Sie sind ständig erkältet, kaum ist ein Infekt vorbei, beginnt der nächste? Dieser Ratgeber erklärt, wie viele Infekte pro Jahr bei Kindern und Erwachsenen normal sind, welche Ursachen hinter einer Infektanfälligkeit stecken können, welche Warnzeichen medizinisch abgeklärt werden sollten und was Sie selbst tun können.
Kurz zusammengefasst
- Infektanfälligkeit (Abwehrschwäche) bedeutet, dass jemand deutlich häufiger an Infekten erkrankt, als es für sein Alter üblich ist.
- Kleinkinder sind von Natur aus infektanfällig: In der LoewenKIDS-Studie hatten Kinder in den ersten beiden Lebensjahren im Mittel knapp 14 Atemwegsinfekte.
- Bei Erwachsenen stecken meist beeinflussbare Faktoren dahinter, etwa Dauerstress, zu wenig Schlaf, Rauchen oder Nährstoffmangel; angeborene Immundefekte sind selten.
- Ungewöhnlich schwere Verläufe, Komplikationen wie Lungenentzündungen oder immer wiederkehrende Infekte mit demselben Erreger sollten ärztlich abgeklärt werden.
Was ist Infektanfälligkeit?
Infektanfälligkeit (Abwehrschwäche) bedeutet, dass jemand häufiger an Infekten erkrankt, als es für sein Alter üblich ist, oder dass Infekte ungewöhnlich schwer und lang verlaufen.
Das kann auf eine geschwächte Immunabwehr hindeuten: Viren, Bakterien und andere Erreger können sich dann leichter im Körper festsetzen. Bei kleinen Kindern ist eine erhöhte Infektanfälligkeit dagegen normal, weil ihr Immunsystem noch lernt.

Infektanfälligkeit bei Kindern: Ist das normal?
Ja, bei Kleinkindern ist eine erhöhte Infektanfälligkeit normal: Nach dem Ende des Nestschutzes im Säuglingsalter bis etwa zur Einschulung erkranken Kinder deutlich häufiger als Erwachsene. Diese sogenannte physiologische (natürliche) Infektanfälligkeit hat einen einfachen Grund: Das Immunsystem muss die vielen unbekannten Erreger erst kennenlernen. Mit dem Heranwachsen nimmt sie von selbst ab.
Wie viele Infekte pro Jahr sind bei Kindern normal?
Kleinkinder haben in den ersten beiden Lebensjahren zusammen im Mittel knapp 14 Atemwegsinfekte, also etwa sieben pro Jahr; das ergab die LoewenKIDS-Studie mit Kindern aus Deutschland (Langer et al. 2022).
Kindergarten- und Vorschulkinder erkranken ebenfalls deutlich häufiger als Erwachsene; bis zu acht bis zwölf Infekte pro Jahr gelten in diesem Alter noch als normal.
Wie viele Infekte pro Jahr sind bei Erwachsenen normal?
Bei Erwachsenen mit gesunder Abwehr gelten bis zu fünf Infekte pro Jahr als normal. Ab der Einschulung nehmen die Infekte deutlich ab und erreichen spätestens im Jugendalter dieses Niveau.
Wann ist Infektanfälligkeit bei Kindern gefährlich?
Infektanfälligkeit bei Kindern sollte kinderärztlich abgeklärt werden, wenn Ihr Kind deutlich häufiger krank ist als Gleichaltrige, oft Komplikationen bekommt oder immer wieder mit demselben Erreger (z. B. Streptokokken) erkrankt. Angeborene Immundefekte sind selten. Häufige Atemwegsinfekte können aber auch auf eine Allergie oder Asthma hinweisen.

Infektanfälligkeit vor und während der Periode
Manche Frauen sind kurz vor oder während der Periode anfälliger für Infekte. Die Zusammenhänge zwischen Sexualhormonen und Immunabwehr sind noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert wird, dass der Abfall von Östrogen und Progesteron kurz vor der Regelblutung die Immunabwehr vorübergehend dämpft.
Gehäufte Infekte während der Schwangerschaft
Viele werdende Mütter erkranken während der Schwangerschaft häufiger an Infekten als sie es gewohnt sind. Ein Grund ist, dass das Immunsystem seine Schlagkraft während der Schwangerschaft tatsächlich etwas herunterfährt, um die Zellen des Ungeborenen, die zur Hälfte vom Vater stammen und dem Körper der Mutter deshalb fremd sind, nicht anzugreifen.
Nach der Geburt (und Stillzeit) normalisiert sich die Aktivität des mütterlichen Immunsystems wieder.
Ist es gut, manchmal krank zu sein?
Dass wir ab und zu krank werden, liegt in der Natur des Immunsystems begründet: Die Abwehrzellen müssen kontinuierlich trainieren, um Krankheitserreger effektiv abwehren zu können. Erst durch den Kontakt mit Viren, Bakterien oder Pilzen und die erfolgreiche Bekämpfung der durch sie verursachten Infektionen lernt das Immunsystem, wie es den Organismus künftig vor einer Infektion schützt – man spricht dann auch von einer Immunität gegen diese Krankheitserreger.
Bei einigen Infektionskrankheiten ist man sogar lebenslang geschützt, wenn man sie einmal durchgemacht hat. Häufiger kommt es jedoch vor, dass das immunologische Gedächtnis mit der Zeit nachlässt, sodass Erreger nach einer Weile erneute Infektionen auslösen können, das trifft zum Beispiel auf viele Erkältungsviren zu.
Warum bin ich so oft krank?
Wer als Erwachsener ständig krank ist, hat meist eine vorübergehend geschwächte Abwehr, oft durch Dauerstress, Schlafmangel, einseitige Ernährung oder Rauchen. Diese Faktoren lassen sich in der Regel beeinflussen.

Seltener steckt ein angeborener oder erworbener Immundefekt dahinter. Dann halten Infekte oft länger an, verlaufen schwerer und ziehen häufiger Komplikationen nach sich. Die Abwehr kann auch dauerhaft geschwächt sein, etwa durch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken.
Infektanfälligkeit und mitochondriale Dysfunktion
Immunzellen brauchen viel Energie aus den Mitochondrien, den „Kraftwerken“ der Zellen. Ob eine gestörte Mitochondrienfunktion zu häufigeren Infekten beiträgt, wird diskutiert; mehr dazu im Ratgeber zur mitochondrialen Dysfunktion.
Infektanfälligkeit durch stille Entzündungen (Silent Inflammation)
Bei einer Silent Inflammation, einer unterschwelligen chronischen Entzündung, ist das Immunsystem dauerhaft aktiviert und dadurch meist weniger durchsetzungsfähig gegen Erreger. Mehr dazu im Ratgeber Silent Inflammation.
Sie sind häufiger krank, als Sie es von sich kennen, und möchten die Ursachen in Ruhe klären? Gern nehme ich mir in meiner Münchner Praxis Zeit für Sie und Ihre Krankengeschichte.
Ständig krank: Was tun? Tipps und Behandlung
Bei Infektanfälligkeit steht an erster Stelle, die Ursache zu finden und die beeinflussbaren Faktoren anzugehen: Stress, Schlaf, Ernährung, Bewegung und Genussmittel. Viele Menschen, die mich deshalb in meiner Praxis aufsuchen, haben schon einiges ausprobiert und sind dennoch häufig krank oder total erschöpft nach einem Infekt.

Infektanfälligkeit: Lebensstil zuerst prüfen
Prüfen Sie zuerst, ob mindestens zwei dieser Punkte schon vor den gehäuften Infekten zu Ihrem Alltag gehörten:
- anhaltende Stressbelastung
- sorgenvolle Gedanken
- zu wenig Schlaf
- einseitige Ernährung
- zu viel Genussmittel
Dann ist es sinnvoll, genau hier anzusetzen. Lassen Sie bei anhaltender Infektanfälligkeit zusätzlich medizinisch abklären, ob ein Nährstoffmangel vorliegt, etwa an Vitamin C, Vitamin D, Eisen oder Zink.
Immunsystem stärken: 10 Tipps für den Alltag
Diese zehn Alltagsmaßnahmen unterstützen eine gesunde Immunabwehr und sind bei Infektanfälligkeit der erste Schritt.
Tipp 1 – Gesunde Ernährung
Eine ausgewogene Ernährungsweise setzt auf viel frisches Obst und Gemüse, aber wenig Fleisch. Auf diese Weise wird der Körper mit allen wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt, die er für ein schlagkräftiges Immunsystem benötigt. Wichtig ist auch, dass die Kost reich an Ballaststoffen (enthalten zum Beispiel in Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten etc.) ist, um so auch das darmeigene Immunsystem zu stärken.
Tipp 2 – Regelmäßige Bewegung
Regelmäßige Bewegung, vor allem Ausdauersport wie Walken, Radfahren oder Schwimmen, unterstützt die Immunabwehr. Die WHO empfiehlt Erwachsenen 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Sehr intensives Training kann die Abwehr dagegen kurzfristig schwächen (Open-Window-Effekt).
Tipp 3 – Auf einen ausreichenden Schlaf achten
Wer dauerhaft weniger als sechs Stunden pro Nacht schläft, erkrankt leichter an einer Erkältung: In einer Studie mit gezielt verabreichten Schnupfenviren war das Risiko etwa viermal so hoch wie bei Menschen mit mehr als sieben Stunden Schlaf (Prather et al. 2015).
Tipp 4 – Stress möglichst vermeiden, für ausreichende Entspannung sorgen
Da zu viel Stress dem Immunsystem schadet und eine erhöhte Infektanfälligkeit forcieren kann, sind ausreichende Entspannungs- bzw. Erholungsphasen wichtig, um einer möglichen Stressbelastung entgegenzuwirken. Eine gute Möglichkeit, um Stress abzubauen, ist körperliche Aktivität. Aber auch das Erlernen einer Entspannungsmethode (autogenes Training, Yoga etc.) kann wertvolle Dienste leisten.
Tipp 5 – Viel frische Luft
Viel Zeit im Freien tut der Abwehr gut und ermöglicht dem Körper, Vitamin D zu bilden. Im Sommerhalbjahr reichen laut Bundesinstitut für Risikobewertung an mehreren Tagen pro Woche etwa 5 bis 25 Minuten Sonne auf Gesicht, Händen und Armen, ohne Sonnenbrand. Von Oktober bis März ist die Sonne in Deutschland dafür zu schwach; dann greift der Körper auf seine Speicher zurück
Tipp 6 – Maßnahmen zur Abhärtung
Regelmäßige Saunagänge, Eisbaden, Wassertreten nach Kneipp oder Wechselduschen trainieren den Körper durch den Wechsel von Wärme und Kälte und können die Abwehr unterstützen. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen besprechen Sie das bitte vorher mit Ihrem Arzt oder Heilpraktiker.
Tipp 7 – Rauchverzicht
Rauchen schwächt die Abwehr, besonders in den Atemwegen. Ein Rauchstopp lohnt sich deshalb auch für weniger Infekte.
Tipp 8 – Alkohol meiden
Durch regelmäßigen Alkoholkonsum wird die Funktionsfähigkeit des Immunsystems herabgesetzt. Deshalb macht es Sinn, den Alkoholgenuss auf ein Minimum zu reduzieren, dies gilt umso mehr, wenn bereits eine Anfälligkeit für Infekte besteht.
Tipp 9 – Don´t worry – be happy
Lachen ist die beste Medizin – und das ist nicht nur eine Redensart. Lachen, Freundschaften und schöne Erlebnisse helfen, Stress abzubauen, und Stressabbau kommt auch der Abwehr zugute.
Tipp 10 – Pflanzliche Heilmittel
Einigen Pflanzen wird eine immunanregende Wirkung zugeschrieben, etwa Sonnenhut (Echinacea) oder Taigawurzel. Auch Propolis, ein Harz aus dem Bienenstock, und Manuka-Honig werden traditionell bei Infekten verwendet.
Antibiotika bei Infektanfälligkeit: Wann sie sinnvoll sind
Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren, die die meisten Erkältungen auslösen. Bei bakteriellen Infekten können sie lebensrettend sein; zu häufiger Einsatz fördert aber Resistenzen und verändert die Darmflora.
Ein häufiger Diskussionspunkt in der Medizin betrifft die optimale Einnahmedauer von Antibiotika. Über Jahrzehnte hinweg galt die feste Regel, dass eine einmal begonnene Antibiotikatherapie auch nach dem Abklingen der Symptome strikt bis zum Ende der verordneten Packung fortgeführt werden muss.
Neuere wissenschaftliche Evidenz zeigt hier jedoch einen deutlichen Paradigmenwechsel: Für eine Vielzahl von unkomplizierten bakteriellen Infektionen belegen Studien mittlerweile, dass eine kürzere Therapiedauer genauso wirksam ist wie die klassische Langzeittherapie (vgl. Llewelyn et al., 2017).
Eine unnötig verlängerte Einnahme bietet oft keinen therapeutischen Zusatznutzen. Im Gegenteil: Kürzere, zielgerichtete Behandlungszyklen können das Risiko für die Entstehung bakterieller Resistenzen sowie unerwünschter Nebenwirkungen senken. Diese Erkenntnis hat auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Rahmen der World Antibiotic Awareness Week aufgegriffen.
Wichtiger Hinweis: Trotz dieser neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse sollten Sie die verordnete Einnahmedauer Ihrer Medikamente niemals eigenmächtig verkürzen. Jede Infektion verläuft individuell. Bitte passen Sie die Therapiedauer ausschließlich nach vorheriger, expliziter Rücksprache mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt an.
Infektanfälligkeit testen: Was Selbsttests zeigen können
Einen einzelnen Test auf Infektanfälligkeit gibt es nicht. Selbsttests aus Stuhl, Speichel oder Urin können Hinweise auf mögliche Einflussfaktoren wie Darmflora oder Stresshormone geben, sie ersetzen aber keine medizinische Diagnose.
In der täglichen Praxis zeigt sich häufig die Bedeutung von chronischem Stress bei erhöhter Infektanfälligkeit, was sich unter anderem durch seine negativen Einflüsse auf Mikrobiom und Immunabwehr erklärt.
Markus Breitenberger, Heilpraktiker
Deshalb lohnt es sich, Darm und Stresshormone mit anzuschauen. Wie ich bei Darmbeschwerden vorgehe, lesen Sie auf meiner Seite zur Darmsanierung in München.
Zwei Selbsttests decken diese beiden Bereiche ab. Sie führen sie zu Hause durch, das Labor wertet die Probe aus und schickt Ihnen einen Befund.
Infektanfälligkeit: Ursachen
Es gibt eine Reihe von Erkrankungen, die die Schlagkraft des Immunsystems herabsetzen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Allergien
- Autoimmunerkrankungen (Multiple Sklerose, Rheumatoide Arthritis, Lupus Erythematodes etc.), auch durch die immundämpfende Behandlung (z.B. durch Methotrexat (MTX))
- Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes
- Long-Covid (nach Impfung oder Infektion)
- ME/CFS (chronisches Erschöpfungssyndrom)
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
- Reizdarmsyndrom und andere chronische Verdauungsstörungen
- Störungen des Darmimmunsystems (Dysbiose der Darmflora)
- Schilddrüsenerkrankungen (Hashimoto-Thyreoiditis etc.)
- Chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale, COPD
- Unentdeckte Nahrungsmittelunverträglichkeit /-allergie
- Lebererkrankungen wie Leberzirrhose
- fortgeschrittene Nierenschwäche
- Nebennierenschwäche und Nebenniereninsuffizienz (Morbus Addison)
- starkes Untergewicht, z. B. bei einer Essstörung
- krankhaftes Übergewicht (Adipositas)
- mitochondriale Dysfunktion
- Genetisch bedingte Abwehrschwäche (angeborener Immundefekt)
- Angeborene Stoffwechselerkrankungen wie Mukoviszidose
- Schwere Infektionskrankheiten
- HIV/AIDS (sekundärer Immundefekt)
- Erkrankungen des blutbildenden Systems (Leukämie, Lymphdrüsenkrebs) und andere Krebserkrankungen
Infektanfälligkeit durch Medikamente, Mangel und Hormone
Auch Medikamente, Nährstoffmangel und hormonelle Umstellungen können die Infektanfälligkeit erhöhen:
- Ausgeprägter Nährstoffmangel
- Ausgeprägter Eisenmangel
- Mangel an DHEA (Dehydroepiandrosteron)
- Medikamente, die das Immunsystem bremsen oder unterdrücken (Immunsuppressiva), zum Beispiel Methotrexat, Cyclophosphamid, Glukokortikosteroide etc.)
- Zytostatika im Rahmen einer Chemotherapie bei Krebs
- Strahlentherapie
- Organtransplantation
- Veränderungen der Darmflora durch Antibiotika sowie weitere Medikamente wie bestimmte Antiepileptika oder Säureblocker
- Einseitige Ernährungsgewohnheiten
- chronische Entzündungsherde wie eine chronische Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
- Wechseljahre der Frau oder Wechseljahre bei Männern
Infektanfälligkeit oder Immundefekt: Was ist der Unterschied?
Bei einer gewöhnlichen (physiologischen) Infektanfälligkeit lässt sich keine Störung des Immunsystems nachweisen; bei einem Immundefekt (krankhafte Immunschwäche) ist ein Teil der Abwehr dauerhaft gestört. Welche Form der Infektanfälligkeit besteht, kann sicher nur durch eine eingehende Untersuchung festgestellt werden.
Physiologische Infektanfälligkeit ohne krankhafte Ursache
Eine physiologische Infektanfälligkeit entsteht durch Faktoren wie Stress oder einseitige Ernährung und betrifft auch kleine Kinder, deren Abwehr sich erst entwickelt.
Sekundäre Immunschwäche (erworbener Immundefekt)
Eine sekundäre Immunschwäche (erworbener Immundefekt) entsteht im Laufe des Lebens, etwa durch HIV/Aids oder eine Krebserkrankung, als Nebenwirkung einer Chemo- oder Strahlentherapie oder durch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken. Dass der Immundefekt erst im Laufe des Lebens erworben wird, kommt sehr viel öfter vor als mit einer Immunschwäche geboren zu werden.
Primäre Immunschwäche (angeborener Immundefekt)
Angeborene (primäre) Immundefekte, kurz PID, beruhen auf Veränderungen in der Erbinformation. Sie sind selten: Im deutschen PID-Register waren bis 2017 rund 2.300 Patientinnen und Patienten erfasst; Fachleute gehen von vielen unerkannten Fällen aus (El-Helou et al. 2019).
In der Regel zeigt sich ein angeborener Immundefekt schon in den ersten Lebensjahren: Das betroffene Kind erkrankt nicht nur überdurchschnittlich oft an Infekten, sondern der Verlauf ist oft chronisch und die Komplikationsrate hoch. Typisch sind zum Beispiel wiederkehrende Mittelohr- und Lungenentzündungen, aber auch schwere Hautentzündungen und Pilzinfektionen, die sich zudem oft nur schwer therapieren lassen.
Die Internationale Union immunologischer Gesellschaften (IUIS) ordnet angeborene Immundefekte inzwischen über 500 verschiedenen Genen zu (Stand 2024: 508 Gene; Poli et al. 2025).
Von einem genetisch bedingten Defekt können praktisch alle Teile des Immunsystems betroffen sein. Am häufigsten sind Immundefekte mit Antikörpermangel. Daneben gibt es Defekte der T- und B-Zellen, der Fresszellen und natürlichen Killerzellen oder des Komplementsystems, einer Gruppe von Abwehr-Eiweißen.
Seltene Sonderformen sind der schwere kombinierte Immundefekt (SCID) oder Immundefekte im Rahmen genetischer Syndrome wie dem DiGeorge-Syndrom.
Wie wird ein angeborener Immundefekt erkannt?
Ein angeborener Immundefekt wird mit Bluttests auf Immunzellen und Antikörper festgestellt. Ob diese Tests nötig sind, prüfen Ärztinnen und Ärzte anhand festgelegter Warnzeichen, zusammengefasst in den Merkhilfen ELVIS (Erreger, Lokalisation, Verlauf, Intensität, Summe) und GARFIELD (Granulome, Autoimmunität, rezidivierendes Fieber, Ekzem, Lymphoproliferation, chronische Darmentzündung).
Wie wird ein angeborener Immundefekt behandelt?
Bei einem angeborenen Immundefekt ist eine lebenslange Therapie notwendig. Diese richtet sich nach Art und Schwere des Immundefekts, etwa eine medikamentöse Antikörperersatzbehandlung. Bei besonders schweren Immundefekten können auch Maßnahmen wie eine Stammzelltransplantation angezeigt sein.
Was schwächt das Immunsystem?
Das Immunsystem schwächen vor allem Faktoren, die Sie beeinflussen können: einseitige Ernährung, Rauchen, viel Alkohol, Bewegungsmangel, Dauerstress und zu wenig Schlaf. Hinzu kommt das Alter: Etwa ab dem 60. Lebensjahr lässt die Abwehr allmählich nach, Infekte verlaufen dann oft schwerer und länger.
Diese beeinflussbaren Faktoren können die Abwehr schwächen:
- Einseitige Ernährung
- Nährstoffmangel
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- Zu intensives körperliches Training (Open-Window-Phänomen)
- Unter- und Übergewicht
- Stress
- Schlafmangel
Welche Mikronährstoffmängel erhöhen die Infektanfälligkeit?
Ein Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen kann die Abwehr schwächen, vor allem an Vitamin A, C, D, B6, B12 und Folsäure sowie an Zink, Selen und Eisen. Ob ein Mangel vorliegt, zeigt eine Blutuntersuchung (Mikronährstoffanalyse).

Infektanfällig durch Stress: Wie Dauerstress die Abwehr schwächt
Anhaltender Stress kann infektanfällig machen: In einer klassischen Studie erkrankten Menschen mit hoher Stressbelastung nach Kontakt mit Erkältungsviren häufiger als wenig gestresste (Cohen et al. 1991).
Nervensystem, Psyche und Immunsystem stehen in engem Austausch; dieses Forschungsfeld heißt Psychoneuroimmunologie.
Beispielsweise wirken Botenstoffe der Nerven auch direkt auf die Immunzellen – und Botenstoffe des Immunsystems beeinflussen die Nerven. Diesem engen Austausch entsprechend können sich auch psychische Belastungen direkt auf das Immunsystem auswirken!
Kann die Psyche das Immunsystem schwächen?
Ja, die Psyche kann das Immunsystem schwächen, vor allem wenn eine seelische Belastung länger anhält. Krankheitserreger werden dann schlechter abgewehrt.
Warum macht ständiger Stress krank?
Stress hat einen direkten Einfluss auf das Immunsystem: Ist er nur von kurzer Dauer, erhöht Stress sogar die Immunabwehr. Hält die Stressbelastung jedoch länger an, werden die Abwehrkräfte geschwächt.
Ein Grund ist die zunächst hohe Konzentration des Stresshormons Cortisol im Blut, die bei Dauerstress entsteht. Vor allem die Immunzellen – sowohl des spezifischen wie auch des unspezifischen Immunsystems – werden durch zu viel Cortisol in Mitleidenschaft gezogen: Sie verlieren ihre Fähigkeit, sich zu vermehren, ihre Anzahl sinkt – und das körpereigene Abwehrsystem ist immer weniger in der Lage, Krankheitserreger effektiv abzuwehren.
Besteht der chronische Stress jedoch über einen sehr langen Zeitraum fort, kann das hormonelle System erschöpfen. Die Folge ist ein sekundärer Cortisolmangel, da die Nebennierenrinde nicht mehr genügend Hormone bereitstellen kann. Dieser Mangel führt schließlich zu einer Fehlregulation des Immunsystems, wodurch häufig chronische Entzündungsprozesse und anhaltende Erschöpfungszustände begünstigt werden.
Wenn Dauerstress Sie krank macht, kann es helfen, die inneren Antreiber dahinter anzuschauen. Wie ich Menschen dabei begleite, lesen Sie auf meiner Seite zur Psychotherapie in München; einen Termin können Sie online vereinbaren.
Infektanfällig nach Corona: Long Covid und Post-Vac
Manche Menschen berichten nach einer Corona-Infektion oder nach einer Corona-Impfung (Post-Vac-Syndrom) über eine anhaltend erhöhte Infektanfälligkeit; die genauen Ursachen werden noch erforscht.
In meiner Praxis sehe ich seit der Pandemie deutlich mehr Menschen mit gehäuften Infekten und Autoimmunerkrankungen.
Markus Breitenberger, Heilpraktiker
Typische Beschwerden bei Long Covid und Post-Vac-Syndrom sind:
- Infektanfälligkeit
- Starke psychische und körperliche Erschöpfbarkeit und Ermüdbarkeit
- Störung der Konzentration, Merkfähigkeit oder des Gedächtnisses
- Depressive Verstimmung, Ängste, Interesse – und Freudlosigkeit, Reizbarkeit
- Schlafstörungen verbunden mit Tagesmüdigkeit
Ausführlich zu Ursachen und Behandlung lesen Sie im Ratgeber Long Covid. Wenn die Erschöpfung im Vordergrund steht und sich nach Belastung verschlimmert, kann ein ME/CFS dahinterstecken; dazu mehr auf meiner Seite zum chronischen Erschöpfungssyndrom ME/CFS.
Schwaches Immunsystem: Warnzeichen und wann zum Arzt
Warnzeichen für ein schwaches Immunsystem sind ungewöhnlich häufige, schwere oder nicht abklingende Infekte, Komplikationen wie Lungenentzündungen, hartnäckige Pilzinfektionen und Infekte mit sonst harmlosen Erregern.
Auch wenn Antibiotika bei bakteriellen Infekten wiederholt nicht ausreichend wirken, sollte das abgeklärt werden.

Warnzeichen dieser Art sollten grundsätzlich abgeklärt werden – auch um eine ernsthafte Erkrankung auszuschließen!
Infektanfälligkeit: Wann zum Arzt?
Gehen Sie mit Infektanfälligkeit zur Hausärztin oder zum Hausarzt, bei Kindern zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt, wenn:
- Ihr Kind deutlich häufiger krank ist als Gleichaltrige oder Sie als Erwachsene mehr als etwa fünf Infekte im Jahr haben.
- immer wieder Lungenentzündungen, Abszesse oder Infekte mit demselben Erreger auftreten oder ein Kind schlecht wächst oder zu wenig zunimmt.
Infektanfälligkeit abklären: Untersuchungen und Diagnose
Infektanfälligkeit wird mit einem ausführlichen Gespräch über Krankengeschichte und Lebensgewohnheiten, einer körperlichen Untersuchung und Blutwerten wie Blutbild und Antikörpern abgeklärt.
Schon das Gespräch (Anamnese) gibt oft entscheidende Hinweise. Weitere wichtige Untersuchungen sind:
- Körperliche Untersuchung, in meiner Praxis ergänzt durch Zungen- und Pulsdiagnostik aus der Naturheilkunde
- Laboruntersuchung: Komplettes Blutbild einschließlich der Bestimmung von bestimmten Immunzellen sowie Antikörpern
- Abklärung eines Nährstoffmangels (Blutuntersuchung)
- Darmdiagnostik, einschließlich einer ausführlichen Stuhlanalyse
- Gegebenenfalls Test auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. -allergien (Blutprobe, Pricktest)
- Hormonanalyse (Speicheltest), z. B. Östrogen und Progesteron
- Bei Dauerstress: Speicheltest zur Bestimmung des Cortisolspiegels, DHEA, Adrenalin u.a.
Infektanfälligkeit: Welche Blutwerte sind wichtig?
Bei Infektanfälligkeit sind vor allem das große Blutbild, die Antikörper (Immunglobuline) und wichtige Mikronährstoffe aufschlussreich:
- Großes Blutbild, einschließlich einer differenzierten Betrachtung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und ihrer Untergruppen (Lymphozyten, Granulozyten, Monozyten)
- hsCRP-Wert, ein empfindlicher Entzündungswert
- Antikörper (Immunglobuline) IgG, IgA, IgM, bei Allergieverdacht IgE
- Bestimmung von wichtigen Mikronährstoffen und Vitaminen: Selen, Vitamine D, Vitamin B12, Folsäure (B9), Eisen (Ferritin), Zink
Funktionsweise Immunsystem: Wie schützt es vor Infekten?
Das Immunsystem ist ein hochaktives System aus verschiedenen Geweben, Organen und Zellverbänden und unterliegt einer komplexen Regulation. Ist es intakt, ist das Immunsystem die wichtigste Verteidigungslinie des Organismus gegen Krankheitserreger.
Dabei stützt sich die Abwehrarbeit im Wesentlichen auf zwei Säulen: die unspezifische (angeborene) und die spezifische (erworbene) Immunabwehr, die eng miteinander verzahnt sind. Wächter des Immunsystems sind die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die ständig in Blut und Geweben auf der Suche nach Erregern patrouillieren.

Was ist die unspezifische (angeborene) Immunabwehr?
Die unspezifische Immunabwehr (unspezifisches Immunsystem), mit der man bereits seit der Geburt ausgestattet ist, ist das erste Schutzschild des Körpers. „Unspezifisch“ deshalb, weil ihre Reaktion auf Keime immer nach gleichem Schema abläuft. Die unspezifische Immunantwort setzt ein, sobald Krankheitserreger durch kleine Wunden in die Haut oder über die Schleimhäute in den Körper eingedrungen sind (passiver Schutz).
Das Ziel: Die Eindringlinge noch am Ort des Geschehens zu eliminieren. Gelingt es den Erregern dennoch, die Schutzbarriere zu durchbrechen, werden sofort bestimmte Zellen aktiviert, zum Beispiel Fresszellen und Proteine des Komplementsystems (aktiver Schutz).
Was ist die spezifische (erworbene) Immunabwehr?
Die erworbene Immunabwehr kann gezielt auf Krankheitserreger reagieren, deshalb spricht man auch von der spezifischen Immunabwehr (spezifisches Immunsystem). Sie wird aktiviert, sobald es Eindringlingen gelungen ist, die Barrieren der unspezifischen Immunabwehr zu überwinden.
Hauptakteure der erworbenen Immunabwehr sind bestimmte Gruppen der weißen Blutkörperchen wie die T-Lymphozyten (T-Zellen) und B-Lymphozyten (B-Zellen) mit ihren Untergruppen T- und B-Gedächtniszellen. Diese Untergruppen haben die Fähigkeit, sich an die Krankheitserreger erinnern zu können.
Kommt es zu einer erneuten Infektion mit dem Erreger, werden von den B-Zellen umgehend spezielle Eiweißmoleküle, sogenannte Antikörper (Immunglobuline) produziert, die passgenau auf die spezifischen Merkmale dieses Erregers (Antigen) abgestimmt sind. Dadurch können sich die Antikörper an die Keime binden und diese so neutralisieren und eliminieren.

Die verschiedenen Immunzellen sind im ständigen Austausch miteinander. Sie kommunizieren entweder auf direktem Weg oder über Botenstoffe, zum Beispiel über sogenannte Zytokine. Wenn nur eine Komponente des Immunsystems verändert ist, kann es zu einer Beeinträchtigung der gesamten Abwehrleistung kommen – und eine (krankhafte) Anfälligkeit für Infekte ist die Folge.
Wenn Sie die Ursachen Ihrer Infektanfälligkeit ganzheitlich klären möchten, begleite ich Sie gern, in meiner Praxis in München oder in einer Videosprechstunde. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Termin ganz einfach online:
Infektanfälligkeit: Häufige Fragen
Hinweis zu diesem Artikel: Gehäufte Infekte bei Kleinkindern sind meist normal. Lassen Sie Ihr Kind bitte kinderärztlich untersuchen, wenn es schlecht wächst, wiederholt Lungen- oder Mittelohrentzündungen hat oder immer wieder mit demselben Erreger erkrankt. Selbsttests können einen Immundefekt nicht ausschließen. Setzen Sie verordnete Antibiotika nicht eigenmächtig ab.