Die Schilddrüse spielt im Hormonhaushalt der Menschen eine sehr wichtige Rolle und beeinflusst zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Umso wichtiger ist es, schon bei Kinderwunsch Schilddrüsenerkrankungen rechtzeitig zu erkennen bzw. der Entwicklung einer solchen Erkrankung vorzubeugen. Für die Gesundheit von Mutter und Kind ist es von entscheidender Bedeutung, dass die kleine Hormondrüse in ihrer Leistungsfähigkeit weder beeinträchtigt noch überaktiv ist und dann zu viele Schilddrüsenhormone bildet. Dieses Krankheitsbild wird Schilddrüsenüberfunktion bzw. Hyperthyreose genannt.
Inhaltsverzeichnis
- Welchen Einfluss hat eine Schwangerschaft auf die Schilddrüse?
- Schwangerschaft bei Schilddrüsenüberfunktion
- Symptome und Behandlung
- Über- und Unterfunktion der Schilddrüse bei Schwangeren
- Wodurch entsteht eine Schilddrüsenüberfunktion?
- Welche Laborwerte sind wichtig?
- So werden Fehlfunktionen der Schilddrüse in der Schwangerschaft behandelt
- Postpartum-Thyreoiditis: Schilddrüsenentzündung nach der Schwangerschaft
- FAQ: Fragen und Antworten
Welchen Einfluss hat eine Schwangerschaft auf die Schilddrüse?
Eine Schwangerschaft zieht einen veränderten Stoffwechsel und viele hormonelle Anpassungen nach sich – dazu gehört auch, dass die Schilddrüse der werdenden Mütter nun vermehrt Schilddrüsenhormone bereitstellen muss, damit auch das Ungeborene gleich von Beginn seiner Entwicklung an mitversorgt wird. Hierfür steigt die Produktion der mütterlichen Schilddrüsenhormone um bis zu 50 Prozent an.

Demzufolge erhöht sich auch der tägliche Bedarf an Jod in der Schwangerschaft: Laut WHO liegt der Tagesbedarf von Schwangeren und Stillenden bei 250 μg.
Obwohl die kindliche Schilddrüse ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft selbst in der Lage ist, Schilddrüsenhormone zu bilden, sollten werdende Mütter weiterhin auf ihre tägliche Jodzufuhr achten.
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Welcher Arzt behandelt eine Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft?
Veränderungen, die auf eine Schilddrüsenstörung zurückgehen könnten, sollten Schwangere zeitnah abklären lassen, entweder bei ihrem Hausarzt oder – noch besser – gleich bei ihrer Frauenärztin bzw. ihrem Frauenarzt oder einem Endokrinologen. Denn die Gesundheit von Mutter und ungeborenem Baby kann durch Schilddrüsenerkrankungen ernsthaft gefährdet werden.
Schwangerschaft bei Schilddrüsenüberfunktion
Erkrankt die werdende Mutter während der Schwangerschaft an einer Schilddrüsenüberfunktion, kommt es sehr darauf an, welche Ursachen zugrunde liegen, in welcher Ausprägung die Fehlfunktion besteht bzw. wie stark der Hormonspiegel von den Normwerten abweicht.
Ist ein erniedrigter TSH-Wert in der Schwangerschaft gefährlich?
Tatsächlich ist eine leichte Überfunktion mit erniedrigtem TSH-Wert im ersten Schwangerschaftsdrittel keine Seltenheit und sie muss in der Regel auch nicht behandelt werden. Auslöser ist das Schwangerschaftshormon HCG, das in seiner Struktur dem TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) sehr ähnlich ist und deshalb ebenfalls eine stimulierende Wirkung auf die Schilddrüse hat.
Üblicherweise normalisiert sich der TSH-Wert im zweiten Schwangerschaftsdrittel wieder, das kann allerdings bis zur 18. bzw. 20. Schwangerschaftswoche dauern.
Schilddrüsenknoten und Morbus Basedow in der Schwangerschaft
Etwas anderes ist es, wenn eine Schilddrüsenüberfunktion durch Schilddrüsenknoten (autonome Adenome) oder durch die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow verursacht wird.
Letztere geht meist mit einem erniedrigten TSH-Spiegel im Blut und dem Nachweis von bestimmten Antikörpern (TRAK-Antikörper) einher. In diesem Fall muss die Erkrankung während der Schwangerschaft engmaschig kontrolliert und gegebenenfalls medikamentös mithilfe von Thyreostatika behandelt werden.
Zumal vor allem im dritten Trimenon die Gefahr groß ist, dass die TRAK-Antikörper die Plazenta passieren und nun auch die kindliche Schilddrüse stimuliert, vermehrt Hormone zu produzieren. Eine fetale Hyperthyreose ist für das Ungeborene potenziell lebensbedrohlich.
Symptome und Behandlung
Bei einer manifesten Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) werden Stoffwechsel und Körperfunktionen durch die gesteigerte Produktion von Schilddrüsenhormonen so stark beschleunigt, dass das Gleichgewicht vieler Stoffwechselprozesse aus dem Lot gerät und typische Beschwerden entstehen – dies gilt auch in der Schwangerschaft.

Häufige Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft sind zum Beispiel:
- Beschleunigter Puls
- Herzrasen und Herzrhythmusstörungen
- Bluthochdruck
- Übermäßiges Schwitzen, Hitzewallungen
- Zittern, vor allem der Hände
- Nervosität
- Schlafstörungen
- Gewichtsverlust trotz gesteigerten Appetits
- Häufiger Stuhlgang, eventuell Durchfall
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Ist die Basedow-Krankheit die Ursache für die Schilddrüsenüberfunktion, kommt es außerdem oft zu charakteristischen Veränderungen an den Augen (endokrine Orbitopathie): Sie treten hervor und es das Sehkraft ist gestört – bis hin zum Doppeltsehen oder gar zum vollständigen Sehverlust. Zudem kann sich die Haut über den Schienbeinen durch Schwellungen und Wassereinlagerungen krankhaft verdicken und verhärten (Myxödem).
Leider ist es so, dass die Behandlungsoptionen einer manifesten Schilddrüsenüberfunktion – medikamentöse Schilddrüsenhormonblocker (Thyreostatika), eine Radiojod-Therapie oder eine Operation – während einer Schwangerschaft nur eingeschränkt bzw. gar nicht infrage kommen, weil sie mit erheblichen Nebenwirkungen und Risiken für das Ungeborene verbunden sein können.
Umso wichtiger ist es, einen Therapeuten zu Rate zu ziehen, der mit einer individuell abgestimmten naturheilkundlichen bzw. homöopathischen Behandlung helfen kann, die negativen Auswirkungen eines permanent zu hohen Spiegels an Schilddrüsenhormonen auf Mutter und Baby zu mindern, ohne dass gravierende Nebenwirkungen zu befürchten sind.
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Grundsätzlich gilt: Da eine manifeste Hyperthyreose mit einer erhöhten Rate an Fehlgeburten, Früh- und Totgeburten und Präeklampsien einhergeht, sollte möglichst schon vor der Schwangerschaft eine weitgehende Normalisierung der Schilddrüsenfunktion erreicht werden – dies betonen auch die aktuellen Empfehlungen der AGG (Arbeitsgemeinschaft Geburtshilfe, Sektion maternale Erkrankungen) zum Umgang mit Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft (Stand: 9. März 2023).
Andererseits wird eine Behandlung mit Thyreostatika in der Schwangerschaft als sehr problematisch bezeichnet – insbesondere im ersten Schwangerschaftsdrittel. Ebenso ist eine Radiojod-Therapie, wie sie oft bei überaktivem Schilddrüsengewebe infolge autonomer Adenome oder der Basedow-Krankheit zur Anwendung kommt, wegen der Strahlenbelastung für das ungeborene Baby keine Option.
Eine zufriedenstellende Empfehlung, wie das Dilemma aufgelöst werden, kann auch die AGG nicht geben. Als Richtwert wird jedoch vorgeschlagen, im 1. Trimenon mit Propylthiouracil und ab dem 2. Trimenon mit Thiamazol in einer Dosierung so niedrig wie möglich zu behandeln – und diese Behandlung durch engmaschigen Kontrollen zu begleiten.
Generell besteht die Gefahr, dass auch das Kind eine Schilddrüsenfehlfunktion entwickelt. Den Säuglingen mit einer Hyperthyreose droht vor allem in den ersten Tagen nach der Geburt gesundheitliche Beeinträchtigungen, doch in der Regel lassen die Symptome allmählich nach, sodass es den kleinen Patienten mit der Zeit wieder besser geht.
Generell empfiehlt die AGG, dass Frauen, die in der Schwangerschaft dauerhaft mit Thyreostatika behandelt werden müssen, zur Geburtsplanung wie auch zur kinderärztlichen Nachbetreuung ihre geborenen Kindes eingehend beraten werden.
Über- und Unterfunktion der Schilddrüse bei Schwangeren
Sowohl eine Überfunktion als auch eine Unterfunktion der mütterlichen Schilddrüse kann während einer Schwangerschaft erhebliche Komplikationen mit sich bringen – und das Leben des Ungeborenen ernsthaft gefährden.
Umso wichtiger ist es, dass Sie sich zeitnah an Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt wenden, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Schilddrüse größer wird oder Sie den Verdacht haben, es könnten sich Knoten gebildet haben. In diesem Fall kann oft bereits eine einfache Untersuchung der Schilddrüse mit Ultraschall Aufschluss geben.
Ihr Hormonspiegel wird mittels einer Blutuntersuchung überprüft, wenn Sie neue Beschwerden an sich beobachten, die Ihrer Meinung nach auf eine Funktionsstörung der Schilddrüse hinweisen könnten. Letzteres ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach, weil eine Störung der Schilddrüsenfunktion oft erst einmal eher unspezifische Symptome hervorruft.
Häufige Beschwerden einer Überfunktion der Schilddrüse sind ein beschleunigter Stoffwechsel, der sich zum Beispiel in vermehrtem Schwitzen und Gewichtsverlust bei gleichbleibendem Appetit zeigt, aber auch ein erhöhter Blutdruck, Herzrasen und ein beschleunigter Puls sind charakteristisch.
Dagegen geht eine Schilddrüsenunterfunktion unter anderem mit einer Gewichtszunahme, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Empfindlichkeit gegen Kälte oder auch Verstopfung einher.
Grundsätzlich gilt: Funktionsstörungen, die schon vor der Schwangerschaft bestanden haben, sollten auf jeden Fall noch einmal sorgfältig abgeklärt werden, selbst wenn erst einmal kein Verdacht besteht, dass sich die Aktivität Schilddrüse verändert hat.
Wenn Sie bereits vor der Schwangerschaft Schilddrüsenhormone zum Ausgleich einer Schilddrüsenunterfunktion eingenommen haben, setzen Sie diese niemals eigenmächtig ab. Besprechen Sie stattdessen mit Ihrem behandelnden Endokrinologen, ob die Dosierung gegebenenfalls an die neue Situation angepasst werden muss. Mindestens ebenso wichtig ist ein intensiver Austausch über die weitere Behandlung, wenn Sie mit einer Schilddrüsenüberfunktion schwanger geworden sind.
Wodurch entsteht eine Schilddrüsenüberfunktion?
Eine Schilddrüsenüberfunktion im ersten Schwangerschaftsdrittel kann durch das Schwangerschaftshormon HCG hervorgerufen werden, das mit dem Schilddrüsenhormon TSH strukturverwandt ist und deshalb – wie TSH – die Schilddrüse dazu anregt, vermehrt Hormone zu bilden. Mit sinkendem HCG-Spiegel nimmt diese Überfunktion jedoch wieder ab, sodass spätestens um die 20. Schwangerschaftswoche herum der TSH-Spiegel meist wieder weitgehend im Normbereich liegt.
Eine krankheitsbedingte und dann oft auch behandlungsbedürftige Schilddrüsenüberfunktion liegt vor, wenn Knoten in der Schilddrüse (autonome Adenome) oder die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow verantwortlich sind. Letztere geht meist mit einem erniedrigten TSH-Spiegel im Blut und dem Nachweis von bestimmten Antikörpern (TRAK-Antikörper) einher. Bei einer manifesten Form sind zudem die Schilddrüsenwerte freies T4 (fT4) und freies T3 (fT3) erhöht.
Welche Laborwerte sind wichtig?
Die häufigste Ursache der Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft ist der autoimmunbedingte Morbus Basedow. In diesem Fall ist fast immer auch ein erhöhter TSH-Rezeptor-Antikörper-Wert (TRAK) nachweisbar. Dieser Wert muss dann monatlich kontrolliert werden. Ein weiterer Parameter sind die Schilddrüsenhormone selbst. Hierbei wird bei einer Schilddrüsenüberfunktion in der Regel zwischen folgenden Ausprägungen unterschieden:
- Subklinische Schilddrüsenüberfunktion: TSH < 0,01 mU/l, bei normalen fT4 und fT3
- Manifeste Schilddrüsenüberfunktion: TSH < 0,01 mU/l, bei erhöhten fT4 und fT3
So werden Fehlfunktionen der Schilddrüse in der Schwangerschaft behandelt
Die Behandlung einer Fehlfunktion der Schilddrüse richtet sich zum einen nach der Art der Störung und zum anderen danach, ob es sich um eine leichte oder um eine manifeste Schilddrüsenfehlfunktion handelt.
Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion
Stehen dem Körper aufgrund der Schilddrüsenfehlfunktion zu viel Schilddrüsenhormone zur Verfügung, zielt eine Behandlung darauf ab, die Hormonproduktion der Schilddrüse mit sogenannten Schilddrüsenblockern (Thyreostatika) zu hemmen.
Da diese Wirkstoffe in den Blutkreislauf des Ungeborenen übertreten können, muss das Risiko-Nutzen-Verhältnis der Behandlung sehr gut abgewogen und bei einer Entscheidung für die Therapie die Dosierung so niedrig wie möglich gehalten werden. Außerdem müssen die Werte engmaschig kontrolliert werden.
Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion
Produziert die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone, zielt die Behandlung darauf ab, den Mangel auszugleichen. Hierfür wird dem Körper L-Thyroxin in Tablettenform zugeführt.
Leichte (latente, subklinische) Verläufe einer Schilddrüsenfehlfunktion ohne nennenswerte Beschwerden und ohne den Nachweis von Autoantikörpern werden oft erst einmal beobachtet, ohne dass eine Behandlung eingeleitet wird.
Wichtig zu wissen: Alle Formen einer Schilddrüsenfehlfunktion sprechen gut auf eine begleitende homöopathische Konstitutionstherapie an.
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Postpartum-Thyreoiditis: Schilddrüsenentzündung nach der Schwangerschaft
Es kommt vor, dass Frauen nach der Geburt eine autoimmunbedingte Schilddrüsenentzündung, eine sogenannte Postpartum Thyreoiditis, entwickeln. Viele der Betroffenen hatten bereits vor der Geburt einen erhöhten TPO-Antikörper-Spiegel, ohne jedoch Beschwerden zu haben.
Aber auch Frauen mit Typ-1-Diabetes oder einer anderen Autoimmunerkrankung sind häufiger betroffen.

Eine Postpartum Thyreoiditis beginnt oft mit einer Überfunktion der Schilddrüse, die dann nach einer Weile in eine Schilddrüsenunterfunktion übergeht. Häufig verläuft die Erkrankung „stumm“, ohne nennenswerte Symptome hervorzurufen. Bei einigen Frauen ändert sich dies jedoch im weiteren Krankheitsverlauf und es treten typische Symptome einer Hypothyreose auf wie Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut und/oder Haarausfall.
In vielen Fällen normalisiert sich die Funktion der Schilddrüse innerhalb eines Jahres wieder. Mitunter wird die Erkrankung jedoch chronisch und hat eine dauerhafte Schilddrüsenunterfunktion zur Folge. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können dazu beitragen, das Risiko von Komplikationen zu minimieren.
FAQ: Fragen und Antworten
Diese Fragen stellen sich Frauen häufig mit bislang unerfülltem Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und Stillzeit.
Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft
Autoren:
Markus Breitenberger, Heilpraktiker und Homöopath; behandelt seit über 25 Jahren in eigener Praxis in München Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen. Autor von zahlreichen medizinischen Büchern, Fachartikeln und Blogbeiträgen zu Themen rund um Gesundheit.
Dr. Nicole Schaenzler, Philologin und Medizinjournalistin. Herausgeberin eines Gesundheitsmagazins und Fachautorin zahlreicher Bücher zu medizinischen Themen.
Quellen:
