Übergewicht: Definition, Risiko, Ursachen & BMI

Zwei Drittel der Männer (67 %) und die Hälfte der Frauen (53 %) in Deutschland sind übergewichtig. Dabei ist Übergewicht ein bedeutsamer Faktor für viele Beschwerden und kann die Entwicklung chronischer Krankheiten begünstigen.

Definition

Übergewichtig ist in Deutschland, wer einen Body-Mass-Index (BMI) von 25 oder mehr hat.

Gemäß der Definition der International Diabetes Federation (IDF) ist zuviel Bauchfett, also das bauchbetonte (abdominelle) Übergewicht (viszerale Adipositas) gewissermaßen der Motor des Metabolischen Syndroms.

Risiko Bauchfett

Bei dieser Beurteilung kommt der Fettverteilung eine entscheidende Bedeutung zu: Haben sich die Fettpolster vornehmlich an Bauch und Taille festgesetzt („Apfeltyp“), muss davon ausgegangen werden, dass sich auch um die inneren Bauchraumorgane wie die Bauchspeicheldrüse oder die Leber viel Fett angesammelt hat.

Im Gegensatz zu dem Fettgewebe, das sich direkt unter der Haut befindet, ist das Bauchfett jedoch ein hoch aktives Gewebe, das sich wie ein eigenständiges Organ verhält. So produziert es z.B. zahlreiche Hormone (Adipokine) und entzündungsfördernde Botenstoffe (z.B. Interleukin-6, Tumor-Nekrose-Faktor Alpha). Auf diese Weise kann es aktiv auf Stoffwechselprozesse Einfluss nehmen und zahlreiche Entzündungsprozesse, z.B. an den Gefäßen, in Gang setzen.

Hinzu kommt, dass eine Wechselwirkung zwischen dem Viszeralfett und der Entstehung einer Insulinresistenz bzw. einem manifesten Diabetes vom Typ 2 besteht. Gleiches gilt für die Entwicklung eines Bluthochdrucks, da im Bauchfett Substanzen gebildet werden, die u.a. die Elastizität der Blutgefäße beeinflussen.

Zudem hat das viszerale Fett auf Dauer einen Anstieg des Triglyzerid­spiegels im Blut sowie eine Senkung von HDL-Cho­lesterin zur Folge, dem Gegenspieler des gefäßschädigenden LDL-Cholesterins.

Ursachen

Es kommt vor, dass Übergewicht durch eine Erkrankung hervorgerufen wird, etwa durch eine Schilddrüsenunterfunktion (z.B. durch Hashimoto-Thyreoiditis), das polyzystische Ovarialsyndrom oder einer Störungen des Kortisolhaushalts (Cushing-Syndrom).

Ebenso können bestimmte Medikamente (z.B. Kortisonpräparate, trizyklische Antidepressiva, »Antibabypille«, Betablocker) eine Gewichtszunahme zur Folge haben. Dies betrifft jedoch nur eine sehr kleine Gruppe.

In den Wechseljahren der Männer, die mit einem Testosteronmangel auftreten, kommt es auch häufig zu einem bauchbetonten Übergewicht.

Meist ist es ein ungünstiger Lebensstil, allen voran eine Fehl- bzw. Überernährung in Kombination mit Bewegungsmangel, der zu überschüssigen Pfunden führt. Besonders ungünstig wirkt sich eine solche Lebensweise aus, wenn eine genetische Prädisposition vorliegt: Während manche Menschen „von Natur aus“ einen höheren Grundumsatz haben, weil sie die aus der Nahrung gewonnene Energie leichter verbrennen, setzt sich bei anderen die aufgenommene Nahrungsenergie schnell in Form von Fettpolstern an.

Ist Übergewicht genetisch verankert?

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass es bereits im Erbgut festgelegt ist, wer zur einen und wer zur anderen Gruppe gehört. Mittlerweile sind über 140 Gene bekannt, die die Neigung zu Übergewicht begünstigen.

Können Hormone Übergewicht verursachen?

Manchmal steckt aber auch, gerade bei Frauen, ein hormonelles Ungleichgewicht hinter den hartnäckigen Pfunden, die auch trotz Sport und Diät nicht verschwinden. In diesem Fall kann ein einfacher Speicheltest Licht ins Dunkel bringen:

Hormonspeicheltest bei Gewichtsproblemen (für Frauen und Männer)
Das Testergebnis können Sie mir zur Auswertung in die Praxis schicken.

Übergewicht und Bakterienflora im Darm

Jüngste Forschungsergebnisse weisen zudem darauf hin, dass Übergewichtige höchstwahrscheinlich eine andere Bakterienzusammensetzung im Darm („Darmflora“) haben als Menschen ohne Gewichtsprobleme.

Ihre Darmbakterien holen aus der Nahrung mehr Energie heraus, die dann in Körperfett umgewandelt wird und sie werden quasi dick durch eine falsche Darmflora.

Wenn Sie testen möchten, ob die Darmflora der Grund für Ihr Übergewicht ist, führen Sie diesen einfachen Test durch:

Viscera Stuhltest
Bestimmung des Firmicuten Bacteroidetes Verhältnisses

Wenn das Verhältnis von Bacteroidetes- zu Firmicutes-Bakterienstämmen gestört ist, bestellen Sie:

Omnbiotic Metabolic, 30 Stück (3 Packungen für 3 Monats-Kur)
1 x täglich 1 Beutel in 1/8 l Wasser einrühren, mindestens 1 Minute Aktivierungszeit abwarten, nochmals umrühren und dann trinken. Empfehlenswert ist die Einnahme morgens vor dem Frühstück oder abends kurz vor dem Schlafengehen.

Übergewicht durch schnell essen?

Aber auch ungünstige Gewohnheiten bei der Nahrungsaufnahme, insbesondere, wenn zu schnell gegessen und zu wenig gekaut wird, hat negative Auswirkungen auf das Körpergewicht. Bei „Schnellessern“ stellt sich das Sättigungsgefühl nämlich verzögert ein, sodass man mehr isst als nötig und zunimmt.

Übergewicht durch zuwenig Schlaf?

Im Übrigen schlägt auch zu wenig Schlaf auf das Gewicht. Studien haben ergeben, dass Kurzschläfer, die weniger als sechs Stunden pro Nacht schlafen, mehr wiegen als Langschläfer – obwohl sie im Wachzustand mehr Energie verbrauchen als beim Schlafen. Die Gründe dafür sind im Einzelnen noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch davon ausgegangen, dass durch zu wenig Schlaf das natürliche hormonelle Gleichgewicht aus dem Lot gerät. Die Folge ist ein gesteigerter Appetit, wodurch mehr gegessen wird als der Körper eigentlich benötigt.

Glykämischer Index / Glykämische Last

Eine Ernährung, die bevorzugt aus Lebensmitteln mit einem hohen glykämischer Index (GI) besteht, scheint die Entstehung von Übergewicht ebenfalls zu begünstigen. Im Fokus stehen dabei die Kohlenhydrate, die einen direkten Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und die Insulinproduktion haben. Der glykämischer Index ist eine Prozentzahl, die beschreibt, wie schnell und wie stark der Blutzucker nach dem Essen eines bestimmten Nahrungsmittels ansteigt.

Um ihn zu ermitteln, wird der Verlauf des Blutzuckeranstiegs nach Verzehr von 50 Gramm Kohlenhydraten aus einem Lebensmittel gemessen. Als Vergleichswert wird der Blutzuckeranstieg nach Aufnahme von 50 Gramm Glucose ermittelt. Dieser Referenzwert wird gleich 100 Prozent gesetzt.

Kohlenhydrathaltige Lebensmittel, die einen schnellen und/oder hohen Blutzuckeranstieg auslösen, haben einen hohen glykämischen Index, der höchste Wert liegt gemäß dem Referenzwert bei 100. Empfohlen werden Speisen und Getränke mit einem Wert unterhalb von 50 (z.B. Vollkornprodukte, bestimmte Obstsorten), denn sie lassen den Blutzucker weniger stark ansteigen. Als „ungünstige“ kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index werden z.B. Weißbrot, weißer Reis, weiterverarbeitete Kartoffeln oder Cornflakes eingestuft.

Ein rascher Blutzuckeranstieg mit einem entsprechend hohen Blutzuckerspiegel löst eine starke Insulinproduktion aus. Dies hat Konsequenzen für den Stoffwechsel. So führen starke Konzentrationen von Insulin im Körper u.a. dazu, dass weniger Fettgewebe abgebaut wird, letztlich begünstigen hohe Insulinwerte sogar die Ablagerung von Fett im Gewebe.

Es hat sich allerdings gezeigt, dass der glykämische Index mitunter den eigentlichen Wert der Nahrung verzerrt darstellt, weil er die tatsächliche Kohlenhydratmenge nur ungenügend berücksichtigt. Deshalb wurde der glykämische Index zur glykämischen Last (GL) weiterentwickelt. Die glykämische Last berücksichtigt nicht nur, wie viel Einfluss ein Lebensmittel auf den Blutzuckerspiegel nimmt, sondern auch wie viele Kohlenhydrate ein Nahrungsmittel enthält.

Für eine Ernährung nach dem GI- bzw. GL-Prinzip sollte vor allem naturbelassenen (langkettigen) Kohlenhydraten der Vorzug gegeben werden, wie sie vor allem in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst oder Gemüse vorkommen. Möglichst gemieden oder zumindest auf ein Minimum reduziert werden sollten dagegen der Verzehr von industriell verarbeiteten Kohlenhydraten wie Haushaltszucker oder raffiniertes Weißmehl, die überwiegend einfache (kurzkettige) Kohlenhydrate enthalten und daher für einen schnellen bzw. zu hohen Anstieg des Blutzuckerspiegels sorgen.

500 Lebensmittel bewertet nach ihrem Glykämischen Index und ihrer Glykämischen Last

Body-Maß-Index (BMI)

Lange Zeit galt der Body-Maß-Index (BMI) als Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts; hierbei wird das Gewicht in Relation zur Körpergröße bestimmt. Laut verschiedener Studien ist jedoch der Waist-to-Height-Ratio (WHtR), also das Verhältnis von Taille zur Körpergröße, im Vergleich zum BMI die aussagekräftigere Methode, um Übergewicht im Zusammenhang mit Gesundheitsrisiken zu beurteilen.

Denn der BMI berücksichtigt nur das Gesamtgewicht und unterscheidet nicht zwischen dem ungesunden viszeralen Fett und dem nicht-stoffwechselaktiven Fett etwa an Hüfte, Po und Oberschenkeln sowie der Muskelmasse. Dadurch kann es passieren, dass auch gesunde, sehr muskulöse Menschen als übergewichtig gelten. Demgegenüber gibt der WHtR Aufschluss über das Bauchfett und erlaubt damit auch eine Aussage über die konkrete Verteilung des Körperfetts. Je höher gemessene WhtR, desto größer ist das gesundheitliche Risiko.

Berechnet wird der WhtR, indem der gemessene Taillenumfang (in Zentimetern) durch die Körpergröße (in Zentimetern) geteilt wird. Laut den offiziellen Zielwerten der medizinischen Fachgesellschaften sollte der Taillenumfang bei Frauen unter 80 und bei Männern unter 94 Zentimetern liegen. Bei der Ermittlung des BMI wird das Körpergewicht (kg) durch die Körpergröße (m)2 geteilt.

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Erstellungsdatum:

08.04.2021

Autoren:

Dr. Nicole Schaenzler, Philologin und Medizinjournalistin. Herausgeberin eines Gesundheitsmagazins und Fachautorin zahlreicher Bücher zu medizinischen Themen, z.B. Risiko Bauchfett: Was es so gefährlich macht und wie Sie es schnell loswerden.

Markus Breitenberger, Heilpraktiker und Homöopath; behandelt seit über 20 Jahren in eigener Praxis und ist Autor von 2 Gesundheitsratgebern im GU-Verlag und zahlreichen medizinischen Fachartikeln.

Quellen:

Robert-Koch-Institut

Intermittierendes Fasten gegen metabolisches Syndrom? : Kleine Veränderung, große Wirkung, 06/2020

Hastiges Essen erhöht Risiko für ein Metabolisches Syndrom, 12/2017