Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

Alternative zur Borreliose-Behandung mit Antibiotika

Borreliose ist die häufigste bakterielle Infektionskrankheit in Deutschland. Bis heute gibt es keine verbindlichen Richtlinien oder Laborparameter, um die Erkrankung eindeutig zu diagnostizieren. Betroffene haben daher oft eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich, bis die Diagnose gestellt wird. Bei der Behandlung der Borreliose herrscht ebenfalls Unklarheit. Selbst Experten sind sich uneins, welche Therapie sinnvoll ist. Auf Basis der aktuellen Forschungslage möchte ich Interessierten und Betroffenen Wissenswertes über die Borreliose leicht verständlich nahebringen.

Die meisten Hausärzte setzen bei der Therapie der Borreliose einzig auf eine Antibiotikabehandlung und der gewünschte Therapieerfolg bleibt damit nicht selten aus. Von den beiden führenden Fachgesellschaften für Borreliose wird offiziell eine therapeutische Versagerquote nach Antibiose von mindestens 15 % bei akuter und 50 % bei chronischer Borreliose genannt wird.

Andererseits leugnen selbst manche angesehenen Fachleute die Existenz einer chronischen Borreliose, weil sie nicht eindeutig laborchemisch belegbar und in der Symptomatik zu unspezifisch ist. Betroffene werden dann ungeachtet ihres Leidens als Hypochonder bezeichnet, die an „Internet-Borreliose“ leiden. Irgendwo dazwischen stehen die Patienten, die zu ihrer oft langjährigen Leidensgeschichte auch noch die Bürde tragen, eine Entscheidung bezüglich des richtigen therapeutischen Wegs treffen zu müssen, über den sich selbst viele Fachleute uneinig sind.

Multisystemische Erkrankungen wie die Borreliose werden meist unzureichend behandelt, weil das Gesundheitssystem fragmentiert ist in Spezialgebiete, die zu wenig Austausch mit Blick auf den Patienten pflegen. Gerade die chronische Borreliose berührt aber mit ihrer vielschichtigen Symptomatik verschiedene Fachbereiche der Medizin. Experten, die an der Schnittstelle zwischen naturwissenschaftlicher Medizin, komplementärer Medizin und manchmal auch Psychotherapie arbeiten, können Patienten mit chronischer Borreliose in Diagnostik und vor allem in Therapie am wirksamsten unterstützen.

Stadien der Borreliose

Ich übernehme hier nicht die Einteilung der Borreliose in drei Stadien, wie sie oft beschrieben werden. Dadurch könnte der Eindruck entstehen, die Borreliose folge einem regelhaften Verlauf, bei dem ein Stadium in das andere übergeht. Das tut sie eben meist nicht, und genau das macht Diagnose und Therapie so schwierig.

Ich unterteile die Borreliose in Anlehnung an die Fachgesellschaft IDSA (Infectious Disease Society of America) in eine akute und chronische Borreliose, wobei die akute Phase ihrerseits unterteilt wird in eine lokalisierte Phase mit Wanderröte, Lymphozytom und Begleitsymptomen und in eine disseminierte Phase, in der eine Streuung der Erreger über die Blutbahn stattgefunden hat. Diese Ausbreitung erfolgt vorwiegend in das Herz, die Gelenke und das periphere und zentrale Nervensystem (Neuroborreliose).

Wichtige Infos

Was ist Borreliose?

Die Borreliose ist eine hauptsächlich durch Tiere auf den Menschen übertragene Erkrankung. In sehr seltenen Fällen wurde von einer diaplazentaren Übertragung berichtet: Das bedeutet, dass eine infizierte schwangere Frau die Infektion auf das ungeborene Kind übertragen kann. Borreliose ist ansonsten nicht ansteckend und nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Es gibt keine Impfung gegen Borreliose. Bester Schutz ist die Expositionsprophylaxe, die ich im Folgenden kurz erklären möchte.

Wie kann ich mich schützen vor einem Zeckenbiss?

Es gibt eine Vielzahl von Verhaltensregeln. Diese Aufzählung ist nicht vollständig, jedoch ebenso leicht anwendbar wie wirksam:

1. Bei Aufenthalt im Grünen und vor allem im hohen Gras oder im Wald sollte man die Hosen in die Strümpfe stecken, Kopfbedeckung und möglichst helle Kleidung tragen. Bei längerem Aufenthalt gegebenenfalls ein wirksames Repellent wiederholt auftragen.

2. Nach dem Aufenthalt im Freien die Kleidung und den gesamten nackten Körper absuchen. Vor allem bevorzugte Saugstellen der Zecken untersuchen, also warm-feuchte Körperstellen mit dünner Haut: Kopfhaut, hinter den Ohren, Hals, Achselhöhlen, Genitalbereich, zwischen den Beinen, Kniekehlen, im Nabel, zwischen den Zehen.

Bei Kindern vor allem den Kopf-, Nacken- und Schulterbereich absuchen. Die jugendlichen Zecken, die zu 80 % an Menschen gefunden werden, sind so klein wie ein Mohnsamen und können besser ertastet als gesehen werden. Zecken auf der abgelegten Kleidung können bis drei Tage überleben und überstehen auch einen 60-Grad-Waschgang oder das Gefrierfach, nicht aber den Wäschetrockner.

3. Freilaufende Haustiere immer wieder auf Zecken absuchen.

Wie, wann und wo erfolgt die Ansteckung?

Hauptsächlich durch den Stich von Ixodes ricinus, auch Schildzecke oder Holzbock genannt, seltener durch die aggressivere Auwaldzecke. Der Holzbock hat ein sehr breites Wirtsspektrum wie Mäuse, Ratten, Igel, Füchse, Rotwild, Vögel und Haustiere. Mäuse und Ratten stellen dabei das wesentliche Erregerreservoir dar.

Zecken werden ab 7 Grad Celsius aktiv; ab 22 Grad Celsius ziehen sie sich unter Laub oder in die Erde zurück. Durch die Klimaerwärmung sind die Monate, in denen eine Infektion möglich ist, nicht mehr so eng begrenzt. Man kann also durchaus an einem sonnigen Wintertag einen Zeckenstich bekommen. Durch den Stich einer infizierten Zecke werden die Borrelien übertragen. Sie sind sogenannte Schraubenbakterien, die zur Familie der Spirochäten zählen. Es gibt keine Risikogebiete wie bei der durch Zecken übertragenen FSME. Zecken mit Borrelien sind auf der gesamten nördlichen Halbkugel flächendeckend verbreitet.

Wird man nach jedem Zeckenstich krank?

Nein! Man geht davon aus, dass die durchschnittlichen Infektionsraten nach einem Stich mit einer infizierten Zecke (Ixodes ricinus) in den meisten europäischen Regionen bei 10 bis 20 % liegen. In Deutschland sind regional unterschiedlich 5 bis 50 % der Zecken infiziert, in München sind es ca. 35 %. Deutliche Unterschiede bestehen in den Infektionsraten verschiedener Enwicklungsstadien der Zecke: Erwachsene Zecken 20 %, Nymphen 10 %, Larven 1 %.

80 % der bei Menschen gefundenen Zecken sind Nymphen, also Teenager-Zecken, die mit einem Millimeter Länge winzig klein sind. Nicht jeder Zeckenstich hat also eine Borrelieninfektion oder gar eine Erkrankung an Borreliose zur Folge. Immer ist auch die Immunkompetenz, also die wirksame Reaktion des Immunsystems, maßgeblich am Ausbruch einer Krankheit beteiligt.

Eine sogenannte Serokonversion, also das Ansprechen des Immunsystems auf den Erreger nach Infektion, ist bei 2,6 bis 5,6 % der Betroffenen zu erwarten. Eine manifeste Erkrankung jedoch nur bei 0,3 bis 1,4 %.

Nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts liegt die Wahrscheinlichkeit, nach einem in Deutschland erlittenen Zeckenstich an Borreliose zu erkranken, bei 1:300.

Allerdings fehlen aktuelle und ausreichend flächendeckende Studien. Alle Angaben basieren lediglich auf Schätzungen, da zuverlässige Daten über das Erkrankungsrisiko nach einer erfolgten Infektion mit Borrelia burgdorferi fehlen.

Wie häufig ist die Borreliose in Deutschland?

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa. Allein in Deutschland gibt es geschätzte 60.000 bis 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Damit ist die Borreliose auch die häufigste bakterielle Infektionskrankheit. Diese Schätzungen beruhen auf Hochrechnungen aus Daten der meldepflichtigen Bundesländer (Berlin, Neue Bundesländer).

Die tatsächliche Zahl der Neuerkrankungen ist vermutlich wesentlich höher. Allein im Jahr 2009 wurde die Behandlung von rund 800.000 Borreliose-Neuerkrankungen von Ärzten abgerechnet. Dazu kommt, dass diese Zahlen sich nur auf Borreliosefälle beziehen, die mit dem Frühzeichen einer Wanderröte (Erythema migrans) in Erscheinung traten.

Allerdings tritt nur bei der Hälfte aller mit Borreliose infizierten Menschen überhaupt eine Wanderröte auf. Legt man der Hochrechnung diese Situation zugrunde, käme man auf eine geschätzte Zahl von 1,5 Millionen Infizierten pro Jahr.

Wie verläuft eine Borreliose?

Nicht jede Borreliose-Infektion entwickelt sich sofort zu einer systemischen Erkrankung. Stark exponierte Personen, zum Beispiel Waldarbeiter, haben häufig signifikant erhöhte Antikörpertiter, ohne eine Borreliose zu entwickeln. Je nach Region haben bis zu 20 % der Bevölkerung Antikörper gegen Borrelia burgdorferi.

Inkubationszeit

– Die akute lokale Borreliose mit dem beweisenden Symptom der Wanderröte kann Tage bis Wochen nach Infektion ausbrechen. Die Wanderröte tritt jedoch nur in 50 % der Fälle auf und kann auch wiederholt in einem späteren Krankheitsstadium erscheinen.

– Die akute disseminierte (auf Körperregionen jenseits der Einstichstelle übergegangene) Borreliose tritt gewöhnlich Wochen bis Monate nach Infektion auf.

– Die chronische Borreliose kann nach Monaten bis maximal acht Jahren nach Infektion auftreten.

Das sind nur grobe Anhaltspunkte. Borreliose verläuft nicht immer in aufeinanderfolgenden Stadien. Gesichert ist einzig, dass die maximale Latenzzeit zwischen Infektion und Krankheitsausbruch bisher acht Jahre betrug.

Zeckenstich – und jetzt?

1. Entfernen Sie die Zecke ohne Druck mit Zug nach oben – mit einer Zeckenkarte oder einem anderen Zeckenentfernungsgerät (z. B. Nymphia®) oder einfach mit spitzen Fingern.

2. Versuchen Sie zu ermitteln, wie lange die Zecke schon gesaugt hat. Voraussetzung für eine Borrelien-Infektion ist eine Kontaktzeit von etwa acht Stunden. (Dies gilt nicht für FSME, da die Überträgerviren im Stechapparat der Zecke sitzen und sofort übertragen werden.) Acht Stunden benötigen die Borrelien, um aus dem Zeckenmagen in die Speicheldrüsen, den Stechrüssel und schließlich in die Blutbahn des Wirts zu gelangen.

2a. War die Zeit des Saugakts kürzer als acht Stunden, kann man in aller Regel davon ausgehen, dass keine Infektion erfolgt ist.

2b. Wenn der Saugakt länger als acht Stunden war, warten Sie zunächst ab. Achten Sie auf Zeichen der vielleicht auftretenden akuten lokalisierten Borreliose.

Es besteht die Möglichkeit, die Zecke im Labor auf eine mögliche Infektion untersuchen zu lassen. Nach etwa zwei Tagen bekommt man Auskunft über ein Vorkommen von Borrelien in dieser Zecke. Das ist aber nur sinnvoll, wenn eine eindeutige therapeutische Konsequenz aus dem Ergebnis folgt. Man muss dabei berücksichtigen, dass nicht jede infizierte Zecke bei einem gesunden Menschen mit intaktem Immunsystem eine Borreliose hervorruft.

Stadien

Akute Borreliose

Folgende Symptome können Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich auftreten:

  • Grippale Symptome mit oder ohne Fieber; meist ohne Schnupfen und Halsentzündung
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Kopf- und Nackenschmerzen – vor allem bei Kindern, weil sie meist in Kopfnähe gestochen werden; erwachsene Zecken können bis 1,6 Meter an Gräsern und Büschen in die Höhe klettern
  • Abgeschlagenheit
  • Schweißneigung vor allem nachts
  • Wanderröte (Erythema migrans), die bei 50 bis 70 % der Infektionen nach Tagen bis Wochen auftritt und immer beweisend für eine akute lokalisierte Borreliose ist
  • Lymphozytom, eine bläulich-rote Schwellung vor allem des Ohrläppchens, aber auch an Hoden oder Brustwarze; gilt ebenso als sicheres Borreliose-Infektionszeichen, das vorwiegend bei Kindern vorkommt.

Die Diagnose der Borreliose in einer frühen Phase ergibt sich immer nur aus der Vorgeschichte, aus den aufgetretenen Symptomen und dem klinischen Verlauf. In den ersten Tagen der Erkrankung ist die Antikörperbestimmung im Blut sinnlos. Die Bildung der Antikörper dauert in der Regel nämlich zwischen zwei bis acht Wochen, und bei 30 % der Infektionen bleiben die Antikörper sogar weiterhin negativ.

Borreliose ist damit primär keine serologische, sondern eine klinische Diagnose!

Bei Auftreten einer Wanderröte, eines Lymphozytoms oder gehäuften intensiven Begleitsymptomen muss eine Therapie erfolgen. Auch wenn es viele Spontanheilungen ohne Therapie gibt, würde ich mich darauf nicht verlassen. Die Verbreitung der Borrelien im Organismus und damit der Übergang von einer akuten lokalisierten zu einer akuten disseminierten, das heißt gestreuten Borreliose, muss verhindert werden.

Die Verbreitung der Borrelien entsteht durch inadäquate Behandlung oder durch unzureichende Immunabwehr. Die therapeutischen Empfehlungen unterscheiden sich stark. Schulmedizinisch wird in dieser Phase mindestens vier Wochen lang hochdosiert antibiotisch behandelt. Neben den möglichen Nebenwirkungen von Antibiotika muss man berücksichtigen, dass eine Antibiose bei akuter Borreliose eine nicht unerhebliche Versagerquote von mindestens 15 % zeigt. Zudem ist nach adäquat mit Antibiotika behandelter akuter Borreliose mit Wanderröte wiederholt eine chronische Borreliose aufgetreten.

Daher sollte die Antibiotikatherapie bei Borreliose nicht die einzige Therapiewahl sein. Bei einer akuten lokalisierten Form empfehle ich bei Menschen, die vor der Infektion ganz gesund waren, eine immunstimulierende Therapie: Sie besteht im Kern aus einer homöopathischen Konstitutionsbehandlung mit verschiedenen flankierenden Maßnahmen.

Verschleppte Borreliose

Oder in der Fachsprache „akute dissimilierte Borreliose“. In dieser Phase erinnern sich nur etwa 30 % der Betroffenen an einen Zeckenstich. Die Ausbreitung des Erregers kann über die Blutbahn in alle Organe des Körpers erfolgen, vorwiegend in das Herz, die Gelenke und das periphere und zentrale Nervensystem (sogenannte Neuroborreliose).

  • Haupt-Symptome:
    Multiples Erythema migrans, Meningitis, Meningoencephalitis, gehäuft auftretende Gelenkentzündungen, vor allem einseitig und große Gelenke (Kniegelenk), Herzmuskelentzündung (Karditis), Schmerzen, Schwäche, erhebliches Krankheitsgefühl
  • Neben-Symptome:
    Fieber, Kopfschmerz, Müdigkeit, Gesichtslähmung (periphere Facialisparese), Gelenkschmerzen, Gelenkentzündung kürzer als zwei Wochen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Neuroborreliose:
    Eine Neuroborreliose erfordert streng genommen den Nachweis von Borreliose-spezifischen Antikörpern im Liquor (Nervenwasser), die aber häufig nicht gefunden werden.
    – Vegetatives Nervensystem:
    Herzklopfen oder auch verminderte Pulsfrequenz, vermehrtes Schwitzen, Veränderung der Hauttemperatur, Veränderung der Muskelspannung, Schwankungen des Blutdrucks, Durchblutungsstörungen wie Raynaud-Syndrom
    – Peripheres Nervensystem:
    Facialisparese einseitig, (Poly-)Neuritis, (Poly-)Radikulitis (differentialdiagnostisch abzuklären: Bandscheibenvorfall), Polyneuropathie (differentialdiagnostisch abzuklären: Diabetes), Karpaltunnelsyndrom, Sulcus-ulnaris-Syndrom
    – Zentrales Nervensystem:
    Meningitis, Encephalitis, Meningoencephalitis, Myelitis (differentialdiagnostisch abzuklären: Multiple Sklerose), Störung der Feinmotorik, Gangstörungen
    – Psychiatrische Symptome:
    Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Denkstörungen, Wortfindungs- und Sprechstörungen, Depression, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Ängste, Panikattacken.

Chronische Borreliose

Krankheitsmanifestationen, die mehr als sechs Monate nach Infektionsbeginn auftreten, und solche, die über Monate anhalten oder immer wiederkehren, bezeichnet man als chronische Borreliose. Sie tritt durch ein sehr buntes, undifferenziertes Krankheitsbild mit vielen unklaren körperlichen, psychischen und kognitiven Symptomen in Erscheinung.

Häufig stehen psychische Veränderungen wie depressive Verstimmung mit Antriebsarmut und Schlafstörungen im Vordergrund, die dann ungeachtet der nicht mehr nachweisbaren infektiösen Genese zur Diagnose „Somatisierungsstörung“ oder „Depression“ verleiten und zu einseitiger Medikation von Psychopharmaka führen.

Der Verdacht auf eine chronische Borreliose liegt nahe, wenn mindestens drei der folgenden Symptome immer wieder schubartig auftreten und auch ohne Therapie wieder abklingen. Meist erinnern sich die Betroffenen nicht an einen Zeckenstich oder Wanderröte in der Vergangenheit.

  • Erschöpfung und Müdigkeit ohne vorherige körperliche Beanspruchung
  • Depressive Verstimmung
  • Schlafstörungen
  • Kognitive Störungen, v. a. Verminderung des Kurzzeitgedächtnisses
  • Konzentrationsstörungen mit erhöhter Ablenkbarkeit
  • Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit
  • Gelenkergüsse v. a. einseitig im Kniegelenk (krankheitsbeweisend) und Hüftgelenk
  • Gelenkschwellung v. a. der Finger- und Zehengelenke mit morgens betonten Schmerzen ohne Deformierung
  • Kopfschmerzen
  • Lymphknotenschwellungen
  • Muskelschmerzen, Muskelschwäche und Muskelkrämpfe (CK und LDH im Labor dabei oft erhöht)
  • Missempfindungen mit Kribbeln und Brennschmerz der Haut
  • Herzrasen v. a. nachts
  • Augenfunktionsstörungen wie Akkomodationsstörungen, Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle
  • Hautsymptome, wobei einzige krankheitsbeweisende und typische Hautmanifestation die ACA (Akrodermatitis chronica atrophicans) ist, die häufig vergesellschaftet ist mit einer
  • Polyneuropathie

Diagnose

Eine Borreliose-spezifische Labordiagnostik ist sinnvoll bei Beschwerden, die mit Borreliose assoziierbar sind. Borreliose ist aber in erster Linie eine klinische und keine serologische Diagnose, da die Nachweisverfahren in ihrer Aussagekraft selten eindeutig sind. Streng wissenschaftlich ist nur der kulturelle Nachweis von Borrelien mit Erregeridentifikation mittels PCR beweisend für eine Borrelien-Infektion.

Das darf aber nicht zu der Annahme führen, dass Symptome nicht für eine Borreliose stehen können, wenn der Erregernachweis negativ ausfällt. Gerade privat versicherten Patienten werden häufig serologische Kontrollen empfohlen, um den Therapieverlauf zu beurteilen. Sie sind jedoch gemäß den Leitlinien der Deutschen Borreliose Gesellschaft bei chronischer Borreliose nicht zielführend. Der Therapieverlauf muss klinisch beurteilt werden.

Die geeigneten Nachweisverfahren im Labor sind:

1. Indirekter immunologischer Nachweis

  • Antikörpernachweis mittels Immunoblot
    Sollte bei klinischem Verdacht immer angefordert werden!Die Tests sind nicht standardisiert, daher können Befunde aus unterschiedlichen Laboratorien nicht miteinander verglichen werden. Der Antikörperanstieg tritt in den meisten Fällen zwei bis vier Wochen nach Infektion auf; positiver Befund des Suchtests muss immer durch Immunoblot bestätigt werden

2. Direkter Erregernachweis

  • Nachweis von Borrelien mit PCR
    Geringe Sensitivität und daher bei negativem Ergebnis ohne Aussagekraft
  • Nachweis von Borrelien-DNA mit PCR
    Hohe Beweiskraft nur für akute Infektion

3. Lymphozytentransformationstest

  •  LTT-Borrelien
    Wenn kein positives Ergebnis aus 1. und 2. erfolgt, kann dieser Test einen Hinweis geben, ob aktuell eine aktive Borreliose vorliegt. Beweisend ist ein positives Ergebnis des Tests jedoch nicht. LTT-Borrelien ist schon im frühen Stadium der Infektion deutlich positiv und wird ca. vier bis sechs Wochen nach Antibiose negativ; Vorraussetzung für den hohen Stellenwert dieses Tests ist, dass das Labor die Qualität hinsichtlich Sensitivität und Spezifität gewährleisten kann.

Routine-Laboruntersuchungen und viele technische Untersuchungen wie EKG, CT, NMR und Liquoruntersuchungen bleiben häufig ohne wegweisenden Befund. Eine chronisch persistierende Borreliose zeichnet sich meist gerade dadurch aus, dass keine entzündlichen Veränderungen mehr im Liquor (Nervenwasser) nachgewiesen werden können.

Häufig muss die Diagnose dann als Ausschlussdiagnose gestellt werden, wenn keine Borrelien-Antikörper und Entzündungszeichen im Labor gefunden werden, andere Erkrankungen ausgeschlossen sind und die Anamnese und Symptomatik auf eine chronische Borreliose weist. Sehr wichtig ist immer, eine genaue Anamnese durchzuführen mit gründlicher körperlicher Untersuchung unter Einbeziehung von internistischen und neurologischen Untersuchungstechniken.

Nur Antibiotika?

Schulmedizinisch wird fast immer eine Monotherapie mit Antibiotika empfohlen. In der akuten Phase über zwei bis vier Wochen und in der chronischen Phase über mindestens drei bis sechs Monate. Nach schulmedizinischer Lehrmeinung ist eine antibiotische Therapie in der akuten lokalisierten ebenso wie in der disseminierten Phase absolut indiziert; in der chronischen Phase dagegen nur, wenn Beschwerden oder Leidensdruck dies erfordern. Es besteht jedoch kein Konsens hinsichtlich der Wirksamkeit der einzelnen Antibiotika.

Mit zunehmender Krankheitsdauer dringen die Borrelien tiefer in verschiedene Körperzellen ein. Daher ist zumindest klar, dass in anhaltenden und wiederkehrenden Erkrankungsfällen nur intrazellulär wirksame Antibiotika, nämlich Tetracycline und Makrolide, zum Einsatz kommen dürfen. Bei falscher Anwendung von extrazellulär wirksamen Antibiotika wie Betalactamen wird vermutet, dass die Borrelien ihre biologische und morphologische Beschaffenheit verändern und aktive Zystenformen bilden, aus denen sich jederzeit wieder voll infektiöse Borrelien entwickeln können.

Fazit

Bei eindeutig diagnostizierter akuter Borreliose sollte eine Antibiotika-Therapie (Doxyciclin) über 14 Tage erfolgen, um alles zu tun den Erreger in einem frühen Stadium unschädlich zu machen.

Bei der chronischen Borreliose sind Antibiotika oft nicht mehr so wirksam, dass eine generelle Empfehlung dazu ausgesprochen werden kann. Hier entscheidet immer die sorgfältige Befunderhebung über Sinn oder Unsinn einer Antibiose.

Als einzige Therapieform ist die Behandlung mit Antibiotika im akuten, wie auch im chronischen Fall nicht ausreichend. Ein zeitgleich einsetzendes alternatives Behandlungskonzept ist oft der entscheidende Faktor, ob eine Borreliose-Behandlung Erfolg zeigt oder nicht.

Es ist bedeutsam, dass nicht nur gegen den Erreger behandelt wird, sondern auch etwas für den betroffenen Menschen getan wird, indem man ihn selbst und sein Immunsystem unterstützt. Dabei hat sich neben einer immunstimulierenden Behandlung mittels Mikronährstoffen und Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) vor allem die klassische Homöopathie als äußerst wirksam erwiesen.