Viele Frauen mit einer Hashimoto-Thyreoiditis fragen sich, ob eine Schwangerschaft möglich ist – und wenn ja, welche Besonderheiten sie beachten müssen. Die gute Nachricht vorweg: Eine Hashimoto-Erkrankung schließt eine gesunde Schwangerschaft nicht aus. Dennoch braucht es gerade in dieser sensiblen Lebensphase besondere Aufmerksamkeit, regelmäßige Kontrollen und eine individuell abgestimmte Hormontherapie.
Inhaltsverzeichnis
Warum steigt der Hormonbedarf?
Schon zu Beginn der Schwangerschaft richtet sich die mütterliche Schilddrüse darauf ein, dass sie in den nächsten Monaten deutlich mehr Schilddrüsenhormone produzieren muss – auch, weil das Ungeborene zunächst mitversorgt werden muss. Erst ab dem 2. Trimenon kann die Schilddrüse des ungeborenen Kindes selbst Hormone bilden. Dementsprechend muss die Schilddrüse der Schwangeren einen Mehrbedarf an Schilddrüsenhormonen von fast 50 Prozent decken.
Aber auch die werdende Mutter selbst ist auf eine ausreichende Menge an Schilddrüsenhormonen angewiesen, damit die verschiedenen Stoffwechselvorgänge, die nun auf Hochtouren laufen, reibungslos ablaufen können und während der Schwangerschaft keine Komplikationen auftreten. Umso wichtiger ist es, eine Schilddrüsenunterfunktion der werdenden Mutter möglichst frühzeitig zu diagnostizieren und gegebenenfalls zu behandeln.
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Kann ich trotz Hashimoto schwanger werden?
Eine Autoimmunthyreoiditis ist kein Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch, allerdings sollten die Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4) bereits bei der Planung einer Schwangerschaft im Normbereich liegen. Denn es ist enorm wichtig, eine mütterliche Schilddrüsenunterfunktion während der Schwangerschaft zu vermeiden, andernfalls wird das Ungeborene nicht ausreichend mit Schilddrüsenhormonen versorgt – und dies kann seine körperliche und geistige Entwicklung erheblich beeinträchtigen. Zudem steigt das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt.
Wann ist eine Behandlung mit L-Thyroxin notwendig?
Inwieweit eine Behandlung mit L-Thyroxin zum Ausgleich des Mangels an Schilddrüsenhormonen notwendig ist, richtet sich vor allem danach, ob eine latente (subklinische) oder eine manifeste Form der Schilddrüsenunterfunktion vorliegt und ob spezielle Antikörper nachgewiesen wurden, die auf eine Hashimoto-Thyreoiditis schließen lassen.
TSH-Wert zwischen 2,5 und 4,0 mU/l
- Latente Schilddrüsenunterfunktion mit positivem Test auf TPO-Antikörper: Bei TSH-Werten zwischen 2,5 und 4,0 mU/l kann die Ärztin oder der Arzt Thyroxin zu verordnen, bei TSH-Werten über 4,0 mU/l ist eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen auf jeden Fall erforderlich.
TSH-Wert über 4,0 mU/l
- Latente Schilddrüsenunterfunktion mit negativem Test auf TPO-Antikörper: In diesem Fall wird in der Regel erst dann, wenn der TSH-Wert über 4,0 mU/l liegt, eine Behandlung mit Thyroxin erwogen.
TSH-Wert über 10,0 mU/l
- TSH-Werte über 10,0 mU/l sind immer behandlungsbedürftig, unabhängig davon, ob Antikörper nachweisbar sind bzw. die Schwangere Symptome verspürt oder nicht.
Warum fühlen sich viele Frauen mit Hashimoto in der Schwangerschaft besser?
Ist eine gute hormonelle Einstellung gewährleistet, fühlen sich viele Frauen während der Schwangerschaft mit einer Autoimmunthyreoiditis sogar deutlich besser. Dies geht nicht zuletzt auf den kontinuierlichen Anstieg des weiblichen Hormons Progesteron zurück.
Dennoch sollten die Schilddrüsenhormone regelmäßig, am besten alle vier bis sechs Wochen, kontrolliert werden, um eine Veränderung der Werte rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls therapeutisch gegensteuern zu können.
Welche Veränderungen treten nach der Geburt auf – und was ist beim Stillen zu beachten?
Nach der Entbindung kommt es bei der Mutter häufig zu einem Anstieg der spezifischen Antikörper einer Hashimoto-Thyreoiditis. Deshalb sind auch in den ersten sechs Monate nach der Geburt regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig. Mitunter werden im Blut des Neugeborenen TPO-Antikörper nachgewiesen, die über die Plazenta (Mutterkuchen) übertragen wurden. Diese werden in den ersten Lebensmonaten jedoch vollständig abgebaut.
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Weiterführende Artikel zum Thema:
- Hashimoto-Thyreoditis (Übersicht)
- Selbsttest Hashimoto
- Diagnose & Behandlung
- Hashimoto & Ernährung
- Hashimoto & Gewichtszunahme
- Erfahrungsbericht aus der Praxis: Wie mit der Diagnose Hashimoto umgehen?
Quellen:
G. Zetting, W. Buchinger Schilddrüse und Schwangerschaft in: Journal für Klinische Endokrinologie und Stoffwechsel (März 2009)
Sofia Gill et al.: Evaluating the progression to hypothyroidism in preconception euthyroid peroxidase antibody-positive women in: The Journal of clinical endocrinology and metabolism (September 2022)
Autoren:
Markus Breitenberger, Heilpraktiker und Homöopath. Seit über 25 Jahren behandelt er in eigener Praxis schwerpunktmäßig Menschen mit Autoimmunerkrankungen. Er ist Autor von “Hashimoto ganzheitlich behandeln” und “Autoimmunerkrankungen in den Griff bekommen” sowie zahlreicher medizinischer Fachartikel.
Dr. Nicole Schaenzler, Philologin und Medizinjournalistin. Leiterin der Redaktion eines Gesundheitsmagazins und Fachautorin zahlreicher Bücher zu medizinischen Themen.