Markus Breitenberger
Heilpraktiker in München

Leaky Gut Syndrom / Durchlässiger Darm: Symptome & Behandlung in München

Wenn die Schutzbarriere der Darmwand nicht intakt ist, was als Leaky-Gut-Syndrom bezeichnet wird, gelangen unverdaute Nahrungsbestandteile, Bakterien, Toxine und Stoffwechselprodukte durch die geschädigte Darmschleimhaut in den Blutkreislauf. Sie rufen hier Entzündungen hervor, die mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern einhergehen können. In jüngster Zeit werden viele chronische Erkrankungen, darunter auch einige Autoimmunerkrankungen, wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED), Multiple Sklerose, Typ-I-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis, mit einer Störung der Schutzbarriere der Darmwand in Verbindung gebracht.

Die Darmwand, die aufgefaltet eine Fläche von 300-500 Quadratmetern umfasst, das entspricht der gesamten Größe eines Fußballfeldes, und mit Abstand unsere größte Kontaktfläche zur Außenwelt bildet, muss eine schwierige Doppelfunktion erfüllen: Einerseits muss sie so durchlässig sein, dass Nährstoffe und Flüssigkeit aus dem Darminneren aufgenommen werden können, andererseits aber auch über einen Schutzmechanismus verfügen, der schädliche Substanzen und Krankheitserreger zurückhält.

Immunsystem Darm

Für die Schutzfunktion im Darm sorgen verschiedene Strukturen und Zellen. Ebenso, wie es mit der äußeren Haut eine Schutzschicht vor Umwelteinflüssen gibt, existiert auch in unserem Inneren eine Schleimhaut, die den neun Meter langen Verdauungstrakt vom Mund bis zum After auskleidet und schützt. Diese Schleimhaut ist besiedelt mit einer Darmflora aus unterschiedlichsten Bakterienstämmen.

Im Dickdarm siedeln zum Beispiel 300-400 verschiedene Bakterienarten, die insgesamt etwa 100 Milliarden Bakterien bilden. Das sind rund zehn Mal so viele Mikroorganismen wie der menschliche Organismus Zellen enthält. Zusammen haben sie die Aufgabe, schädliche Bakterien und andere unnatürlichen Stoffe zu erkennen und unschädlich zu machen und zugleich viele verschiedene B-Vitamine, Vitamin K sowie Folsäure herzustellen.

Die Darmflora ist ein dynamisches bakterielles Ökosystem, das sich im noch sterilen Säuglingsdarm schon nach 24 Stunden durch einen ersten Kontakt mit der mütterlichen Vaginal- und Darmflora bei natürlich entbundenen Kindern zu entwickeln beginnt. Als dritte Abwehrbarriere neben den Darmbakterien und der Schleimhaut wirkt das darmeigene Immunsystem, das sich in der Submucosa, also unter der Darmschleimhaut befindet und als größtes Immunorgan des Menschen 80% des aktiven Immunsystems bildet.

Die Stärke des menschlichen Immunsystems hängt damit ganz entscheidend von einer intakten Situation innerhalb des Darms ab. Damit wird verständlich, dass eine Vielzahl von Krankheiten außerhalb des Darms mit einer gestörten Darmfunktion ursächlich verbunden sein können. In diesem Zusammenhang wird seit ein paar Jahren vermehrt über die Bedeutung des Leaky-Gut-Syndroms und dessen Rolle bei chronischen Krankheiten und Autoimmunerkrankungen diskutiert.

Undichter Darm

„Leaky Gut“ ist eine Bezeichnung aus dem Englischen, die übersetzt so viel wie „undichter Darm“ bedeutet. Im gesunden Darm bilden die Zellen der Darmwand einen dichten Zellverband. Die Verbindungsstellen der einzelnen Zellen werden von sogenannten Schlussleisten (engl. tight junctions) abgedichtet. Werden diese tight junctions leck, entsteht das Leaky-Gut-Syndrom. Es gibt zwei Entstehungsfaktoren, die dabei im wesentlichen diskutiert werden:

Moderner Lebensstil zerstört das Immunsystem im Darm

Zum einen kommt es durch unseren modernen Lebensstil mit viel Stress, industriell veränderten Nahrungsmitteln und zahlreichen Umweltgiften häufig zu einem Ungleichgewicht in diesem labilen Ökosystem der Darmbakterien. Dabei ist eine Zunahme von fäulnis- und gärungsbildenden auf Kosten der säuerungsbildenden Bakterienbesiedelung zu beobachten. Durch die entstehenden Gärungsprozesse bilden sich Fuselalkohole. Diese wirken dann als Lösungsmittel schädigend auf die tight junctions zwischen den Schleimhautzellen des Darms und machen die Darmwand löchrig und durchlässig.

Gluten, Laktose und Leaky-Gut-Syndrom

Zum anderen handelt es sich dabei vermutlich um eine allergische Reaktion vom Allergie-Typ-III. Gegen Gluten, Laktose oder andere Nahrungsmittel-Antigene werden dabei Antikörper gebildet. Zusammen bilden die Antigene und Antikörper Immunkomplexe, die sich an die Darmwand anheften und dieses Gewebe schädigen durch die Entzündung, die als Zeichen der Immunreaktion entsteht.

Die dadurch erhöhte Durchlässigkeit des Darms kann dazu führen, dass Bakterien und deren Giftstoffen, sowie unverdaute Nahrungsbestandteile durch die Darmwand ins Blut eindringen. Diese Stoffe aktivieren das Immunsystem des Darmes und lösen so eine Entzündungsreaktion aus. Immunzellen setzen dann Botenstoffe frei, die die Durchlässigkeit der tight junctions weiter erhöhen und die Entzündung weiter fortsetzen – ein Teufelskreis entsteht.

Autoimmunerkrankungen und Leaky-Gut-Syndrom

Ein weiteres Problem kann entstehen, wenn die im Darm gebildeten Immunkomplexe aus Antigenen und Antikörpern in den Blutkreislauf  gelangen und sich an ein entferntes Gewebe, beispielsweise die Schilddrüse anlagern. Damit hätte sich der Entzündungsprozess als Folge der ursprünglichen Immunreaktion im Darm auf ein entferntes Gewebe, in diesem Beispiel die Schilddrüse verlagert und es entsteht quasi ein Kollateralschaden, der dann Hashimoto-Thyreoiditis genannt wird. Das ist bisher jedoch nur eine Hypothese, die als eine Entstehungsursache unter vielen möglichen Ursachen von Autoimmunreaktionen weiter untersucht werden muss – und keineswegs vernachlässigt werden darf.

Auslöser

Mittlerweile kennt man einige gesicherte Auslöser, die zu einer Verminderung der Abwehrbarriere im Darm und damit zu einer Schwäche (Infektanfälligkeit), Fehlregulierung (Autoimmunerkrankung) oder Überreaktion (Allergie) des Immunsystems führen können.

Dysbiose der Darmflora (bakterielle Fehlbesiedelung) durch

  1. Kaiserschnitt-Geburten
    Inzwischen ist bekannt, dass nicht erst das neugeborene Baby bei der Geburt eine Erstausstattung von Darmbakterien durch das vaginale Milieu der Mutter bekommt, sondern das Immunsystem des ungeborenen Kindes schon im Mutterleib Signale von der Bakterienflora des Darmes der Mutter erhält.
  2. Stress
  3. Medikamente: Antibiotika (auch aus der Massentierhaltung), Chemotherapeutika, Antiphlogistika
  4. Fehlernährung

Vor allem ein Überangebot von Zucker und Kohlenhydraten, insbesondere durch Weizenprodukte, wirkt sich dabei schädlich aus. Getreide sind die Samen von Gräsern. Keine Pflanze gibt freiwillig ihr reproduktives Material her, da sie sonst aussterben würde. Daher haben Pflanzen im Zuge der Evolution sogenannte Antinährstoffe gebildet, die z.B. im Samen von Getreide und Hülsenfrüchten vorkommen. Biologisch ist dies sinnvoll, denn es bietet Schutz vor dem Verzehr durch Tiere – und seit der neolithischen Revolution vor 12.000 Jahren auch durch den Menschen, der zu dieser Zeit begann, vom Jäger und Sammler zum Ackerbauer zu werden.

Zu den Antinährstoffen gehören Lektine, darunter Gluten als spezielles Lektin und Weizenkeimagglutinin. Weizen und andere glutenhaltige Getreide werden von vielen Menschen nicht gut vertragen. Für die schlechte Verträglichkeit ist das Gliadin, ein Teil des Glutens, verantwortlich. Mit einem gewissen Maß an diesen Antinährstoffen kann der menschliche Organismus noch umgehen. Der übermäßige Verzehr der Hauptquellen dieser antinutritiven Substanzen, allen voran Weizen, sollte jedoch vermieden werden oder entschärft werden, indem man Hülsenfrüchte und Getreide einweicht, ankeimt oder fermentiert.

Entzündungen der Darmschleimhaut durch:

  1. chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  2. Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten
  3. Giftstoffe: Nikotin, Alkohol, Schwermetalle, Umweltschadstoffe u.a.
  4. Zöliakie
  5. Laktoseintoleranz
  6. Nahrungsmittel-Allergien

Folgen

Aktuelle wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass das Leaky-Gut-Syndrom eine sehr wichtige Rolle in der Entstehung von Krankheiten innerhalb und außerhalb des Darms spielt. Hierzu gehören:

  • Autoimmunkrankheiten, z.B. Typ-I-Diabetes, Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Lupus erythematodes und Hashimoto-Thyreoiditis
  • Allergien
  • Reizdarmsyndrom
  • Fettsucht und metabolisches Syndrom mit Insulinresistenz; während in der Darmflora von schlanken Personen Bakterienarten wie Bacteroidetes (Bacteroides, Prevotella u.a.) überwiegen, verschiebt sich die Flora bei Adipösen in Richtung Firmicutes (Clostridien, Lactobazillen u.a.m.). Firmicutes können für den Menschen unverdauliche Kohlenhydrate, z.B. Zellulose, in resorbierbare Moleküle, z.B. Glucose, aufspalten. Die Folge: Adipöse nehmen aus derselben Nahrung bis zu 10 Prozent mehr Energie auf als schlanke Personen. Es gibt einen Test, um dies herauszufinden.
  • Fettleber-Hepatitis (nicht-alkoholische Steatohepatitis NASH)
  • IgA-Nephropathie (chronische Erkrankung der Nierenkörperchen)

Symptome

  • Müdigkeit, Leistungsabfall und Energieverlust
  • Depressive Verstimmungen
  • Chronische Magen-Darm-Beschwerden: Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Bauchkrämpfe, Völlegefühl, Reflux und chronische Magenschleimhautentzündung
  • Entwicklung von Mangelerscheinungen durch verschlechterte Nährstoffaufnahme oder erhöhte Nährstoffverluste
  • Fehlregulationen des Immunsystems: Infektanfälligkeit, Candidose, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Autoimmunkrankheiten

Diagnose

Menschen mit Autoimmunerkrankungen, Allergien und Infektanfälligkeiten, die zugleich an Magen-Darm-Symptomen leiden, empfehle ich unbedingt die Schutzfunktion der Darmschleimhaut zu überprüfen, die ursächlich an den chronischen Beschwerden beteiligt sein kann. Um eine Barrierestörung im Darm zu diagnostizieren, wird als erstes eine Stuhlprobe an ein spezialisiertes Labor geschickt, um folgende Parameter zu kontrollieren:

  1. Darmflora (Dysbakterie?)
  2. Sekretorisches IgA (häufig ein Mangel!)
    Gibt einen ersten Überblick über die Funktion des darmassoziierten Immunsystems (GALT), dessen Aufgabe es ist das Eindringen und Ansiedeln von potentiell gefährlichen Bakterien, Viren oder Pilzen zu verhindern und unverträgliche Nahrungsbestandteile und Giftstoffe zu neutralisieren.Leider übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen diese Kosten von ca. 50 Euro noch nicht.
  3. Darüber hinaus ist ein erhöhter Zonulin-Spiegel in der Blutuntersuchung (Kosten ca. 50 Euro) ein wertvoller Marker für eine erhöhte Durchlässigkeit des Darmes geworden, wenn die Stuhlprobe noch keine eindeutigen Hinweise gibt. Er leistet sowohl bei der Diagnose als auch im Therapieverlauf des Leaky-Gut-Syndroms und damit assoziierter Erkrankungen gute Dienste.

Therapie

Um wieder eine intakte Barrierefunktion im Darm herzustellen, empfiehlt es sich vorerst, mit einer Eliminationsdiät auf unverträgliche Nahrungsmittel zu verzichten, bis die vorherrschenden Symptome abgeklungen sind. Dabei ist vor allem auf Unverträglichkeiten zu achten, die bisher noch nicht bemerkt wurden – meist auf Milchprodukte und Weizenprodukte. Heilfasten hat oft initial eine sehr gute Wirkung.

Verabreichung von L-Glutamin, Kurkuma und Papaya-Extrakt zur Abdichtung und Regeneration der Darmschleimhaut hat sich in der Therapie sehr bewährt. Danach wird mit Probiotika behandelt. Dabei sollte ein Präparat gewählt werden, das den Mangel an exakt diesen Bifidobakterien und Laktobazillen ausgleicht, der in der Darmfloraanalyse festgestellt wurde.

Die homöopathische Konstitutionsbehandlung rundet das Therapiekonzept sinnvoll ab, indem damit regulierend auf das Immunsystem eingewirkt werden kann. In meiner Praxis für Homöopathie und Psychotherapie in München berate und behandle ich Sie in Kooperation mit einem spezialisierten Labor gerne dazu.