Histaminintoleranz: Symptome, Test & Behandlung

Viele Menschen leiden daran, dass klinisch relevante Histaminkonzentrationen im Darm gebildet werden, die zu Symptomen einer Histaminintoleranz führen können, wie Migräne, Schwindel, Kopfschmerzen, Blähungen, Durchfall, Herzrasen, Menstruationsbeschwerden, Gelenkbeschwerden, Erschöpfungszustände, Müdigkeit und Schlafstörungen. Nur wenige Menschen wissen, dass eine Histaminunverträglichkeit hinter diesen Beschwerden steckt. Erfahren Sie hier, wie Sie eine Histaminintoleranz erkennen und behandeln können.

Was ist Histaminintoleranz?

Als Histaminintoleranz (HIT) oder Histaminunverträglichkeit (früher Histaminose) wird ein Überschreiten der individuellen Toleranzgrenze für Histamin bezeichnet, wodurch der Organismus einer übermäßigen Histaminbelastung ausgesetzt ist. Dadurch reagiert er mit allergieähnlichen Krankheitssymptomen auf die Aufnahme von Lebensmitteln mit einem hohen Histamingehalt wie auch auf Nahrungsmittel, die im Körper zu einem hohen Histamingehalt führen (Histaminliberatoren).

Anders als bei einer Allergie ist das Immunsystem jedoch nicht an der Unverträglichkeitsreaktion beteiligt, das heißt, es findet keine Antigen-Antikörper-Reaktion statt. Deshalb gehört die Histaminintoleranz zu den sogenannten pseudoallergischen (nicht IgE-vermittelten) Überempfindlichkeitsreaktionen. Es wird geschätzt, dass hierzulande mehr als 800.000 Menschen betroffen sind. 80 Prozent der erkrankten Personen sind Frauen; die meisten sind älter als 40 Jahre.  

Kennzeichen einer Histaminintoleranz ist eine übermäßige Konzentration an Histamin im Körper, in deren Folge verschiedenste Symptome und Beschwerdebilder auftreten können.

Was ist Histaminunverträglichkeit?

Die Symptome einer Histaminunverträglichkeit entsprechen denen einer Histaminintoleranz.

Was ist Histaminose?

„Histaminose“ ist ein Synonym für Histaminintoleranz oder Histaminunverträglichkeit. Der Begriff gilt jedoch als veraltet und wird heute nur noch selten verwendet.

Was ist Histamin?

Dabei ist Histamin erst einmal ein für den Körper unverzichtbarer Eiweißstoff (biogenes Amin), der aus der Aminosäure Histidin gebildet wird und als Botenstoff wie auch als Gewebshormon viele wichtige Aufgaben erfüllt.

Was macht Histamin?

So reguliert Histamin unter anderem den Blutdruck und regt die Magensaftproduktion an, es steigert die Darmbewegung und sorgt für einen ausgeglichenen Schlaf-Wach-Rhythmus. Zudem ist Histamin am Immunsystem bei der Abwehr körperfremder Stoffe beteiligt; bei Allergien wird Histamin aus Zellen in den Schleimhäuten freigesetzt und führt zu den typischen allergischen Beschwerden. 

Da Histamin an so vielen verschiedenen Körperfunktionen beteiligt ist, gehen mit einer Histaminintoleranz auch die unterschiedlichsten Beschwerden einher.

Woher kommt Histamin?

Histamin wird nicht nur vom Körper selbst gebildet, sondern auch mit der Nahrung zugeführt. Bevor größere Mengen in den Organismus gelangen, wird der überwiegende Teil des aufgenommenen Histamins jedoch im Dünndarm von einem der beiden Histamin abbauenden Enzyme, der Diaminoxidase (DAO), abgebaut. Dies ist wichtig, weil auch für gesunde Menschen Histamin in höheren Konzentrationen problematisch ist und bei sehr hohen Mengen sogar eine Vergiftung (zum Beispiel durch verdorbenen Fisch) auslösen kann.

Besteht eine Histaminintoleranz, reicht allerdings schon eine sehr viel kleinere Menge an Histamin aus, um Krankheitssymptome hervorzurufen. Bei den Betroffenen ist die individuelle Toleranzschwelle so niedrig, dass bereits ein halbes Glas Rotwein zu Juckreiz, Hautveränderungen und/oder Übelkeit führen kann. 

Wie entsteht eine Histaminintoleranz?

Wie eine Histaminintoleranz genau entsteht, ist noch nicht ganz geklärt. Sehr wahrscheinlich liegt eine Störung im Abbau des Histamins vor, die dazu führt, dass sich im Körper ein Überschuss an Histamin befindet. Die meisten Experten favorisieren den Erklärungsansatz, wonach zu viel Histamin aus dem Darm aufgenommen wird, entweder weil ein (genetisch bedingter) Mangel an Enzym DAO besteht oder weil die Aktivität des Enzyms vermindert ist. Eine solch blockierende Wirkung können zum Beispiel auch bestimmte Medikamente und Alkohol haben oder andere biogene Amine, die wie Tyramin, Phenylethylamin und Serotonin ebenfalls durch das Enzym DAO abgebaut werden.

Je nach Definition wird auch eine krankhafte Überproduktion von körpereigenem Histamin mit einer Histaminintoleranz in Zusammenhang gebracht. Derartige Störungen bei der Histaminfreisetzung können verschiedene Ursachen haben und zum Beispiel durch äußere Reize wie Lebensmittelzusatzstoffe, Schadstoffe in der Luft, aber auch durch starke körperliche Anstrengung oder extreme Kälte oder Wärme ausgelöst werden. Wie bei der enzymbedingten Störung im Histaminabbau wird auch in diesem Fall als wichtigste Therapiemaßnahme empfohlen, die Zufuhr von Histamin über die Ernährung möglichst zu vermeiden. 

Welche Krankheiten können hinter Histaminintoleranz stecken?

Zudem gibt es einige Krankheiten, die mit einer verminderten DAO-Aktivität einhergehen, zum Beispiel chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder ein Leaky Gut Syndrom.  

Symptome

Die Symptome einer Histaminunverträglichkeit sind vielfältig und zudem von Patient zu Patient unterschiedlich. Das macht es häufig schwierig, eine Histaminintoleranz zeitnah und eindeutig zu erkennen. Hinzu kommt, dass die Beschwerden zwar oft, aber nicht immer unmittelbar (innerhalb von einer Stunde) nach dem Verzehr von kritischen Nahrungsmitteln auftreten: Es kann sein, dass sich die Beschwerden erst Stunden später (jedoch nicht länger als 24 Stunden) zeigen. Zudem ist die Intensität der Symptome von der Menge des zugeführten Histamins abhängig, und diese kann sogar schon bei ein und demselben Lebensmittel schwanken. Besonders oft beobachtet werden folgende Symptome:

Haut: Hautrötungen und Hitzegefühl im Gesicht (Flush) und/oder am Oberkörper; Juckreiz, Nesselsucht  

Magen-Darm-Trakt: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Übelkeit / Erbrechen

Herz-Kreislauf-System: Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall   

Kopf: Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel

Atemwege: verstopfte oder laufende Nase, Atembeschwerden bis hin zu Atemnot 

Weiblicher Zyklus: Menstruationsbeschwerden, allen voran Schmerzen bei der Periode 

Allgemein: Müdigkeit, Schlafstörungen 

Im schlimmsten Fall kann es zu einer anaphylaktischen Reaktion und somit zu einem lebensbedrohlichen Zustand kommen. Deshalb sollte man den Verdacht auf eine Histaminintoleranz immer therapeutisch abklären lassen und auf Selbstversuche unbedingt verzichten.

Histaminintoleranz: Symptome Psyche

Seelische Anspannung wie Stress, Angst oder innere Unruhe können dazu führen, dass vermehrt Histamin (durch die Mastzellen im peripheren Nervensystem) freigesetzt werden. Inwieweit dieser Effekt tatsächlich in Verbindung mit einer Histaminintoleranz von Bedeutung ist, wird kontrovers diskutiert. Sicher ist jedoch, dass eine Histaminintoleranz eine psychische Belastung hervorrufen oder verstärken kann, was wiederum zur Folge haben kann, dass sich die Beschwerden weiter verschlimmern.

Test

Die Menge an Histamin im Stuhl beziehungsweise die Aktivität des Enzyms Diaminooxidase in Blut und Urin kann gemessen werden, um Hinweise auf eine bestehende Histaminintoleranz zu bekommen. In Kombination mit einer 14-tägigen Histamin-Auslassdiät (Eliminationsdiät) kann es sinnvoll sein, die Blut- und Urinwerte jeweils vor und nach der Histamin-Eliminationsdiät bestimmen zu lassen, um sie dann miteinander zu vergleichen. 

Der einfachste Test, um eine Histamintoleranz zu erkennen, ist die Stuhluntersuchung, die Sie bequem von zuhause aus durchführen können:

Stuhltest Histamin
Laborchemische Analyse von Histamin im Stuhl zur ersten Abklärung einer möglichen Histaminintoleranz

Aus Untersuchungen weiß man zudem, dass Menschen, die sensibel auf Histamin reagieren, eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora haben können. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass der Darm von Menschen, die Symptome einer Histaminintoleranz zeigen, anders besiedelt ist.

Eine veränderte Darmflora als Ursache für eine Histaminintoleranz können Sie einfach selbst testen:

Gesundheitscheck Darm Plus
Mikrobiologische Analyse der aeroben und anaeroben Leitkeime, Schimmelpilze, Hefen sowie die quantitative Untersuchung auf Verdauungsrückstände, α-1-Antitrypsin, Calprotectin, Gallensäuren, Pankreas Elastase, sekretorisches IgA, Zonulin

Die Testergebnisse können Sie mir nach Rücksprache per Email zur Auswertung in die Praxis schicken.

Ernährungsumstellung bei Histaminintoleranz

Letztlich kann jedoch einzig eine Ernährungsumstellung sicher Aufschluss geben, ob eine Histaminintoleranz vorliegt oder nicht. Hierfür schlägt die aktuelle Leitlinie eine Ernährungsumstellung über vier bis sechs Wochen unter therapeutischer Aufsicht vor:

  1. In den ersten 14 Tagen, der Karenzphase, sollte einer gemüsebetonten Mischkost der Vorzug gegebenen werden und gleichzeitig konsequent auf histaminhaltige Lebensmittel wie Alkohol, geräuchertes Fleisch, Thunfisch, Sardinen und Käse verzichtet werden.  
  2. Es folgt die Testphase, bei dem Speiseplan nach und nach histaminhaltige Nahrungsmittel zugefügt werden und die Reaktionen darauf im Vordergrund stehen.

Verbessern sich die Beschwerden während der Karenzphase deutlich, um sich in der Testphase dann wieder zu verschlechtern, ist der diagnostische Beweis erbracht, dass eine Histaminintoleranz vorliegt. Hilfreich ist, wenn Sie während der dieser Zeit ein Ernährungs- und Symptomtagebuch führen.

Behandlung

Die diagnostische Eliminationsdiät in Kombination mit einer genauen Auswertung der körperlichen Reaktionen ist zugleich richtungweisend für die Behandlung. Denn im Vordergrund der Therapie einer Histaminintoleranz steht eine Umstellung der Ernährung, bei der auf alle kritischen Lebensmittel möglichst verzichtet wird: auf Nahrungsmittel, die entweder selbst viel Histamin enthalten oder die im Körper eine Freisetzung von Histamin bewirken können. Gelingt es, die neuen Essgewohnheiten dauerhaft beizubehalten, stellt sich meist eine nachhaltige Besserung ein und der Körper erholt sich. Manchmal kommt es sogar vor, dass auf diese Weise plötzlich wieder eigentlich unverträgliche Lebensmittel vertragen werden. 

Wichtig ist, dass die Ernährungsumstellung individuell abgestimmt ist, denn die Verträglichkeit kann von Patient zu Patient doch recht unterschiedlich sein, sodass die allgemeinen Ernährungsvorschläge mitunter nur begrenzt weiterhelfen. Oft bietet es sich an, einen Ernährungsplan mithilfe eines Ernährungstherapeuten zu erstellen. 

Eine weitere Behandlungsmaßnahme ist, einen diagnostizierten Nährstoffmangel auszugleichen und – in Absprache mit Ihrem Therapeuten – auf die Einnahme von Medikamenten, die das Enzym DAO hemmen oder die als Histaminliberatoren wirken, zu verzichten. 

Sind die Beschwerden einer Histaminintoleranz sehr stark ausgeprägt, kann eine (kurzzeitige) Behandlung mit Antihistaminika (Histaminrezeptor-Typ-1-(H1-) und Histaminrezeptor-Typ-2-(H2-)Blocker) helfen, die Symptome rasch zu lindern.  

Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel bei Histaminintoleranz

Personen mit einer Histaminintoleranz, leiden oft auch unter einem Mangel an bestimmten Nährstoffen, etwa an einem Vitamin-B6– oder einem Vitamin-C-Mangel, die dann ihrerseits Symptome hervorrufen beziehungsweise bestehende Beschwerden verstärken können. Dann ist es wichtig, mithilfe von Nahrungsergänzungspräparaten die Defizite auszugleichen.

Kurmäßig können die empfohlenen Präparate kombiniert über 3-6 Monate eingenommen werden:

Vitamin B6 aktiviert P5P, 90 Kapseln (ausreichend für 3 Monate)
Täglich 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit zu einer Mahlzeit einnehmen. Vitamin B6 aktiviert P5P enthält hochdosiertes Pyridoxal-5-Phosphat (P5P), die Aktivform von Vitamin B6, und bietet somit eine hochwertige Quelle zur zusätzlichen Zufuhr dieses wichtigen Mikronährstoffes.

Ester-C Gold, 180 Kapseln (ausreichend für 6 Monate)
Täglich 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit zu einer Mahlzeit einnehmen. 

AH & Glutamin Formula, 60 Kapseln (2 Packungen für 4 Monate)
Täglich 1 Kapsel mit viel Flüssigkeit außerhalb der Mahlzeiten verzehren. Im Körper wird Histamin durch das Enzym DAO (Diaminoxidase) abgebaut. Für diesen enzymatischen Vorgang werden spezielle Mikronährstoffe als Co-Faktoren benötigt, insbesondere Vitamin B6, Kupfer und Zink. AH & Glutamin Formula enthält diese spezielle Nährstoffkombination und ergänzt sie außerdem durch die Aminosäure L-Glutamin und Vitamin C.

Sind die Beschwerden so stark, dass kurzfristig Enzyme eingesetzt werden müssen, empfiehlt sich die Einnahme von:

DaoZym, 60 Kapseln (2 Packungen für 3 Monate)
Unmittelbar vor einer Mahlzeit 1 Kapsel unzerkaut mit etwas Flüssigkeit einnehmen. Bis zu 3 Kapseln täglich. Im Körper ist das körpereigene Enzym Diaminoxidase, kurz DAO, verantwortlich für den Abbau des Histamins. Das hier enthaltene Enzym Diaminoxidase (DAO) entspricht dem körpereigenen Enzym, das Nahrungshistamin abbaut.

Medikamente

Verschiedene Medikamente hemmen entweder das DAO-Enzym oder sie wirken als Histaminliberatoren (d.h. sie setzen als unerwünschte Neben­wirkung körper­eigenes Histamin frei) – in beiden Fällen dürfen sie bei einer Histaminintoleranz nicht eingenommen werden.

Welche Medikamente meiden bei Histaminintoleranz?

Beispiele sind etwa bestimmte Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen (Propafenon), bronchienerweiternde Wirkstoffe wie Aminophyllin oder Beta-Sympathomimetika, die vor allem bei Asthma bronchiale zum Einsatz kommen, aber auch schleimlösende Arzneien wie Acetylcystein und Ambroxol oder entzündungshemmende beziehungsweise schmerzstillende Medikamente mit den Substanzen Metamizol, Mefenaminsäure, Diclofenac, Indometacin, Flurbiprofen und Acetylsalicylsäure. Problematisch sind zudem bestimmte Mittel geben Übelkeit (Metoclopramid) und Röntgenkontrastmittel (vor allem Iopamidol, Amidotrizoesäure und Iopodat). 

Liste unverträglicher Medikamenten­wirk­stof­fe bei Histaminintoleranz.

Wichtig ist deshalb, jeden Arzt oder Therapeuten darüber zu informieren, dass Sie unter einer Histaminintoleranz leiden – auch, um gegebenenfalls medikamentöse Alternativen zu besprechen.

Welche Kopfschmerztabletten bei Histaminintoleranz?

Die schmerzlindernden Wirkstoffe Ibuprofen und Paracetamol, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind, sind im Allgemeinen bei einer Histaminintoleranz gut verträglich. Besprechen Sie sich im Zweifelsfall mit Ihrem Therapeuten, welche Arznei zur Linderung Ihrer Kopfschmerzen unbedenklich ist.

Ist Histaminintoleranz heilbar?

Vielen meiner Patienten konnte ich mit einer individuell abgestimmten homöopathischen Konstitutionstherapie zu einer vollständigen Beschwerdefreiheit verhelfen.

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Lebensmittel & Ernährung bei Histaminintoleranz

Wichtigste Therapiemaßnahme für Personen mit einer Histamintoleranz ist eine Umstellung der Essgewohnheiten hin zu einer histaminarmen Ernährung. Idealerweise verschwinden die Beschwerden vollständig oder bessern sich zumindest so, dass der Betroffene wieder ein großes Stück Lebensqualität zurückerhält. Auch wenn derzeit umstritten ist, ob die einzelnen Anteile an Histamin in einem Lebensmittel tatsächlich genau ermittelt werden können – fest steht, dass Histamin weder durch Kochen noch durch Einfrieren zerstört werden kann. Enthält ein Lebensmittel (viel) Histamin, lässt sich der Gehalt also nicht reduzieren und sollte daher auch nicht verzehrt werden. 

Was erhöht Histamingehalt von Lebensmitteln?

Richtig ist jedoch auch, dass der Histamingehalt von Nahrungsmitteln von äußeren Faktoren beeinflusst wird und damit starken Schwankungen unterliegen kann – auch bei gleicher Sortenwahl. Dazu gehören:

  • Reifungsgrad bei Obst: Voll reife Obstsorten enthalten besonders viel Histamin.
  • Grad der Verderblichkeit und die Dauer der Lagerung eines Lebensmittels: Handelt es sich um ein rasch verderbliches Lebensmittel, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es viel Histamin enthält, größer als bei einem weniger leicht verderblichen Lebensmittel. So ist zum Beispiel eine durch verdorbenen Fisch hervorgerufene Vergiftung in den meisten Fälle Folge eines extrem hohen Gehalts an Histamin. Aber auch wenn ein Lebensmittel nicht so rasch verderblich ist, erhöht sich der Anteil an Histamin mit der Dauer der Lagerung. Deshalb sollten Sie längere Lagerungszeiten grundsätzlich vermeiden und leicht verderbliche Lebensmittel möglichst am gleichen Tag frisch kaufen, zubereiten und verzehren. Ebenso sollten Sie darauf verzichten, Fleisch- und Fischgerichte noch einmal zu erwärmen.  
  • Art der Verarbeitung: Nahrungsmittel, die mikrobielle Reifungsprozesse wie Gärung und Fermentation durchlaufen haben, enthalten im Allgemeinen mehr Histamin. Dies ist der Grund, weshalb Menschen mit einer Histaminintoleranz unter anderem lange gereifte Käsesorten, Salami, vergorene Fruchtsäfte, Sauerkraut, Sojasauce, aber auch Getränke wie Weißbier, Wein oder Sekt meiden sollten. Gleiches gilt für eingelegte oder geräucherte Lebensmittel. 
  • Gehalt an künstlichen Zusatzstoffen: Fertiggerichte, Konserven und Tiefkühlkost enthalten Zusatzstoffe wie Glutamat, Benzoate, Farbstoffe, Sulfite oder auch Nitrite, die im Körper die Histaminproduktion ankurbeln und deshalb, wenn möglich, gemieden werden sollten. Geben Sie grundsätzlich frischen Lebensmitteln und frisch zubereiteten Speisen den Vorzug – und kochen Sie am besten selbst.

Welche Nahrungsmittel blockieren das histaminabbauende Enzym DAO?

Bei der Ernährungsumstellung ist es wichtig, nicht nur die Lebensmittel zu meiden, die einen hohen Histamingehalt haben, sondern möglichst auch auf die Nahrungsmittel zu verzichten, die die Ausschüttung von Histamin im Körper begünstigen – also zu den Histaminliberatoren gehören – oder die das histaminabbauende Enzym DAO blockieren und so für eine erhöhte Histaminbelastung im Körper sorgen. 

  • Histaminliberatoren: Glutamat, Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Tomaten, Meeresfrüchte und Alkohol u.a..
  • Andere biogene Amine wie Tyramin, Phenylethylamin und Serotonin werden – wie Histamin – durch das Enzym DAO abgebaut. Werden sie dem Körper in zu großen Mengen zugeführt, kann es passieren, dass sich die Kapazität des Enzyms erschöpft und es deshalb für den Abbau von Histamin nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung steht. Lebensmittel, die einen hohen Gehalt an diesen biogenen Aminen haben, sind zum Beispiel Bananen, Ananas, Papaya, Cashewnüsse, Walnüsse, Kakao beziehungsweise Schokolade – sie sollten deshalb gemieden werden.

Welches Obst bei Histaminintoleranz?

Zu den histaminarmen Obstsorten gehören neben Äpfeln, Birnen und Steinobstarten wie Aprikosen, Pfirsichen, Mango und Kirschen auch Beeren, allen voran Heidelbeeren, Preiselbeeren und rote beziehungsweise schwarze Johannisbeeren. Auch der Verzehr von Weintrauben, Litschi, Rhabarber und allen Melonensorten ist unbedenklich. Wichtig ist aber auch bei diesem Obst, dass es frisch und nicht überreif ist.

Welche Süßigkeiten bei Histaminintoleranz?

Auch wenn man unter einer Histaminintoleranz leidet, muss man nicht vollständig auf den Verzehr von Süßigkeiten verzichten. Im Allgemeinen gut vertragen werden Fruchtbonbons, Fruchtgummi, Popcorn, Apfel- oder Kokoschips – vorausgesetzt, sie enthalten keine künstlichen Zusatzstoffe. Auch gegen ein Stück Kuchen spricht erst einmal nichts, vorsichtshalber es jedoch besser ohne Hefe und Backpulver zubereitet sein.

Eine wichtige Einschränkung gibt es: Da Kakao beziehungsweise Schokolade Stoffe (Theobromin!) enthalten, die das DAO-Enzym blockieren, gehören sie zu den Lebensmittels, die gemieden werden sollten. Ein Kompromiss könnten kleine Mengen von Süßigkeiten mit einem geringen Kakaogehalt sein, zum Beispiel weiße Schokolade anstelle von Zartbitterschokolade – aber nur dann, wenn nach dem Verzehr Symptome ausbleiben. Unbedenklich ist Schokolade aus Carob: Das geröstete, pulverisierte Fruchtmark der Carob-Früchte, die am Johannisbrotbaum wachsen, ist nicht nur histaminarm, sondern nicht zuletzt wegen seines hohen Ballaststoffanteils auch eine ausgesprochen gesunde Alternative zur kakaohaltigen Schokolade.

Welches Brot bei Histaminintoleranz?

Wer unter einer Histaminintoleranz leidet, muss nicht grundsätzlich auf den Genuss von Brot und Backwaren verzichten. Im Gegenteil: Getreidesorten wie Dinkel, Gerste, Roggen, Hafer oder Hirse gehören zu den histaminarmen Nahrungsmitteln. Dennoch zeigt sich gerade bei dem Verzehr von Brot, wie unterschiedlich die Verträglichkeit sein kann. Dies gilt vor allem für Brot, das Backpulver, Hefe oder Weizen enthält: Manche vertragen es, andere nicht. Ein Grund könnte sein, dass neben den eigentlichen Inhaltsstoffen auch Faktoren wie die Art der Zubereitung oder die Lagerung einen Einfluss auf den Histamingehalt eines Lebensmittels haben.

So dürfte etwa weniger die Hefe selbst (die in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie sogar als histaminfrei bezeichnet wird) als vor allem der durch sie in Gang gesetzte Gärvorgang zum Aufgehen des Teigs Einfluss auf den Histamingehalt des Brots nehmen – und so bei manchen histaminempfindlichen Menschen Beschwerden verursachen; gleiches gilt für Brote aus Sauerteig. Es macht aber nur dann Sinn, auf Hefe- oder Sauerteigprodukte zu verzichten, wenn sie tatsächlich nicht gut vertragen werden.    

Vorsicht geboten ist bei abgepacktem Brot aus dem Supermarkt oder Backwaren, die aus Backmischungen hergestellt werden, sie können Zusatzstoffe enthalten, die für Menschen mit einer Histaminunverträglichkeit ungünstig sind. Wer keinen Bäcker in seiner Nähe hat, der seine Backwaren auf traditionelle Weise zubereitet, für den bietet es sich als Alternative an, selbst Brot zu backen.  

Welche Nüsse bei Histaminintoleranz?

Es gibt einige Nüsse, die auch für Menschen mit einer Histaminunverträglichkeit gut verträglich sind. Dazu gehören Paranüsse, Macadamia und Pistazien. Mandeln sind ebenfalls unbedenklich. Bei Haselnüssen scheiden sich die Geister: Da sie körpereigenes Histamin freisetzen können, wird oft empfohlen, darauf zu verzichten. Andere Betroffene geben jedoch an, dass sie Haselnüsse in kleine Mengen gut vertragen.  

Was trinken bei Histaminintoleranz?

Im Gegensatz zur festen Kost verweilen Getränke nur kurz im Magen: Schon nach 30 bis 60 Minuten gelangt die Flüssigkeit nach dem Trinken in den Dünndarm. Deshalb zeigen sich erste Darmreaktionen wie Bauchschmerzen und Durchfall auf histaminreiche Getränke oft schneller – und mitunter auch heftiger – als auf histaminreiche feste Nahrung. Umso wichtiger ist es, bei der Auswahl der Getränke besondere Vorsicht walten zu lassen. Gut verträgliche Getränke sind zum Beispiel Kaffee (oft wird Espresso besser vertragen als Filterkaffee), Lupinenkaffee als koffeinfreie Alternative und Kräutertee. Sofern sie nicht aus histaminreichen Lebensmitteln hergestellt wurden, werden auch mit Wasser verdünnte Sirupe im Allgemeinen gut vertragen. Ansonsten sollten Menschen mit einer Histaminintoleranz regelmäßig Wasser trinken. Ob stillem Wasser, Leitungswasser oder Mineralwasser der Vorzug gegeben wird, hängt vor allem davon ab, was individuell gut vertragen wird. Ideal ist, wenn das Wasser Magnesium enthält, aber arm an Nitrat, Nitrit und Sulfat (Sulfit) ist

Welcher Tee bei Histaminintoleranz?

Im Allgemeinen gut vertragen werden verschiedene Früchtetees (zum Beispiel Apfeltee) und vor allem Kräutertees wie Teezubereitungen aus Kamille, Pfefferminz, Fenchel oder Bischofskraut, Baikal-Helmkraut oder Zistrose. Wichtig ist, dass der Tee keine Aromazusätze und keine histaminhaltigen Stoffe enthält. Inzwischen gibt es auch spezielle histaminarme Tees aus biologischem Anbau zu kaufen. Von schwarzem oder grünen Tee ist eher abzuraten.

Histaminintoleranz Lebensmittel Liste: was essen / was nicht

Im Folgenden wird unterschieden zwischen:

-ja- Histaminarme Lebensmittel (geeignet)     

-nein- Histaminreiche Lebensmittel (ungeeignet)

  ja nein
Fleisch, Fleischwaren / Geflügel / Fisch frisches oder tiefgefrorenes Fleisch und Geflügel, Fischsorten wie Dorsch, Seelachs, Scholle, Kabeljau, Rotbarsch und Schellfisch Koch- und Brühwürste  Geräuchertes, gepökeltes, mariniertes, getrocknetes, verdorbenes, schlecht gelagertes Fleisch und Geflügel, Leber und Fleischextrakte Hering, Sardellen, Thunfisch, Makrele, Fischkonserven, Schalentiere und Muscheln Rohwürste (Salami, Cervelatwurst, Mettwurst) roher Schinken
Milch- und Milchprodukte / Käse Frische Milch, Joghurt, Buttermilch, Kefir, Sahne, Butter, Frischkäse, Quark, Butterkäse und junger Gouda  Lang gereifter Käse wie Emmentaler, Parmesan, Camembert, Brie, Tilsiter, Edamer, Chester, Cheddar, Harzer, Schmelzkäse, Schimmelkäse 
Obst Melone, Heidelbeeren, Preiselbeeren, Litschi, Mango, Rhabarber, Kirschen, Johannisbeeren, Äpfel, Aprikosen, Nektarinen, Pfirsiche und Birnen  Überreifes Obst, Zitrusfrüchte, Ananas, Bananen, Kiwi, Himbeeren, Erdbeeren, Papaya, Obstkonserven, Nüsse 
Gemüse Kartoffeln, Grüner Salat, Kohl, rote Bete, Kürbis, Zwiebeln, Radieschen, Rettich, Paprika, Karotten, Brokkoli, Gurke, Lauch, Zucchini, Mais, Spargel, Knoblauch, frische Kräuter  Tomaten, Spinat, Sauerkraut, Gemüsekonserven, eingelegtes Gemüse (Rote Bete, Gurken, Zwiebeln), Soja, Keime und Sprossen 
Getreide und Getreideprodukte Brot, Backwaren, Getreideflocken, Reis, Nudeln, Dinkel, Weizen, Gerste, Hirse Backwaren mit Zusatzstoffen, Fertigbackmischungen, Weizenkeime
Süßwaren Fruchtbonbons, Fruchtgummi, Kaugummi, Popcorn, Apfel- oder Kokoschips, Honig, Konfitüre  Schokolade, Nougat, Marzipan, Marmelade, Erdnusscreme 
Getränke Kaffee, (Kräuter-/Früchte-)Tee, Wasser, Obstsäfte (außer mit Zitrusfrüchten) Schwarzer Tee, grüner Tee, Brennnesseltee, Hagebuttentee, Tomatensaft, Obstsäfte aus Zitrusfrüchten, Energiedrinks  
Alkohol Weißwein, helles (untergäriges) Bier wie Pils und Kölsch, klare Schnäpse (obergäriges) Weißbier, Rotwein, Liköre, klare Kräuterschnäpse, Sekt, Champagner 
Sonstige Lebensmittel Butter, Margarine, Öle, Gewürze, Apfelessig und Essigessenz  Algen-Erzeugnisse, Hefeextrakte, Glutamat, Rotweinessig, Sojaprodukte wie Tofu, Sojasoße etc.
(Quelle: Institut für Ernährungsmedizin Klinikum rechts der Isar, TU München Uptown München Campus D)

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Erstellungsdatum:

28.06.2021

Autoren:

Markus Breitenberger, Heilpraktiker in eigener Praxis mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der Behandlung von Histaminintoleranz.

Dr. Nicole Schaenzler, Philologin und Medizinjournalistin. Herausgeberin eines Gesundheitsmagazins und Fachautorin zahlreicher Bücher zu medizinischen Themen.

Quellen:

S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) und der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI), Allergo J Int 2017; 26: 72–9

Institut für Ernährungsmedizin Klinikum rechts der Isar, TU München Uptown München Campus D

Microbial patterns in patients with histamine intolerance; J Physiol Pharmacol. 2018 Aug;69(4). doi: 10.26402/jpp.2018.4.09. Epub 2018 Dec 9.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung