ME/CFS – Chronisches Erschöpfungssyndrom: Ursachen, Symptome, Therapie & natürliche Behandlung

ME/CFS kurz zusammengefasst:

  • CFS ist die Abkürzung für Chronic Fatigue-Syndrom: eine schwere Multisystemerkrankung, die vermutlich mit einem gestörten zellulären Energiestoffwechsel sowie einer Fehlregulation von Nerven- und Immunsystem einhergeht.
  • Diskutiert wird, ob der Begriff Myalgische Enzephalomyelitis (ME) dem Krankheitsgeschehen besser entspricht als Chronisches Fatigue Syndrom; viele Therapeuten sprechen daher inzwischen auch von „ME/CFS“.
  • Die Krankheitserscheinungen des Chronischen Erschöpfungssyndroms sind vielfältig, als Leitsymptome gelten ein ausgeprägter Erschöpfungszustand (Fatigue) sowie eine zeitverzögert einsetzende Verschlechterung der Symptome nach einer leichten Belastung (Post-Exertional Malaise). 
  • Häufigster Auslöser ist eine akute, oftmals durch Viren hervorgerufene Infektion, die vermutlich im Zusammenspiel mit anderen, noch weitgehend unbekannten Faktoren ein ME/CFS hervorruft.
  • Schätzungen zufolge erkrankt etwa ein Drittel der COVID-19-Patienten nach vermeintlich überstandener Infektion an Long COVID, viele von ihnen leiden unter typischen ME/CFS-Symptomen.  
  • Bislang gibt es keinen Bluttest und kein bildgebendes Verfahren zum Nachweis eines Chronischen Fatigue Syndroms. Deshalb stellt der Arzt die Diagnose vor allem auf Grundlage der Symptombeschreibung der Betroffenen.
  • Eine gezielte Therapie ist nicht bekannt. Im Vordergrund stehen Maßnahmen zur Milderung der Symptome, allen voran eine konsequente Vermeidung von körperlicher und geistiger Anstrengung (Aktivitätsmanagement, Pacing). Komplementärmedizinische Verfahren und eine Homöopathische Konstitutionsbehandlung können die Beschwerden deutlich mindern.

ME/CFS: Was ist das?

„CFS“ ist die Abkürzung für Chronisches Fatigue Syndrom (Chronic Fatigue Syndrome, Chronisches Erschöpfungssyndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom): eine extrem belastende komplexe Erkrankung unbekannter Ursache, die mit einer ausgeprägten Erschöpfung (Fatigue) und einer Vielzahl weiterer Symptome einhergeht.

Eine andere Bezeichnung für CFS ist Myalgische Enzephalomyelitis (ME), was so viel wie „Entzündung des Gehirns und Rückenmarks mit Muskelbeteiligung“ bedeutet. Ob das Beschwerdebild tatsächlich auf entzündliche Veränderungen in Gehirn und Muskulatur zurückgeht ist bislang nicht erwiesen. Zudem ist in der Fachwelt umstritten, ob es sich bei CFS und ME um ein und dieselbe Erkrankung handelt. 

Gleichwohl sprechen die Ärzte immer häufiger von ME/CFS, da sich die beiden Krankheitsbilder in ihrer Symptomatik de facto kaum voneinander unterscheiden. Zudem halten viele Mediziner den Begriff „Chronic Fatigue Syndrome“ angesichts der Komplexität des Krankheitsbilds generell für unzureichend. Denn CFS ist eine Multisystemerkrankung, bei der nicht nur der Energiestoffwechsel massiv gestört ist, sondern auch das Autonome Nervensystem und Immunsystem beteiligt sind. 

Deshalb werden die früher gebräuchlichen Begriffe „chronische Müdigkeit“ oder „Müdigkeitssyndrom“ heutzutage kaum mehr verwendet.

Wieviel Menschen erkranken an ME/CFS?

In Deutschland sind Schätzungen zufolge etwa 300.000 Personen betroffen; Frauen erkranken typischerweise im Alter von 30 bis 40 Jahren im Vergleich zu Männern etwa doppelt so häufig daran.

Aber auch Kinder und Jugendliche können ein Chronisches Erschöpfungssyndrom entwickeln. Die Dunkelziffer ist hoch – auch, weil ein Chronisches Erschöpfungssyndrom bzw. eine Myalgische Enzephalomyelitis zu selten erkannt wird. Tatsächlich ist das Krankheitsbild bei vielen Ärzten nach wie vor zu wenig bekannt, weshalb es immer wieder vorkommt, dass die Beschwerden als „psychisch bedingt“ eingestuft werden.  

Weltweit werden15 bis 30 Millionen an ME/CFS-Erkrankte geschätzt.

Ursachen ME/CFS

Häufig beginnt das Chronische Erschöpfungssyndrom akut nach einem Infekt. Auffällig ist, dass viele Patienten weiterhin Infektsymptome haben, obwohl sich eine aktive Infektion in den meisten Fällen nicht mehr nachweisen lässt. Manchmal entwickelt sich das Krankheitsbild des ME/CFS auch schleichend über Tage und Wochen, dies ist jedoch eher selten.  

Die eindeutige Ursache des Chronischen Erschöpfungssyndroms ist aber dennoch unklar. Vieles spricht für ein multifaktorielles Geschehen, bei dem es vermutlich zu einer Fehlregulation von verschiedenen Systemen kommt. Dazu gehört, dass sehr wahrscheinlich eine ausgeprägte Stoffwechselstörung im Energiehaushalt der Körperzellen vorliegt: Die Kraftwerke der Zelle, die Mitochondrien, sind offenbar nicht mehr in der Lage, genug Energie zu produzieren. Dadurch steht dem Körper chronisch zu wenig Energie zur Verfügung.

Darüber hinaus scheinen eine Regulationsstörung des autonomen Nervensystems wie auch des Immunsystems wesentlich an der Entstehung des Chronisches Fatigue-Syndroms beteiligt zu sein. 

Ist ME/CFS eine Autoimmunerkrankung?

Vor allem die Rolle des Immunsystems steht derzeit im Fokus des wissenschaftlichen Interesses, denn es mehren sich Hinweise, wonach das Krankheitsgeschehen durch eine Überaktivität des Immunsystems in Gang gesetzt oder zumindest weiter angeheizt wird. Man ging bisher davon aus, dass es sich bei ME/CFS zumindest bei einem Teil der Betroffenen um eine Autoimmunerkrankung handelt. 

Neuere Studien legen nahe, dass es sich bei CFS/ME in mindestens 50 Prozent der Fälle um eine Autoimmunerkrankung handeln könnte. So haben zum Beispiel Wissenschaftler der Charité gemeinsam mit Forschern aus anderen europäischen Ländern die Ergebnisse einer Übersichtsarbeit veröffentlicht (Autoimmunity Reviews, März 2018), wonach in verschiedenen Studien bei einer Reihe von ME/CFS-Patienten im Blut nicht nur bestimmte Veränderungen der Immunzellen, sondern auch Autoantikörper nachgewiesen wurden – charakteristische Anzeichen für stattfindende Autoimmunprozesse. 

Zudem zeigt die Auswertung, die im Auftrag des European Network on ME/CFS (EUROMENE) durchgeführt wurde, dass es Hinweise auf chronische Entzündungsvorgänge gibt, wie sie auch für eine Autoimmunerkrankung typisch sind. Zur endgültigen Klärung sind jedoch weitere Untersuchungen notwendig.

Ausgelöst werden könnte ein solches autoimmunbedingtes Krankheitsgeschehen durch eine akute Infektion, bei der die Immunantwort auch dann noch hochaktiv bleibt, obwohl der Krankheitserreger längst verschwunden ist. Tatsächlich tritt das Chronische Fatigue Syndrom meist im Zusammenhang mit einer Virusinfektion auf, insbesondere mit einer Epstein-Barr-Virus-Infektion. Aber auch eine Infektion mit anderen Herpesviren, Enteroviren, Influenzaviren und Coronaviren oder Bakterien der Art Borrelia burgdorferi (Borrelien) werden als Auslöser diskutiert. 

Symptome ME/CFS

Die beiden Leitsymptome des Chronischen Erschöpfungssyndroms sind:

1. Anhaltende Erschöpfung (Fatigue) auf körperlicher und geistiger Ebene, die ausgeprägt ist und über das normale Maß hinausgeht und sich auch durch Schlaf oder längere Ruhephasen nicht bessert. Der Schweregrad variiert von einer mittleren Beeinträchtigung bis hin zu schweren Verläufen, bei denen die Betroffenen bettlägerig und zeitweise sogar zu schwach zum Essen, Trinken und Sprechen sind. 

2. Post-Exertional Malaise (PEM): Bereits eine leichte körperliche oder geistige Belastung können genügen, um eine Verschlechterung der Beschwerden hervorzurufen. Diese Verschlechterung macht sich bisweilen unmittelbar, meist jedoch Stunden oder Tage später (jedoch in der Regel nicht später als 72 Stunden) bemerkbar. Diese plötzliche Verschlechterung, die wegen ihrer Heftigkeit auch Kollaps, Zusammenbruch oder Crash genannt wird, hält in der Regel mehr als 24 Stunden, mitunter auch tage- bzw. wochenlang an. 

Diese Post-Exertional Malaise oder post-exertionelle Malaise (PEM) bezeichnete Erscheinung wird als zweites Hauptsymptom der ME/CFS definiert, mitunter wird PEM auch noch vor der Fatigue als Kardinalsymptom definiert

Weitere häufige Symptome bei ME/CFS sind: 

  • Infekt-assoziierte Symptome wie wiederkehrende Halsschmerzen, empfindliche Lymphknoten, leichtes Fieber  
  • Infektanfälligkeit
  • ausgeprägte kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme („Brain Fog“)
  • Überempfindlichkeit auf Sinnesreize (wie Licht, Geräusche, Berührungen)
  • Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • neu auftretende Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • neu auftretende Allergien
  • Reizdarmbeschwerden
  • Schwindel, Benommenheit, Probleme beim längeren Sitzen oder Stehen (orthostatische Intoleranz)
  • Herzrasen
  • Überreaktion auf Temperaturschwankungen (umgehendes starkes Schwitzen/ Frieren bei kleinsten Temperaturveränderungen in Richtung wärmer oder kälter).

Die Beschwerden müssen seit mindestens sechs Monaten bestehen (bei Kindern seit drei Monaten), damit die Diagnose „Chronisches Erschöpfungssyndrom“ gestellt werden kann.

In der Regel nimmt das ME/CFS einen chronischen Verlauf. Bei einem großen Teil der Betroffenen tritt mit der Zeit jedoch eine spürbare Verbesserung der Symptome ein. 

Werden ME/CFS-Patienten pflegebedürftig? 

Auch Patienten mit einem eher milden Verlauf beklagen eine schlechte Lebensqualität: Oft sind sie nicht mehr in der Lage, ihren gewohnten Aktivitäten nachzugehen und/oder ihren Beruf auszuüben. ME/CFS-Patienten können im Extremfall so schwer beeinträchtigt sein, dass sie auf Pflege angewiesen sind. 

Diagnose ME/CFS

Die Diagnose „Chronisches Erschöpfungssyndrom“ oder ME/CFS ist eine Ausschlussdiagnose, denn bislang gibt es keine Untersuchung und keine aussagekräftigen Laborparameter, mit denen die Erkrankung zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.

Wie kann man ME/CFS diagnostizieren?

Mit herkömmlichen Diagnostikmethoden wie Labortests, einer speziellen körperlichen Untersuchung und bildgebenden Verfahren lässt sich ein Chronisches Erschöpfungssyndrom also nicht feststellen. 

Deshalb steht vor allem eine eingehende Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) im Vordergrund. Das diagnostische Ziel: andere Fatigue-Ursachen sicher ausschließen zu können, um so zur Diagnose ME/CFS zu gelangen. 

Doch Zeit für eine ausreichende Anamnese fehlt den meisten Ärzten im Regelfall. Dies ist einer der Gründe, weshalb das Chronische Erschöpfungssyndrom oft erst einmal nicht erkannt wird. Viele ME/CFS-Patienten vertrauen daher auf spezialisierte Heilpraktiker, die sich im diagnostischen Gespräch auch auf international etablierte klinische Kriterien stützen, die mithilfe von Fragebögen ermittelt werden.

Fragebögen zur Feststellung des Chronischen Erschöpfungssyndroms

Meist handelt es sich um die sogenannten kanadischen Konsenskriterien (KKK/CCC) oder um die internationalen Konsenskriterien (ICC)

Am häufigsten erfolgt die Befragung mithilfe der international etablierten Kanadischen Konsenskriterien, die genau vorgeben, welche Symptome wegweisend sind. Dazu gehören neben Fatigue und Post-Exertional Malaise zum Beispiel auch Schlafstörungen, wiederkehrende Hals- oder Muskelschmerzen, Konzentrationsstörungen, Infektanfälligkeit und viele weitere Beschwerden.

Große Unterschiede bei den Fragebögen gibt es kaum, jedoch definieren die ICC die Post-Exertional Malaise im Gegensatz zu den kanadischen Konsenskriterien noch vor der Fatigue als Kardinalsymptom. 

Zudem erfordern die internationalen Konsenskriterien für die Diagnosestellung des Chronic Fatigue Syndroms nicht mehr, dass die Erkrankung seit mindestens sechs Monate bestehen muss. Letztlich kommt es aber auch sehr auf die Erfahrung des Arztes oder Heilpraktikers an, damit am Ende der umfangreichen diagnostischen Erhebung und Einordnung der Symptome kein Zweifel daran besteht, dass die Beschwerden durch das Chronische Fatigue Syndrom und nicht durch eine andere Erkrankung hervorgerufen werden.

Kann man ME/CFS im Blut feststellen?

Ein Chronisches Fatigue Syndrom lässt sich nicht im Blut feststellen. Gleichwohl macht eine Laboruntersuchung im Rahmen einer eingehenden Diagnostik Sinn, um andere Ursachen auszuschließen, etwa die Bestimmung von Entzündungsparametern, des Eisenspiegels, der Leber- oder Schilddrüsenwerte. Gegebenenfalls sind auch immunologische Analysen wie die Ermittlung von Autoantikörpern sinnvoll.

Chronisches Erschöpfungssyndrom: Welcher Arzt?

Es gibt bislang nur wenige spezialisierte Ärzte oder Zentren (zum Beispiel das Fatigue Centrum der Charité) in Deutschland, an die sich Betroffene wenden können. 

Eine Möglichkeit ist, sich für die Diagnose an einen Facharzt für Immunologie oder für Innere Medizin zu wenden. Für eine erfolgreiche Therapie sind eher komplementärmedizinische Behandlungskonzepte geeignet, die durch Akupunktur oder homöopathische Mittel bereichert werden.

Chronisches Erschöpfungssyndrom: Test

Es gibt bislang weder eine spezifische Untersuchung oder diagnostische Marker noch einen speziellen Test für ME/CFS. 

Andere Erkrankungen, die auch hinter den Symptomen stehen können, sollten jedoch unbedingt ausgeschlossen werden. Für den Ausschluss von Co-Faktoren eines chronischen Erschöpfungssyndroms eignen sich die folgenden Tests. 

Sie können den jeweiligen Test über den Link bestellen und bequem von zuhause durchführen. Eine einfach zu verstehende Anleitung liegt bei. Das Testergebnis leiten Sie an meine Praxis weiter und Sie erhalten von mir eine (kostenpflichtige) Analyse und ggf. eine Therapieempfehlung. Geben Sie im 1. Bestellschritt den Gutscheincode AP34961 ein, um 5% Rabatt zu erhalten.

Nebennierenschwäche & Burnout-Syndrom: Stressprofil plus 

Oxidativer Stress: Oxidativer Stress Urintest

Hämopyrrolurie: Hämopyrrolurie (HPU) Urintest

Schwermetall-Belastung: Schwermetall Urintest Plus

Bei zusätzlichen Reizdarmbeschwerden: Gesundheitscheck Darm 

Welche anderen Erkrankungen noch ausschließen bei Verdacht auf ME/CFS?

Besteht der Verdacht auf ME/CFS, gilt es andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome hervorrufen. Dazu gehören zum Beispiel Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, Multiple Sklerose, Lupus erythematodes, Psoriasisarthritis oder Hashimoto-Thyreoiditis, aber auch eine Nebennierenschwäche, Depression, Anämie, Fibromyalgie, schwere Schlafstörungen oder die Parkinson-Krankheit. Ebenso kann eine Tumorerkrankung ME/CFS-artige Symptome hervorrufen (Tumorfatigue).

Was ist der Unterschied zwischen ME/CFS und Long Covid (Post-Covid-Syndrom)?

Trotz vermeintlich überstandener COVID-19-Erkrankung können Patienten noch Monate später mit schweren Krankheitserscheinungen zu kämpfen haben. Auch wenn es bislang keine einheitliche Definition gibt, sprechen die Ärzte in solchen Fällen von „Long-Covid“ oder „Post-Covid-Syndrom“. 

Bei vielen Betroffenen sind ein Großteil der Symptome mit denen des ME/CFS vergleichbar, allen voran Fatigue und die damit verbundenen körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen. 

Noch lässt sich jedoch nicht genau sagen, ob Long Covid als eigenständige Erkrankung oder als eine Form von ME/CFS verstanden werden muss. Dagegen spricht, dass nicht alle Long-Covid-Betroffenen ME/CFS-artige Symptome entwickeln. Zudem ist noch nicht klar, ob Long Covid mit der Zeit von selbst wieder verschwindet oder – wie das Chronische Erschöpfungssyndrom – einen chronischen Verlauf nehmen kann.

Wie lässt sich ME/CFS von Burnout und Depression unterscheiden?

Nur der erfahrene Therapeut kann ermitteln, ob den Symptomen seines Patienten eine Depression, ein Burnout oder ein Chronisches Erschöpfungssyndrom zugrunde liegt. 

Depression, Burnout und Chronisches Erschöpfungssyndrom sind jeweils eigenständige Krankheitsbilder – auch wenn sich in Bezug auf ihre Symptome deutliche Parallelen finden. Dazu gehören insbesondere die ausgeprägten geistigen und körperlichen Erschöpfungssymptome, aber auch Schlafstörungen, Kopf- und/oder Muskelschmerzen. 

Zudem leiden nicht wenige ME/CFS- und Burnout-Patienten gleichzeitig unter den Symptomen einer Depression. Tendenziell lässt sich jedoch sagen, dass sich ein Burnout und oft auch eine Depression eher schleichend entwickeln, wohingegen das Chronische Erschöpfungssyndrom meist unvermittelt (insbesondere nach einer Infektion) auftritt. 

Weil die Therapiestrategie bei Depression, Burnout und ME/CFS eine jeweils andere ist, ist eine sorgfältige Differenzialdiagnose sehr wichtig. Um nur ein Beispiel zu nennen: Verschiedene Studien zeigen, dass viele Betroffene mit einer Depression oder einem Burnout von regelmäßiger körperlicher Aktivität profitieren, deshalb gehört eine (moderate) Bewegungstherapie zu den Behandlungsempfehlungen. 

Anders bei ME/CFS-Patienten, bei denen schon ein kurzer Spaziergang zu einer massiven Verschlimmerung ihrer Beschwerden führen kann. Sie müssen deshalb sehr darauf achten, sich keiner forcierten körperlichen (oder geistigen) Anstrengung auszusetzen. Deshalb halten viele Therapeuten eine Bewegungstherapie für ungeeignet, wenn nicht sogar für schädlich, um ME/CFS-Symptome zu mildern.

Was ist der Unterschied zwischen Chronischem Erschöpfungssyndrom und Fibromyalgie?

Chronischen Schmerzen in unterschiedlichen Körperpartien, ausgeprägte Müdigkeit bis hin zur Erschöpfung, Schlafstörungen – auch wenn es Überlappungen im Beschwerdebild gibt, sind ein Chronisches Erschöpfungssyndrom und Fibromyalgie jeweils eigenständige Erkrankungen mit vermutlich unterschiedlichen Entstehungsmechanismen. 

Auch die Leitsymptome unterscheiden sich voneinander: Während beim Chronic Fatigue Syndrom ein ausgeprägter Erschöpfungszustand (Fatigue) und eine zeitlich verzögerte Verschlechterung der Symptome nach einer leichten Belastung (Post-Exertional Malaise) zu den führenden Symptomen gehören, handelt es sich bei Fibromyalgie um ein chronisches Schmerz-Syndrom, das sich an verschiedenen Körperregionen abspielt und durch ein heterogenes Beschwerdebild mit dem Leitsymptom Schmerzen an Muskeln und Sehnenansätzen gekennzeichnet ist. 

Gleichwohl sind ME/CFS-artige Symptome wie eine ausgeprägte Erschöpfung häufige Begleiterscheinungen. Und ebenso können körperliche oder geistige Anstrengungen bei Fibromyalgie einen Schub auslösen. Umgekehrt kommt es vor, dass ME/CFS zusammen mit einer Fibromyalgie auftritt. 

Um die Entstehungsmechanismen beider Krankheiten genauer zu verstehen und mögliche Zusammenhänge aufzudecken, sind weitere Forschungen nötig. Da beide Erkrankungen unterschiedlich behandelt werden, ist eine eingehende Differenzialdiagnose wichtig.

Tabelle zur Unterscheidung von ME/CFS, Burnout, Depression, Long Covid und Fibromyalgie

  CFS/ME Burnout
Depression
Long Covid Fibromyalgie
Auftreten plötzlich/schleichend schleichend plötzlich schleichend
Chronischer Verlauf +++ ++ ++ +++
Bewegung bessert +++
Fatigue +++ ++ ++ ++
Schmerzen ++ + +++

Behandlung ME/CFS

Bislang gibt es keine schulmedizinischen Medikamente oder andere Maßnahmen zur kausalen Behandlung des Chronischen Erschöpfungssyndroms. Weltweit laufen jedoch Forschungen, um gezielte Therapien zu entwickeln. Besonders im Fokus stehen dabei Medikamente, die auf das Immunsystem einwirken (zum Beispiel Immunglobuline oder der therapeutischen Antikörper Rituximab). 

Derzeit richtet sich die schulmedizinische Behandlung nach den Symptomen und danach, in welcher Intensität sie bestehen, bzw. was dem Betroffenen möglich ist. Hierbei hat sich eine multimodale, das heißt verschiedene Verfahren umfassende, ganzheitlich ausgerichtete Behandlungsstrategie bewährt, die individuell auf den Patienten und dem Schweregrad seiner Erkrankung ausgerichtet ist. 

Ziel ist es, die Symptome zu lindern und Post-Exertional Malaise-Episoden auf ein Minimum zu reduzieren. Gelingt es, Überlastungen und eine damit einhergehende Krankheitsverschlechterung zu vermeiden, kann oft eine deutliche Besserung der ME/CFS-Symptome erreicht werden.

Die wichtigsten herkömmlichen Therapiemaßnahmen:

  • Anpassung des Lebensstils an die Krankheit mit dem Ziel, das individuelle Belastungsniveau zur Vermeidung von Überlastungen möglichst nicht zu überschreiten (Aktivitätsmanagement, Pacing)
  • Behandlung der Schlafstörung
  • Schmerztherapie
  • Eventuell eine sanfte Physiotherapie   
  • Konsequente Behandlung der wiederkehrenden Infektionen
  • Behandlung der Reizdarmbeschwerden
  • Erlernen einer Entspannungsmethode zum Abbau von Stress  
  • Psychotherapie & Selbsterfahrung
  • Substitution eines nachgewiesenen Nährstoffmangels, allen voran eines Mangels an Vitamin D, Eisen, Selen und/oder Zink, die wichtig für die Immunfunktion sind.

Soll man Sport machen mit einem chronischen Erschöpfungssyndrom?

Ob eine moderate Bewegung hilfreich ist, ist umstritten. Abgesehen davon, dass selbst eine sanfte Bewegungstherapie für ME/CFS-Patienten keine Option ist, die nicht mehr das Haus oder gar ihr Bett verlassen können, besteht praktisch bei jeder Form der körperlichen Betätigung die Gefahr, dass eine Post-Exertional Malaise ausgelöst werden kann.

Deshalb lehnt zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS eine Bewegungstherapie als Behandlungsmaßnahme für ME/CFS-Patienten ab.

Ist ein Chronisches Erschöpfungssyndrom heilbar?

Die Mehrzahl der Schulmediziner geht davon aus, dass das Chronische Erschöpfungssyndrom nicht heilbar ist. Allerdings liegen bislang kaum Langzeitstudien vor, die aussagekräftige Daten zur Prognose von ME/CFS liefern. 

Mithilfe der klassischen Homöopathie wurden immer wieder Heilungsverläufe bei ME/CFS beschrieben.

Fest steht auch: Oft kommt es nach einigen Jahren von ganz allein zu einer deutlichen Besserung der Symptome – was allerdings auch daran liegen mag, dass die Betroffenen gelernt haben, die Symptome mithilfe eines guten Selbstmanagements in den Griff zu bekommen. 

Was kann man selbst tun bei ME/CFS?

ME/CFS-Patienten müssen immer wieder die Erfahrung machen, dass bereits eine minimale körperliche oder geistige Anstrengung genügen kann, um einen Zusammenbruch auszulösen, der sie dann Tage oder sogar Wochen vollständig außer Gefecht setzt. Da sich dieser Zusammenbruch meist mit einer gewissen Verzögerung bemerkbar macht, ist es für den Betroffenen oft erst einmal nicht leicht, die eigenen Grenzen frühzeitig zu erkennen und einzuhalten. 

Ein schonender Umgang mit den körperlichen Energiereserven ist das A und O der Selbsthilfe: Nur so lassen sich Häufigkeit und Schwere der Zusammenbrüche vermeiden. 

4 Dinge, die Sie mit CFS/ME unbedingt beachten sollten:

1. auf den eigenen Körper hören

2. jede Form der Überlastung strikt vermeiden

3. sich viel Zeit für Erholung und Ausruhen nehmen 

4. sich auch in Phasen eines stabileren Gesundheitszustands konsequent schonen, also immer etwas weniger aktiv zu sein, als es die vorhandene Kraft erlaubt. 

Dieses Aktivitätsmanagement wird auch als Pacing bezeichnet. Dazu gehört auch, auf einen geregelten Tagesablauf bzw. auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus zu achten und die Aktivitäten möglichst gleichmäßig auf den Tag zu verteilen. Die meisten Therapeuten sehen im Pacing eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Therapiemaßnahme, um eine Verbesserung des Krankheitsgeschehens zu erreichen – dies deckt sich auch mit zahlreichen Erfahrungsberichten aus meiner Praxis. 

Um herauszufinden, was man sich zumuten kann und was nicht, kann es hilfreich sein, ein Tagebuch zu führen, in dem für einige Wochen detailliert die Aktivitäten des Tages aufgelistet werden und wie sie sich auf das Befinden auswirken.

Wertvolle Tipps für den täglichen Umgang mit der Krankheit finden ME/CFS-Patienten auch bei Selbsthilfegruppen (wie FatigatioLost Voices Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS).

Hilft Psychotherapie bei ME/CFS?

Auch wenn ME/CFS keine psychische Erkrankung ist, so ist sie doch eine sehr komplexe Krankheit mit einem chronischen Verlauf und einer ungewissen Prognose, die für den Betroffenen extrem belastend ist und erhebliche Konsequenzen für die weitere Lebensführung hat. 

Hier kann eine Psychotherapie wertvolle Dienste leisten, die den Patienten darin unterstützt, seine inneren Ressourcen zu stärken und die krankheitsbedingten psychischen Auswirkungen besser zu meistern. 

Natürlich behandeln 

Die erfolgreiche Behandlung eines chronischen Erschöpfungssyndroms muss die multifaktorielle Ursachenkette berücksichtigen. Dabei müssen die Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) gestärkt werden, um wieder mehr Energie erzeugen zu können. Zugleich muss das autonome Nervensystem und das Immunsystem reguliert werden.

Ein Behandlungskonzept aus Klassischer Homöopathie, Naturheilkunde, Phytotherapie und Nahrungsergänzungsmitteln hat sich dabei in meiner Praxis bestens bewährt.

Hilft Naturheilkunde und Homöopathie bei ME/CFS? 

Naturheilkundliche Maßnahmen, aber auch eine homöopathische Konstitutionstherapie haben sich als lindernde und manchmal heilkräftige Therapien zur Milderung der ME/CFS-Symptomatik gezeigt. 

Hilft Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) bei ME/CFS? 

Was die Phytotherapie betrifft, so interessiert sich die Forschung derzeit vor allem für die pflanzlichen Adaptogene Rosenwurz und Ginseng. Zu ihren Wirkungen gehört, dass sie unter anderem die Konzentrationsfähigkeit steigern und mentale Erschöpfung lindern – therapeutische Eigenschaften, von denen auch ME/CFS-Patienten profitieren könnten.  

Helfen Nahrungsergänzungsmittel bei ME/CFS?

Verschiedene Übersichtsarbeiten – zum Beispiel die im Fachjournal Biomedicine & Pharmacotherapy  veröffentliche Studie „Vorschläge für eine Ernährungstherapie im therapeutischen Ansatz“ – belegen, dass die regelmäßige Einnahme von Vitaminen der B-Familie (etwa Vitamin B6, B12 oder Folsäure), aber auch Antioxidantien wie Coenzym Q10, NADH, Selen, Zink oder Vitamin C, die die Körperzellen vor oxidativem Stress schützen, die Symptomatik von ME/CFS verbessern kann.  

Ich empfehle Patienten mit diagnostiziertem chronischen Erschöpfungssyndrom oder dem Verdacht auf ein chronisches Müdigkeitssyndrom eine kurmäßige Einnahme dieser Präparate in Kombination über 3-4 Monate:

Spermidin CellImmun, 60 Kapseln (4 Packungen für 4 Monate)
Täglich 2 Kapseln mit viel Flüssigkeit zu einer Mahlzeit einnehmen. Liefert wertvolles Spermidin in hoher Dosierung, kombiniert mit dem Carotinoid Astaxanthin sowie Zink in Form des organischen, gut verträglichen Zinkpicolinats. Diese Premiumrezeptur unterstützt die Zellteilung sowie auch das Immunsystem und trägt zusätzlich zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei. Spermidin verfügt über eine mitochondriale Funktion, weist entzündungshemmende Eigenschaften auf und verhindert darüber hinaus die Alterung von Stammzellen. 

Neurogesan B Komplex acitve Gold, 60 Kapseln (2 Packungen für 4 Monate)
Täglich 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit einnehmen. Als Besonderheit dieses Premium Produkts sind Vitamin B2, Vitamin B6 und Folsäure in ihrer aktivierten Form enthalten, während die MHA-Formula alle drei natürlichen Formen des Vitamins B12 liefert. Um dem neuesten Stand der Wissenschaft zu entsprechen, werden auch hohe Dosen der B- Vitamine Niacin, Folsäure, Biotin und Vitamin B12 eingesetzt. Zudem spielt die enthaltene Panthothensäure eine wichtige Rolle bei der normalen Synthese und im Stoffwechsel von Steroidhormonen, Vitamin D und einigen Neurotransmittern und unterstützt damit die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit.

Coenzym Q10 120mg,180 Kapseln (1 Packung für 3 Monate)
Täglich 2 Kapseln mit viel Flüssigkeit zu einer Mahlzeit einnehmen. 

Rhodiola Rosea, 90 Kapseln (2 Packungen für 3 Monate)
Täglich 2 Kapseln, die Sie mit viel Flüssigkeit außerhalb der Mahlzeiten einnehmen. Enthält standardisierten Rosenwurz-Extrakt zur Unterstützung der körperlichen und kognitiven Leistungsfähigkeit in Zeiten vermehrter emotionaler, geistiger oder körperlicher Belastung. Die positiven Wirkungen auf das Nervensystem, die Konzentrationsfähigkeit und die Stressresistenz sind gut dokumentiert. Eine 12-wöchige Substitution führte bei Personen mit kognitiven Schwierigkeiten zu einer hoch signifikanten Verbesserung sowohl der physischen als auch der kognitiven Leistungsfähigkeit. Wirkt zusätzlich entzündungshemmend. 

Weitere Nährstoffmangel an Vitamin D, Eisen, Selen u.a. müssen nach Nachweis im Laborbefund ebenfalls bedarfsgerecht ausgeglichen werden.

Sie können online einen Termin vereinbaren beim Spezialisten für Autoimmunerkrankungen in München.

Erscheinungsdatum:

05.11.2021

Autoren:

Markus Breitenberger, Heilpraktiker und Homöopath. Seit über 20 Jahren behandelt er in eigener Praxis schwerpunktmäßig Menschen mit Autoimmunerkrankungen. Autor von 2 Büchern zum Thema Autoimmunerkrankungen und zahlreichen medizinischen Fachartikeln.

Dr. Nicole Schaenzler, Philologin und Medizinjournalistin. Herausgeberin eines Gesundheitsmagazins und Fachautorin zahlreicher Bücher zu medizinischen Themen.

Quellen: 

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM) Stand: Oktober 2017 (Revision geplant: November 2021)

Harrisons Innere Medizin – in Zusammenarbeit mit der Charité (Hrsg. von N. Suttorp u. Kollegen, ABW Wissenschaftsverlag GmbH, Berlin, 19. Aufl.)

Internationale Übersichtsarbeit im Auftrag des European Network on ME/CFS (EUROMENE), durchgeführt von Wissenschaftler/innen u.a. aus Italien, Spanien, Lettland und des Instituts für Medizinische Immunologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin Campus Virchow-Klinikum (Prof. Carmen Scheibenbogen): „Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Erschöpfungssyndrom – Hinweise auf eine Autoimmunerkrankung“ (Autoimmunity Reviews, März 2018)

Aktuelle Leitlinie zu ME/CFS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen der National Institute for Health and Care Excellence (NICE), veröffentlicht am 29. Oktober 2021

Nahrungsergänzungsmittel: G. Bjorklund, M Dadar u.a.: Chronic Fatigue Syndrom (CFS): Vorschläge für eine Ernährungstherapie im therapeutischen Ansatz (Biomedicine & Pharmacotherapy, Januar 2019)