Markus Breitenberger
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Mail an Markus Breitenberger
In den vergangenen Monaten häufen sich in den Medien Artikel über die Kinderkrankheit
Masern.
Der offensive Stil der Berichterstattung, der sich in Überschriften wie `Epidemien der
Fahrlässigkeit´und `Deutschland als Keimschleuder´ andeutet, gibt Anlass zu untersuchen,
wie sehr wir tatsächlich von dieser Krankheit bedroht sind.
In Deutschland erkrankten im Jahr 2004 121, 2005 778 und bisher in 2006 ca. 1600 Menschen.
Die Sterblichkeit an Masern in Deutschland lag in den 1990-er Jahren bei 0,005-0,01%, und
damit kann die volksgesundheitliche Gefahr als gering eingeschätzt werden.
Wie kommt es dann, dass eine Kinderkrankheit wie die Masern die Gesundheitsbehörden zu
solch großen organisatorischen und finanziellen Anstrengungen veranlasst? Sind die Masern
wirklich so gefährlich (geworden) und waren sich frühere Generationen, die ihre Kinder
zusammensteckten, damit möglichst viele Kinder ihre Kinderkrankheiten auch im Kindesalter
bekamen, wirklich so unwissend, fahrlässig oder gar verrückt, wie heute dargestellt?
Für die derzeitige `Aufklärungs-Kampagne´ zu Masern gibt es im Wesentlichen drei Gründe.
Politische, wirtschaftliche und medizinische Interessen sind im Gesundheitswesen untrennbar
miteinander verwoben.
Die derzeitige Mobilmachung hat ihren Ursprung in einem sehr ehrgeizigen Programm der
WHO von 1984 in dem beschlossen wurde, bis zum Jahr 2000 neben Polio und Diphterie auch
die Masern auszurotten. Theoretisch ist das tatsächlich möglich, da der Mensch bei diesen
drei Infektionskrankheiten der einzige Wirt des jeweiligen Erregers ist. Daher könnte eine
Immunität bei mindestens 95% der Bevölkerung über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten
tatsächlich zu einer Eliminierung des Erregers führen. Der naturwissenschaftlich denkende
Mensch zögert nicht einen Augenblick, praktisch zu verwirklichen, was theoretisch möglich ist.
Er stößt aber dabei zu seiner Enttäuschung immer wieder an seine Grenzen, was eben auch
am Beispiel der Masern – Eliminierung zu sehen ist. So sind wir im Jahre 2006 noch weit davon
entfernt, das für 2000 angestrebte Ziel zu verwirklichen, da nur 65,7% der deutschen Kinder
ausreichend immunisiert sind. Bei Erwachsenen ist von einer viel geringeren Prozentzahl
auszugehen, da die Immunität nach der Impfung nachlässt, sich aber nicht alle Erwachsenen
nachimpfen lassen. Nun wurde als Ziellinie das Jahr 2010 festgesetzt –’D0 für die Staaten,
die sich der WHO verpflichtet haben, bleibt also nicht mehr viel Zeit. Die deutschen
Gesundheitsbehörden sehen sich jetzt einem enormen Zeitdruck ausgesetzt,
wollen sie nicht 2010 wieder von der WHO als `impfmüdes´ Land wie auch Frankreich, Italien,
Österreich und die Schweiz abgemahnt werden.
Und eben dieser Druck wird nun direkt
weitergegeben an die Eltern, die sich erlauben, kritisch und differenziert über Impfungen
nachzudenken. R. Kurth, der Präsident des Robert-Koch-Institutes in Berlin, fordert „Strategien,
um Ungeimpfte zu identifizieren“ und künftig noch „mehr politische Unterstützung auf allen
Ebenen“.
Derzeit müssen der Masern verdächtigte, wie erkrankte Personen bereits namentlich dem
Gesundheitsamt genannt werden. Dem nicht genug fordert der Präsident des Berufsverbandes
der Kinder- und Jugendärzte, wie der deutsche Ärztetag im Mai 2006 eine Impfpflicht gegen
Masern.
Diese restriktive Forderung wird dazu führen, dass staatlich geförderte Krippen, Kindergärten
und Schulen in Zukunft nur noch gegen Masern geimpfte Kinder aufnehmen werden.
Ungeimpfte, die in Kontakt mit einer an Masern erkrankten Person stehen, dürfen schon
heute Gemeinschaftseinrichtungen nicht mehr besuchen, was bei Familien mit mehreren
Kindern zu Härtefällen durch lange Fehlzeiten in der Schule beiträgt. Impfkritischen Ärzten,
die sich dazu öffentlich äußern, werden berufsrechtliche Schritte seitens der Ärztekammer
angedroht. Soviel zur geforderten „politischen Unterstützung“. Sprachrohr sind die öffentlichen
Medien, die ein sehr einseitiges Bild der Masern wiedergeben und in ihrer sogenannten
Aufklärung stark polemisieren. Es gilt, das für 2010 gesteckte Ziel doch noch zu erreichen
– notfalls mit Zwang.
Dies alles ist ein sehr bedenklicher Schritt in Richtung eines medizinischen Kommunismus,
der dem Prinzip einer demokratischen Gesellschaft mit gleichberechtigter Willensbildung und
Mitbestimmung widerspricht und deren Kern aushöhlt. Weitere Zwangsverordnungen und
weitere Notstandsverordnungen ohne Notstand könnten diesem Beispiel folgend in Zukunft
leichter durchgesetzt werden.
Darüber hinaus unterliegen öffentliche Empfehlungen im Gesundheitswesen auch immer
noch einem großen Einfluss verschiedener wirtschaftlicher Interessensvertreter.
Die Forschung an neuen Impfstoffen findet nur im industriellen, nicht im universitären Sektor
der Wissenschaft statt. Wissenschaft und Industrie bzw. deren Entscheidungsträger sind
dabei persönlich und finanziell miteinander verbunden. So wurde z.B. die „TOKEN-Studie“,
die Aussagen zu Todesfällen bei Kleinkindern zwischen dem 2.-24. Lebensmonat treffen
sollte, finanziert von den Impfstoff-Herstellern „Sanofi Pasteur“ und „Glaxo Smith Kline“.
Fraglich bleibt, ob man dadurch wirklich objektive Aufklärung erwarten kann.
Kosten-Nutzen-Rechnungen führen im maroden deutschen Gesundheitssystem heute dazu,
dass meist die kostengünstigere Alternative anstelle einer mehr Erfolg versprechenden
medizinischen Maßnahme empfohlen wird. Impfungen sind eine vergleichsweise billige
Alternative. Die medizinische Behandlung von Masern ist für die Krankenkassen deutlich
teuerer als die Impfung. Eltern, die ein erkranktes Kind pflegen, tragen in dieser Zeit nicht
zur Steigerung des Bruttosozialprodukts bei. Welcher Staat und welcher Arbeitgeber kann
oder will sich das gegenwärtig leisten?
Ich erlebe in der Praxis immer wieder Eltern, die sich aus Angst vor dem Verlust ihres
Arbeitsplatzes scheuen, Fehlzeiten bei ihrem Arbeitgeber anzumelden und sich daher genötigt
sehen, ihre Kinder impfen zu lassen. Gerade bei den Kinderkrankheiten zeigt sich, wie das
Wissen um die Sinnhaftigkeit von Entwicklungsprozessen, die durch Krankheitsphasen
angestoßen werden, immer mehr verdrängt wird von der Auffassung, Krankheit sei eine
lästige `Betriebsstörung´. Wir leben in einer Gesellschaft, in der allzeit einsatzbereite,
doppelverdienende Eltern gefordert sind, auch wenn die Interessen der heranwachsenden
Generation dabei grob vernachlässigt werden. Wer hier wirklich gefährlich erkrankt ist, wird
sich noch zeigen. Sind es die Kinder, die Masern bekommen? Oder ist es vielmehr eine
Gesellschaft, die zu restriktiven Maßnahmen greift, um kurzfristige Erfolge zu feiern und
dabei die langfristigen und womöglich fatalen Folgen ignoriert?
Welche medizinischen Argumente sprechen für oder gegen eine Masernimpfung, d.h. wie
notwendig ist sie, wie gut ist der Impfschutz und können aus einer Impfung neue Probleme
resultieren?
Nach der UN-Kinderrechtskonvention hat jedes Kind ein Recht auf Prävention. Es heißt,
durch die Impfung könne eine Masernerkrankung effektiv verhindert werden. Neben dieser
Aussage mutet die zwanghafte Überzeugungskampagne gegen Eltern, die ihre Kinder nicht
gegen Masern impfen lassen wollen, sehr wunderlich an. Warum ist die Angst vor ein paar
Ungeimpften so groß, wenn der Impfschutz so effektiv ist? Vielleicht, weil die Impfung nicht
soviel bringt, wie versprochen wird?
Tatsächlich sieht man bei Impfstatuserhebungen der Masernfälle im Jahr 2004, dass 32%
der Erkrankten durchaus geimpft waren. Die Impfung wird seit 1973 öffentlich empfohlen,
um Komplikationen wie die Entzündung des Mittelohrs und der Lunge zu vermeiden. Eine
Gehirnentzündung tritt bei einem von tausend Erkrankten auf. Die sog. SSPE (subakute
sklerosierende Panenzephalitis) als besonders gefürchtete Form der Hirnentzündung kann
bei einem von 1 Mio. Erkrankten nach 6-8 Jahren auftreten und verläuft dann sehr schwer.
Komplikationen haben aber immer eine Vorgeschichte, wie z.B. ein geschwächtes Immunsystem
oder eine unsachgemässe Behandlung.
Wenn initial auftretendes Fieber und damit der gewöhnlich auftretende Hautausschlag
unterdrückt wird, führt das häufig dazu, dass die Krankheit `nach innen schlägt´ und das
Gehirn befällt. Diese gefährliche Metamorphose von Hautausschlag zu Gehirnentzündung
lässt sich erklären durch die Keimblattlehre der Embryologie. Haut und Nerven-Sinnes-
System entstehen aus dem sog. „Ektoderm“, einem der drei Keimblätter, aus dem sich alle
Zellen und Organe differenzieren, und stehen ein Leben lang in kausaler Wechselwirkung.
Wenn nun an einer Stelle dieses Systems etwas unterdrückt wird (Hautausschlag), tritt es
an anderer Stelle in Erscheinung (Gehirnentzündung). Vielleicht hatten unsere Großeltern
noch weniger Angst vor Masernkomplikationen, weil sie aus Erfahrung um diesen
Zusammenhang wussten und viel Aufmerksamkeit darauf richteten, den Ausschlag durch
Hautreibungen, `Salzhemden´ etc. zu fördern, um Komplikationen zu vermeiden.
Auch ist bekannt, dass sogar die beginnende Gehirnentzündung durch das Auftreten des
typischen Hautausschlags bei Masern ausheilen kann.
Nun wird aber von Befürwortern der Impfung versucht, solcherlei Überlegungen als überflüssig
darzustellen, indem Kinderkrankheiten als Übel ohne Nutzen dargestellt werden, das wir
unseren Kindern besser ersparen sollten.
Es wird behauptet, dass die Impfung eine abgeschwächte Infektion unter kontrollierten
Bedingungen hervorruft und die gleiche Antwort des Immunsystems wie die Erkrankung
erzielt. Ebenso wird moniert, dass durch die fahrlässigen Impflücken immer mehr Säuglinge
und Erwachsene gefährdet werden.
Darüber hinaus seien die Impfungen weitgehend frei von Nebenwirkungen und unbedenklich.
Wenn all diese für eine Impfung sprechenden Argumente zuträfen, würde jeder kritische
Standpunkt tatsächlich als unverständlich und fahrlässig erscheinen müssen. Im Folgenden
soll zu jedem dieser Argumente Stellung bezogen werden. In Ländern mit hohen Impfraten
nehmen die Masernerkrankungen bei Säuglingen und Erwachsenen erheblich zu.
Die Impfung ruft eine abgeschwächte Infektion, die sog. „Impf-Masern“ hervor, und das
Immunsystem reagiert auf diesen schwächeren Reiz mit einer schwächeren Antwort als nach
Kontakt mit dem Masern-Wildvirus. Die im Blut gemessenen Antikörper-Werte sind nach der
Impfung immer niedriger als nach der Infektionskrankheit. So besteht nach überstandener
Masern- Erkrankung ein lebenslanger Schutz, Zweiterkrankungen sind äußerst selten. Dem
entgegen müssen die Impfungen lebenslang immer wieder aufgefrischt werden, weil die
Immunität nachlässt. Dieser entscheidende Unterschied zwischen Impfung und
Infektionskrankheit trägt dazu bei, dass eine eigentliche Kinderkrankheit, die typischerweise
zwischen dem 3.-7. Lebensjahr auftritt, zunehmend bei Erwachsenen und dann mit einem
viel größeren Komplikationsrisiko ausbricht. Dürften Kinder typische Kinderkrankheiten wieder
bekommen, könnte dieses Risiko vermieden werden. Diejenigen, die in der Adoleszenz noch
keinen positiven Antikörper-Titer im Blut aufweisen, könnten dann als Jugendliche mit viel
geringeren Nebenwirkungen geimpft werden, um nicht im Erwachsenenalter zu erkranken.
Gestillte Säuglinge erkranken in den ersten neun Monaten nicht an Masern, wenn die Mutter
Masern hatte („Nestschutz“). Bei Kindern maserngeimpfter Mütter kann kein „Nestschutz“
vermittelt werden, und so kommt es zu einem prozentualen Anstieg der Masern im Säuglingsalter
mit schweren Verlaufsformen. Nicht wegen der Impflücken, sondern eben wegen der Impfung,
durch die ein von der Natur vorgesehenen Schutz ausgehebelt wurde.
Um Nebenwirkungen einer Impfung umfassend zu erkennen, reicht es nicht aus, die unmittelbar
nach der Impfung auftretenden Reaktionen wie Allergien, Krampfanfälle,
Entwicklungsrückschritteund Verzögerungen etc. zu dokumentieren. Auch der scheinbare
Nachweis, dass die Masernimpfung nicht ursächlich in Verbindung zu bringen ist mit dem
Auftreten von chronischen Darmentzündungen und Autismus ist noch keine vollständige
Unbedenklichkeits-Garantie.
Wir wissen heute noch nicht, welche nachteiligen Auswirkungen die Anstrengungen der
Naturwissenschaft für zukünftige Generationen haben und es scheint, dass die Euphorie
über das Machbare den kritischen Blick auf mögliche Folgen trübt. Unsere Kinder werden
dabei die Leidtragenden sein, sind sie doch wie Seismographen der Erwachsenenwelt und
reagieren auf Störungen am sensibelsten.
Mancher sogenannte medizinische Fortschritt wird in der Zukunft die Menschen nicht weniger,
sonders nur anders krank machen. Die Menschen und gerade die Kinder sind nicht gesünder
geworden in den vergangenen Jahrzehnten, trotz oder wegen der massiven Anwendung von
Medikamenten gerade im 1. Lebensjahr, wobei zu bemerken bleibt, dass 90% der im
Kindesalter verordneten Medikamente für diese Altersgruppe nicht zugelassen sind.
Impfungen beeinflussen das Immunsystems in einer Entwicklungsphase, in der es sich
langsam ausbildet, differenziert und dabei äußerst störungsanfällig ist. Ein Immuntraining ist
wie jedes Training nur dann sinnvoll, wenn Zeitpunkt und Maß der Übung angemessen sind.
Impfungen sollen im 3. Lebensmonat die körpereigene Abwehr gegen 10 Krankheiten auf
einmal trainieren – da liegt der Verdacht nahe, dass das in einigen Fällen zu einer Erschöpfung
bzw. Störung des Immunsystems führen kann.
Die Zunahme an sog. `atopischen Erkrankungen´ im Kindesalter, wie Neurodermitis (ca. 20%
aller Kinder; 80% erkranken bereits im 1. Lebensjahr), Heuschnupfen (ca. 15% aller Kinder)
und allergisches Asthma bronchiale (ca. 10% aller Kinder) zeugt von einer zunehmenden
Sensibilität und Irritabilität des Immunsystems.
Alarmierend ist auch der Anstieg der sog. „Autoaggressions-Krankheiten“, die heute zahlenmäßig
die häufigsten chronischen Erkrankungen darstellen und die gemeinsam haben, dass vom
eigenen Abwehrsystem Antikörper gegen körpereigenes Gewebe gebildet werden, d.h. der
Organismus scheint sich selbst fremd zu werden. Bei diesen Krankheitsformen muss
irgendwann eine massive Irritation des Immunsystems stattgefunden haben.
Die tiefgreifendste Veränderung durch die Impfung ist die Beeinflussung der Polarität
Entzündung – Sklerose. Die Krankheiten haben sich gewandelt von hochfieberhaften bakteriellen
Infektionen des Blut- und Stoffwechselsystems zu `kalten´ viralen, chronischen Erkrankungen,
v.a. des Nervensystems. Die Abnahme der fieberhaften Erkrankungen wird erkauft durch
eine Reaktionsschwäche des Organismus, eine Anergie, die immer als Vorstufe zur Allergie
(Überreaktion des Immunsystems) und Krebs (Kapitulation des Immunsystems) auftritt. Man
könnte also vermuten, dass durch die Impfung relativ harmlose entzündliche Krankheiten
verhindert werden, dadurch aber schwersten sklerotischen Erkrankungen, zu denen auch
die Krebserkrankung zählt, Vorschub geleistet wird.
Studien zeigen (Albonico et al. 1998), dass sich das Krebsrisiko nach einer Masernerkrankung
in der Kindheit auf Lebenszeit um 20% verringert. Das Immunsystem ist ein hochkomplexes
System mit der Aufgabe, zum einen Schädliches vom Organismus fernzuhalten, zum anderen
die sich im Körper ständig bildenden entarteten Zellen zu eliminieren. Wenn nun eine Störung
im Immunsystem eintritt, z.B. durch Manipulation von Außen in einer hochsensiblen
Entwicklungsphase, folgt zum einen eine Immunschwäche, die sich als allgemein bekannte
Infekthäufung ausdrückt. Zum anderen liegt es nahe, dass entartete Zellen nicht mehr erkannt
und eliminiert werden können.
Dies soll nicht heißen, dass Impfungen Krebs verursachen, wohl aber an einem so
multifaktoriellen Geschehen beteiligt sein können.
Lassen Sie uns zum Abschluss noch auf die vielfach erwähnten Entwicklungsschritte und
ihren Zusammenhang mit Kinderkrankheiten eingehen. Dieses Thema ist äusserst komplex
und ich kann an dieser Stelle nur einen Ausschnitt skizzieren aus der geisteswissenschaftlichen
Forschung der anthroposophischen Medizin. Gerade bei Kinderkrankheiten kann deutlich
werden, dass die Erkrankung nicht nur ein Ergebnis abgelaufener infektiöser Prozesse der
Vergangenheit ist, sondern auch eine in der Zukunft liegende Aufgabe hat.
Im Krankheitsgeschehen wird Vergangenes überwunden, um Zukünftiges zu verwirklichen.
Die Krankheit ist hier Mittel zum Zweck, um eine Neuordnung herzustellen. Kinderkrankheiten
können in diesem Sinne als `Inkarnationsprobleme´ gesehen werden. Der Mensch realisiert
im `individuellen Selbstsein´ zugleich das `universelle Weltsein´ und so sind Individuation
und Sozialisation elementare Themen des menschlichen Entwicklungsprozesses. Um diese
beiden Pole der Entwicklung in Ausgleich zu bringen, ist Krankheit und Krisis unumgänglich,
denken wir nur an die psychische Problematik der Pubertätszeit. Der physische Übergang
vom Ich zur Welt wird repräsentiert von der Haut, die bei den Kinderkrankheiten Röteln,
Windpocken, Masern und Scharlach Ort der Krankheitsauseinandersetzung ist.
Es fällt auf, dass einige Kinderkrankheiten einen besonders hohen „Manifestationsindex“
haben. Dieser Index besagt, in wie vielen Fällen der Kontakt mit dem Erreger zur Krankheit
führt. An Masern erkranken 95% der Infizierten, und man kann sich fragen, warum so viele
Kinder diese Krankheit bekommen (sollen?). Es scheinen die Masern die Kinderkrankheit
zu sein, in der sich das inkarnierende Wesen am stärksten mit den vererbten Merkmalen
vorhergegangener Generationen radikal auseinandersetzt, um sich zu individualisieren.
Tatsächlich erlebt man nach den Masern bei genauer Betrachtung des Kindes beinahe immer
eine auffallende, eigentümliche Veränderung in Haltung, Verhalten und Gesichtsausdruck.
Das Kind wirkt als eigenständiges Wesen mehr auf dieser Welt angekommen. Der Mensch
muss nach dieser Auffassung krank werden können, um das individuelle Menschsein zu
verwirklichen. Dies ist untrennbar mit der Frage nach der Freiheit verbunden: Auf geistiger
Ebene bekommt der Mensch seine Freiheit durch das Zugeständnis der Irrtumsmöglichkeit.
Auf seelischer Ebene wird der Mensch frei durch den Verlust der Instinkte, die das Tier zwar
sicher, aber unfrei leiten. Auf organischer Ebene ist es die Möglichkeit zu erkranken, die die
Errungenschaft der Freiheit mit sich bringt.
Diese Freiheit in der spezifisch menschlichen Entwicklung ist auch immer mit Unsicherheit
verbunden und es ist die Herausforderung für Eltern und Mediziner sich dieser Gefahr in
zumutbarem Maß zu stellen. Gerade die Kinderkrankheiten sind Kennzeichen von freier
Individuation und eine Impfpflicht richtet sich sowohl gegen freie, wie individuelle Entscheidung
und Entwicklung.
Mit dieser Stellungnahme zum Thema Masern möchte ich anregen, trotz anhaltendem Druck
und angedrohtem Impfzwang, Gebrauch zu machen von unserem Grundrecht der freien
Meinungsbildung, gerade bei Fragen, die unsere Gesundheit anbetreffen. Hier ist noch mehr
Selbstverantwortung und Mitspracherecht gefragt als Hörigkeit auf Institutionen, deren
Empfehlungen nicht ausschliesslich auf medizinischen, sondern auch auf politischen und
wirtschaftlichen Interessen basieren.