Markus Breitenberger
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Synonym: chronische Autoimmunthyreoiditis (AIT), Morbus Hashimoto, Struma lymphomatosa
Hashimoto
1. Was ist das für eine Erkrankung?
Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, die zu einer meist schmerzlosen, chronischen Entzündung der Schilddrüse führt. Die Erkrankung verläuft in Schüben. Unbehandelt ist dieser Verlauf lebenslang und laut Schulmedizin unheilbar. Ursache der Erkrankung ist ein fehlgeleiteter Prozess im Immunsystem. In der Folge kommt es zu einer Verkleinerung (Zerstörung der Drüsenzellen), oder seltener zu einer Vergrößerung (Ersatz der Drüsenzellen durch Bindegewebe) der Schilddrüse. In beiden Fällen schwinden hormonproduzierende Zellen und es kommt zu einer Unterfunktion der Schilddrüse mit zahlreichen negativen Folgen für den Organismus.
2. Vorkommen und Häufigkeit
Eine Erkrankung mit fremdartigen Namen, benannt nach dem japanischen Arzt Dr. H. Hashimoto, der sie 1912 zum ersten Mal beschrieben hat. Entgegen dem exotischen Namen ist sie die häufigste Ursache für eine chronische Entzündung und primäre Unterfunktion der Schilddrüse.
In der größten bevölkerungsbasierten Verlaufsstudie zu dieser Erkrankung, der Wickham-Studie, konnte Folgendes gezeigt werden:
Betroffen sind insbesondere Frauen im 3. – 6. Lebensjahrzehnt, davon 8% aller Frauen vor und 16% aller Frauen nach der Menopause. Insgesamt leiden Frauen an einer AIT etwa 10mal häufiger als Männer.
Es besteht eine familiäre Veranlagung zu Hashimoto-Thyreoiditis.
Kinder von Eltern mit AIT haben eine Wahrscheinlichkeit von 25%, dass sie auch eine AIT entwickeln.
3. Begleiterkrankungen
Gehäuft tritt eine Hashimoto-Thyreoiditis gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen als polyglanduläres Autoimmunsyndrom Typ II/III auf, wie: perniziöse Anämie (45%), rheumatoide Arthritis (25%), atrophische Gastritis, Morbus Addison, Alopezie u.a..
4. Auslöser
In der naturwissenschaftlichen Medizin gelten als gesicherte Faktoren, die zu einem Entstehen einer Hashimoto-Thyreoiditis führen:
Aus meiner Erfahrung treten einige Faktoren gehäuft vor Ausbruch einer Autoimmunerkrankung
auf:
5. Diagnostik
Die Diagnose erfolgt meist als Zufallsdiagnose in frühen Krankheitsstadien oder bei fortgeschrittener Erkrankung durch gezielte Untersuchung, weil Symptome der Schilddrüsenunterfunktion (Kälteintoleranz, Abgeschlagenheit, langsamer Puls, leichte Gewichtszunahme, trockene Haut etc.) oder einer initialen Schilddrüsenüberfunktion (Wärmeintoleranz, Unruhe etc.) Anlaß dazu gegeben haben.
Sonographie:
Eine echoarme Schilddrüse, die entweder diffus vergrößert / verkleinert / mit vielen kleinen
Infiltraten versehen ist, ist mit einer Sensitivität von 95% beweisend für das Vorliegen einer
Hashimoto-Thyreoiditis (auch ohne den Nachweis von Auto-Antikörpern).
Blutuntersuchung:
Die Schilddrüsen-Szintigraphie ist, außer in Fällen mit sonographisch nachweisbaren Knoten,
nicht weiter diagnostisch hilfreich.
Die Feinnadel-Punktion ist beweisend für den Nachweis einer lymphozytären Thyreoiditis.
Seit der Anwendung hochauflösender Sonographien ist sie aber nicht notwendig.
6. Welche anderen Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden?
Struma maligna
Post-partum-Thyreoiditis (PPT)
Eine PPT entwickelt sich bei ca. 4% der Frauen, typischerweise 4 – 6 Monate
nach der Entbindung, als vorübergehende Schilddrüsenfunktionsstörung. Sie tritt
auch ohne Anstieg von Auto-Antikörpern auf. Häufiger Beginn mit einer
Schilddrüsen-Überfunktion, die in die Unterfunktion übergeht. Eine Normalisierung
wird nach ca. einem Jahr beobachtet. Oft wird die PPT der Hashimoto-Thyreoiditis
gleichgesetzt und dadurch unnötig und meist lebenslang behandelt.
Zwei Ursachen werden diskutiert:
a) In der Schwangerschaft, der Stillzeit und bei hormoneller Verhütung nehmen
Östrogene zu, die einen Anstieg von TBG (Thyroxin-bindendes-Globulin) zur
Folge haben. Dadurch wird die Wirkung von Thyroxin (Schilddrüsenhormon)
vermindert.
b) Die PPT entsteht als sogenanntes ‚Reboundphänomen’ nach Immunsuppression
in der Schwangerschaft.
Morbus Basedow
Häufiger geht eine autoimmune Überfunktion in eine Unterfunktion der Schilddrüse
über (selten umgekehrt).
7. Symptome
Anfangs können Symptome einer leichten Überfunktion (Wärmeintoleranz, Nervosität,
Schweißneigung etc.) auftreten. Die sich dann einstellende Schilddrüsen-Unterfunktion tritt
häufig mit kaum beeinträchtigten Allgemeinbefinden auf. Kennzeichnendstes Symptom ist die
Kälteintoleranz. Mögliche andere Symptome sind z.B.: Müdigkeit, Gewichtszunahme,
Verstopfung, Libidoverlust, Haarausfall.
Bei subklinischer Unterfunktion werden klimakterische Beschwerden verschleiert; Symptome
treten dann nach Thyroxin-Substitution auf und werden häufig als Symptome einer Schilddrüsen-Überfunktion fehlgedeutet.
8. Therapie schulmedizinisch
Da hier keine kausale Therapie möglich ist, werden nur die Symptome behandelt. Es herrscht
Einigkeit, dass bei manifester Schilddrüsenunterfunktion, d.h. erhöhtem bTSH und erniedrigtem
fT4, eine Hormon-Substitution mit L-Thyroxin selbstverständlich ist.
Viel häufiger ist aber die subklinische Unterfunktion mit erhöhtem bTSH und normalen fT4
und fT3. Hier herrscht große Uneinigkeit bei Ärzten und Verwirrung bei Patienten, ab welchem
bTSH-Wert eine Hormonbehandlung erfolgen sollte. Nach meiner Erfahrung kann diese
Entscheidung nur unter Berücksichtigung der individuellen Situation der Patientin / des
Patienten getroffen werden. Verschiedene Faktoren müssen beachtet werden:
Wenn Hormone gegeben werden, müssen diese einschleichend mit 25 Mikrogramm (μg)
begonnen werden. Steigerung alle 2 Wochen um 25 μg bis auf 100 μg. Das subjektive
Wohlbefinden sollte hier immer Vorrang haben vor der schnellen Normalisierung des bTSH.
Bei Überdosierung erfolgt häufig eine ‘Hyperthyreosis factitia’, d.h. künstlich erzeugte Symptome
einer Schilddrüsen-Überfunktion.
Allergien können auftreten (Durchfall etc.) durch Zusatzstoffe in L-Thyroxin-Präparaten.
L-Thyroxin wirkt diabetogen, das bedeutet, die Wirkung von Insulin wird abgeschwächt.
Die Wirkung von Antikoagulantien wird verstärkt (Quick-Kontrolle notig).
Das bTSH wird zwischen 0.5 – 1.5 mU/l im unteren Normalbereich eingestellt. Dies wird meist mit einer L-Thyroxindosis von 1.5 μg/kg Körpergewicht erreicht.
Bei bestehenden Knoten in der Schilddrüse wird ein Wert unter 1.0 mU/l angestrebt, um einer Entartung vorzubeugen.
Die gesamte Tagesdosis von L-Thyroxin muss morgens mindestens eine halbe Stunde vor der Mahlzeit nüchtern eingenommen werden. Es darf kein Kaffee dazu getrunken werden.
Eine Jod-Subtitution ist bei Hashimoto-Thyreoiditis nicht sinnvoll. Die Fähigkeit zur Jodaufnahme
ist bei AIT vermindert bis ganz aufgehoben und zudem verstärken höhere Joddosen den
Entzündungsprozess.
Ebenfalls sind Immunsuppressiva (Chemotherapeutika) und Stereoide (Cortison) nutzlos.
Kontraindikationen für L-Thyroxinsubstitution sind funktionelle Autonomie (durch Szintigramm
feststellbar) und Herzerkrankungen.
9. Therapie integrativ
Ein integrativer Therapieansatz berücksichtigt die Möglichkeiten verschiedener medizinischer
Disziplinen und Ansätze zum Wohle des Patienten. Ziel ist, eine individuell passende
Behandlung zu entwerfen, die ein Maximum an Heilwirkung bei einem Minimum an
Nebenwirkung und Medikamenten-Abhängigkeit zur Folge hat. Bei Autoimmunerkrankungen
haben sich in meiner Praxis die Anwendung folgender Therapierichtungen, als Mono- oder
Simultanbehandlung, als sehr hilfreich erwiesen: naturwissenschaftliche Medizin, klassische
Homöopathie, Phytotherapie, Psychotherapie / Selbsterfahrung. Unterschiedliche Menschen
werden von unterschiedlichen Richtungen angesprochen und erreicht. Folgende Schemata
haben sich als heilsam erwiesen, sind aber jederzeit zu verändern oder zu ergänzen, wenn
es Laborwerte, Ultraschalldiagnostik oder subjektives Befinden erfordern:
10. Behandlungs-Beispiel
Schulmedizin (organotrop):
Homöopathie (personotrop):
Auch wenn der Patient sich subjektiv wieder wohler fühlt, werden weiterhin jährlich die nötigen
Laborparameter bestimmt, die Schilddrüse mit Ultraschall untersucht und eine homöopathische
Anamnese durchgeführt, um die Dauerhaftigkeit der Heilung zu gewährleisten.
11. Aus der Praxis
Hashimoto-Thyreoiditis kann mit der sogenannten Schulmedizin nicht geheilt werden. Leider darf für viele Naturwissenschaftler nicht sein, was in ihrer Vorstellung nicht sein kann: Menschen, die von dieser Autoimmunerkrankung geheilt sind. Dass das auch anders laufen könnte, zeigt eine überlieferte Aussage Einsteins an Heisenberg: “Die Theorie bestimmt was wir beobachten können”. Das heißt viele Mediziner müssten ihre Theorien verändern, beginnend mit offenem Interesse statt einer häufig anzutreffenden Ignoranz, gegenüber anderen Erfahrungswerten. Was bedeutet Heilung in diesem Zusammenhang? Wenn über einen Beobachtungszeitraum von mindestens einem Jahr der bTSH-Wert und die Hormonwerte im Normbereich sind, die Schilddrüse sich weder weiter verkleinert noch vergrößert und das subjektive Wohlbefinden in Ordnung ist, dann nenne ich das Heilung (die TPO-Antikörper sind meist Folge, nicht Ursache der Erkrankung und deren Werte sind nicht maßgeblich für den Heilungsprozeß). Diese Situation durfte ich mit Patienten in der Praxis Dutzende Male erleben (auch bei bTSH von 86 mU/l zu Beginn der Behandlung). Dies soll und darf kein Heilversprechen sein, sondern betroffenen Menschen Hoffnung geben auf ihrem oft schwierigen Weg.
Aufgrund der vielen Anfragen in der Praxis zum Thema Behandlung bei Hashimoto-Thyreoiditis, bitte ich Sie um folgendes: