Darmflora aufbauen, Mikrobiom & Dysbiose

Kein Mensch kann völlig allein leben! Der menschliche Darm wird besiedelt von der Darmflora, auch Mikrobiom genannt. Die über ein Kilogramm schwere Darmflora wird von Billionen an Mikroorganismen gebildet, die sich aus mehr als 1000 verschiedenen Arten zusammensetzen. Lacto- und Bifidobakterien kommen dabei besonders häufig vor. Man geht davon aus, dass die Anzahl der Mikroben, die den menschlichen Körper besiedeln, etwa ebenso groß ist, wie die Anzahl der menschlichen Zellen selbst.

Mikrobiom & Darmflora

Dass der Mensch mit einem Mikrobiom zusammenlebt, weiß man schon lange. Dass die Winzlinge der Darmflora für den Menschen aber überaus wichtige Funktionen erfüllen und einen ganz wesentlichen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Gesundheit ihres Wirts haben, ist erst etwa seit Beginn der 2000er Jahre bekannt.

Mikrobiom – was ist das?

Als Mikrobiom bezeichnet man die Gesamtheit aller Mikroben, die sich auf und in unserem Körper tummeln. Dabei handelt es sich vor allem um Bakterien, Viren, Pilze, Würmer sowie sogenannte Archäen, die bakterienähnliche Organismen sind, jedoch eine eigene Gattung darstellen. Das menschliche Mikrobiom befindet sich auf der gesamten Hautoberfläche sowie auf den Schleimhäuten von Mund, Nase, Rachen und Scheide. Der mit Abstand größte Anteil des Mikrobioms lebt jedoch im Darm.

Darmflora – was ist das?

Die Darmflora ist eine gängige und nicht mehr ganz korrekte Bezeichnung für das Mikrobiom des menschlichen Darms. Denn früher wurden Bakterien noch der Pflanzenwelt zugeordnet. Entsprechend dieser Annahme, wurde deshalb auch von der „Flora“ im Darm gesprochen. Bakterien aber, die den mit Abstand größten Teil der Darmflora ausmachen, bilden eine eigene Gattung an Lebewesen.

Die fachlichen Bezeichnungen „intestinales Mikrobiom“ oder „intestinale Mikrobiota“ sind deshalb eigentlich die treffenderen. Umgangssprachlich hat sich aber der Begriff „Darmflora“ längst eingebürgert und ist den meisten inzwischen deutlich geläufiger. Deshalb soll er hier – der besseren Verständlichkeit halber – auch weiterhin verwendet werden. 

Darmflora – wie entsteht sie?

Im Mutterleib ist das Embryo noch weitestgehend steril. Erst mit der Geburt beginnt sich beim Baby allmählich ein Mikrobiom mit Darmflora zu entwickeln. So kommt der Säugling bei der vaginalen Geburt zuerst mit Keimen der mütterlichen Darm- und Scheidenflora in Kontakt. Anschließend gelangen weitere Bakterien und andere Mikroben vor allem über die Nahrung, aber auch durch andere Umweltkontakte in den kindlichen Darm, wo sie sich überwiegend an den Darmwänden des Dickdarms ansiedeln. Nach und nach wächst diese Population zu einem stabilen Mikrobiom heran, das beim Erwachsenen etwa 1 bis 2 Kilogramm wiegt. Darin enthalten sind etwa 10 Billionen an rund 1000 verschiedenen Mikroorganismen.

Bei einer Kaiserschnitt-Geburt sind es zuerst vor allem die Hautkeime der Mutter, die dem Neugeborenen begegnen. Eine aktuelle britische Studie mit fast 600 Neugeborenen zeigt, dass per Kaiserschnitt Geborene eine völlig andere, meist unzureichende Darmflora haben. Diese Kinder leiden vermehrt unter Zivilisationskrankheiten, die sich auf ein gestörtes Mikrobiom zurückführen lassen können. Dazu zählen vor allem Darmerkrankungen, Lungenkrankheiten und Hauterkrankungen. Kaiserschnitt-Kinder haben in ihren ersten acht Lebensjahren ein erhöhtes Risiko für eine ganze Reihe von Krankheiten, darunter chronische Bronchitis, Allergien, ADHS, Übergewicht und Autismus (lt. Kinder-Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse).

Die negativen Folgen lassen sich schon früh erkennen mit einem einfachen Stuhltest, der von den Eltern zuhause durchgeführt wird. Sie können das Ergebnis zur Auswertung in meine Praxis schicken.

Darmcheck Säuglinge gestillt
Mikrobiologische Analyse der aeroben und anaeroben Leitkeime, von Schimmelpilzen und Hefen (Candida albicans und Candida spp.), α-1-Antitrypsin, Calprotectin und EPX im Stuhl von gestillten Säuglingen.

Darmcheck Säuglinge ungestillt
Mikrobiologische Analyse der aeroben und anaeroben Leitkeime, von Schimmelpilzen und Hefen (Candida albicans und Candida spp.), α-1-Antitrypsin, Calprotectin, EPX, Lysozym und sIgA im Stuhl von ungestillten Säuglingen. Sie können mir das Testergebnis zur Auswertung in die Praxis schicken.

Der mit Abstand größte Teil der Darmflora wird von Darmbakterien unterschiedlicher Spezies gebildet. Die Zusammensetzung der Darmflora jedes einzelnen Menschen ist dabei so individuell, wie der eigene Fingerabdruck und hängt ganz entscheidend von der Lebens- und Ernährungsweise der jeweiligen Person ab. Aufgrund der vielfältigen Funktionen des Darm-Mikrobioms für die Gesundheit des Menschen, gilt die Darmflora inzwischen auch als eigenes Organ. Vielfach wird sie sogar als Superorgan bezeichnet.

Darmflora – wieso ist sie so wichtig?

Die Darmflora spielt eine überaus wichtige Rolle bei der Verdauung. Denn die hauptsächlich im Dickdarm angesiedelten Darmbakterien haben die Fähigkeit Enzyme zu bilden, mit deren Hilfe sonst unverdauliche Nahrungsbestandteile, wie etwa Ballaststoffe, weiter zerlegt und so dem Körper zugänglich gemacht werden können.

Außerdem produziert die Darmflora eine Reihe an wichtigen Hormonen, wie etwa Serotonin und Dopamin, die auch als Glücks- oder Gute-Laune-Hormone bekannt sind sowie das für den Schlaf verantwortliche Melatonin. Auch viele Vitamine des B-Komplexes sowie Vitamin K für die Blutgerinnung werden von Darmbakterien produziert.

Vor allem aber ist die Darmflora ein wichtiger Bestandteil der Immunabwehr. Eine gesunde Darmflora mit einer ausreichend großen Population an gesundheitsfördernden Darmbakterien verhindert, dass schädliche Keime sich im Darm ausbreiten können. Da die Mikroben der Darmflora außerdem im ständigen Austausch mit den Zellen des Immunsystems stehen, die in der Darmschleimhaut liegen – wird die Immunabwehr fortwährend gefordert und damit quasi trainiert. Die Immunkraft des Körpers wird dadurch permanent angepasst und optimiert. 

Dysbiose

All diese Funktionen kann die Darmflora aber nur erfüllen, wenn die Zusammensetzung der enthaltenen Mikroben im richtigen Verhältnis zueinander steht. Der Mensch und das gesunde Mikrobiom leben dann in Symbiose miteinander, da beide voneinander profitieren. Verschiedene Einflussfaktoren, wie eine falsche und ungesunde Ernährung, Stress oder auch bestimmte Medikamente, wie Kortison, Diclofenac sowie insbesondere Antibiotika, können jedoch dazu führen, dass das fein abgestimmte Ökosystem ins Wanken gerät. Dann entsteht eine sogenannte Dysbiose.

Was ist eine Dysbiose?

Eine Dysbiose ist der Fachbegriff für eine gestörte Darmflora. Das passiert, wenn die Vielfalt der Arten im Mikrobiom schrumpft bzw. das Verhältnis von gesundheitsfördernden Darmbakterien zu schädlichen Keimen aus dem Gleichgewicht gerät.

Wenn die Anzahl der nützlichen Keime sinkt, können die potentiell krankmachenden Bakterien die Oberhand gewinnen, sich ungehindert vermehren und weiter ausbreiten. Dadurch kann es zu Entzündungen im Darm kommen, die wiederum zu Bauchschmerzen, Blähungen, übelriechenden Ausscheidungen, Durchfällen oder auch schmerzhaften Darmkrämpfen führen.

Neben diesen akuten Beschwerden, kann eine anhaltende Dysbiose aber auch schwerwiegende chronische Krankheiten begünstigen. Man geht davon aus, dass Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen, Insulinresistenz, Diabetes, Gicht, Rheuma, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Schuppenflechte, Lupus erythematodes, Histaminintoleranz, Reizdarmsyndrom u.a. im Zusammenhang mit einer Dysbiose entstehen.

Die Darmflora chronisch kranker Personen weist in Untersuchungen fast immer eine auffällig andere Zusammensetzung auf, als die gesunder Menschen. Dabei ist allerdings nicht immer klar, ob die gestörte Darmflora Ursache oder Folge der chronischen Krankheit ist.

Darmflora Test

Bei Beschwerden, die auf eine Dysbiose hindeuten, aber auch bei chronischen Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen, macht es Sinn einen Darmflora-Test durchzuführen. Dazu entnehmen Sie zuhause eine kleine Stuhlprobe und schicken diese mit der mitgelieferten Versandtasche ganz einfach ins Labor. Dort kann ermittelt werden, wie die Darmflora zusammengesetzt ist. Das Ergebnis ist zwar immer nur eine Momentaufnahme und kann je nach Tageszeit und Wahl der gegessenen Speisen schwanken. Doch erhält man so gewisse Hinweise darauf, ob eine Dysbiose wahrscheinlich ist oder auch nicht.

Darm-Mikrobiom Stuhltest
Bestimmung des humanen intestinalen Mikrobioms mittels Genomsequenzierung der Darmflora inkl. Parasiten

Oder testen Sie ausführlicher und erhalten Sie Auskunft über Verdauungsschwäche, Leaky-Gut-Syndrom, Entzündungen und Glutenunverträglichkeit mit dem:

Darm-Mikrobiom Plus Stuhltest 
Analyse des intestinalen Mikrobioms, sowie die mikrobiologische Analyse, der aeroben und anaeroben Leitkeime, Schimmelpilze und Hefen, Verdauungsrückstände, α-1-Antitrypsin, Calprotectin, Gallensauren, Pankreas-Elastase, sekretorisches IgA und Zonulin

Wenn Sie mir die Ergebnisse zuschicken erhalten Sie eine Auswertung und ggf. einen Therapieplan dazu.

Was tun bei Dysbiose?

Sollte das Testergebnis auf eine Dysbiose hindeuten, ist nun wichtig zu ermitteln, welche Ursachen dahinterstecken können. Denn die unterschiedlichen Mikroben und Bakterienstämme haben ganz unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum. Sie fühlen sich bei verschiedenen pH-Werten wohl und bevorzugen unterschiedliche Nahrungsquellen.

Bei der Suche nach den Ursachen ist es deshalb wichtig den Lebensstil sowie die aktuelle Ernährungssituation genauer zu betrachten. Gab es in letzter Zeit viel Stress und wurde oft hektisch gegessen oder wird auf eine vollwertige Ernährung geachtet und bleibt Zeit zum Genießen? Werden Medikamente eingenommen und welche sind das? Möglicherweise hat auch eine Antibiotikabehandlung stattgefunden. Letztere bringt die Darmflora innerhalb kurzer Zeit oft massiv aus dem Gleichgewicht, da der Wirkstoff nicht zwischen schädlichen und gesundheitsfördernden Bakterien unterscheiden kann. Damit werden schlagartig sämtliche Bakterien des gewählten Spektrums abgetötet.

Darmflora aufbauen und stärken

Mit Ausnahme einer Antibiotikabehandlung, entwickelt sich eine Störung der Darmflora aber nicht abrupt, sondern eher schleichend über einen längeren Zeitraum hinweg. Denn je nachdem welche Bedingungen im Darm vorherrschen, wird das Wachstum bestimmter Bakterienstämme gefördert oder gedrosselt. Mit der individuellen Wahl von Ernährung und Lebensstil, nimmt jeder Mensch damit selbst einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung seiner Darmflora.

Eine dauerhaft ungesunde Ernährung mit viel tierischen Eiweißen, Zucker und Fett – wie sie hierzulande weit verbreitet ist – fördert vor allem das Wachstum der potentiell schädlichen Bakterien der Darmflora. Sie fühlen sich in diesem Milieu besonders wohl. Gesundheitsfördernde Darmbakterien, wie z.B. Milchsäurebakterien und Bifidobakterien, verkümmern in diesem Umfeld jedoch allmählich. Genussgifte, wie Alkohol und Nikotin befeuern diesen Prozess noch. Auch Stress, der in unseren hektischen Zeiten allgegenwärtig zu sein scheint, wirkt sich nachweislich negativ auf die Darmflora aus.

Wer sich also eine dauerhaft gesunde Darmflora mit überwiegend gesundheitsfördernden Bakterien wünscht, der sollte langfristig einen gesunden Lebensstil pflegen und sich vollwertig und ballaststoffreich ernähren.

Dysbiose: Die wichtigsten Ursachen im Überblick

  • fett- und eiweißbetonte Ernährung
  • stark zuckerhaltige Ernährung
  • ballaststoffarme Kost
  • anhaltender Stress
  • Medikamente, wie Kortison, Diclofenac, Ibubrofen, ASS
  • Antibiotika

Wie kann man die Darmflora aufbauen?

Wenn die Darmflora bereits aus dem Gleichgewicht geraten ist, gibt es mehrere Möglichkeiten sie wiederaufzubauen. Bei einer beginnenden Dysbiose mit noch vergleichsweise leichten Beschwerden kann es ausreichen die noch vorhandenen, nützlichen Darmbakterien gezielt anzufüttern. Dazu sollte man sich angewöhnen mehr Ballaststoffe zu verzehren, denn Ballaststoffe sind das Lieblingsfutter der „guten“ Darmbakterien.

Ballaststoffe helfen der Darmflora

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE) empfiehlt täglich etwa 30 Gramm an Ballaststoffen über die Nahrung aufzunehmen. Dabei handelt es sich um unverdauliche Kohlenhydrate, die den Magen unbeschadet passieren können und anschließend in den Dickdarm gelangen. Wer regelmäßig viele Ballaststoffe zu sich nimmt, schafft damit optimale Lebensbedingungen für die nützlichen Darmbakterien. In der Folge vermehren sich die Winzlinge dann wieder und verdrängen dabei die potentiell krankmachenden Darmbewohner.

Es gibt wasserlösliche und wasserunlösliche Ballaststoffe. Besonders viele wasserunlösliche Ballaststoffe sind z.B. in Lebensmitteln, wie Leinsamen, Weizenkleie oder auch Flohsamen enthalten. Die unverdaulichen Faserstoffe in diesen Nahrungsmitteln quellen im Darm stark auf. Deshalb sollte man beim Verzehr unbedingt darauf achten ausreichend viel zu trinken. Neben dem positiven Nutzen für die Darmflora, helfen die enthaltenen Faserstoffe zusätzlich auch noch das Gewicht zu halten, denn der Quelleffekt im Darm sorgt für ein besonders langanhaltendes Sättigungsgefühl. Durch die Volumenvergrößerung im Darm wird außerdem auch die Darmtätigkeit anregt, was für einen regelmäßigen Stuhlgang sorgt.

Neben den faserreichen Ballaststoffen, sind aber auch die wasserlöslichen Ballaststoffe hervorragend dazu geeignet die Darmflora wiederaufzubauen. Sie werden auch als sogenannte Präbiotika bezeichnet. Die bekanntesten Präbiotika sind Inulin, Oligofruktose und Pektine. Die ersten beiden sind vor allen in den Gemüsesorten Chicorée, Topinambur und Schwarzwurzel sowie in abgekühlten gekochten Kartoffeln enthalten. Besonders viele Pektine stecken in den Schalen von Äpfeln, aber auch Floh- und Leinsamen. Präbiotika gibt es inzwischen auch als Pulver oder Kapseln zu kaufen.

Colon Balance  (30 Tagesportionen à 10 g)
10 g Pulver (1 Messlöffel) in ca. 100 ml Wasser einrühren und sofort 2 mal täglich ca. ½ Stunde vor dem Essen trinken. Oder nach Belieben in Speisen einrühren. Zur Unterstützung der Ansiedlung von Bifidobakterien, die die gesunde Säurerungsflora im Darm bilden. Geschmacksneutrales Pulver mit hohem Gehalt an löslichen Ballaststoff-Arten (Akazienfaser FibregumTM, Amylopektin, Citruspektin und resistentem Dextrin), welche die Darmbakterien der Endabschnitte des Darms als Nahrung verwenden.

CleanoCol, 30 Portionen
Täglich den Inhalt eines Sticks 30–50 Minuten vor einer Mahlzeit in 1 Glas (0,2 l) Wasser einrühren und sofort trinken. Das Pulver besteht zu einem hohen Anteil aus ballaststoffreichen Pflanzenfasern wie Flohsamen und Leinsamen, welche ein hohes Maß an Quellfähigkeit besitzen. Neben diesen Pflanzenfasern enthält das Pulver 10 Lactobakterienstämme und den Mineralstoff Magnesium. 

Bei einer gesunden und vollwertigen Ernährung ist eine zusätzliche Einnahme von Ballaststoffen aber in der Regel nicht erforderlich.

Darmflora aufbauen nach Antibiotika

Eine Antibiotikatherapie ist hilfreich, um schwerwiegende Infektionen abzuwenden und kann lebensrettend sein. Leider werden dabei aber nicht nur die krankmachenden Keime ausgeschaltet, sondern auch die nützlichen Darmbakterien mit abgetötet. Je nach Bandbreite des Antibiotikums, können dabei ganze Teile der Darmflora zerstört werden. Zu den gängigen Nebenwirkungen einer Antibiotikatherapie zählen daher fast immer auch Durchfall und Bauchschmerzen. Außerdem ist durch die gestörte Darmflora zwangsläufig auch die Immunabwehr geschwächt. Neuen Infektionen ist damit Tür und Tor geöffnet.

Deshalb ist es wichtig, die Darmflora nach einer Antibiotikatherapie so schnell wie möglich wiederaufzubauen. Bis der Körper das von alleine schafft, kann es jedoch lange dauern. Nach Untersuchungen dauert die körpereigene Regeneration etwa ein halbes Jahr, wobei empfindliche Bakterienstämme oft verlorengehen und dauerhaft fehlen. Deshalb macht es Sinn die körpereigene Regeneration des Darms gezielt zu unterstützen.

Um die Artenvielfalt und die Anzahl der nützlichen Darmbakterien in der Darmflora komplett wiederherzustellen, können die erwünschten Bakterien von außen zugeführt werden. Das geschieht am einfachsten mithilfe sogenannter probiotischer Lebensmittel. Sie enthalten durch die Art ihrer Zubereitung bzw. spezielle Fermentation eine hohe Anzahl an Probiotika. Probiotika sind lebende Bakterienstämme und Hefen, die nachweislich einen positiven Effekt auf die Darmflora und das Immunsystem haben. Bekannte probiotische Lebensmittel sind z.B. Naturjoghurt, Kefir, Sauerkraut, Kombucha oder auch Brottrunk.

Welche Probiotika helfen bei Dysbiose?

Es gibt rund 400 unterschiedliche Probiotika. Die bekanntesten und wichtigsten Vertreter dieser Bakteriengruppe sind Milchsäurebakterien und Bifidobakterien. Sie sind weitgehend resistent gegenüber der aggressiven Magen- und Gallensäure und überstehen auch Verdauungsenzyme, so dass sie nach dem Verzehr meist in noch ausreichend hoher Zahl lebend in den Dickdarm gelangen.

Insbesondere nach einer Antibiotikabehandlung ist es ratsam, über einen längeren Zeitraum hinweg, täglich Nahrungsmittel mit lebenden Milchsäurebakterien und Bifidobakterien zu verzehren. Wem das nicht reicht, der kann auch eine Kur mit hochdosierten probiotischen Medikamenten machen. Hier können auch gezielt Mittel zur Linderung bestimmter Krankheitsbilder ausgewählt werden, die die jeweils benötigten Bakterienstämme in der entsprechenden Zusammensetzung und Konzentration enthalten.

In meiner Praxis empfehle ich für Kinder nach Antibiotikabehandlung ggf. nach einem Stuhltest, den Sie mir zur Auswertung zuschicken können, zur Behandlung eines gestörten darmassoziierten Immunsystems über einen Zeitraum von 4 Wochen:

Junior Omni Lactis 6
Einnahmeempfehlung: Kinder 2–4 Jahre: 1 g Pulver/Tag Kinder 5–9 Jahre: 1–2 g Pulver/Tag Kinder/Jugendliche ab 10 Jahren: 2 g Pulver/Tag Täglich 1–2 g Pulver (1/2–1 gestrichener Teelöffel) in 1/4 bis 1/2 Glas Wasser einrühren. Nach 10–15 Minuten umrühren und trinken. Einnahme ca. 30 Minuten vor einer Mahlzeit. Bei gleichzeitiger Verwendung von Antibiotika wird ein zeitlicher Abstand von mehreren Stunden empfohlen. 

Für Erwachsene empfehle ich ggf nach einem Stuhltest während und nach Antibiotikabehandlung:

Omni Lactis 10, 180 Kapseln (ausreichend für 3 Monate)
Täglich 2 x 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit circa 30 Minuten vor einer Mahlzeit einnehmen. Lacto- und Bifidobakerienpulver, Inulin aus der Zichorienwurzel. Omni Lactis verwendet sogenannte „delayed release“ Kapselhüllen aus reiner Cellulose, die sich durch ihre spezielle Struktur zeitverzögert erst im Dünndarm auflösen. Dies ermöglicht eine sichere Magenpassage der Keime und erhält ihre Fähigkeit zur Koloniebildung.

Sinnvoll ergänzt werden die Probiotika bei Kindern und Erwachsenen durch die gleichzeitige Einnahme von:

AC7 Komplex, 120 Kapseln 
Täglich 3 x 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit zu den Mahlzeiten einnehmen. Enthält wertvolle Substanzen aus sieben ausgewählten Pflanzenextrakten. Thymian- und Granatapfel-Extrakt unterstützen die mikrobiologische Balance im Darm. Rosmarin-, Oregano- und Berberitzen-Extrakt erhalten die normalen Funktionen des Magen-Darm-Trakts aufrecht. Traditionell werden ausgewählte Kräuter- und Pflanzenextrakte zum Schutz vor unerwünschten Mikroorganismen im Körper eingesetzt – eine Situation, wie sie u.a. durch häufige Antibiotikagaben entsteht.

Darmflora aufbauen bei Candida

Wenn eine Dysbiose und ein Candida-Befall vorliegen, sollte zu dem Probiotikum Omni Lactis 10 Pur inulinfrei dieses Präparat über 3 Monate gegeben werden:

Coriolus & C, 120 Kapseln (3 Packungen für 3-Monats-Kur)
Täglich 3 Kapseln mit viel Flüssigkeit einnehmen. Der Vitalpilz Coriolus versicolor besitzt aktivierende Effekte auf Lymphozyten, Leukozyten und natürliche Killerzellen. In Ostasien wird Coriolus traditionell gegen bakterielle und virale Erkrankungen sowie bei Hefepilzinfektionen (z.B. Candida, Herpes oder bei grippalen Infekten) eingesetzt.

Darmflora aufbauen bei Leaky-Gut-Syndrom

Ein Leaky-Gut-Syndrom geht fast immer mit einer Dysbiose einher. In diesem Fall kombinieren Sie das Probiotikum Omni Lactis 10 mit diesem Mittel über 3 Monate:

Mucosa Formula, 180 Kapseln (ausreichend für 3 Monate)
Täglich 2 Kapseln mit viel Flüssigkeit einnehmen. Mucosa Formula enthält eine ideal aufeinander abgestimmte Zusammensetzung aus der Aminosäure L-Glutamin, speziellen Pflanzenextrakten und relevanten Mikronährstoffen und kann so die Bedürfnisse der Darmschleimhaut sinnvoll unterstützen.

Darmflora aufbauen bei Heliobacter Pylori

Wenn eine Dysbiose und eine Infektion mit Heliobacter Pylori vorliegen, sollte zu dem Probiotikum Omni Lactis 10 dieses Präparat über 3 Monate gegeben werden:

PyloPlex 200, 60 Kapseln
Täglich 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit auf nüchternen Magen einnehmen. Bei Diagnose von Typ-B-Gastritis durch Heliobacter Pylori.

Darmflora aufbauen bei Entzündung der Darmschleimhaut

Wenn eine Dysbiose und eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut (CED) vorliegen, sollten zu dem Probiotikum Omni Lactis 10 diese beiden Präparate über 3 Monate gegeben werden:

Darm Formula Plus, 90 Kapseln (3 Packungen für eine 3-Monats-Kur)
Täglich 3 Kapseln mit viel Flüssigkeit einnehmen. Kombinationspräparat mit Extrakten aus Schwarzkümmel, Curcuma, schwarzem Pfeffer, Inulin aus der Zichorienwurzel, sowie den Vitaminen B2 und Niacin. Darm Formula Plus unterstützt das Wohlbefinden im Bereich des Magen-Darm-Trakts und trägt zur Aufrechterhaltung einer normalen Darmschleimhaut bei
+
Weihrauch 400, 60 Kapseln (6 Packungen für eine 3-Monats-Kur) 
Täglich 2 mal 2 Kapseln mit viel Flüssigkeit zu einer Mahlzeit einnehmen.  

Darmflora aufbauen bei Verdauungsschwäche

Wenn eine Dysbiose und eine Verdauungsschwäche vorliegen, sollte zu dem Probiotikum Omni Lactis 10 dieses Präparat über 3 Monate gegeben werden:

DigestoZym 200 vegan, 90 Kapseln (3 Packungen für eine 3-Monats-Kur)
Täglich 3 x 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit unmittelbar vor einer Mahlzeit einnehmen. Ein Enzymkomplex mit α-Amylase, neutrale Protease, Lipase und Cellulase, die über eiweiß-, fett- und kohlenhydratspaltende Aktivitäten verfügen , während die enthaltene Lactase den Abbau von Milchzucker fördert.

Darmflora aufbauen bei Histaminunverträglichkeit

Wenn eine Dysbiose und eine Histaminunverträglichkeit vorliegen (testen Sie auf Histaminunverträglichkeit), sollte zu dem Probiotikum Omni Lactis 10 dieses Präparat über 3 Monate gegeben werden:

AH & Glutamin Formula, 60 Kapseln (2 Packungen für 4 Monate)
Täglich 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit außerhalb der Mahlzeiten einnehmen. Im Körper wird Histamin durch das Enzym DAO (Diaminoxidase) abgebaut. Für diesen enzymatischen Vorgang werden spezielle Mikronährstoffe als Co-Faktoren benötigt, insbesondere Vitamin B6, Kupfer und Zink. AH & Glutamin Formula enthält diese spezielle Nährstoffkombination und ergänzt sie außerdem durch die Aminosäure L-Glutamin und Vitamin C.

Darmflora aufbauen bei Glutensensitivität

Für alle, die keine Zöliakie haben, dennoch empfindlich auf Gluten reagieren und nicht ganz auf glutenhaltige Nahrungsmittel verzichten wollen/können.

GluteZym, 60 Kapseln
Bei Bedarf 3 Kapseln mit viel Flüssigkeit zu einer Mahlzeit begleitend zu einer glutenarmen Ernährung einnehmen. Ersetzt keine glutenfreie Ernährung.

Darmflora aufbauen bei starken Blähungen

Wenn eine Dysbiose und starke Blähungen vorliegen, sollte zu dem Probiotikum Omni Lactis 10 Pur inulinfrei dieses Präparat über 3 Monate gegeben werden:

FlatuZym 200, 60 Kapseln (3 Packungen für eine 3-Monats-Kur)
Täglich 2 x 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit zu einer ballaststoffreichen Mahlzeit einnehmen. Das erste Präparat, das ballastoff-abbauende Enzyme mit einem hochwertigen Fenchel-Extrakt kombiniert. Es eignet sich für Personen, die eine ballaststoffreiche Kost schlecht vertragen oder die auf bestimmte Ballaststoffe mit übermäßiger Gasproduktion reagieren. Die Kapseln können regelmäßig verwendet oder bei Bedarf eingesetzt werden.

Testen Sie bequem von zuhause, welche Form von Dysbiose bei Ihnen vorliegt
Das Ergebnis können Sie mir zur Analyse in die Praxis schicken und Sie erhalten dazu einen Therapieplan.

Der Unterschied zwischen probiotischen und präbiotischen Lebensmitteln

Probiotische Lebensmittel enthalten eine hohe Anzahl an gesundheitsfördernden Bakterien. Über den Verzehr kann ein Teil davon in den Dickdarm gelangen und sich dort ansiedeln. Präbiotische Lebensmittel enthalten besonders viele Ballaststoffe. Die unverdaulichen Faserstoffe stellen die Nahrungsgrundlage der erwünschten Keime dar. Durch den gezielten Verzehr präbiotischer Lebensmittel werden die Lebensbedingungen der nützlichen Darmbakterien verbessert und damit ihr Wachstum angeregt.

Welche Ernährung bei Dysbiose?

Damit die neu in den Dickdarm eingebrachten Bakterien sich dort auch ansiedeln und vermehren können, ist es also zwingend erforderlich Ihnen auch den geeigneten Lebensraum zu bieten. Das geschieht vor allem über die Auswahl der richtigen Lebensmittel. Es nützt also nichts täglich Probiotika zu schlucken und sich weiter mit Fast Food vollzustopfen. Die kleinen Helferlein würden schlichtweg verhungern. Wer seine Darmflora langfristig gesund erhalten möchte oder sie bei einer Dysbiose dauerhaft wieder ins Gleichgewicht bringen will, der kommt nicht darum herum seine Ernährung entsprechend umzustellen. Dabei sollte man auf folgende Dinge achten: 

  • Gesundheitsfördernde Darmbakterien lieben Ballaststoffe. Essen Sie deshalb bevorzugt Lebensmittel, die viele Ballaststoffe enthalten. Sie sind vor allem in Vollkornprodukten, frischem Obst und Gemüse sowie Leinsamen, Weizenkleie und Flohsamenschalen enthalten.
  • Wählen Sie beim Einkauf möglichst frische und naturbelassene Lebensmittel aus. Die meisten davon sollten pflanzlich sein.
  • Wasserlösliche Ballaststoffe, wie Inulin, Oligofructose und Pektin gelangen unter anderem durch den Verzehr von Chicorée, Zwiebeln, Lauch, Knoblauch, Spargel, Getreide, Artischocken, abgekühlten gekochten Kartoffeln oder auch Topinambur in den Dickdarm.
  • Achten sie auch auf eine möglichst frische Zubereitung
  • Trinken Sie täglich mindestens 1 bis 1,5 Liter Flüssigkeit. Besonders geeignet sind stilles Mineralwasser und zuckerfreie Tees.
  • Meiden Sie dagegen stark vorproduzierte Lebensmittel, wie Wurst, Tiefkühlpizza, Fertigsuppen und Co. Sie enthalten in der Regel viel Salz, Zucker, Fette sowie Zusatzstoffe. Gesundheitsfördernde Bakterien fühlen sich in diesem Milieu nicht wohl.
  • Auch stark zuckerhaltige Lebensmittel, wie Kuchen, Schokoladen, sonstige Süßigkeiten, stark gesüßte Softgetränke, wie Limo und Cola, befeuern vor allem das Wachstum potentiell krankmachenden Keime und wirken sich damit ungünstig auf die Darmflora aus.
  • Dasselbe gilt für den häufigen Konsum tierischer Eiweiße und tierischer Fette. Versuchen sie deshalb den Verzehr von Fleisch, Fisch und fetthaltigen Milchprodukten einzuschränken und bei der Wahl die mageren Sorten zu bevorzugen.
  • Schränken Sie außerdem den Alkoholkonsum ein und verzichten Sie möglichst auch auf das Rauchen.
  • Mit dem gezielten Verzehr probiotischer Lebensmittel, können Sie den Anteil an nützlichen Keimen im Darm zusätzlich erhöhen. Durch die Art ihrer Zubereitung bzw. Fermentierung enthalten diese Produkte besonders viele lebende gesundheitsfördernde Bakterienkulturen. Planen sie deshalb eine Auswahl dieser Lebensmittel in den täglichen Speiseplan mit ein. Dazu zählen vor allem: Naturjogurt, Kefir, frisches Sauerkraut, saure Gurken, Miso (japanische Würzpaste), Apfelessig, Kimchi (fermentierter Chinakohl), Kombucha (fermentiertes Teegetränk), Tempeh (fermentierte Sojabohnen).

Vereinbaren Sie einen Behandlungstermin beim Spezialisten für Darmgesundheit in München.

Literatur:

Schnelle Rezepte für einen gesunden Darm zeigt auf, wie sich viele Verdauungsprobleme mit einfachen Maßnahmen selbst beheben lassen.

Darm mit Charm (G. Enders) ist ein gleichsam unterhaltsames wie fundiertes Buch.

Superorgan Mikrobiom: Der Darm als Schlüssel zu Gesundheit und längerem Leben (Dr. N. Schaenzler)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Erstellungsdatum:

12.12.2020

Autoren:

Markus Breitenberger, Heilpraktiker in eigener Praxis seit über 20 Jahren und Autor von 2 Gesundheitsratgebern im GU-Verlag und zahlreichen medizinischen Fachartikeln.

Anja Lang, selbstständige Medizinjournalistin seit über 20 Jahren. Schreibt regelmäßig für diverse Gesundheitsportale, medizinische Fachmagazine sowie Sonderseiten und Beilagen der Süddeutschen Zeitung und der Stuttgarter Zeitung.

Quellen:

https://www.internisten-im-netz.de/aktuelle-meldungen/aktuell/wie-sich-die-darmflora-nach-antibiotika-einnahme-erholt.html

https://www.helmholtz-hzi.de/de/wissen/wissensportal/unser-immunsystem/das-mikrobiom/

https://www.aerzteblatt.de/archiv/127068/Mikrobiomforschung-Wie-koerpereigene-Keime-als-Superorgan-agieren

https://www.aerzteblatt.de/archiv/186107/Mikrobiom-und-intestinale-Gesundheit-Eine-hohe-Diversitaet-von-Darmbakterien-ist-guenstig

Stunted microbiota and opportunistic pathogen colonization in caesarean-section birth, October 2019, Nature 574(7776):1-5

https://www.mikrooek.de/labordiagnostik/fuer-aerzte-und-therapeuten/neues-aus-dem-labor/kyberbiom/das-mikrobiom/

https://link.springer.com/article/10.1007/s15036-019-0691-4?shared-article-renderer

Superorgan Mikrobiom (N. Schaenzler, F. Beigel)