Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

PCO-Syndrom: Ursachen, Symptome und Behandlung in München

Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS oder PCO-Syndrom) ist weltweit eines der häufigsten Störungen des weiblichen Hormonhaushalts; in Deutschland sind etwa zehn Prozent der Frauen betroffen. Es treten viele belastende Begleiterscheinungen auf wie Übergewicht, übermäßiger Haarwuchs, Akne und Stimmungsschwankungen. Aber wie hängt ein PCOS zusammen mit Hashimoto-Thyreoiditis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes? In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie darüber wissen müssen.

Ein PCOS ist nicht nur die häufigste hormonelle (endokrine) Störung, sondern die Erkrankung ist auch die häufigste Ursache für eine eingeschränkte weibliche Fruchtbarkeit und damit für einen unerfüllten Kinderwunsch. Oft tritt ein PCOS bereits in jungen Jahren, meist kurz nach der ersten Menstruation, auf. Die Störung kann sich aber auch erst im Laufe des dritten Lebensjahrzehnts durch typische Symptome zeigen.

Die genauen Ursachen eines PCOS sind noch nicht geklärt. Als sicher gilt jedoch, dass eine genetische Disposition eine Rolle spielt, da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt. Fest steht zudem, dass nicht eine, sondern mehrere, sich gegenseitig beeinflussende hormonelle Fehlstörungen beteiligt sind und dass ein PCOS in vielen Fällen zugleich eine metabolische (stoffwechselbedingte) Komponente hat. Hierbei gilt vor allem die Insulinresistenz mit hohen Insulinspiegeln als Kausalfaktor. In diesem Zusammenhang besteht auch ein erhöhtes Risiko für das Metabolische Syndrom und damit haben viele PCOS-Betroffene auch ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eines Typ-2-Diabetes.

Hormonelle Dysbalance

Das PCOS hat eine Reihe von Namen. Hierzulande üblich sind die Bezeichnungen „polyzystisches Ovarsyndrom“ oder „polyzystisches Ovarialsyndrom“. Aber auch „hyperandrogene chronische Anovulation (HA)“, „funktioneller ovarieller Hyperandrogenismus“ oder „Stein-Leventhal-Syndrom“ gehören zu den oft verwendeten medizinischen Fachbegriffen. „Hyperandrogen“ verweist bereits auf ein wesentliches Krankheitsmerkmal des PCOS. Denn bei dieser Erkrankung produziert der weibliche Körper zu viele männliche Sexualhormone (Androgene).

Ausgangspunkt sind mehrere hormonelle Fehlstörungen, die im Wechselspiel zu einer erheblichen Dysbalance im weiblichen Hormonhaushalt führen:

Erhöhter LH/FSH-Quotient

Bei einem PCOS ist der Spiegel von LH (luteinisierendes Hormon) im Verhältnis zu FSH (follikelstimulierendes Hormon) meist erhöht. Dies zeigt sich im Rahmen einer Blutuntersuchung durch einen erhöhten LH/FSH-Quotienten, d.h., FSH liegt im Normbereich, wohingegen LH erhöht ist. LH und FSH gehören zu den sogenannten Gonadotropinen, d.h., ihre Wirkung ist auf die Keimdrüsen (Gonaden) gerichtet. Eine wichtige Aufgabe von LH ist, den Eisprung auszulösen, während FSH für die Eireifung verantwortlich ist. Steht im Verhältnis zu LH zu wenig FSH zur Verfügung, können die Eier nicht reifen – und sammeln sich nun vermehrt in den Eierstöcken (Ovarien). Eine weitere Folge des LH-FSH-Ungleichgewichts ist eine gesteigerte Bildung von Androgenen in den Eierstöcken.

Androgenüberschuss

Ist zu viel Androgen vorhanden, gerät auch die Balance und Produktion der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron aus dem Lot. Dabei wird ein Teil des Androgenüberschusses nun im Fettgewebe in Östrogen umgewandelt – und der Östrogenspiegel steigt. Je mehr Fettgewebe, desto höher ist die Östrogenkonzentration. Deshalb haben übergewichtige Frauen fast immer auch einen erhöhten Östrogenspiegel. Umgekehrt fördern hohe Östrogenwerte Übergewicht – ein Teufelskreis.

Erhöhter Östrogenspiegel

Erhöhte Östrogenkonzentrationen haben nicht nur zur Folge, dass das Östrogen nun seinen natürlichen Gegenspieler Progesteron dominiert, was man Östrogendominanz nennt, sondern sie fördern auch das Ungleichgewicht von LH und FSH, wodurch wiederum die Androgenproduktion in den Eierstöcken weiter ankurbelt wird. Auf diese Weise bedingen und verstärken sich die Akteure des hormonellen Regelkreises gegenseitig und heizen so die PCOS-Symptomatik weiter an.

Erniedrigtes SHBG

Das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) ist ein Transport- und Speicherprotein, das neben Östrogen vor allem die männlichen Sexualhormone bindet. Bei einem PCOS ist der SHBG-Spiegel typischerweise erniedrigt, was sich ebenfalls ungünstig auf die Spiegel der Sexualhormone auswirkt.

Insulinresistenz

Neben den hormonellen Auffälligkeiten leiden viele PCOS-Betroffene zudem unter Veränderungen des Kohlenhydratstoffwechsels. Im Zentrum steht dabei das Blutzuckerhormon Insulin, das in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und u.a. die Aufgabe hat, die Aufnahme von Blutzucker in die Körperzellen (zur Energiegewinnung) zu regulieren.

Bei schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der Patientinnen mit einem PCOS sprechen die Zellen schlechter auf Insulin an – es liegt eine gestörte Glukosetoleranz bzw. eine Insulinresistenz vor. Um die mangelnde Wirkung des Insulins zu kompensieren und so den Blutzuckerspiegel weiter im Griff zu halten, steigert die Bauchspeicheldrüse die Produktion von Insulin.

Die Folge: ein erhöhter Insulinspiegel (Hyperinsulinämie). Das Duo Insulinresistenz /Hyperinsulinämie ist für Patientinnen mit einem PCOS in doppelter Hinsicht problematisch: Zum einen erhöht es das Risiko für ein Metabolisches Syndrom und damit für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum anderen trägt es zu einer Verstärkung der PCOS-Symptome bei. Denn Insulin stimuliert gleichzeitig auch die Bildung von Androgenen. Je mehr Insulin vorhanden ist, desto mehr Androgene werden produziert – und die Androgenkonzentration steigt (weiter) an.

Symptome

Ein PCOS äußert sich durch verschiedene Symptome und geht zudem mit einer Reihe von Gesundheitsrisiken einher. Die häufigsten sind:

  • Zyklusunregelmäßigkeiten, die durch seltene oder fehlende Eisprünge (Anovulation) gekennzeichnet sind und sich durch lange Abstände zwischen den Regelblutungen (Oligomenorrhö) bis hin zum vollständigen Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö) äußern. Aber auch unregelmäßige häufige Blutungen kommen vor.
  • Unerfüllter Kinderwunsch, mitunter auch häufige Fehlgeburten
  • Zahlreiche, meist randnahe, perlschnurartige Zysten an beiden Eierstöcken (polyzystische Ovarien)
  • Vermännlichungserscheinungen (Virilisierungserscheinungen, Androgenisierung) wie übermäßige Behaarung (Hirsutismus), z.B. an Armen, Beinen und im Bauchnabelbereich bei gleichzeitigem
  • Haarausfall am Kopf (Alopezie)
  • Hautunreinheiten bis hin zu Akne
  • Dunkle Verfärbungen der Haut an Hals, Nacken, den Achselhöhlen und/oder unter der Brust (Acanthosis nigricans). Sie können ein Hinweis auf eine gleichzeitig bestehende Insulinresistenz sein.
  • Übergewicht (betrifft etwa die Hälfte der PCOS-Patientinnen)
  • Stoffwechselveränderungen: Die Kombination Übergewicht und Insulinresistenz/hohe Insulinspiegel wird oft von weiteren Faktoren eines Metabolischen Syndroms wie Bluthochdruck und einer Fettstoffwechselstörung mit erhöhten Blutfettwerten begleitet.
  • Verdickung der Gebärmutterschleimhaut, die das Risiko für einen Gebärmutterschleimhautkrebs erhöht. Diese entsteht, weil sich infolge der chronischen Anovulation kein Corpus luteum bildet, sodass regelmäßige Progesteroneinwirkungen auf die Gebärmutterschleimhaut fehlen.
  • Hashimoto-Thyreoiditis: Studien belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen PCOS und der Entstehung einer Hashimoto-Thyreoiditis gibt. Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die zu einer allmählichen Zerstörung des Schilddrüsengewebes führt und so eine Unterfunktion der Schilddrüse hervorruft.

Diagnose

Mindestens zwei der folgenden Kriterien sind zur Diagnose des PCO-Syndroms zu erfüllen:

  • Chronische Anovulation (Oligo- bzw. Amenorrhoe)
  • Polyzystische Ovarien
  • Klinischer und/oder laborchemischer Hyperandrogenismus.

Neben einer Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke, die Aufschluss gibt, ob die Eierstöcke vergrößert sind bzw. Zysten aufweisen, und neben einer Zyklusanamnese steht im Vordergrund der Diagnostik ein Hormonstatus aus dem Blut, der idealerweise am Anfang eines Zyklus in der frühen Follikelphase erhoben wird.

Welche Hormone bestimmt werden müssen:

  • Androgenparameter wie Testosteron, Androstendion, DHEA und DHEAS (stark erhöht)
  • FSH (normal bis erniedrigt)
  • LH/FSH-Quotient (oft grösser als 2-3)
  • Östrogen und Progesteron

Eine einfache und schnelle Diagnostik können Sie auch mithilfe dieses Tests vornehmen: Hormonspeicheltest auf Östrogene (Östradiol & Östriol), DHEA, Progesteron und Testosteron

Was noch untersucht werden muss:

  • Zur Abklärung einer Insulinresistenz/Hyperinsulinämie wird der Homa-Index ermittelt, der aus Insulin und Glukose berechnet wird. Weiterhin sind folgende Laborwerte bedeutsam zur Bestimmung einer Insulinresistenz, die damit gleichzeitig als frühe Marker für einen Typ-2-Diabetes gelten: Adiponektin, Proinsulin intakt, C-Peptid. Ggf kann auch ein Oraler Glucose Toleranztest (OGTT) durchgeführt werden, der aber deutlich aufwendiger ist.
  • Da eine unerkannte Schilddrüsenunterfunktion infolge einer Hashimoto-Thyreoiditis ebenfalls Ursache eines unerfüllten Kinderwunsches sein kann, sollten bei einem PCOS immer auch die Schilddrüsenhormone bestimmt werden.

Behandlung

Die konventionelle Therapie sieht die Einnahme einer antiandrogen wirkenden Anti-Baby-Pille vor, die darauf abzielt, den Androgenspiegel zu senken. Zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut, insbesondere, wenn sie bereits verdickt ist, kann zudem eine Behandlung mit Progesteron angezeigt sein. Da Insulin eine wichtige Rolle im Krankheitsprozess spielt, wird oft auch das Diabetes-Medikament Metformin empfohlen, welches das Ansprechen der Körperzellen auf Insulin verbessert und so zugleich die Eisprungrate erhöht. Diese Maßnahme ist vor allem dann eine Option, wenn ein unerfüllter Kinderwunsch besteht.

Bei Übergewicht ist die wichtigste Behandlungsmaßnahme eine Verringerung des Körpergewichts. Dadurch sinken die überhöhten Androgenspiegel und die Eierstockfunktion verbessert sich. Ebenso hat eine Gewichtsabnahme einen positiven Einfluss auf die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen: Die Insulinresistenz lässt nach und der erhöhte Insulinspiegel sinkt. Am effektivsten ist eine Umstellung der Essgewohnheiten hin zu einer kalorien- und kohlenhydratarmen sowie fettbewussten Ernährung. Wirksam unterstützt wird die Reduzierung des Körpergewichts durch regelmäßige Bewegung. Zudem zeigen Studien, dass sich eine Insulinresistenz allein mit körperlicher Aktivität vermindern lässt.

In der Praxis für Homöopathie und Psychotherapie in München biete ich PCOS-Patientinnen ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept, das neben der Klassischen Homöopathie und der traditionellen Naturheilkunde auch die wichtigen therapeutischen Säulen Ernährung und Lebensführung sowie gezielte Maßnahmen der Stressbewältigung umfasst.