Blähungen, Müdigkeit, Unverträglichkeiten – und keine klare Diagnose? Dann stoßen viele auf den Begriff „Leaky Gut“: eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Hier lesen Sie, was dahintersteckt, welche Beschwerden damit in Verbindung gebracht werden, was Tests wie Zonulin aussagen können und welche Ernährung sinnvoll sein kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Beim Leaky-Gut-Syndrom ist die Darmschleimhaut durchlässiger als normal, sodass Stoffe aus dem Darm leichter ins Blut gelangen können.
- Leaky Gut ist keine eigenständige, schulmedizinisch anerkannte Diagnose. Eine erhöhte Darmdurchlässigkeit ist aber bei einigen Erkrankungen nachgewiesen.
- Als mögliche Ursachen gelten Stress, eine gestörte Darmflora, Entzündungen der Darmschleimhaut und bestimmte Medikamente.
- Häufig genannte Beschwerden sind Verdauungsprobleme, Müdigkeit, Infektanfälligkeit und Unverträglichkeiten.
- Ob ein durchlässiger Darm chronische Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen mitverursacht, wird erforscht, ist aber nicht geklärt.
- Unterstützen können der Verzicht auf unverträgliche Lebensmittel, eine darmfreundliche Ernährung und bei Bedarf eine FODMAP-arme Kost.
Was ist das Leaky-Gut-Syndrom?
Das Leaky-Gut-Syndrom bezeichnet eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Sind die Zellverbindungen gelockert, können unverdaute Nahrungsbestandteile, Bakterienbestandteile und Schadstoffe leichter in den Körper gelangen. Fachbegriffe sind intestinale Permeabilitätsstörung oder Barrierestörung.
Im gesunden Darm bilden die Schleimhautzellen der Darmwand einen dichten Zellverband – das gilt sowohl für den Dickdarm als auch für die Darmwand des Dünndarms, wo die Nahrungsbestandteile wie Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße von Enzymen in ihre Einzelteile zerlegt werden.
Die Verbindungsstellen der einzelnen Zellen werden von sogenannten Schlussleisten (engl. tight junction) abgedichtet. Lockern sich diese Tight Junctions, wird die Darmschleimhaut durchlässiger. Dies wird als Leaky-Gut-Syndrom bezeichnet.
Dadurch können Stoffe aus dem Darminhalt, die eine intakte Darmwand normalerweise zurückhält, leichter in den Blutkreislauf gelangen, etwa Bakterienbestandteile wie Lipopolysaccharide (LPS), Giftstoffe oder unverdaute Nahrungsbestandteile.
Sie haben seit Längerem Verdauungsbeschwerden oder Erschöpfung ohne klare Ursache? In meiner Praxis in München oder per Video besprechen wir gemeinsam, welche Untersuchungen für Sie sinnvoll sind:
Was passiert im Körper, wenn der Darm durchlässig ist?
Ein undichter Darm oder genauer: eine durchlässige Darmschleimhaut, durch die Schadstoffe hindurchgelangen, kann nicht nur Verdauungsbeschwerden, sondern auch Entzündungsreaktionen im Körper begünstigen, die mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden.
In der Forschung wird ein durchlässiger Darm mit verschiedenen chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Autoimmunerkrankungen und das Chronische Erschöpfungssyndrom (ME/CFS).
Ausführlich lesen Sie dazu im Abschnitt: Mit welchen Erkrankungen wird ein durchlässiger Darm in Verbindung gebracht?

Darmbarriere: So schützt die Darmschleimhaut den Körper
Die Schleimhaut des Verdauungstrakts hat aufgefaltet eine Oberfläche von rund 30 Quadratmetern und bildet eine der größten Kontaktflächen des Körpers zur Außenwelt. Sie muss eine schwierige Doppelfunktion erfüllen: Einerseits muss sie so durchlässig sein, dass die Aufnahme von Nährstoffen und Flüssigkeit aus dem Darminneren möglich ist, andererseits aber auch über einen Schutzmechanismus verfügen, der schädliche Substanzen und Krankheitserreger zurückhält.
Für die Schutzfunktion im Darm sorgen verschiedene Strukturen und Zellen. Ebenso, wie es mit der äußeren Haut eine Schutzschicht vor Umwelteinflüssen gibt, existiert auch in unserem Inneren eine Schleimhaut, die den mehrere Meter langen Verdauungstrakt vom Mund bis zum After auskleidet und schützt. Die Schleimhaut der Darmwände ist besiedelt mit einer Darmflora aus unterschiedlichsten Bakterienstämmen.
Im Dickdarm siedeln mehrere hundert verschiedene Bakterienarten, insgesamt schätzungsweise rund 38 Billionen Bakterien – etwa so viele, wie der Körper eigene Zellen hat. Gemeinsam helfen sie, schädliche Bakterien und andere Fremdstoffe abzuwehren, und bilden zugleich verschiedene B-Vitamine wie Folsäure sowie Vitamin K.
Darm-Hirn-Achse: Wie die Darmflora das Gehirn beeinflusst
Die Darmflora (Darmmikrobiom, intestinales Mikrobiom oder kurz Mikrobiom) hat noch viele weitere Aufgaben. Dazu gehört zum Beispiel, die Bildung von Botenstoffen wie Serotonin zu beeinflussen: Der Großteil des Serotonins entsteht in speziellen Zellen der Darmschleimhaut, deren Aktivität von Darmbakterien mitgesteuert wird. Diese Botenstoffe wirken auf den Stoffwechsel und viele Organe – bis hin zum Gehirn.
Die Kommunikationsachse zwischen Darmflora und Gehirn ist seit einigen Jahren Gegenstand zahlreicher Forschungsprojekte weltweit. Eine gestörte Darm-Hirn-Kommunikation gilt als ein Faktor beim Reizdarmsyndrom.
Über diese sogenannte Darm-Hirn-Achse kann die Darmflora auch die Psyche beeinflussen. Derzeit wird untersucht, welche Rolle die Darmbakterien bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen spielen. Die Rolle der Darmflora beim Chronischen Erschöpfungssyndrom (ME/CFS) und bei Post-Covid bzw. Long Covid wird derzeit besonders intensiv untersucht.
Darm und Immunsystem: das größte Immunorgan des Körpers
Als dritte Abwehrbarriere neben den Darmbakterien und der Schleimhaut wirkt das darmeigene Immunsystem. Es liegt in und direkt unter der Darmschleimhaut und ist das größte Immunorgan des Menschen: Nach gängiger Schätzung sind hier rund 70 Prozent der Immunzellen angesiedelt.
Dabei spielen auch die Darmbakterien eine wichtige Rolle: Das darmassoziierte Immunsystem wird ständig von den mikrobiellen Darmbewohnern trainiert, die so zu einer guten Immunabwehr beitragen.
Der Darm spielt für unsere Abwehrkraft und unser Wohlbefinden eine zentrale Rolle. Deshalb schaue ich bei chronischen Beschwerden fast immer auch auf die Darmgesundheit.
Markus Breitenberger, Heilpraktiker
Welche Ursachen hat ein durchlässiger Darm?
Ein durchlässiger Darm hat meist mehrere Ursachen zugleich. Diskutiert werden vor allem chronischer Stress, eine gestörte Darmflora (Dysbiose), Entzündungen der Darmschleimhaut und bestimmte Medikamente.
Kann Stress den Darm durchlässig machen?
Ja. In einer Studie erhöhte akuter psychischer Stress die Darmdurchlässigkeit messbar (Vanuytsel et al. 2014). Anhaltender Stress wirkt zudem auf die Darmflora und auf das Nervensystem des Darms.
Dysbiose als mögliche Ursache für einen durchlässigen Darm
Ist das Gleichgewicht der Darmbakterien gestört (Dysbiose), können schützende Bakterien abnehmen und entzündungsfördernde zunehmen. Das kann die Schleimhautbarriere schwächen.
Ursachen für Dysbiose:
- Stress
- Medikamente
Antibiotika (auch aus der Massentierhaltung), Chemotherapeutika, Säureblocker (Protonenpumpenhemmer), entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR wie ASS, Ibuprofen, Diclofenac) und Kortison. - Fehlernährung
Eine zuckerreiche, stark verarbeitete Ernährung mit wenig Ballaststoffen kann die Darmflora ungünstig verändern. Sie wird zudem mit Insulinresistenz und Fettleber in Verbindung gebracht. - Kaiserschnitt-Geburten
Bei Kindern, die per Kaiserschnitt geboren werden, verläuft die erste Besiedlung des Darms anders als bei einer natürlichen Geburt. Studien zeigen einen statistischen Zusammenhang mit einem etwas höheren Risiko u. a. für Asthma und Allergien (Sevelsted et al. 2015); eine direkte Ursache ist damit nicht belegt.
Wodurch entstehen Entzündungen der Darmschleimhaut?
Chronische Entzündungen der Darmschleimhaut können unter anderem entstehen durch:
- Anhaltenden Stress
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
- Infektionen mit Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten
- Schadstoffe und Reizstoffe: bestimmte Medikamente, Nikotin, Alkohol, Schwermetalle, Umweltschadstoffe
- Zöliakie und Nahrungsmittelallergien

Mit welchen Erkrankungen wird ein durchlässiger Darm in Verbindung gebracht?
Eine erhöhte Darmdurchlässigkeit wird bei Autoimmun- und chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn, Typ-1-Diabetes und Hashimoto beobachtet, außerdem bei Reizdarm, Allergien, Fettleber und ME/CFS.
Ob sie Ursache, Folge oder Begleiterscheinung ist, lässt sich oft nicht eindeutig klären. Beobachtet wird eine erhöhte Darmdurchlässigkeit unter anderem bei:
- Autoimmun- und chronisch-entzündliche Erkrankungen: Zöliakie, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa (CED), Rheumatoide Arthritis,, Multiple Sklerose, Lupus erythematodes, Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis, Typ-1-Diabetes u. a
- Allergien
- Reizdarmsyndrom
- Infektanfälligkeit
- Übergewicht und metabolisches Syndrom mit Insulinresistenz
- Fettleber-Hepatitis (MASH, früher NASH)
- IgA-Nephropathie (chronische Erkrankung der Nierenkörperchen)
- Chronisches Erschöpfungssyndrom (ME/CFS).
Kann ein durchlässiger Darm zu chronischer Erschöpfung beitragen?
Diskutiert wird, dass ein durchlässiger Darm auch die Energieversorgung der Zellen beeinträchtigen könnte. Gelangen durch eine durchlässige Darmwand vermehrt Bakterienbestandteile wie Lipopolysaccharide (LPS) ins Blut, kann dies eine anhaltende Entzündungsreaktion und oxidativen Stress auslösen – eine mögliche Belastung für die Mitochondrien, unsere zellulären Kraftwerke.
Das könnte erklären, warum Menschen mit einer gestörten Darmbarriere häufig ähnliche Beschwerden schildern wie bei einer mitochondrialen Dysfunktion: Müdigkeit, Leistungsabfall, verminderte Belastbarkeit. In meiner Praxis beobachte ich das besonders häufig, da das Chronische Erschöpfungssyndrom zu meinen Behandlungsschwerpunkten zählt: mehr dazu auf meiner Schwerpunktseite: Chronisches Erschöpfungssyndrom.
Kann ein durchlässiger Darm Hashimoto begünstigen?
Ein möglicher Zusammenhang wird diskutiert, ist aber nicht bewiesen. Eine Hypothese lautet: Gelangen im Darm gebildete Immunkomplexe aus Antigenen und Antikörpern in den Blutkreislauf, könnten sie sich an ein entferntes Gewebe wie die Schilddrüse anlagern.
Der Entzündungsprozess hätte sich dann vom Darm auf die Schilddrüse verlagert und könnte so zur Entstehung einer Hashimoto-Thyreoiditis beitragen: Mehr dazu auf meiner Schwerpunktseite: Hashimoto-Thyreoiditis.
Welche Symptome kann ein durchlässiger Darm verursachen?
Häufig genannt werden Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, Völlegefühl, Müdigkeit und Leistungsabfall, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Infektanfälligkeit sowie depressive Verstimmungen.
Die Beschwerden sind unspezifisch und können auch viele andere Ursachen haben:
- Müdigkeit, Leistungsabfall und Energieverlust
- Depressive Verstimmungen
- Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Bauchkrämpfe, Völlegefühl und Reflux
- Entwicklung von Mangelerscheinungen durch verschlechterte Nährstoffaufnahme oder erhöhte Nährstoffverluste
- Infektanfälligkeit, Candidose, (Nahrungsmittel-)Allergien.
Wichtig zu wissen: Blut im Stuhl ist kein Hinweis auf ein Leaky-Gut-Syndrom. Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust, nächtlicher Durchfall, Fieber oder erstmals auftretende Beschwerden nach dem 50. Lebensjahr sind Warnzeichen und sollten immer ärztlich abgeklärt werden, um eine ernsthafte Erkrankung wie Darmkrebs auszuschließen.
Wie lässt sich ein durchlässiger Darm testen?
In der naturheilkundlichen Praxis werden meist Stuhltests mit Markern wie Zonulin, Alpha-1-Antitrypsin, sekretorischem IgA und Calprotectin eingesetzt. In der Forschung gilt ein Zuckertest (Laktulose-Mannitol-Test) als etablierte Methode (Camilleri 2019).
Wann ist ein Test auf Leaky Gut sinnvoll?
Bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen, Allergien oder Infektanfälligkeit, die zugleich an Magen-Darm-Beschwerden leiden, kann eine Überprüfung der Darmbarriere sinnvoll sein.
Hinweise können folgende Werte geben:
- Darmflora
- Sekretorisches IgA
- Alpha-1-Antitrypsin
- Zonulin
Was sagt ein erhöhter Zonulinwert aus?
Zonulin ist in spezielles Protein, das für die Regulation der tight junctions in der Darmwand verantwortlich ist – und deshalb einen wertvollen Marker für einen durchlässigen Darm darstellt. Ein erhöhter Zonulinwert kann ein wichtiger Hinweis auf eine gestörte Darmbarriere (Leaky Gut) sein.
Die Stuhlprobe können Sie zu Hause entnehmen und an ein spezialisiertes Labor schicken. Die Einordnung der Werte gehört in eine fachkundige Befundbesprechung.
Erhöhtes Zonulin: mögliche Ursachen
Als Auslöser einer Zonulin-Freisetzung gelten das Weizeneiweiß Gliadin und bestimmte Bakterien im Dünndarm. Eine Dysbiose wird als weiterer möglicher Auslöser diskutiert.
Eine besondere Rolle spielt die kurzkettige Fettsäure Butyrat. Sie wird von Darmbakterien gebildet und ist die Hauptenergiequelle der Zellen der Dickdarmschleimhaut. In Zellstudien stärkt Butyrat die Tight Junctions (Peng et al. 2009); ein niedriger Butyratspiegel könnte die Darmbarriere daher schwächen.
Diskutiert wird auch ein Zusammenhang mit einer Dysregulation des vegetativen Nervensystems durch Langzeitstress: Ist der Vagusnerv weniger aktiv, fällt ein Teil seiner entzündungshemmenden Wirkung auf die Darmschleimhaut weg (Bonaz et al. 2016).
Wie wird ein durchlässiger Darm ganzheitlich behandelt?
Die ganzheitliche Behandlung setzt meist an mehreren Punkten an: unverträgliche Lebensmittel erkennen und meiden, die Ernährung darmfreundlich umstellen, Darmflora und Darmschleimhaut mit Nährstoffen unterstützen sowie Stress reduzieren.
Ein nachhaltiger Darmaufbau braucht das richtige Fundament: In meiner Praxis reduzieren wir als ersten Schritt reizende Nahrungsmittel, um das Verdauungssystem zu entlasten. Auf dieser Basis unterstützen wir dann gezielt die Regeneration der Darmbarriere.
Markus Breitenberger, Heilpraktiker
Sie möchten Ihre Darmbeschwerden ganzheitlich abklären lassen? Ich nehme mir Zeit für Ihre Vorgeschichte und bespreche mit Ihnen, welche Schritte in Ihrem Fall sinnvoll sein können – in meiner Praxis in München oder per Video:
Wie eine Darmsanierung in meiner Praxis abläuft, lesen Sie auf meiner Seite zur Darmsanierung in München.
Welche Nährstoffe braucht die Darmschleimhaut?
Die Darmschleimhaut ist für die Aufrechterhaltung ihrer Barrierefunktion auf eine kontinuierliche Versorgung mit spezifischen Nährstoffen angewiesen. In der naturheilkundlichen Praxis wird dafür häufig eine Kombination aus Mikronährstoffen und Pflanzenextrakten eingesetzt.
Niacin und Riboflavin (Vitamin B2) tragen zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei. Die Aminosäure L-Glutamin und die Fettsäure Butyrat werden in Studien im Zusammenhang mit der Darmbarriere untersucht.
Welche Ernährung ist bei Leaky Gut sinnvoll?
Bei Leaky Gut kann eine darmfreundliche Ernährung sinnvoll sein. Dazu gehört, individuell unverträgliche Lebensmittel zu meiden, stark verarbeitete und zuckerreiche Produkte zu reduzieren und stattdessen L-Glutamin-Lieferanten, Omega-3-Fettsäuren sowie gut verträgliche probiotische und präbiotische Lebensmittel zu bevorzugen.
Welche Nahrungsmittel sollte man bei Leaky Gut Syndrom meiden?
Welche Lebensmittel Beschwerden auslösen, ist individuell verschieden. Häufig genannt werden:
- Milchprodukte mit viel Milchzucker (Laktose). Alternativen sind laktosefreie Milchprodukte; gereifter Hartkäse enthält meist kaum Laktose.
- Getreideprodukte, vor allem glutenhaltige Getreideprodukte wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste oder Grünkern. Alternativen sind z.B. Hirse, Buchweizen, Amaranth oder Quinoa.
- Lektinhaltige Nahrungsmittel wie Vollkorn, Hülsenfrüchte, Tomaten oder Auberginen.
- Fastfood, das viele ungesunde Kohlenhydrate und Fette liefert, kalorienreich ist und zudem oft (verstecktes) Gluten enthält.
- Industriell verarbeitete Lebensmittel, die Zusatzstoffe wie Emulgatoren, Aromastoffe oder Zuckeraustauschstoffe enthalten.
- Raffinierte „leere“ Kohlenhydrate, die z.B. in Weißmehl, weißem Reis, hellen Nudeln, Haushaltszucker und generell Lebensmitteln stecken, die wie gesüßte Getränke (z.B. Softdrinks), Süßigkeiten, Ketchup, Tütensuppen und viele andere Fertigprodukte einen hohen Zuckeranteil haben.
Manche Betroffene reagieren zudem auf bestimmte Kohlenhydrate und Zuckeralkohole mit Magen-Darm-Beschwerden, auch wenn keine Kohlenhydrat-Intoleranz nachgewiesen wurde. Den Kohlenhydraten ist gemeinsam, dass sie im Dünndarm kaum oder gar nicht resorbiert werden, sondern erst im Dickdarm von den Bakterien der Darmflora weiterverarbeitet (fermentiert, vergärt) werden. Diese Gruppe wird auch FODMAP genannt.
Was sind FODMAPs?
Der Begriff „FODMAP“ setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Wörter „fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols“ zusammen; damit sind vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit und Mannit (Polyole) gemeint.
FODMAPs kommen in unterschiedlichen Mengen in verschiedenen Nahrungsmitteln vor. Sie sind nicht generell schädlich. Viele von ihnen gehören sogar zu den darmgesunden (präbiotischen) Substanzen, weil sie bestimmten schleimhautschützenden Darmbakterien-Stämmen als Nahrung dienen.
Können FODMAPs die Darmbarriere schädigen?
Einige Studien deuten darauf hin, dass FODMAPs die Darmbarriere ungünstig beeinflussen können. In einer Tierstudie führte eine FODMAP-reiche Kost über die Vergärung im Darm zu einer Entzündungsreaktion der Darmschleimhaut und zu einer gestörten Barrierefunktion (Zhou et al. 2018). Ob sich das auf den Menschen übertragen lässt, ist noch offen.
Für wen ist eine FODMAP-arme Ernährung sinnvoll?
Vor allem für Betroffene, die zu Blähungen, Bauchkrämpfen und breiigen Stühlen beziehungsweise Durchfall neigen, kann eine zeitlich begrenzte FODMAP-arme Ernährung sinnvoll sein.
Bei Reizdarmsyndrom ist die Wirksamkeit einer FODMAP-armen Ernährung in Studien belegt und in der Leitlinie empfohlen (Halmos et al. 2014; S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom 2021). Bei einem Teil der Betroffenen ist zudem die Darmdurchlässigkeit erhöht (Camilleri 2019).
FODMAP-reiche Lebensmittel im Überblick
FODMAP-reiche Lebensmittel sind z. B. bestimmte Obstsorten wie Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Mango, Pflaumen oder Kirschen (Oligosaccharide, Fruktose, Polyole), einige Gemüsesorten wie Zwiebeln, Knoblauch, Blumenkohl oder Pilze (Oligosaccharide, Polyole), aber auch Milchprodukte (Laktose), Getreideprodukte aus Weizen und Roggen (Oligosaccharide) sowie Honig, fruktosereicher Maissirup und Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit und Mannit (Fruktose, Polyole).
FODMAP-Diät in 3 Phasen: So läuft sie ab
Anleitung für die FODMAP-Diät in 3 Phasen:
- Zunächst werden FODMAP-reiche Lebensmittel für etwa zwei bis sechs Wochen weitgehend gemieden.
- Dann werden die verschiedenen FODMAP-haltigen Lebensmittel nach und nach wieder eingeführt, um ihre individuelle Verträglichkeit zu testen.
- Zuletzt wird die Ernährung so abwechslungsreich wie möglich gestaltet: Nur Lebensmittel, die erneut Beschwerden auslösen, werden reduziert oder gemieden.
Es gilt aber auch: Bleibt eine Besserung aus, sollte man nicht zögern, die FODMAP-Diät wieder aufzugeben – zumal viele der FODMAP-reichen Lebensmittel wegen ihres hohen Anteils an Präbiotika bzw. Ballaststoffen zu den darmgesunden Lebensmitteln gehören. Weil eine längere Einschränkung zu einer einseitigen Ernährung führen kann, sollte die FODMAP-Diät fachlich begleitet werden.
Günstige Lebensmittel bei Leaky Gut
Sofern keine Unverträglichkeit besteht, sind folgende Lebensmittel günstig bei Leaky Gut Syndrom:
- Gute L-Glutamin-Lieferanten wie Fisch, Rüben, Kartoffeln, Spinat oder Petersilie.
- Lebensmittel, die viel Omega-3-Fettsäuren enthalten. Dazu gehören z. B. Speiseöle wie Rapsöl, Hanföl, Leinöl und Walnussöl, fetter Seefisch wie Lachs, Makrele und Hering sowie Walnüsse, Leinsamen und Chiasamen.
- Probiotische Lebensmittel, allen voran Joghurt, Kefir, fermentiertes Gemüse und fermentierter Tee (Kombucha).
- Präbiotische (faserreiche) Lebensmittel, die zu einer Stärkung und Vermehrung der schützenden Darmbakterien beitragen – sofern sie wegen ihres FODMAP-Gehalts nicht problematisch sind, sondern gut vertragen werden. Dazu gehören z.B. Buchweizen, Hirse, Chicorée, Topinambur, Schwarzwurzeln oder (nicht zu reife) Bananen.
Ergänzend kann – nach individueller Abwägung – eine homöopathische Konstitutionsbehandlung Teil des Therapiekonzepts sein.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Diese Fragen werden häufig zum Thema “Leaky Gut Syndrom” gestellt:
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Hinweis zu diesem Artikel: Das Leaky-Gut-Syndrom ist keine anerkannte eigenständige Diagnose. Stuhlwerte wie Zonulin können eine erhöhte Darmdurchlässigkeit nicht sicher nachweisen. Lassen Sie anhaltende Darmbeschwerden bitte ärztlich abklären, bei Blut im Stuhl, ungewolltem Gewichtsverlust oder Fieber zeitnah. Verzichten Sie erst dann auf Gluten, wenn eine Zöliakie ausgeschlossen ist.