Eine Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft kann schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind haben, da sie das Risiko für Fehlgeburten, Wachstumsstörungen oder Entwicklungsverzögerungen beim ungeborenen Baby erhöht. Die Schilddrüse übernimmt in dieser Zeit eine zentrale Aufgabe: Sie muss den erhöhten Hormonbedarf sowohl der werdenden Mutter als auch des Kindes decken, zumindest bis die kindliche Schilddrüse selbst aktiv wird. Wenn dieser Mehrbedarf nicht ausreichend gedeckt wird, können bereits in den ersten Schwangerschaftswochen gesundheitliche Risiken entstehen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Symptome auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten, wie sie behandelt wird und warum eine frühzeitige Diagnose so wichtig ist.
Inhaltsverzeichnis
- Aufgaben der Schilddrüse
- Was passiert in der Schwangerschaft mit der Schilddrüse?
- Was passiert bei einer Schilddrüsenunterfunktion?
- Wodurch entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion?
- Woran erkennt man eine Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft?
- Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft behandelt?
- Welchen Einfluss hat eine Schwangerschaft auf die Schilddrüse?
- FAQ (häufige Fragen) zum Thema Schilddrüse & Schwangerschaft
Aufgaben der Schilddrüse
Die Schwangerschaft ist ein Stresstest für die Schilddrüse. Kaum größer als eine Walnuss, steuert die Hormondrüse wichtige Funktionen in unserem Körper – die Verdauung, den Herzschlag, den Energiehaushalt, den Zyklus der Frau.

Umso problematischer können die Auswirkungen sein, wenn die Schaltzentrale im Hals einmal nicht richtig funktioniert und Schilddrüsenerkrankungen die Folgen sind – auch bei Nicht Schwangeren. So kann eine Schilddrüsenfehlfunktion zum Beispiel der Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch sein.
In der Schwangerschaft kann sich eine Schilddrüsenerkrankung sowohl auf Mutter und Ungeborenes ungünstig auswirken und außerdem zu Schwangerschaftskomplikationen führen.
Während das Kind im Bauch heranwächst, arbeitet der Hormonhaushalt der werdenden Mutter auf Hochtouren. Besonders wichtig sind die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Sie kurbeln den Stoffwechsel an und sorgen über die Plazenta für eine gute körperliche und geistige Entwicklung des Embryos.
Ist dieser Mechanismus gestört und die Schilddrüse kann sich nicht optimal an die Veränderungen anpassen, kann dies schwerwiegende Folgen für die Entwicklung des Kindes haben.
Gerade eine nicht erkannte Schilddrüsen-Unterfunktion beeinträchtigt die Hirnentwicklung des ungeborenen Kindes. Zum Glück können wir inzwischen mit Jod-Tabletten und Hormon-Präparaten gut gegensteuern und damit schwere geistige Behinderungen und Fehlgeburten verhindern.
Dr. med. Holger Maul, Chefarzt der Frauenklinik Hamburg Nord-Ost in der Asklepios Klinik Barmbek
Voraussetzung dafür ist allerdings eine regelmäßige Untersuchung der Schilddrüsenfunktion. Diese Erkenntnis hat sich in der Fachwelt inzwischen durchgesetzt. Viele Frauenärzte behalten den Hormonhaushalt der werdenden Mutter im Verlauf der Schwangerschaft genau im Blick.
Typische Symptome einer Unterfunktion der Schilddrüse sind zum Beispiel ein verlangsamter Herzschlag und damit niedriger Puls, Gewichtszunahme, Verstopfung, Erschöpfung, Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und depressive Verstimmung.
Stufen die Ärzte die Hypothyreose als behandlungsbedürftig ein, müssen die werdenden Mütter jeden Tag das synthetisch hergestellte Schilddrüsenhormon Thyroxin in Tablettenform einnehmen. Die Therapie ist für das Ungeborene ungefährlich. Gegebenenfalls muss die Behandlung auch nach der Geburt fortgeführt werden.
Was passiert in der Schwangerschaft mit der Schilddrüse?
Im Verlauf der Schwangerschaft wächst die Schilddrüse und erhöht ihre Hormonproduktion um bis zu 50 Prozent. Beides ist auf die stimulierende Wirkung des Schwangerschaftshormons HCG, kurz für humanes Choriongonadotropin, zurückzuführen.
Durch diese erhöhte Aktivität steigt auch der Jod-Bedarf der Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit. Im Durchschnitt nehmen Frauen in Deutschland mit der Nahrung etwa 125 Mikrogramm Jod pro Tag zu sich. Schwanger zu sein bedeutet, dass der tägliche Bedarf auf 250 Mikrogramm steigt – fast doppelt so viel.
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Die Schilddrüse benötigt für die Hormonproduktion Jod. Die Vorräte des Spurenelements in unserem Körper sind begrenzt und müssen regelmäßig über die Nahrung aufgefüllt werden. Den Mehrbedarf können Schwangere über die Nahrung kaum decken. Deshalb gehören heute Jodtabletten zu einer normalen Schwangerschaftsvorsorge.
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Täglich 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit nach einer Mahlzeit einnehmen, wenn ein Jodmangel nachgewiesen ist.
Diese Unterstützung für die Schilddrüse ist vor allem in der frühen Phase der Schwangerschaft wichtig. Ich empfehle Frauen mit Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und der Stillzeit dieses Präparat, das alles in Reinsubstanzen enthält, was Frauen und Babys in dieser Zeit an Vitaminen und Spurenelementen benötigen:
Nutrifem Basic, 120 Kapseln
Täglich 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit jeweils vor einer Mahlzeit einnehmen.
Erst ab der 12. bis 18. Woche ist die Schilddrüse des Kindes selbst in der Lage, Hormone zu produzieren. Bis zu dieser Zeit ist der Fötus komplett auf die mütterlichen Hormone angewiesen.
Allerdings: Bei einer echten (manifesten) Unterfunktion der Schilddrüse hilft die Gabe von Jod nur bedingt. Dann muss mit Hormonen gegengesteuert werden.
Die hormonelle Stresssituation, der die Schilddrüse während der Schwangerschaft ausgesetzt war, kann auch nach der Entbindung noch Folgen haben und eine Postpartum Thyreoiditis nach sich ziehen: Die Erkrankung, die auch „Wochenbett-Schilddrüsenentzündung“ genannt wird, heilt jedoch oft folgenlos innerhalb eines Jahres aus.
Was passiert bei einer Schilddrüsenunterfunktion?
Droht ein Mangel an Schilddrüsen-Hormonen, versucht der Körper der Frau gegenzusteuern, und zwar mit dem Hormon Thyreotropin, kurz TSH, das in der Hirnanhangdrüse gebildet wird. Gelingt das, liegen die Schilddrüsenhormone trotz einer leichten Unterfunktion noch im Normbereich.
Ist der TSH-Wert erhöht, weist dies auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hin.
Solange die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) im Normbereich liegen, sprechen die Ärzte von einer latenten (subklinischen) Hypothyreose.
Eine manifeste Hypothyreose liegt vor, wenn der TSH-Wert erhöht und die Schilddrüsenwerte, vor allem fT4, erniedrigt sind. Spätestens jetzt liegt eine ernstzunehmende Schilddrüsenerkrankung vor, die für das ungeborene Kind gefährlich werden kann. Im schlimmsten Fall drohen sogar Entwicklungsstörungen beim Baby.
Wodurch entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion?
Die häufigste Ursache für eine Unterfunktion der Schilddrüse ist eine erworbene autoimmunbedingte Schilddrüsenentzündung, die als Hashimoto Thyreoiditis bezeichnet wird.

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Hiervon sind vor allem Frauen betroffen. Deutlich seltener ist die Hypothyreose angeboren oder entsteht durch eine Störung der Hormonbildung im Gehirn. Auch schwerer Jodmangel in der Ernährung kann in seltenen Fällen zu einer Unterfunktion führen – meist verbunden mit einer Vergrößerung der Schilddrüse, auch Kropf genannt.
Woran erkennt man eine Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft?
Alleine an den Symptomen fällt es manchmal schwer, eine Schilddrüsenunterfunktion zu erkennen. So sorgt die Hypothyreose für Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Muskelschmerzen oder Verstopfungen. Symptome, unter denen auch viele gesunde Schwangere leiden.
Deshalb muss man auch auf die Schilddrüsenwerte in der Schwangerschaft achten. Zum Glück lassen sich durch die Messung des Hormonspiegels schon kleine Störungen bei der Produktion der Schilddrüsenhormone erkennen. Eine gute Orientierung bietet dabei der TSH-Wert, zusätzlich können auch die Werte von T3 und T4 gemessen werden.
Übrigens: Eine nicht erkannte Schilddrüsenunterfunktion führt häufig zu Empfängnisproblemen. Deshalb prüfen auch Kinderwunschmediziner die Schilddrüsenwerte.
Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft behandelt?
Die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion ist einfach und hat keine großen Nebenwirkungen. Die Mutter erhält das fehlende L-Thyroxin in Tablettenform. In welcher Dosierung wird individuell festgelegt.
Die Therapie schadet dem Kind nicht. Deshalb gehen viele Ärzte auf Nummer Sicher und verschreiben den Frauen schon bei kleineren Abweichungen im Hormonspiegel entsprechende Medikamente, um die Schilddrüse zu entlasten und möglichen kindlichen Entwicklungsstörungen vorzubeugen.
Bei Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft wegen einer Unterfunktion behandelt wurden, ist oft zusätzlich eine Dosissteigerung erforderlich. Hier muss der Hormonspiegel der Mutter noch engmaschiger kontrolliert werden. Schließlich steigt Bedarf an Schilddrüsenhormonen vor allem in den ersten Monaten der Schwangerschaft stetig an.
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Ursachen für einen niedrigen oder hohen TSH-Wert
Zu Beginn einer Schwangerschaft kann es sein, dass der TSH-Wert erniedrigt ist – manchmal ist er auch gar nicht mehr messbar.
Dies liegt vor allem am Schwangerschaftshormon HCG (humanes Choriongonadotropin), das vor allem im ersten Trimenon für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft unverzichtbar ist, jedoch in seiner Struktur stark dem TSH ähnelt und deshalb ebenfalls die Schilddrüse zu einer vermehrten Bildung von Schilddrüsenhormonen anregt.
Diese schwangerschaftsbedingte Hyperthyreose vergeht im Laufe des zweiten Schwangerschaftsdrittels jedoch wieder und braucht im Allgemeinen nicht behandelt zu werden.
Etwas anderes ist es, wenn eine autoimmunbedingte Ursache für zu niedrige TSH-Werte festgestellt und ein Morbus Basedow oder Schilddrüsenknoten diagnostiziert wurden. In diesem Fall ist meist eine Behandlung notwendig.
Ein erhöhter TSH-Wert weist auf eine Schilddrüsenunterfunktion und damit auf einen erhöhten Bedarf an Schilddrüsenhormonen hin. Ursache ist meist eine autoimmunbedingte Schilddrüsenentzündung, eine Hashimoto-Thyreoiditis.

Welchen Einfluss hat eine Schwangerschaft auf die Schilddrüse?
Eine Schwangerschaft versetzt die Schilddrüse in eine Ausnahmesituation und verlangt ihr viel ab. Umso wichtiger ist, dass diese so wichtige Hormondrüse möglichst noch vor der Schwangerschaft in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt ist.
Gelingt es ihr nämlich nicht, den schwangerschaftsbedingten Mehrbedarf an Schilddrüsenhormonen zu decken oder stellt sie deutlich mehr Schilddrüsenhormone her, als der Organismus von Mutter und Kind benötigen, sind ernsthafte Schilddrüsenerkrankungen die Folge, die zu ernsthaften Komplikationen für beide führen können – bis hin zu einer Fehl- oder Frühgeburt.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schilddrüse und Wochenbettdepression?
Eine depressive Stimmungslage unmittelbar nach der Geburt ist keine Seltenheit und vergeht meist von selbst wieder. Leiden Frauen jedoch noch Wochen und Monate nach der Entbindung an einer Depression, sollte die Schilddrüse überprüft werden, gerade wenn eine Frau bereits vor der Schwangerschaft Auffälligkeiten ihrer Schilddrüse gezeigt hat.
In diesem Fall kann eine sogenannte Postpartum Thyreoiditis die Ursache sein, eine Schilddrüsenerkrankung, die oft in verschiedenen Phasen verläuft. Zunächst kommt es zu einer Überfunktion der Schilddrüse, der dann eine Schilddrüsenunterfunktion folgt. Die Erkrankung bildet sich bei einem Teil der Frauen nach einem Jahr von selbst zurück, bei anderen bleibt sie als Hashimoto-Thyreoiditis für den Rest des Lebens bestehen und bedarf einer Therapie mit Thyroxin.
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FAQ (häufige Fragen) zum Thema Schilddrüse & Schwangerschaft
Autoren:
Markus Breitenberger, Heilpraktiker und Homöopath; behandelt seit über 25 Jahren in eigener Praxis in München Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen. Autor von zahlreichen medizinischen Büchern, Fachartikeln und Blogbeiträgen zu Themen rund um Gesundheit.
Dr. Nicole Schaenzler, Philologin und Medizinjournalistin. Herausgeberin eines Gesundheitsmagazins und Fachautorin zahlreicher Bücher zu medizinischen Themen.
Quellen:
Empfehlungen der AGG (Arbeitsgemeinschaft Geburtshilfe, Sektion maternale Erkrankungen) zum Umgang mit Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft (publiziert 9. März 2023)
Lazarus J., et al., 2014, Eur Thyroid J Guidelines 3: 76-94, (Stand Juli 2016)