Arnica, Belladonna, Nux vomica: Es gibt tausende homöopathische Mittel, doch woraus bestehen sie und wie findet man das passende? Hier erfahren Sie, was Nosoden und Sarkoden sind, worauf Sie bei der Einnahme achten sollten und welche Einzelmittel häufig in einer homöopathischen Hausapotheke stehen.
Kurz zusammengefasst
- Homöopathische Mittel (Homöopathika) werden überwiegend aus pflanzlichen, tierischen, menschlichen oder mineralischen Ausgangsstoffen hergestellt, einige auch aus nicht stofflichen Quellen wie Sonnenlicht (Imponderabilien), und schrittweise verdünnt und verschüttelt, also potenziert.
- Es gibt mehrere tausend homöopathische Einzelmittel; die meisten sind als Globuli, Tabletten oder Tropfen in der Apotheke erhältlich.
- Nosoden werden aus Krankheitserregern oder krankhaftem Gewebe hergestellt, Sarkoden aus gesunden Organen oder Körperstoffen.
- In der klassischen Homöopathie wird das Mittel nach dem Ähnlichkeitsprinzip ausgewählt, also nach Auslöser, auffälligen Symptomen und den Umständen, die Beschwerden bessern oder verschlechtern.
Wie viele homöopathische Mittel (Homöopathika) gibt es?
Es gibt mehrere tausend homöopathische Einzelmittel, jedes mit einer eigenen Ausgangssubstanz, und fast alle sind auch als Globuli erhältlich. Jedes Mittel kann zudem in verschiedenen Potenzen, also Verdünnungsstufen, hergestellt werden.
Die große Auswahl an Mitteln und Potenzen soll es ermöglichen, für jeden Patienten ein individuell passendes Mittel zu finden; das gehört zu den Grundprinzipien der klassischen Homöopathie. Wie sich die Potenzen unterscheiden, lesen Sie im Ratgeber Homöopathische Potenzen.

Woraus homöopathische Mittel bestehen: Pflanzen, Tiere, Mineralien
Homöopathische Mittel werden überwiegend aus einer pflanzlichen, tierischen, menschlichen oder mineralischen Ausgangssubstanz hergestellt, die potenziert und anschließend auf einen Trägerstoff wie Zuckerkügelchen (Globuli), Milchzucker (Tabletten) oder ein Alkohol-Wasser-Gemisch (Tropfen) gebracht wird.
Die meisten Einzelmittel stammen aus Pflanzen, etwa Arnica (Bergwohlverleih); tierischen Ursprungs ist zum Beispiel Apis (Honigbiene), mineralischen Ursprungs Phosphorus (Phosphor). Hinzu kommen Nosoden, Sarkoden und sogenannte Imponderabilien, also nicht stoffliche Ausgangsstoffe wie Sonnenlicht, Magnetismus oder Elektrizität.
In der klassischen Homöopathie werden die Ausgangssubstanzen in der Regel nicht in ihrer Reinform, also als Ursubstanz oder Urtinktur (unverdünnter Grundauszug), sondern potenziert eingesetzt.
Was sind Nosoden und wann werden sie eingesetzt?
Nosoden (von griechisch nosos, Krankheit) sind homöopathische Mittel, die aus Krankheitserregern oder aus krankhaft verändertem Gewebe und Absonderungen von Mensch oder Tier hergestellt werden, zum Beispiel aus Eiter oder Tumorgewebe.
In der klassischen Homöopathie werden sie vor allem im Rahmen einer Konstitutionsbehandlung eingesetzt, also einer längerfristigen Behandlung, bei der das Mittel nach der ganzen Person und ihrer Krankheitsgeschichte ausgewählt wird. Die Auswahl gehört deshalb in erfahrene therapeutische Hände. Nosoden sind kein Ersatz für Impfungen.
Was sind Sarkoden?
Sarkoden sind homöopathische Mittel aus gesunden, also nicht krankhaft veränderten Organen, Geweben oder Körperstoffen von Mensch oder Tier, zum Beispiel Thyreoidinum aus Schilddrüsengewebe oder Lac equinum aus Stutenmilch.
Wie findet man das passende homöopathische Mittel?
Das passende homöopathische Mittel wird in der klassischen Homöopathie in einem ausführlichen Erstgespräch gesucht, in dem körperliche Beschwerden, seelisches Befinden und Begleitumstände als Einheit betrachtet werden. Die Auswahl orientiert sich an diesen fünf Kriterien:
- Auslöser: Was könnte zu den Beschwerden geführt haben, etwa seelische Belastung, Kälte oder Nässe, Verletzung, Ernährung oder andere Einflüsse?
- Leitsymptom: Je ungewöhnlicher ein Symptom, desto mehr Gewicht hat es bei der Mittelwahl, zum Beispiel kein Durst trotz Fieber.
- Modalität: Was bessert / was verschlechtert den Zustand?
- Akutes Gemütssymptom: Wie fühle ich mich, seit ich krank bin?
- Bekannte Anwendung: Bei welchen Beschwerdebildern wird das Mittel in der homöopathischen Literatur häufig eingesetzt?
In der homöopathischen Anamnese werden diese Kriterien mehr oder weniger stark gewertet, je nachdem ob es sich um eine akute oder chronische Beschwerde handelt.
Was ist eine homöopathische Anamnese?
Die homöopathische Anamnese, auch Fallaufnahme genannt, ist das ausführliche Erstgespräch am Anfang jeder homöopathischen Behandlung. Darin geht es um die Beschwerden und die Krankengeschichte, aber auch um Persönlichkeit und aktuelle Lebensumstände.
Besonders wichtig sind die Modalitäten, also die Umstände, unter denen sich Beschwerden bessern oder verschlechtern: Was tut gut, was verstärkt sie? Wie wirken sich Ruhe und Bewegung aus? Ist eher die linke oder die rechte Körperseite betroffen?
Aus diesen Informationen wird das Mittel gesucht, das nach dem Ähnlichkeitsprinzip am besten passt. Nach diesem Grundprinzip der Homöopathie wird ein Mittel gewählt, das bei Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen soll, wie sie der Patient zeigt. Wie eine homöopathische Behandlung in meiner Münchner Praxis abläuft, lesen Sie auf der Seite Homöopathie in München.
Welche Globuli für was?
Welche Globuli in Frage kommen, hängt in der Homöopathie vom individuellen Beschwerdebild ab, nicht allein von der Diagnose; eine feste Zuordnung „ein Mittel für eine Krankheit“ gibt es deshalb nicht. Welche Mittel bei häufigen Alltagsbeschwerden typischerweise in Betracht gezogen werden, lesen Sie in diesen Ratgebern:
Homöopathische Mittel richtig anwenden
Ob Selbstbehandlung oder Behandlung bei der Homöopathin oder dem Homöopathen: Für die Anwendung homöopathischer Mittel gibt es einige Regeln, die in der Homöopathie üblich sind.
Wann sollte man zum Arzt oder Homöopathen gehen?
Ärztlich abklären lassen sollten Sie Beschwerden, die sehr heftig sind, sich trotz Selbstbehandlung verschlechtern, länger anhalten, immer wiederkehren oder chronisch geworden sind.
Chronische Beschwerden sind nicht für die homöopathische Selbstbehandlung gedacht; hier gehört die Mittelwahl in erfahrene therapeutische Hände, ergänzend zur ärztlichen Behandlung. Sind Sie bereits in homöopathischer Behandlung, besprechen Sie neu auftretende Beschwerden mit Ihrer Behandlerin oder Ihrem Behandler, statt sie selbst mit einem weiteren Mittel zu behandeln.
Homöopathische Mittel einnehmen: wie oft und mit welchem Abstand zum Essen
Homöopathische Mittel nimmt man üblicherweise nicht direkt zu einer Mahlzeit ein, sondern mit etwa 15 Minuten Abstand zum Essen; manche Hersteller nennen eine halbe Stunde. Bessern sich akute Beschwerden bei der Selbstbehandlung, wird das Mittel nach homöopathischer Regel seltener eingenommen, zum Beispiel statt stündlich nur noch alle zwei Stunden; sind die Beschwerden abgeklungen, wird es abgesetzt.
Bei Fertigarzneimitteln gelten die Angaben der Packungsbeilage, die meist auch darauf hinweist, homöopathische Mittel ohne ärztlichen Rat nicht über längere Zeit anzuwenden. Bei einer homöopathischen Behandlung werden Menge und Abstand individuell festgelegt. Wie viele Globuli je Gabe üblich sind, lesen Sie im Ratgeber Globuli richtig einnehmen.
Darf man bei homöopathischen Mitteln Kaffee trinken und Zähne putzen?
Kaffee und mentholhaltige Zahnpasta sind während einer homöopathischen Behandlung nach meiner Erfahrung aus über 25 Jahren Praxis und aus Arzneimittelprüfungen, also Prüfungen homöopathischer Mittel an Gesunden, meist kein Problem, auch wenn sich die gegenteilige Regel hartnäckig hält.
Manche Homöopathen und einzelne Packungsbeilagen raten dennoch zu einem zeitlichen Abstand; wissenschaftlich untersucht ist ein solcher Einfluss nicht. Im Zweifel halten Sie sich an die Empfehlung Ihrer Behandlerin oder Ihres Behandlers.
Wie lange dauert es bis ein homöopathisches Mittel wirkt?
Nach homöopathischer Lehre zeigt sich eine Reaktion auf ein passendes Mittel bei akuten Beschwerden innerhalb von Minuten bis Stunden; bei chronischen Beschwerden beurteilt die Behandlerin oder der Behandler den Verlauf über Wochen. Dabei achtet die Homöopathie nicht nur auf körperliche, sondern auch auf seelische Veränderungen.
Tritt keine Veränderung ein oder ändert sich das Beschwerdebild, wird die Mittelwahl überprüft. Bessern sich akute Beschwerden nicht oder verschlechtern sie sich, lassen Sie sie ärztlich abklären, statt nur das Mittel zu wechseln.
Welche homöopathischen Mittel gehören in die Hausapotheke?
Eine homöopathische Hausapotheke enthält meist zwei bis drei Dutzend Einzelmittel, häufig in der Potenz C30, die in der Homöopathie zur Selbstbehandlung akuter Alltagsbeschwerden verwendet werden. Häufig enthalten sind zum Beispiel diese 24 Mittel:
- Aconitum
- Apis
- Arnica
- Arsenicum album
- Belladonna
- Bellis perennis
- Bryonia
- Cantharis
- Chamomilla
- Colocynthis
- Eupatorium perfoliatum
- Ferrum phosphoricum
- Gelsemium
- Hepar sulfuris
- Hypericum
- Ledum
- Nux vomica
- Phosphorus
- Phytolacca
- Pulsatilla
- Rhus toxicodendron
- Ruta
- Staphisagria
- Symphytum
Welches Mittel im Einzelfall passt, hängt vom individuellen Beschwerdebild ab. Die Packungsbeilagen registrierter homöopathischer Arzneimittel nennen deshalb bewusst keine allgemeinen Anwendungsgebiete
Wie wirken homöopathische Mittel?
Homöopathische Mittel sollen nach homöopathischer Lehre die Selbstregulation des Körpers anregen; einen naturwissenschaftlich erklärbaren Wirkmechanismus gibt es dafür bisher nicht.
Ein Grund für die kontroverse Debatte liegt im Ansatz selbst: In der klassischen Homöopathie erhalten zwei Menschen mit derselben Diagnose oft unterschiedliche Mittel, weil sich die Wahl nach dem gesamten Beschwerdebild richtet. Studien, in denen alle Teilnehmenden dasselbe Mittel bekommen, bilden das nach Ansicht von Homöopathen nur eingeschränkt ab. Studien mit individueller Mittelwahl gibt es inzwischen ebenfalls; ihre Ergebnisse werden je nach Auswertung unterschiedlich bewertet (Mathie et al. 2014; Hamre et al. 2023).
Ich arbeite seit über 25 Jahren mit klassischer Homöopathie. Mich interessiert dabei weniger die Grundsatzdebatte als die Frage, was für den einzelnen Menschen sinnvoll ist. Ob sich etwas verändert, beurteile ich am Verlauf: an dem, was Patientinnen und Patienten selbst beschreiben, an meinen Beobachtungen und, wo sinnvoll, an Laborwerten. Homöopathie setze ich ergänzend ein zu einer notwendigen schulmedizinischen Behandlung.
Wer heilt, hat Recht” oder besser “Wer heilt, tut Recht
Hippokrates; griech. Arzt, 460-370 v. Chr.
Können homöopathische Mittel schaden?
Homöopathische Mittel in höheren Potenzen gelten als gut verträglich, ganz ohne Risiko sind sie aber nicht. Tiefpotenzen, also gering verdünnte Mittel, können noch messbare Mengen der Ausgangssubstanz enthalten; das ist bei giftigen Ausgangsstoffen wie Tollkirsche (Belladonna) oder Eisenhut (Aconitum) relevant. Einzelne Packungsbeilagen nennen außerdem Nebenwirkungen wie eine vorübergehende Verschlechterung der Beschwerden (Erstverschlimmerung). Schaden kann auch entstehen, wenn eine notwendige ärztliche Behandlung wegen einer homöopathischen Behandlung verzögert wird.
Häufige Fragen zu homöopathischen Mitteln
Rund um homöopathische Mittel tauchen in der Praxis und beim Einkauf in der Apotheke immer wieder dieselben Fragen auf. Hier finden Sie kurze Antworten.
Sie möchten wissen, ob eine homöopathische Begleitbehandlung zu Ihren Beschwerden passt? In einem ausführlichen Erstgespräch in meiner Münchner Praxis klären wir das gemeinsam.
Hinweis zu diesem Artikel: Ob homöopathische Mittel über den Placeboeffekt hinaus wirken, ist wissenschaftlich umstritten. Die genannten Einzelmittel sind keine Empfehlung für bestimmte Beschwerden; bei Fertigarzneimitteln gilt die Packungsbeilage. Nosoden und Tiefpotenzen giftiger Ausgangsstoffe gehören nicht in die Selbstbehandlung, ebenso wenig Beschwerden bei Säuglingen oder in der Schwangerschaft.