondiagnostik aus dem Speichel bietet gegenüber der Bestimmung aus dem Blut zahlreiche Vorteile: Die Probennahme ist schmerzlos und kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt und an jedem Ort erfolgen. Die Hormonbestimmung aus Speichel ist besonders aussagekräftig, da gezielt der freie, biologisch aktive Anteil von Hormonen ermittelt wird.
ACTH-Stimulationstest
ACTH (adrenokortikotropes Hormon) ist ein Hormon, das in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet wird und die Nebennierenrinde zur Ausschüttung von Cortisol und anderen Hormonen anregt. Beim ACTH-Stimulationstest wird mithilfe einer intravenösen Gabe von ACTH überprüft, wie gut sich die Nebennieren stimulieren lassen. Bleibt ein angemessene Anstieg des Cortisolwerts aus, spricht das für eine Störung der Nebennierenfunktion.
Behandlung & Therapieoptionen
Die Behandlung richtet sich nach der ermittelten Ursache des Cortisolmangels. Liegt eine fortschreitende Zerstörung des Nebennierengewebes vor, etwa bedingt durch einen Morbus Addison, muss die nachlassende bzw. fehlende Cortisolproduktion durch die lebenslange Substitution von Cortisol ausgeglichen werden.
Wie behandelt man Cortisolmangel als Folge einer funktionellen Nebennierenerschöpfung?
Es gibt eine ganze Reihe einfacher, gut in den Alltag zu integrierende Maßnahmen die Nebennierenrinde zu unterstützen – für mehr Ausgeglichenheit in Ihrem Leben!
- Stressreduktion wie Yoga, Meditation, Atemübungen oder auch regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft.
- Bewusste Ernährung mit frischen, naturbelassenen Lebensmitteln der Saison, die reich an Vitamin C, Magnesium, B-Vitaminen sind, sowie der bevorzugte Verzehr von adaptogenen Kräutern.
- Schlafhygiene
- Moderate Bewegung
- Hormonelle Begleittherapien bei Frauen prüfen.
In meiner Praxis in München entwickele ich ein individuelles ganzheitliches Therapiekonzept, um meinen Patientinnen und Patienten zu einer spürbaren Verbesserung ihrer Lebensqualität zu verhelfen.
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Fazit
Ein ganzheitlicher Therapieansatz zur Regulierung und Stärkung der Nebennierenfunktion kann wesentlich dazu beitragen, dass dem Körper mit der Zeit wieder genügend Cortisol zur Verfügung steht – und chronische Erschöpfung, Burnout, Depression oder Stimmungsschwankungen schon bald der Vergangenheit angehören. Speziell bei Frauen kann sich dies auch positiv auf ihre Hashimoto-Thyreoiditis und die durch sie hervorgerufenen Beschwerden auswirken.
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Autoren:
Markus Breitenberger, Heilpraktiker und Homöopath in eigener Praxis seit über 25 Jahren. Autor von 2 Büchern zum Thema Autoimmunerkrankungen und zahlreichen medizinischen Fachartikeln.
Dr. Nicole Schaenzler, Philologin und Medizinjournalistin. Herausgeberin eines Gesundheitsmagazins und Fachautorin zahlreicher Bücher zu medizinischen Themen.
Quellen:
Sebastian Karl et al: Dysregulated diurnal cortisol patterns are associated with cardiovascular mortality: Findings from the KORA-F3 study, Psychoneuroendocrinology (Juli 2022) DOI: 10.1016/j.psyneuen.2022.105753.
Hanns Kaiser, Hans K. Kley (Hrsg.): Cortisontherapie (11. Neu überarbeitete Aufl. 2002)